Hat jemand die Praxiserfahrung mit kapillaraktiven Innendämmung?

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4 Antworten

Innendämmungen sollten immer kapillaraktiv ausgeführt werden. Die Kapillarität des Baustoffs sorgt für einen Wassertransport innerhalb des Baustoffs vom feuchteren Bereichen zu den trockeneren Bereichen (Feuchteausgleich). In den kapillaraktiven Baustoffen liegt ein großer Teil der Feuchte in Form flüssigen Wassers in den Poren und Kapillaren vor. Dieses "eingeschlossene" Wasser braucht Energiezufuhr, um wieder in die dampffärmige Phase zu gelangen. In der Regel gibt es diese Energiezufuhr im Baustoff nicht, sondern nur an der Oberfläche durch Wärmeeintrag. Sonneneinstrahlung auf die Fassade sorgt dort für Wärmeentstehung auf der Oberfläche. Dadurch verdampft dort flüssiges Wasser aus den Poren und Kapillaren des Baustoffs. Da es dort trockener wird, wird zeitnah Feuchte in flüssiger Form durch die Kapillaren aus tiefer liegenden Schichten des Baustoffs nachgeführt (Feuchteausgleich) und kann an der Oberfläche verdampfen. Die Entfeuchtung kapillaraktiver Baustoffe funktioniert zu 99,9% auf dem kapillaren wege und nur zu 0,1% auf dem Wege der Wasserdampfdiffusion. Deshalb ist es für die dauerhafte Trockenheit von entscheidener Bedeutung, dass die Baustoffe kapillaraktiv sind.

Mein altes Haus hat leider nur 30er Mauerwek bekommen (12cm Stein - 6cm Luft - 12cm Stein). Aus diesem Grunde gab es eine "Innendämmung" aus 10cm Ytong zzgl. 2cm mineralischem Verputz. Insgesamt kam ich nun so auf eine Mauerwerksstärke incl. der Putzschichten von ca. 45cm. Unterschidliche Schichten in der Aussenwand bringen unter Umständen Kondensatprobleme mit sich, wenn die Luftfeuchte an der Oberfläche der Wand innen hoch ist und die Fassadenoberfläche kalt ist. Entgegen vieler Meinungen ist die Raumluftfeuchte nicht so sehr entscheidend, sondern nur die Feuchte direkt auf der Wandoberfläche! Da gibt es einen Zusammenhang, den man beeinflussen kann. Durch Feuchtewanderung innerhalb der Wand und der dortigen Auskühlung durch den Temperaturabfall kann es zu Kondensatproblemen kommen, vor allem, wenn der Temperaturabfall in den ersten Zentimetern (innen) relativ stark ist (durch Innendämmungen), die Feuchte aber beständig in die Wand eindringen kann. Bei Mineralwolledämmungen (z.B. im Dachgeschoßausbau) wird innenseitig eine Folie angebracht, um das Einwandern von Raumluftfeuchte in den Dämmstoff zu verhindern. In der Praxis gab es trotzdem Probleme mit Kondensatbildung, deshalb wird heutzutage eine Membranfolie/intelligente Folie/diffusionsoffene Folie angebracht, die die Rücktrocknung von eventuellem Kondensat in den Innenraum begünstigen soll.

Die kapillaraktive Innendämmung kann durch ein warme innere Oberfläche sehr gut vor eindringender Raumluftfeuchte geschützt werden (alle anderen Wandoberflächen übrigens auch). Erwärmt sich Raumluft an einer warmen Wandoberfläche, so steigt in der Luft das Wasserdampfaufnahmevermögen und die rel. Luftfeuchtigkeit sinkt. Dadurch wird die Luftfeuchtigkeit nun direkt vor der Wandoberfläche geringer und die Wand wird nicht mehr befeuchtet, sondern entfeuchtet. Da der Taupunkt in der Wand nicht nur temperatur-, sondern auch feuchteabhängig ist, wird dieser mit dem verringerten Feuchteeintrag von innen weiter nach außen verlagert. Da die massive und wärmespeicherfähige Fassade auch die Tageswärme einspeichert und diese in der Nacht wieder an die Umwelt abgibt, ist auch aussen die Fassade durch eine Temperatur über dem Taupunkt vor Tauwasser geschützt. Die massiv gemauerte und unbeheizte alte Friedhofsmauer zeigt auch keine Kondensat-/Algenprobleme im Gegensatz zu den hochwärmegedämmten Fassaden der beheizten Wohnhäuser, die nachts sehr oft wegen der fehlenden Tageswärmeeinspeicherung unter den Taupunkt rutschen.

Meine "Ytong-Innendämmung" wird durch ein Heizsystem mit hydraulischen Heizleisten (mal googeln!) vor der Befeuchtung durch Raumluftfeuchte geschützt. Ein dünner Warmluftschleier der Heizleiste vor der inneren Wandoberfläche der Aussenwand erwärmt die Wandoberfläche leicht über die Raumlufttemperatur. Die Wandoberfläche emittiert Wärmestrahlung und wird sozusagen selbst zum "Heizkörper". Dadurch wird der Raum mit viel Wärmestrahlung beheizt, was gleichmäßig warme Oberflächen schafft. Kalte Aussenwandflächen, die oft Raumluftkondensat ziehen, gibt es selbst im tiefsten Winter nicht mehr. Die Wände trocknen aus und bekommen damit wieder einen sehr guten Dämmwert. Die rel. Raumluftfeuchte liegt - auch durch die trockenen Wände bedingt - im Winter bei mir bei unter 25%. Direkt an der warmen Wandoberfläche wird die rel. Luftfeuchte noch geringer sein. Diese Daten dürften Tauwasserprobleme im Wandaufbau ausschließen.

Durch das Raumklima mit viel Wärmestrahlung gibt es bei mir nur noch Temperaturdifferenzen von max. 3°C (Decke - Fußboden), was temperaturbedingte Luftbewegungen stark verringert und somit sich der Staub, Pollen etc. auf dem Boden absetzen kann. Die Atemwege des Menschen werden vor Staubbelastung geschützt, die Luft fühlt sich dadurchtrotz geringer Luftfeuchte-nicht "zu trocken" an.

Bitte- bitte NUR eine Fa. nehmen, die einen AUSGEBILDETEN INJEKTIONS-TECHNIKER  beschäftigt. Sonst gibt es mehr Schaden als Wirkung. Die meisten DÜRFEN GAR NICHT SOLCHE ARBEITEN durchführen. Wie:Malerbetriebe, u.v.m.  Das ist lt. I.H.K. illegal. Können also bei Schäden v. Kunden NICHT belangt werden. Da hilft dann nur Anzeige bei der I.H.K. o. Ind. und  Handwerkskammer. ICH WEIß WOVON ICH REDE!!!  Viel Glück 

pharao1961 19.10.2016, 13:16

JEDER, der irgendetwas ausführt, kann belangt werden. Sogar Schwarzarbeiter - das wissen nur viele nicht...

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Syrett - siehe meine Antwort darauf - in der 2. Reihe. Dann habenSie alles beantwortet bekommen. Kurz und bündig 

Ich bin mir nicht sicher, ob die Kapillaraktivität so von entscheidender Bedeutung ist, da eine Lüftung durch die Wände hindurch noch nie funktioniert hat (Wände müssen NICHT atmen!). Vielmehr erscheint es mir als kritisch, dass der Taupunkt einer Innendämmung sich mehr ins Wandinnere verlagert. Ich persönlich bin gegen jede Art von Innendämmung wenn nicht gleichzeitig eine dezentrale Lüftungsanlage (Wohnraumlüftung) eingebaut wird.

syrett 27.08.2015, 16:38

Das weicht groß von der erwarteten Wirkung ab.Aber für Altau ist kapillaraktive Innendämmung doch die besten Lösung oder?Ich schreibe jetzt eine Aufgabe über kapillaraktive Innendämmung. Die Theorie, Vorteile und Nachteile habe ich geschieben. Haben Sie die praktische Durchführungserfahrung oder Anwendungserfahrung darüber?

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pharao1961 28.08.2015, 08:19
@syrett

Was soll denn die kapillare Innendämmung großartig bewirken? Die Feuchtigkeit nach aussen leiten??? Funktioniert so nicht; jedenfalls nicht effektiv genug. Richtige Lüftung erfolgt mechanisch durch die Fenster oder bequemer durch Lüftungsanlage (mit Wärmerückgewinnung). Erfahrung hierüber habe ich.

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Onki73 13.09.2015, 18:10
@pharao1961

Feuchte in Form vom Wasserdampf wandert vom höheren Dampfdruckgefälle zum niedrigeren, also in der Regel von Innen nach Aussen. Dafür braucht man Diffussionsoffenheit.

Kondensiert die Feuchte im Bauteil, so liegt flüssiges Wasser vor, was kapillar geleitet wird. Dafür bedarf es der Kapillarität von Baustoffen und einer kapillaraktiven Innendämmung, denn an der inneren Wandoberfläche liegt im Winterhalbjahr (nur zu dieser Zeit kann es zu Kondensat im Mauerwerk kommen) die höhere Temperatur an und dort kann das flüssige Wasser unter Wärmeeintrag abdampfen, um sich dann ggf. wieder in Dampfform durch das Mauerwerk in Richtung des geringeren Dampfdrucks zu bewegen.

Die Entfeuchtung kapillaraktiver Materialien erfolgt zu 99,9% auf dem kapillaren Wege. Entsteht am Taupunkt flüssiges Wasser in nur diffusionsoffenen Materialien (z.B. Mineralwolle), so sieht es mit der zeitnahen Entfeuchtung sehr schlecht aus. Aufgefeuchtete Dämmwolle im Dach wird regelmäßig ausgetauscht, weil ein Trocknen unwirtschaftlich ist.

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77helga 19.10.2016, 13:07
@pharao1961

Richtig!!!! DAS SAGT EIN BAUSANIERUNG UND INJEKTIONS-TECHNIKER MEISTER mit 36 j. Erfahrung :  auch im Abdichten von gefüllter Talsperre u. Bahnbrücken

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