Hat es Otto von Bismarck verdient einer der bekanntesten deutschen zu sein und wenn ja warum?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Zuerst einmal: Bismarck ist immer noch "einer der bekanntesten deutschen"! Ob es in Zukunft so bleiben wird, sei dahingestellt.

Hat er es "verdient", immer noch bekannt zu sein? Gewiss, warum denn nicht? Man muss ihn aus seiner Zeit heraus beurteilen. Bismarck wollte die Macht Preußens und seines Monarchen in Deutschland auf Kosten Österreich-Ungarns stärken. Das ist ihm gelungen.

Es ist ihm darüber hinaus gelungen, Preußen zum Mittelpunkt einer erneuten deutschen "Reichsbildung" zu machen und seinem König eine Kaiserwürde zu verschaffen, die ihm Gleichberechtigung mit den Kaiserreichen Russland, Österreich-Ungarn, des Osmanenstaates und später England-Indiens verschaffte.

Noch heute schwärmen Bewunderer des Nationalstaatskonzeptes von Bismarcks angeblicher "deutscher Nationalstaatsgründung", aber das war nicht seine vorrangige Absicht, sondern die Dominanz Preußens in Deutschland abzusichern. Das gelang durch die Bildung des deutschen Kaiserreiches, in dem ohne Preußen nichts funktionieren konnte. Schon Zeitgenossen Bismarcks allerdings beklagten die "unvollendete deutsche Nationalstaatsbildung", denn Österreich und andere deutschsprachige Gebiete blieben außen vor! Dieses bismarcksche Erbe beklagen extreme Nationalisten auch noch in der heutigen Zeit.

Mit Bismarck wird eine umfangreiche, damals vorbildliche Sozialgesetzgebung verbunden, die bis heute fortentwickelt worden ist. Bismarck ist durchaus für seine Urheberschaft zu loben, weil sie auch einer humanitären Gesinnung und patriarchalischen Fürsorgepflicht des Staates für seine Untertanen entsprang und bis heute ihre Wirkung entfaltet. Man darf allerdings nicht vergessen, dass die Sozialgesetzgebung von Bismarck in erster Linie als antidemokratisches politisches Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie gedacht war, um ihre Anhänger abspenstig zu machen und sie näher an den Staat zu binden.

Misslungen aber sind Bismarck besonders zwei Dinge, die die weitere Geschichte des Kaiserreiches sehr belastet haben:

  • seine Außenpolitik war sehr kompliziert, widersprüchlich und gerade gegenüber Frankreich immer auf Konflikt, nie auf Ausgleich und Konsens ausgerichtet, womit Bismarck seinen Nachfolgern eine schwere Hypothek auferlegte, an der sie gescheitert sind;
  • seine auf ihn abgestimmte Verfassung, die weitreichenden Befugnisse des Kaisers, die keine Vorkehrungen gegen einen unfähigen Monarchen vorsahen, und die antidemokratische Ausrichtung der Verfassung waren ebenfalls eine Hypothek, mit denen ein Monarch wie Wilhelm II. und Bismarcks Nachfolger nicht zum Wohle Deutschlands umzugehen verstanden.

Fazit: Bismarck war ein bedeutender Politiker des 19. Jahrhunderts und ist eine bedeutende - keineswegs die bedeutendste! - Gestalt der deutschen Geschichte. Er hat bemerkenswerte Leistungen vollbracht, aber auch viele Fehler gemacht, die sich negativ auf die weitere Geschichte des Kaiserreiches sowie Deutschlands ausgewirkt haben - dafür aber kann man Bismarck nicht in die direkte Verantwortung nehmen. Insgesamt hat er durchaus verdient, dass sich historisch gebildete Menschen an ihn erinnern.

MfG

Arnold



Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja, weil er einzelne Mini- Fürstentümer und Kleinstaaten zu einem großen Reich vereint hat. Zu der Zeit war das eine große Kunst. Niemand wollte Macht abgeben geschweige denn verlieren. Zusätzlich hat er die Rolle als eine Großmacht des späteren Reiches in Mitteleuropa durch die drei Einigungskriege eingeleutet bzw. angefangen. Der Grundstein war gelegt, und für Stabilität war gesorgt :)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

ich denke, dass er es allein durch die Tatsache, dass er die Sozialversicherung eingeführt hat verdient hat, einer der "bekanntesten Deutschen" zu sein. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja, aber nicht nur deshalb, weil er die Reichseinigung vorangetrieben hat, sondern auch seine rationale und realpolitische Herangehensweise (in der Außenpolitik).
Ich denke auch aus liberal-demokratischer Sicht ein Mann, der es verdient hat, gewürdigt zu werden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?