Hat es jemals ein absolutes Nichts gegeben?

12 Antworten

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Lieber darkdragon1012,

bißchen gemein, deine Frage. Aus welcher Richtung näherst du dich ihr: philosophisch, physikalisch, religiös?

Im philosophischen Sinne setzt jedes zeitlich begrenzte Sein eine Nichtexistenz davor und danach voraus. Entscheidend sind hier die Rahmenbedingungen, die dieses Sein ermöglichen und eventuell sogar erzwingen. Im Zirkelschluß gibt es also für ein zeitlich unbegrenztes Sein keine entsprechende Nichtexistenz. Außerhalb eines zeitlichen Rahmens, also einer definierten Ablauffolge, verliert diese Frage ihren Sinn - die Begriffe "davor" und "danach" sind nicht mehr anwendbar.

Im physikalischen Sinne ist eine Klärung nur bedingt im Rahmen unseres Universum und indirekt durch Rückschlüsse auf die Zeit davor möglich. Heisenberg und Schrödinger sagen uns, daß eine absolute Aussage über den Energieinhalt eines Raumes zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht möglich ist. Wenn man also Energie und alle ihre Spielarten wie Felder und Teilchen in den Seinsbegriff mit einbezieht, gab es nie eine Zeit des Nichtseins, solange unser Universum existierte. Rückschlüsse auf die Zeit davor sind immer problematisch - die Existenz der Kausalkette macht unser Universum kausal. Verlassen wir Ursache und Wirkung, weil wir aus der Zeit heraustreten, werden unsere Werkzeuge der Erkenntnis stumpf. Der Begriff Sein muß dann anders definiert werden - und darüber wird noch heftig gestritten.

Religiös mündet deine Frage in ein wahres Delta von Folgefragen: Setzt du der Existenz einen Gott/mehrere Götter voraus? Beziehst du sie/ihn in deine Vorstellung des Seins mit ein? Sind sie/ist er ewig? Dann wären wir wieder bei der Nichtigkeit der Begriffe „davor“ und „danach“. Sind sie/ist er nicht Teil deines Seinsbegriffes, beginnt es mit dem Moment der Schöpfung. Ist er/ sind sie nicht ewig, hast du die Frage nur verlagert...

Du siehst, daß deine Frage sehr eng an den Zeitbegriff oder auch die Kausalkette gebunden ist. Eine Existenz, in der Ursache und Wirkung nicht verknüpft sind, ist für uns schwer vorstellbar und kaum erklärlich. Dabei gibt es nicht wenige Dinge, die der Kausalität nicht unterliegen. Physiker und Religionswissenschaftler haben Begriffe geprägt, mit denen sie den Rahmen der Zeit wenigstens theoretisch verlassen können: Gott und Energie. Beides ist keinesfalls dasselbe, hat aber Ähnlichkeiten: unzerstörbar, nicht zu erschaffen, wandelbar, Vorbedingung unserer Existenz, allgegenwärtig usw. Diesen Begriffen eigen ist, daß man sie nicht beweisen kann: über Gottesbeweise kann man höchstens streiten, und Energie kann nur indirekt gemessen werden, was voraussetzt, daß die vorhandene Energie mit dem Meßgerät interagiert. Da dieses aber als Bestandteil des kausalen Universums der Zeit unterworfen ist, ist auch eine Messung nie ein echter Beweis. Wir arbeiten mit Näherungen und versuchen philosophisch, daraus die Wahrheit zu interpolieren. Wir werden uns ihr also immer weiter annähern. Deshalb sollten wir in Religion und Physik die notwendige Geduld aufbringen und in der Philosophie die notwendige Vorsicht walten lassen. Wir neigen nämlich zu absoluten Schlüssen – zu denen wir jedoch nur äußerst selten berechtigt sind...

LG andisazi

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Eine unglaublich interessante und aufschlussreiche Antwort – hat den Stern mehr als verdient!
Danke auch an alle anderen, die geantwortet haben!

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Physikalisch betrachtet gibt es kein Nichts denn selbst im absoluten Vakuum werden ständig virtuelle Teilchen erzeugt und vernichtet. Philosophisch gesehen kann es gar kein nichts geben denn das Merkmal des Nichts ist ja gerade seine nicht-Existenz, es kann also gar nicht existieren. Mit anderen Worten: es gibt kein Nichts und gab es auch niemals, es ist aber schon vieles abhanden gekommen was dann eine Lücke hinterlassen hat die sich aber schnell wieder mit einer Nicht-Lücke gefüllt hat.

Dazu gibt es keine Antwort, weil sich diese Frage auf Kants WELT AN SICH bezieht und wir wissenschaftlich aus der Erfahrung heraus nur Fragen in der Teilwelt unserer Erfahrung beantworten können.

Zu dieser metaphysischen Frage gibt es nur Setzungen. Setzungen der religiösen Überzeugung, dass z.B. ein Göttliches ewig ist und in seiner unendlichen Kraft unsere Realität aus sich selbst geschaffen hat (das bedeutet eigentlich nicht, dass er sie nicht aus dem Nichts geschaffen hat, denn wenn das Göttliche selbst nicht ewig ist, wer hat es dann geschaffen?). Eine andere Setzung liegt der empirischen Welterklärung von Epikur zugrunde, der gestützt auf Parmenides und Heraklit das Sein selbst als ewig und in ewiger Wandlung begreift. Raum und Zeit und Kausalität sind Betrachtungsformen von Bewusstsein, das selbst in diese Wandlung eingebunden ist und so nur Ausdruck ihres So-Seins. Die WELT AN SICH (Kant) oder das UMFASSENDE GANZE (Jaspers) sind ohne Zeit und Raum und die Frage von DAVOR und DANACH stellt sich nur im Wandel als Charakteristikum des Wandels.

Epikur würde allerdings sagen, dass es nur darauf ankommt, dass man eine ausreichende Erklärung dafür hat, dass unser Menschensein auf dieser Erde von dieser Erde ist und keiner höheren Begründung bedarf. Wenn aber die Bedingungen unseres Menschseins ein Teil der Evolution, der biologischen, aber auch der kulturellen und politischen sind, dann macht es Sinn, sich eher mehr Gedanken darüber zu machen, wie wir heute sinnvoll unser Zusammenleben unter Beachtung der wesentlichen Aspekte (politisch, soziologisch, kulturell, wirtschaftlich, psychisch, privat) gestalten. Hier schaffen und gestalten wir ständig neue Formen und Strukturen, wenn auch nicht aus dem Nichts, doch in immer wieder in neuer Abwandlung des Seienden.

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