Hat die Krankenkasse schweigepflicht meinen Eltern gegenüber?

10 Antworten

Hallöchen!

Erst mal spricht man bei dir hoffentlich noch  nicht von einer Abtreibung, sondern von einem Schwangerschaftsabbruch. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche handelt es sich noch um einen Abbruch, da das Embryo noch nicht voll ausgebildet ist oder so. In welcher Woche bist du?

Wenn du noch unter der 12. SSW bist:

Es gibt nun mehrere Schritte für dich zu tun:

- erstens die Schwangerschaft bei einem Frauenarzt feststellen lassen

-zu einer Beratungsstelle gehen (profamilia, Caritas, Diakonie, Schwangerschaftsberatung) um dich beraten zu lassen. Dies ist PFLICHT und du bekommst hier eine Bescheinigung dass du dich beraten lassen hast.

-du musst nach diesem Termin drei Tage lang warten als Überlegungszeit und dann kannst du einen Termin beim Frauenarzt wahrnehmen zum Schwangerschaftsabbruch

--> Rufe deine Krankenkasse an und frage nach der Kostenübernahme für einen Schwangerschaftsabbruch. Du bist vermutlich noch Schülerin oder hast sehr geringes Einkommen, weswegen die Kosten übernommen werden. Normalerweise dürften deine Eltern nichts davon mitbekommen.

--> du gehst mit der Kostenübernahmebescheinigung der Krankenkasse und der Bescheinigung der Beratungsstelle zu deinem Arzt am Tag des Abbruchs.

Aus persönlicher Sicht empfehle ich dir aber, mit irgendjemandem darüber zu sprechen. Freundin, Freund, Eltern. Egal wer. Auch am Tag des Abbruchs muss dich jemand begleiten. Tu dir das nicht alleine an.


Erst mal spricht man bei dir hoffentlich noch  nicht von einer Abtreibung, sondern von einem Schwangerschaftsabbruch.

Was meinst du damit?

Die beiden Begriffe werden synonym verwendet.

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@isebise50

Stimmt, hast recht! Ärzte sprechen meist erst nach der 12 SSW von einer "Abtreibung" und vorher noch von einem Schwangerschaftsabbruch, ist aber eigentlich Jacke wie Hose. Schwangerschaftsabbruch hört sich vermutlich einfach weniger schlimm an...

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@Juliana91

"Schwangerschaftsabbruch" ist der offizielle (gesetzliche und ärztliche) Ausdruck. Und zwar unabhängig vom Stadium der Schwangerschaft.

Gefällt mir auch in der Umgangssprache besser. "Abtreibung" ist irgendwie so ein bisschen "schmuddelig" - historisch bedingt, weil das früher oft illegal in Hintertreppen-Zimmern gemacht wurde. Es wurde damals zwischen illegalen Abtreibungen und ärztlich vorgenommenen legalen Schwangerschaftsabbrüchen unterschieden.

Übrigens müsste es korrekt heissen: 14. Schwangerschaftswoche (SSW). In Deutschland ist der Abbruch auf Antrag der Frau (Beratungsregelung) bis Ende 14. SSW (=12 Wochen ab Empfängnis) zulässig. Danach ist der Schwangerschaftsabbruch nur noch aus medizinischen Gründen erlaubt.

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Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch werden im Normalfall nicht von der Krankenkasse übernommen.

Da du aber wahrscheinlich über kein Einkommen verfügst, kannst du einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Die Kosten werden von dem Bundesland, in dem du lebst, übernommen.

Den Antrag musst du jedoch bei deiner Krankenkasse stellen und deine persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse "glaubhaft machen".

Noch vor dem Abbruch musst du dir die Kostenübernahme schriftlich zusagen lassen. Die schriftliche Zusage benötigst du für den Arzt, der den Eingriff durchführen soll.

Das Einkommen deiner Eltern spielt dabei keine Rolle.

Deine Eltern werden von keiner Stelle informiert, wenn du das nicht willst und erhalten auch keine Abrechnung oder ähnliches.

Zunächst möchte ich dir aber raten, wenn dein Frauenarzt die Schwangerschaft bestätigt hat, zeitnah einen Termin für eine Schwangerschaftskonfliktberatung, z.B. bei der

http://www.profamilia.de/fachpersonal/beraterinnen/schwangerschaftsberatung.html

zu vereinbaren. Dieses Gespräch kannst und solltest du selbstverständlich auch ohne den erklärten Wunsch um eine Abtreibung nutzen. Zudem benötigst du den Beratungsschein für eine Abtreibung.

Dort erhälst du nützlichen, individuellen und unparteiischen Rat und Hilfe bei deiner Entscheidung, wie es denn nun weiter gehen soll.

Eine Schwangerschaftskonfliktberatung umfasst die Konfliktklärung hinsichtlich der emotionalen, seelischen, partnerschaftlichen und lebensplanerischen Aspekten von Elternschaft bzw. eines Schwangerschaftsabbruchs.

Sie gibt Informationen über staatliche und andere Sozialleistungen und Unterstützungen – Elterngeld, Kindergeld, Unterhalt, Wohngeld, existenzielle Leistungen. Du erhälst dort eine medizinische Aufklärung hinsichtlich eines operativen oder medikamentösen Eingriffs, eine Erläuterung der Rechtsgrundlage und bekommst die Kosten und Finanzierung eines Schwangerschaftsabbruchs erklärt.

In der Beratung kann auch der Vater des erwarteten Kindes und deine Eltern anwesend sein, wenn du das möchtest. Wenn du dich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidest, hast du das Recht auf umfassende Beratung, angemessene ärztliche Versorgung und respektvolle Behandlung.

Schau auch mal hier:

http://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Reihe_Koerper_und_Sexualtitaet/schwangerschaftsabbruch.pdf

Frauen unter 18 Jahre dürfen einen Schwangerschaftsabbruch auch ohne Wissen der Eltern bzw. Einwilligung durchführen lassen, wenn die nötige geistige Reife gegeben ist. Die nötige geistige Reife wird im Allgemeinen ab 16, teilweise schon ab 14 vorausgesetzt. Auch gegenüber den Eltern unterliegt der Arzt der Schweigepflicht.

Ich wünsche dir die Kraft, deine Entscheidung zu treffen, die für deine jetzige Lebenslage und Lebensplanung richtig ist und von Herzen alles Gute!


Eine ganz kleine Bemerkungen zu deiner guten Information: soviel ich weiss, kann der Antrag für Kostenübernahme bei IRGENDEINER Krankenkasse gestellt werden, muss nicht unbedingt die eigene (respektive diejenige der Eltern) sein.

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@annemarie37

Eine gute Anmerkung, über die ich niergendwo eine konkrete Aussage gefunden habe.

Auf den Seiten der jeweiligen Krankenkassen steht z.B. "stellen Sie bitte rechtzeitig vor der Durchführung der Behandlung einen Antrag bei Ihrer ..."

Auch wenn die Kasse die Kosten vom Land erstattet bekommt, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass sie den bürokratischen Aufwand für ein "Nichtmitglied" betreibt.

Anders sieht es natürlich aus, wenn die Frau gar nicht versichert ist.

Das "Ihre..." kann natürlich auch ein Werbeslogan sein...

annemarie37, hast du mal eine Quelle für mich?

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@isebise50

So, ich habe mich jetzt genau erkundigt. Mein Kommentar ist nicht ganz richtig:

  • Wenn die Frau - oder ihre Familie/Eltern - bei einer öffentlichen Krankenkasse versichert ist, muss sie sich an diese (also ihre Kasse) wenden betr. Kostenübernahme. Die Kasse ist aber der Schweigepflicht unterstellt. Das heisst die Eltern/der Ehemann werden nichts erfahren, denn die Abrechnung läuft nicht über diese, sondern zwischen Krankenkasse und Bundesland.
  • Wenn die Frau - oder ihre Familie/Eltern - bei einer privaten Krankenkasse versichert ist, muss sie sich an eine öffentliche Krankenkasse wenden.
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Hallo luisat

Du bist offenbar schwanger und zwar - falls überhaupt - ganz am Anfang einer Schwangerschaft. Da solltest du nicht von "Kind abtreiben" reden. Der Embryo ist da noch winzig klein und hat in den ersten Wochen noch überhaupt nicht menschliche Gestalt.

Du hast ja konkrete Informationen erhalten, wie du vorgehen musst (Arzt, Beratung, Krankenversicherung, damit das Bundesland die Kosten übernimmt).

Mit 16 kannst du einen Schwangerschaftsabbruch auch ohne Wissen deiner Eltern vornehmen lassen, wenn du wirklich meinst, du kannst unmöglich mit ihnen darüber reden. Die Beratungsstelle wird dich beraten und dich unterstützen. Du allein entscheidest.

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