Hat die Kirche etwas gegen Homosexualität?

22 Antworten

Hallo,

Zur Homosexualität steht einiges in der Bibel. Allerdings muss man alles, was in der Bibel steht, im historischen Kontext von damals sehen. Die Bibel wurde von Menschen geschrieben! Eine Ehe zwischen Homosexuellen wird nicht erwähnt, ebenso wenig wie eine liebevolle, gleichberechtigte Partnerschaft!! Bei den Stellen geht es ausschließlich um homosexuellen Geschlechtsverkehr:

  • Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel. (3. Mose 18,22)
  • Wenn jemand bei einem Manne schläft wie bei einer Frau, so haben sie beide getan, was ein Gräuel ist, und sollen des Todes sterben; ihre Blutschuld komme über sie. (3. Mose 20,13)
  • Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn bei ihnen haben Frauen den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Männer mit Männern Schande über sich gebracht und den Lohn für ihre Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen. (Römer 1,26-27)

Beziehungen und sexueller Verkehr waren immer ein Machtgefüge: Die Frau ordnete sich ihrem Mann unter. Schliefen allerdings zwei Männer miteinander, übernahm einer der beiden Männer in deren Augen ja automatisch die „Frauenrolle“, ordnete sich unter, was ein Tabu war.

Zudem wurde Homosexualität damals auch immer mit Tempelprostition der „heidnischen“ Völker in Verbindung gebracht, gegen die man sich auch abgrenzen wollte.

Das hat also mit unserem heutigen Verständnis von Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nichts zu tun.

Außerdem werden im Alten Testament so einige Sachen mit dem Tode bestraft (z.B. Arbeit am Samstag) oder wurden als falsch bezeichnet (z.B. sich einer Frau nähern, während diese ihre Menstruation hat), die heute völlig normal sind, im Gegenzug waren andere Sachen normal und erlaubt, die heute allgemein als nicht in Ordnung gelten (z.B. Sklaverei (sogar seine eigene Tochter durfte man als Sklavin verkaufen)).

Die schlimme Geschichte in 1. Mose 19 ("Sodom und Gomorrha") muss bei dieser Frage außer Acht bleiben. Denn hier geht es um Vergewaltigung von Männern! Wäre das ein Argument gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften, so wären biblische Erzählungen von der Vergewaltigung einer Frau auch ein Argument gegen heterosexuelle Beziehungen.

Und zu der Römerbrief-Stelle: Paulus verurteilt den Geschlechtsverkehr von Frauen und Frauen, Männern und Männern als "gegen die Natur". An anderer Stelle (1. Korinther 11,14) bietet Paulus das gleiche Argument gegen Männer auf, die das Haar lang wachsen lassen. Um "Natur" geht es da gewiss nicht. Haare wachsen bei Männern nicht weniger als bei Frauen und die Haartracht ist eine Frage von Kultur und Mode. Warum sollte der fragwürdige Naturbegriff des Paulus in der Homosexualitätsdebatte zum Urteilsgrund werden?

Und Jesus hat nie etwas zu Homosexualität gesagt! Es ist jedenfalls durch die Bibel nichts überliefert.

Und zu dem Argument, dass die Bibel die Ehe als eine Verbindung zwischen Mann und Frau bestimmt hat: Falsch. Die Bibel definiert die Ehe auch als ein-Mann-viele-Frauen oder ein-Mann-viele-Frauen-und-viele-Geliebte oder Vergewaltiger-und-Opfer oder Eroberer-und-Kriegsgefangene... Das würde ich jetzt auch nicht so als das beste Eheverständnis ansehen...

Wie heißt es so schön im 1. Thessalonicherbrief: "Prüft alles, und das Gute behaltet". Und Menschen zu verdammen, nur weil sie andere Menschen mit ganzem Herzen lieben, die aber leider das "falsche" Geschlecht haben, ist mMn nicht gut.

Was sagt nun die Kirche heute?

Von "der Kirche" gibt es keine einheitliche Meinung zu dem Thema.

Die römisch-katholischen Kirchen, die orthodoxen Kirchen, einige konservativere Kirchen der anglikanischen Gemeinschaft und die meisten evangelikalen und pfingstlerischen Freikirchen und Gemeinschaften sind der Meinung, gleichgeschlechtliche Sexualbeziehungen widersprächen dem Willen Gottes. Aber auch da gibt es inzwischen einiges an Diskussion - einige katholische Würdenträger verlangen z.B. Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare...

Eine Reihe protestantischer Kirchen, vorwiegend in westlichen Ländern, haben sich akzeptierend gegenüber Homosexualität positioniert.

In 16 von 20 deutschen evangelischen Landeskirchen werden homosexuelle Paare gesegnet. Das sind keine "normalen" Traugottesdienste, sondern eben Segnungen. Aber immerhin.

In drei der evangelischen Landeskirchen können auch Homosexuelle kirchlich heiraten (die Gottesdienste sind denen der Trauungen für Heteros gleichgestellt): Hessen-Nassau, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Rheinland. Wenn man auf dem Standesamt eine eingetragene Lebenspartnerschaft oder Ehe eingegangen und dort in der Kirche ist, dann kann man in einer evangelischen Kirche heiraten.

In der EKBO (Evangelische Kirche Berlin Brandenburg Schlesische Oberlausitz) wurde im Juli 2016 die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren mit dem Traugottesdienst gleichgestellt und theologisch begründet.

Ein paar grundlegende Punkte sind:

  • Die Schöpfungserzählungen und entsprechende Verweise auf die Schöpfungserzählungen bieten den Spielraum, in ihnen nicht allein eine exklusive Begründung der Partnerschaft zwischen Mann und Frau zu lesen.
  • Die Intention der Schöpfungserzählungen und der mit ihnen verbundenen Passagen kann nicht allein darin gesehen werden, die Geschlechterdichotomie darzustellen
  • Die Bibel (insbes. Paulus) kannte keine gleichberechtigte homosexuelle Beziehung in Verbindlichkeit, Treue und Partnerschaftlichkeit, aber sie kannte im Umfeld eine zum Teil in der Kulturpraxis zum Teil im gesellschaftlichen Establishment verankerte sexuelle Freizügigkeit, gegen die sie sich abgrenzte
  • Die Bibel stellt die Liebe in den Mittelpunkt - und Gott ist die Liebe

Und: Wenn jetzt, wie das Verfassungsgericht gefordert hat, ein drittes Geschlecht eingeführt wird, wird das ganze ja noch mal komplizierter. Dann kann nämlich ein Mann mit einer Frau, einem Mann oder einer Intersexuellen Person ohne Geschlechtszuordnung zusammen sein. Und wer darf dann wen heiraten und woher will man wissen, dass die Person, die da vor einem sitzt und wie ein Mann aussieht, wirklich ein Mann ist und nicht eine intersexuelle Person. Inwieweit hat die Kirche dann die Kompetenz, zu entscheiden, ob und wen diese Person heiraten darf?

Und ich finde das gar nicht opportunistisch, heuchlerisch oder lächerlich. Die Bibel wurde von Menschen geschrieben. Sie erzählt von Erfahrungen von Menschen mit Gott. Diese Menschen haben in einer gewissen Zeit und einem bestimmten Kulturkreis gelebt. Heute machen Menschen neue Erfahrungen, mit Gott und der Welt. Das muss man bedenken.

Liebe Grüße :)

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Schöner Kommentar, gut und fundiert. Dazu kurz noch eine Anmerkung. Gibt im AT eine Stelle - Lots Töchter, die machten ihren Vater betrunken und missbrauchten ihn.. Wird in dieser biblischen Erzählung nicht bewertet, aber mit unseren heutigen Moralvorstellunten unvereinbar..So ändern sich die Zeiten...

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@Linuxaffiner

Stimmt nur nich. Hier wird nich nach der Meinung der Menschen gefragt oder wer es für richtig hält, weil man ja mit der zeit gehen muss.
Wir haben einen Gott und der ist im AT genauso wie im NT, warum muss man sich da immer rausreden und mit der Zeit und der Meinung nichtswissender Menschen gehen? Gott gibt dem Mensch etwas vor, nicht der Mensch Gott...warum versteht das keiner?

Ich bitte euch mal Römer 1 ab Vers 18-32. Ab Vers 22-23: für weise ausgeben und Gottes Herrlichkeit verwandelt...Vers24: darum hat Gott sie gelassen in Unreinheit, weil sie Wahrheit Gottes in Unwahrheit verwandeln.
26/27: deswegen Frauen den natürliche Verkehr in unnatürlichen verwandelt...auch Männer mit Männer. 28: sie fanden es nicht gut Gott zu erkennen, deswegen hat Gott sie gelassen, diese Dinge zu tun.

Wer meint hier alles Gute, was Gott gegeben hat, zu verändern, nur weil Menschen, die Gott nichmal kennen, auslegen, dass es in Ordnung sei, vor Gott so etwas zu erlauben, der richtet sich nicht nach dem Wort seines Gottes, sondern nach seinem eigenen Wort.

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@HansBeckerSamu

Das Gottesbild im alten Testament ist das Gottesbild des Rachegottes..Im neuen Testament dagegen der Gott der Liebe..

Übrigens - das Zwangszölibat in der katholischen Kirche entspricht auch nicht dem Willen Gottes. Aber soll ich jetzt die katholischen Pfarrer verurteilen? So sehe ich das auch mit der Homosexualität.

Und es gibt auch bei den „normalen“ Menschen Sachen, die ich ablehne...

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@Linuxaffiner

Gott bleibt immer der selbe, nicht RacheGott und LiebeGott. Gott hat auch das Volk Isreal geliebt und es im Arm gehabt wie ein Vater sein Kind. Das stimmt einfach nicht, Gott bleibt immer gleich, auch im NT gibt es böse Stelle, nur die kommen nie in der Predigt vor, weil alle denken, die sind nicht wichtig.

Ich hab nicht gesagt, dass die katholische Kirche ein Vorbild ist, die machen genügend falsch, trotzdem sollte jeder auf seine fehler schauen, anstatt bei anderen Fehler aufzudecken.

Du sollst auch nicht auf Menschen schauen, die werden immer fehlerhaft sein, Gott und die Bibel lehrt eine Wahrheit, die letztendlich zum ewigen Leben führt, das wird dir kein Mensch geben können.
Jeder lebt für sich sein Glaubensleben vor Gott, deswegen erst sich retten, dann andere retten.

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Wow - ziemlich erschöpfende Darstellung, würde ich sagen. Vielen Dank!

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Ja, eine sehr gute Zusammenstellung, die der Toleranz viel Spielraum bietet. Besonders der Maßstab der Liebe ist auch meiner. Die Einführung eines dritten Geschlechts (Wie wird das objektiv definiert?) führt allerdings ins Chaos.

Ich gebe zu den gut begründeten Ausführungen aber eines zu bedenken: Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen, und nur ein Paar, das aus Mann und Frau besteht, kann zusammen in Liebe daraus ein Kind entstehen lassen. So ist es gemäß der Natur, mag man das heute relativieren wollen, wie man will.

Aus dieser Norm ergibt sich die Ehe zwischen Frau und Mann als etwas Besonderes, und deshalb würde ich den Ausdruck "Ehe" auch nur so einer Zweierbeziehung vorbehalten.

Damit soll keine andere Beziehung verurteilt werden, so wie mit einem Abweichen von der Norm, die durch das zahlenmäßig überwiegend Vorkommene rein statistisch festgelegt wird, keine negative Wertung verbunden ist. Da wird viel durcheinandergeworfen, indem jede Norm geleugnet und sogar abgelehnt wird.

Technik und Medizin werden in Zukunft auch andere Möglichkeiten eröffnen, Kinder in die Welt zu setzen. An der durch Gott vorgesehenen natürlichen Form aus der ehelichen Liebe zweier Menschen heraus wird das nichts ändern; kann aber pervertieren in Formen, die wir bereits im Roman "1984" vorgeführt bekommen.

Auf Randphänomene wie Mehrfachbeziehungen und beliebiges Paaren bei Naturvölkern gehe ich hier nicht ein.

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Du vergisst dass sich Gott nicht ändert! Die Kirche ist oft wie ein Kamälion.

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Röm1 26-32

26 Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen;

27 ebenso gaben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer treiben mit Männern Unzucht und erhalten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.

28 Und da sie es nicht für wert erachteten, sich gemäß ihrer Erkenntnis an Gott zu halten, lieferte Gott sie einem haltlosen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört:

29 Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden

30 und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern,

31 sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen.

32 Sie erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt: Wer so handelt, verdient den Tod. Trotzdem tun sie es nicht nur selbst, sondern stimmen bereitwillig auch denen zu, die so handeln.

Nach katholischem Verständnis besteht eine Ehe aus Mann und Frau[3][4], die gleichgeschlechtliche Ehe wird sowohl im kirchlichen Verständnis des Ehesakraments, aber auch als rein staatliche Zivilehe abgelehnt.[5][6] Gleichgeschlechtliche Partnerschaften gelten als ungeeignete Umgebung für die Erziehung von Kindern, Legalisierungsbestrebungen als schädlich für die Gesellschaft.[7]

7,21f. EU: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.“

Dieser Laster-Katalog nennt an erster Stelle „Unzucht“ (porneia). Der Ausdruck bezeichnete im Judentum damals alle Formen von Sexualverkehr außerhalb der normativen heterosexuellen Einehe und grenzte sich damit von griechisch-römischen Verhaltensweisen ab, darunter beiläufig auch von homosexuellem Verkehr.[64] Für konservative Exegeten belegt diese Stelle, dass Jesus die Toraverbote von Ehebruch, Inzest, Zoophilie und Homosexualität in Lev 18–23 bekräftigt habe, so dass sie im Christentum gültig geblieben seien. Er habe mit Mk 7,19 die Speise- und Zeremonialgesetze aufgehoben, aber in Mk 7,21–23 die moralischen Gebote wiederholt.[65]

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Quelle?

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Wikipedia!

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