Hat die Beziehung eine Zukunft? Dem Partner intellektuell überlegen?

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Dein Partner ist dir nicht zwingend intelktuell unterlegen. Er hat nur andere Sachen gelernt als du. Was du unter Diskutieren verstehst, ist vielleicht eine ganz spezielle Art der Diskusssion. Natürlich kennt sich jemand, der nicht studiert hat, mit typischen Aspekten des Studiums nicht aus (auch viele Studenten kennen Verbindungen eher aus dem Fernsehen). Und nicht jeder muss wissen, was Ökonomie heißt. Schau mal "Hör mal, wer da hämmert". Kennst du alle dort verwendete handwerklichen/ technischen Fachbegriffe?

Den einzigen Kritikpunkt sehe ich darin, dass dein Partner ungern diskutiert. Eine Lösung wäre evlt., dass du dir dafür einfach andere Ansprechpartner suchst und mit deinem Partner zusammen Aktivitäten unternimmst, die ihr beide gut findet und gleichermaßen beherrscht.

Lass den Oberlehrer! Erkläre, wenn er fragt, aber verbessere nicht ständig. Nicht jeder interessiert sich für Politik und selbst wenn, könnte sich einer für ganz andere Aspekte interessieren als der andere.

Man kann übrigens schon etwas ändern. Liest er gern, schaut er gern Videos? Dann hat er noch jede Menge Bildungschancen! Bücherei, Zeitschriften, Youtube, Blogs - es gibt viele Anlaufpunkte, wenn man sich bilden möchte. Man sagt, eine klassiche Bildung bekommt man oft nebenbei, wenn man regelmäßig Zeitung liest und hin und wieder etwas nachschlägt. Wir leben zwar im Internetzeitalter, aber vielleicht ist noch nicht jeder damit vertraut, automatisch bei Wikipedia etwas nachzuschlagen oder gar tiefergehend zu recherchieren. Das hat auch vielleicht nicht jeder gelernt!

Viele Menschen halten sich für dumm, weil sie Wissen aus bestimmten Bereichen nicht haben und das Gefühl haben, dies nie aufholen zu können. Klassiche Bereiche dafür wären:

Sprache,

Wirtschaft,

Politik,

Geschichte,

Literatur,

Kunst,

(Musik in geringem Umfang - heute hat nicht mehr jeder eine musikalische Grundbiludung, z.B. kennen sich wenige mit Opern oder musikalischen Fachbegriffen aus),

Geopgrafie,

Philosophie (heute auch oft weniger).

Andere Gebiete, auf denen man gebildet sein kann, die aber weniger zur klassichen Bildung gehören sind,

Umgang mit dem Internet,

Naturwissenschaften,

Medizin,

Werkzeugkunde,

handwerkliches Wissen (Fachbegriffe und wie repariert man was, wozu ist welches Werkzeug da, wie setzt man es sein usw.),

Automechanik (wichtig, aber von vielen als überflüssig angesehen),

Geologie,

Astronomie,

Paläontologie,

Mathematik!! (dort darf auch ein "gebildeter" Mensch nur einfachste Grundkenntnisse haben!),

Artenkenntnis,

und viele Gebiete, die unseren Alltag streifen, mit denen wir uns aber gar nicht oder nur marginal befassen. Die ganzen Kochshows haben vielen gezeigt, was sie alles nicht übers Kochen wissen. Genauso wissen wir oft wenig über Geschichte und wissenschaftliche Hintergründe der Wäschepflege, Haushaltsreinigung, Gartenarbeit/ Pflanzenbau usw. Wir haben einen Garten, waschen, putzen, wissen aber nicht, welche Pflanze welchen Dünger braucht und wann blüht und welche Pflanzen essbar sind (oft Unkräuter), wie früher Wäsche gewaschen und wie Waschmittel entwickelt wurden und wie die Färbemittel für unsere Wäsch hergestellt wurden, welche natürlichen Haushaltsreiniger es gibt, was alles in den gekauften Reinigern enthalten ist, was man eigentlich warum am besten für welche Reiningung verwendet usw.

Wir kennen auch in Literatur meist nur ein oder wenige Literaturen (z.B. deutsche, amerikansiche, russische). Chinesische oder peruanische Literaturgeschichte oder gar mündliche Überlieferungen kennen wir oft nicht. Viele Fachbegriffe aus Handwerk, Mechanik, Technik kennen wir oft nicht.

Mache dir mal klar, was du alles nicht weiß.

Überlege, worüber du mit deinen Freunden/ Familie diskutierst und worüber nicht.

Diskussion(sfreudigkeit) kann man auch Erwachsenen beibringen, indem man ihnen immer wieder offene Fragen stellt und sich einfach gemeinsam wundert. Warum ist das so? Wie siehst du das? Was denkst du darüber? Man fängt mit Alltagsgebieten an, über die jeder etwas sagen kann.

Ich habe übrigens gerade ein Buch einer Frau mit Collegeabschluss gelesen, in dem sie sich wundert, dass ihr Mann "so empathisch" ist, weil er darüber nachdenkt, warum ihn jemand an in der Schlange an der Kasse schneidet, während sie einfach über diese Person lästert. Das zeigt doch, dass Bildung nicht alles ist, man muss sich auch in andere hineinversetzen können/ wollen und sich deren Motive vorstellen können. Das ist ein guter Ansatzpunkt, um "denken bzw. diskutieren zu lernen". Warum macht der das? Warum macht der das so? Was könnte dahinter stecken. So wird man halt immer neugieriger.

Aber immer bedenken: Es gibt sehr viele Themen, an denen ihr beide uninteressiert seid und es auch bleiben werdet!

PS

Ich kenne einen gebildeten Mann, Uniabschluss, gute Karriere, der seit Ende der Schule keine Romane mehr gelesen hat. Das fand ich sehr ungewöhnlich und man könnte ihn in dem Bereich als ungebildet ansehen. Er ist aber mit seinem Leben völlig zufrieden und die fehlende Kenntnis moderner und älterer Literatur stört weder ihn noch sein Umfeld. Ich persönlich kann mir gar nicht vorstellen, freiwillig nie einen Roman zu lesen.

Wow. Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Generell bin ich beeindruckt von den vielen und vielfältigen Antworten. Ich hab nun einiges zum nachdenken.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

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Wo ist das Problem?

"...er ist absolut ehrlich, freundlich, liebt mich und ich kann mich absolut auf ihn verlassen. Das sind für mich die wichtigsten Punkte warum ich mich auf die Beziehung eingelassen habe, da das sonst immer bei allen anderen Typen vor ihm fehlte. "

Es ist deine Entscheidung, lieber einen Ar... mit Doktortitel, der dir wiederum analytisch genau nachweist, dass DU ihm interlektuell nicht das Wasser reichen kannst..... oder deinen Freund.

Dein Freund kann auch mit deiner Unterstützung seine interlektuellen Fertigkeiten ausbauen, den sc... suboptimalen Charakter eines "studierten" kannst du nicht überarbeiten oder verbessern.

Hey:)
Also erstmal kann ich dich voll und ganz verstehen. Ich (momentan Single) habe genau diese Diskussion neulich mit meiner Mama geführt, weil ich meinte, ich kann mich trotzdem, dass echt viele meiner Bekanntschaften echt nett und lieb und aufrichtig sind nicht auf eine Beziehung einlassen, wenn ich das Gefühl habe, ihre Denkweise sei meiner... ich sag mal „unterlegen“ wobei das vielleicht nicht ganz passt, da diese Personen sich eben in anderen Bereichen sehr gut auskennen, von denen ich dann keine Ahnung habe, wie zum Beispiel das Handwerk. Meine Mama fand das auch nicht besonders nett.  Aber das ist dann absolut nicht böse gemeint. Ich bin mit vielen Leuten befreundet, die auch nicht sehr gebildet sind, weil ich sie gerne habe und ab und zu echt gerne meine Zeit mit ihnen verbringe. Ich könnte mir nur nicht vorstellen, in 50 Jahren noch mit ihnen zusammen zu leben und mit ihnen draußen auf der Terrasse zu sitzen und zu reden. Ich möchte mit jemandem über Gott und die Welt philosophieren, über Politik und das Universum reden, die Sterne anschauen und so weiter. Und das kann ich mit eben diesen Menschen nicht weil die, die ich kenne einfach nichts mit diesen Themen anfangen können. Und dann hat es nicht einmal besonders viel mit Intelligenz zu tun, sondern damit, dass wir nicht ganz auf einer Wellenlänge sind.... für mich macht es einfach wenig Sinn, eine Beziehung einzugehen, wenn ich weiß, ich werde niemals mit ihm alt und glücklich sein/werden.

So viel zum Thema. Was du machen sollst kann ich dir leider nicht sagen, aber vielleicht fühlst du dich jetzt weniger alleine.🙈 Du musst dir halt überlegen, wie sehr dich das stört und ob du trotzdem gut mit ihm reden kannst. Vielleicht lernt er durch dich ja auch einiges Neues und eignet sich selber noch Wissen an um sich mit dir unterhalten zu können. Du kannst mit ihm auch Dokus oder ähnliches anschauen um ihm da weiter zu helfen. Wenn du ihn wirklich liebst dann wird das schon. Wenn du aber merkst, du magst ihn zwar, liebst ihn aber nicht wirklich sondern genießt nur, dass er dich liebt, dann wird das ganze schwierig...

Alles Liebe, Secretly

Deine Haltung ist auch ein ganz kleines bisschen arrgant. Hast du mal "Die Eleganz des Igels" gelesen? Madame Michel?!

Man kann sich doch heute intelektuellen Austausch suchen! Man macht MOOCs, geht in spezielle Foren (mit Forentreffen), macht Kurse vor Ort. Und dann trifft man seine Freunde und redet halt nicht über Astrophysik oder Muriel Barberie, sondern über die nächste Grillparty und die Schwangerschaft der Nachbarin. Das müsste doch auch möglich sein? Damit ist man ja nicht komplett von Diskussionen abgeschnitten!

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„Die ihn an mich stören könnten“ =]

Ich denke, einer der Grundbausteine einer gesunden Beziehung ist Respekt.

Und es hört sich für mich so an als würdest du langsam aber sicher den Respekt vor deinem Freund verlieren. Wenn das geschieht, kann das nicht sonderlich gut laufen.

Entweder du lernst ihn für die Dinge zu respektieren die er tatsächlich „drauf hat“, oder halt nicht.

Intelligenz hat ja nichts mit Bildung zu tun. Street Smart und soziale Intelligenz hat ja absolut Existenzberechtigung und ist im täglichen Leben oftmals wichtiger als spezielles Buchwissen über Ökonomische Mechnismen ;-)

Und die Fähigkeit ein Auto zu reparieren ist nützlicher als theoretisches Wissen über die Funktionsweise von Atomwaffen, Beispielsweise.

An mir natürlich :D Danke für den Hinweis.
Nein es geht auch nicht um Intelligenz. Er ist nicht weniger intelligent, sondern einfach weniger/anders gebildet :)
Danke für deine Antwort. Ich werde meine Gefühle noch genauer beobachten und einige Zeit nachdenken.

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Naja, ganz ehrlich...wenn ich deine Frage lese, dann kommst du doch schon zum Teil ziemlich eingebildet rüber.

"Das sind für mich die wichtigsten Punkte warum ich mich auf die Beziehung eingelassen habe...."

Sorry, aber das klingt alles so sachlich nüchtern und irgendwie kalt. Du hast dich darauf "eingelassen", das klingt als hättest du ihm eine Gnade erwiesen. Ich weiß auch nicht wie ich es beschreiben soll.

Entscheidend ist ob du ihn liebst oder nicht nicht. Das ist das Einzige was zählt! Und jemanden zu lieben heißt, ihn trotz seiner Ecken und Kanten und trotz seiner Fehler und Schwächen zu lieben.

Du konzentrierst dich meiner Meinung nach zu sehr auf all die Dinge die er nicht kann oder nicht hat. Wie bei einem Auto das keine Sitzheizung und keine Rückfahrkamera hat. Trotzdem hast du ein Auto und darüber kannst und solltest du doch erst Mal froh sein.

Es kommt bei mir so an, als würdest du dich nur auf die "negativen" Aspekte konzentrieren. Du vergisst dabei das er auch viele positive Eigenschaften hat. Du zählst sie in deiner Frage zwar auf, doch anscheinend haben sie für dich nicht den gleichen Wert wie deine intelektuellen Fähigkeiten. Damit wertest du seine Fähigkeiten ab und damit auch deinen Freund.

Hast du mal einfach nur daran gedacht, das da ein Mensch ist der dich liebt? Das ist doch das was zählt. Alles andere ist doch zweitrangig.

Ich finde auch interessant wie du anscheinend damit umgehst das es 1000 Sachen gibt die ihn an dir stören. Du weiß nicht das du nicht perfekt bist, aber damit hat es sich auch. Es gibt 1000 Sachen die er an dir nicht gut findet, aber das ist nicht so schlimm wie die Dinge die dich an ihm stören? So kommt es zumindest bei mir an.

Vielleicht passt ihr auch einfach nicht zusammen. Wenn du schreibst das es 1000 Sachen gibt, die ihn an dir stören, dann solltet ihr euch mal fragen ob eine Beziehung überhaupt Sinn macht.

Danke für deine ausführliche Antwort :)

"eingelassen" habe ich nur geschrieben, weil ich mich vorher nie auf eine Beziehung einlassen konnte. Ich bin Mitte 20 und hatte vorher nie eine Beziehung, weil es mir schwer fällt mich auf einen Mann einzulassen. Bei ihm ist mir aber deutlich leichter gefallen, weil er durch und durch ein guter Mensch ist. "Einlassen" war auf jeden Fall nicht so gemeint wie du es interpretiert hast.
Und noch eine kleine Sache die ich richtigstellen muss: ich habe geschrieben, dass es 1000 Dinge gibt, die ihn stören KÖNNTEN! aber ihn stören - im Gegensatz zu mir - absolut keiner meiner Macken. Das ist der Unterschied zwischen uns.
Ich bin die einzige in unserer Beziehung, die etwas stört.

Und ja, mit dem negativen Aspekten könntest du durchaus Recht haben. Das mache ich tatsächlich und das ist wirklich ein Problem von mir. Aber das kann ich ja vllt ändern.

Liebe Grüße und Danke.

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@jjjjjkkkkk

Oh, ok, dann war mein Kopf schneller als meine Augen. Sorry!

Aber wenn ich jetzt deine Antwort lese, dann kommt bei mir der Gedanke das du im Grunde kein Problem mit ihm, sondern mit dir selbst hast.

Dir fällt es schwer dich auf einen Mann einzulassen. Warum? Kannst du nicht vertrauen oder glaubst du das du nicht liebenswert bist? Ich meine du schreibst immerhin, das es 1000 Dinge gibt die ihn an dir stören könnten. Das bedeutet doch im Umkehrschluss das es 1000 Dinge an dir gibt, mit denen du nicht zufrieden bist oder die du als Schwächen oder Nachteile betrachtest. Oder?

Du schreibst das du nicht perfekt bist, aber in diesem Zusammenhang klingt das nicht gerade so, als könntest du damit nicht leben, das du nicht perfekt bist. Kann das sein?

Und jetzt kommt er und stört sich überhaupt nicht an den Dingen die dich vielleicht selbst stören. Im Gegenteil, er liebt dich sogar noch. Ich meine ich spekuliere jetzt einfach mal drauf los.

Weil du dich selbst nicht als perfekt betrachtest, suchst du jetzt vielleicht bei ihm bewusst "Fehler" und "Ecken und Kanten", damit er nicht perfekter da steht als du. Du bist ihm vielleicht intelektuell überlegen, aber ansonsten bist du ihm unterlegen. Du nutzt also vielleicht deinen Intellekt um deinen eigenen "Mangel" zu kompensieren!

Ich will dir damit nichts unterstellen oder behaupten das es so ist. Aber vielleicht komme ich mit meiner Vermutung der Wahrheit auch nahe.

Denke mal darüber nach. Denn wenn das so ist, dann bist du das Problem und nicht dein Freund. Und das Problem ist dan nicht das es dich stört das er dir intelektuell unterlegen ist. Das eigentliche Problem ist dein mangelendes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.

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