Hat der Mann recht wenn er sagt Hitler wollte mit den Polen vor dem 2.WK verhandeln?

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7 Antworten

Die Tatsächlichen Wahrheiten über dieses Kapitel sind wohl im Nebel der Geschichte und unter Einfluss der Sieger unter gegangen.

Hitler wollte ja alle Volksdeutschen erneut in einer Nation vereinen, darum hatte er nach dem Anschluss Österreichs und der Annektion des Sudetenlandes auch Danzig im Augen. Oder lediglich eine Bahnstrecke zwischen Ostpreußen und Pommern.

Tatsächlich war Hitler aber von Anfang an auf einen Krieg aus, wie in seinem eigenen Buch und durch die große Aufrüstung Deutschlands klar wurde.

Dennoch bestellte Hitler zum Schein, kurz vor Ausbruch des Krieges, nochmal einen polnischen Diplomaten für Verhandlungen um Danzig zu sich. Für dessen Anreise lies er jedoch so wenig Zeit, sodass der Diplomat die Frist verpasste und Hitler schön mit dem Finger zeigen konnte "Die Polen haben wohl kein Interesse an einer diplomatischen Lösung..."

Was die Schickanierung der deutschen Minderheit angeht, halte ich dies für sehr wahrscheinlich. Jedoch war dies mit Sicherheit nicht so schwerwiegend, was auch beweist, dass es bis heute keine historisch bedeutsamen Fälle davon gibt. Abgesehen von den Bromberger Blutsonntagen, welche jedoch 2 Wochen nach Ausbruch des Krieges stattfanden und selbst die historisch umstritten sind. Und wäre es Hitler tatsächlich um die deutsche Minderheit gegangen, so hätte er ja alle Volksdeutschen auch aufrufen können Polen zu verlassen... zur Not auch unter militärischem Geleit von Deutschland. Dies wäre international zu der Zeit mit Sicherheit vertretbarer gewesen als gleich das ganze Land anzugreifen.

Hitler hatte den Angriff auf Polen auch einmal verschoben, weil die Alliierten im Zuge der Spannungsverhältnisse kurzfristig Polen ihren Beistand versprochen hatten und Hitler so kurz vor Beginn noch einmal ins Grübeln kam.

Ansonsten gilt es noch als wichtig zu erwähnen, dass der Auslöser für den Krieg ja ein von der SS inszinierter Angriff auf eine Radiostation in Gleiwitz war (Operation Tannenberg). Also kurz gesagt, musste Hitler den entscheidenden Kriegsgrund am Ende selber erschaffen, weil das Volk sonst wohl selbst nicht komplett hinter der Idee mit dem Krieg gestanden hätten. Und spätestens dadurch wird klar, dass Hitler auch nie was anderes im Sinn hatte.

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Kommentar von LukDill02
25.04.2016, 20:10

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1.Ja, und? Polen war zu der Zeit genau wie Deutschland eine naionalistische Diktatur. Aber rechtfertig das einen Überfall auf Polen?

2.Ja,und? Kriegengehen meist Spannungen voraus.

3.Welche Zustmmung welcher "Siegermächte" hätten sie gebraucht? Polen war doch kein Vassal irgendwelcher "Siegermächte". Deutschland hat den Krieg verloren, es gab in Deutschland eine Revolution. Die Situation haben Polen ausgenutzt und haben sich einfach bedient so wie Deutschland sich bedient hatte bei der Teilung Polens. Auf diesen Gebieten steht nirgendwo geschrieben, dass sie für alle Zeiten Polen oder Deutschland gehören sollen. Beide Seiten hatten keinen Anspruch in irgendeiner Form. Es ging nur um das Recht des Stärkeren.

Und nein, der Verhandlungswille ging eigtl. von Polen aus. Das nationalistische Polen ollte durchaus mit dem Nazi-Deutschland gegen die Sowjetunion koalieren. Hitler hat sie aber nur hingehalten. Es ist sowieso lächerlich, dass damals und heute all die Leute, selbst Diplomaten auf die Geschichte reinfielen und heute noch solche Geschichten verbreten. "Mein Kampf" haben sie alle gelesen gehabt. Es war schon klar was Hitler für Ansichten und Pläne im Osten hatte.

Diese Verusche solcher Pseudohistriker die deutsche Seite von der Kriegsschuld reinzuwaschen sind nur ein Paradebeispiel von Revisionismus. Was für ein noch nie dagewesenes Wunder, dass es abgesehen von Kriegshandlungen noch diplomatische Spiele im Vorfeld und im Hintergrund gibt, bei denen jede Seite versucht die Position zu verbessern. Dabei ist es natürlich völlig unglaublich und noch nie passiert, dass man in der Diplomatie ein falsches Spiel spielt und auch mal ein doppeltes und dreifaches Spiel. Willkommen in der Welt der Realpolitik. Man lächelt und bekundet ewige Freundschaft und wetzt das Messer. Ob man hinterher die Hand reicht oder zuschlägt wird meist je nach Lage entschieden aber immer nur von den eingenen Stärke ausgehend und nicht irgendwelchen moralischen Überlegungen. D.h. wenn man vorhat die Juden, Slawen und Kommunisten zu vernichten in einem grossen Ostfeldzug, dannkannman jahrelang friedlich und freundlich tun, aber sobald man sich breit fühlt marschiert man los erst auf Warschau und dann auf Moskau.

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Man kann ja hier nicht auf alle Punkte des Vortrags eingehen. Vieles müssten selbst Informiertere wohl auch wieder nachlesen.
Nilsriot hat schon einiges in zutreffender Weise angesprochen (nicht alles: s. z. B. seinen Vorschlag zum Exodus der Deutschen aus Polen).

Ich möchte mich auf einen Punkt konzentrieren, den "Fehler" Hitlers aus dem Frühjahr 1939 (Vortrag S.-R. 37:20 Min.):

Deutsche Truppen hätten "fehler"haft einen Nachbarstaat besetzt (sozusagen aus Versehen, was wohl die nächste Stufe der Unüberlegtheit wäre).

Man muss  es m. E. andersherum lesen: Viele der deutschen Anliegen, die sich gegen Versailles richteten, waren auch im Ausland als legitim erachtet worden. Es war auch offensichtlich, dass die deutschen Minderheiten in der Tschechoslowakei und in Polen benachteiligt und zum Teil drangsaliert wurden.
Deshalb wurde die Hitlersche Außenpolitik von der ganz überwältigenden Mehrheit der Reichs- und der Auslandsdeutschen unterstützt und sogar bejubelt.
Auch das westliche Ausland (GB mehr als FR) hielt weitgehende Zugeständnisse für unerlässlich und legitim. In diese Logik gehört noch das Münchener Abkommen.

Für die Besetzung der "Resttschechei" im Frühjahr 1939 (den o.g. "Fehler") konnten die Nationalsozialisten aber keine überzeugende, international akzeptable Begründung liefern. Dies wurde zum Wendepunkt in der internationalen Wahrnehmung.
Eigentlich hätten FR und GB hierauf mit einer Kriegserklärung antworten müssen. Es hat bei beiden aber nur zu lauen Erklärungen und zu einer  Umorientierung gegenüber Nazi-Deutschland geführt ("bis hierher und nicht weiter").

Es war jetzt klar, dass die legitimen deutschen Forderungen von den NS nur
ins Feld geführt und unter Druck durchgesetzt wurden, um unter diesem Vorwand noch viel umfassendere Ziele zu verwirklichen, wenn eine größere militärische Stärke erreicht wäre. Deutschland war für das Ausland jetzt nicht nur die Schutzmacht der "Heim-ins-Reich"-Bewegung, sondern - berechtigterweise - der Kriegstreiber schlechthin - und zwar mit einem viel größeren Schädigungspotenzial als das in den Vorjehren auch aggressiv aufgetretene Polen.

Deshalb ließen die Westmächte Deutschland gegenüber Polen schlussendlich auflaufen, obwohl die deutschen Forderungen in diesem Fall eigentlich als eher berechtigt angesehen wurden. Polen wurde von GB zwar durchaus zu Konzessionen gedrängt, im Zweifelsfall aber hielt man ab nun eher zu einem sei es auch "halsstarrigen" Polen, als gegenüber einem Deutschland, 
das offensichtlich aggressive Expansionspläne weit über alles Legitime hinaus verfolgte, ein weiteres Mal nachzugeben.

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  1. Die deutsche Minderheit in Polen wurde nicht mehr unterdückt, als die Minderheiten in Deutschland.
  2. Die Spannungen gab es, weil Hitler einen Korridor nach Ostpreußen forderte, und Deutschland für Danzig die 'Heimkehr ins Reich' wollte.
    Alle deutschen Minderheiten im Osten wurden von den Nazis aufgehetzt.
  3. Die Grenzen Deutschlands wurden im Vertrag von Saint Germain bestimmt. Hitler hat diesen Vertrag nie anerkannt. Ganz im Gegenteill, er hat ihn scheibchenweise gebrochen.
    Verhandlungen zwische Deutschland und Polen hat es viele gegeben. Wie die Positionen aber wirklich waren,weiß heute NIEMAND mehr. Wer da dennoch etwas behauptet, zeigt nur sein Unwissen und spekuliert auf die Dummheit seiner Gesprächspartner.
    Das wahre Gesicht sieht man aber schon daran, dass der Vorwand für den Überfall auf Polen (der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz) von den deutschen Machthabern inszeniert wurde.

Bei deinem Gesprächspartner scheint es sich aber um einen jener unbelehrbaren Geschichtsfälscher zu handeln, wie si in Gruppen wie NDP AfD ... gehäuft anzutreffen sind.

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Der Mann im Video ist Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof. Seine Ansichten über die Ursachen des 2. WK werden von keinem ernsthaften Historiker geteilt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Schultze-Rhonhof

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Kommentar von LukDill02
25.04.2016, 20:09

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Der dritte Punkt stimmt imho nicht.

1919 wurde Westpreußen durch den Friedensvertrag von Versailes aufgeteilt. Allerdings oft ohne Volksabstimmung. Dabei verblieben u. A. Danzig und Posen in Deutschland.

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Danke für deine Antwort. Ich wäre eigentlich drauf reingefallen...er klang so professionell

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