Hartz IV - Wird mein Lohn angerechnet?

...komplette Frage anzeigen

10 Antworten

Ist relativ einfach:

Bei deiner Mutter darf nichts, garnichts und überhaupt nichts von deinem Erwerbseinkommen angerechnet werden. Lediglich Kindergeld, das du zur Bedarfsdeckung nicht mehr benötigst, darf auf den Bedarf deiner Mutter verteilt werden.

Kannst du aus deinem Einkommen (und Vermögen) deinen Bedarf (Regelbedarf + kopfanteilige Miete) bestreiten, fällst du automatisch aus der BG mit deiner Mutter raus.

Du wirst fortan ggf. sowohl deinen Mietanteil, als auch deinen Lebensunterhalt aus deinem (Erwerbs)einkommen bestreiten müssen, da das Jobcenter deinen Anteil, der in den monatlichen Zahlungen enthalten ist, nicht mehr übernimmt.

Möglicherweise stellt ein durchgeknallter Sachbearbeiter eine Unterhaltsvermutung nach § 9 Abs. 5 SGB II an (hat nicht mit Bedarfsgemeinschaft zu tun). Hier reicht es, wenn deine Mutter schreibt, dass du keinen tatsächlichen Unterhalt leistest, denn gesetzlich bist du deiner erwerbsfähigen Mutter keinesfalls zum Unterhalt verpflichtet.

MrCheech 23.06.2011, 18:43

Das wäre im Prinzip sicher die bessere Lösung. Ich kann mir vorstellen, dass es finanziell weniger belastend ist, die Hälfte der Miete und des Lebensunterhaltes beizusteuern, als den Lohn komplett als Einkommen angerechnet zu bekommen und dann ggf. höchstens noch eine Aufstockung zu bekommen. Denke ich zumindestens.

Und das, was dann von meinem Verdienst nach "Abzug" des Regelsatzes und der anteiligen Miete als Überschuss übrig bleibt, wird dann auch nicht mit bei meiner Mutter angerechnet, oder?

Ergo hieße das: Meine Mum bekommt die Hälfte der Miete, sowie ihren Regelsatz, während ich dann den anderen Teil der Miete zahle, sowie Summe X, die wir zum Leben brauchen? Und alles, was dann von meinem Lohn übrig bleibt, steht nur mir zu. Habe ich das so richtig verstanden?

0
veritas55 23.06.2011, 19:19
@MrCheech

Die Hälfte der Miete und der Nebenkosten - ja, aber nicht die Hälfte von dem Regelsatz deiner Mutter - den können sie nicht von dir verlangen ! Du musst nur für deinen eigenen Lebensunterhalt aufkommen, nicht für ihren !

0
DerHans 24.06.2011, 14:25
@MrCheech

Nur den Regelsatz, den sie evtl. noch für dich bekommen hat, kann man ihr streichen.

0
casilein 24.06.2011, 22:09
@DerHans

Schau in den Bewilligungsbescheid. Dort gibt es bei Bedarf eine Spalte mit Deinem Namen. Das ist der maximale Betrag, der Euch abgezogen wird.

0

Meines Wissens nach wird Dein Einkommen als Einkommen der Bedarfsgemeinschaft angerechnet. Der Grundsatz ist ja Alg II wenn die Bedarfsgemeinschaft als ganzes nicht genügend Einkommen zur Grundsicherung hat.

Genaueres kannst Du selbstverständlich im Merkblatt nachlesen, ich hab Dir da mal was rauskopiert was Dir vielleicht helfen kann:

Bei der Berechnung der Leistungen wird eine einzelne erwerbsfähige Person oder eine so genannte Bedarfsgemeinschaft betrachtet. Leben mehrere Personen im gleichen Haushalt mit Erwerbsfähigen zusammen und betreiben den Haushalt wirtschaftlich gemeinsam, werden eventuell alle zusammen als eine Bedarfsgemeinschaft behandelt.

Wer zu einer Bedarfsgemeinschaft gehört, ist im SGB II festgelegt. Bei einer solchen Bedarfsgemeinschaft werden alle ihr angehörenden Personen mit ihren persönlichen Verhältnissen (Einkommen und Vermögen) in eine gemeinsame Berechnung einbezogen. Das heißt: Einkommen einer Person ist in der Berechnung auch für weitere Personen der Bedarfsgemeinschaft einzusetzen. Es findet also ein gewisser Ausgleich statt.

Dieser Ausgleich kann zu insgesamt weniger Leistungen führen; er kann aber auch zu höheren Leistungen führen, wenn die Personen im Haushalt zusammen zu wenig zum Leben haben.

Auch nicht erwerbsfähige Personen im Haushalt von Erwerbsfähigen können Leistungen erhalten, wenn sie zur Bedarfsgemeinschaft gehören, und zwar Sozialgeld - nicht Sozialhilfe. Die Sozialhilfe nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) ist hier nachrangig.

Zu einer Bedarfsgemeinschaft gehören:

Die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Als Partnerin/Partner von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten: — die/der nicht dauernd getrennt lebende Ehegattin/ Ehegatte, — die/der nicht dauernd getrennt lebende Lebenspartnerin/Lebenspartner, — eine Person, die mit der leistungsberechtigten Person in einem gemeinsamen Haushalt so zusammenlebt, dass nach verständiger Würdigung der wechselseitige Wille anzunehmen ist, Verantwortung füreinander zu tragen und füreinander einzustehen (Partnerin/Partner in Verantwortungs- und Einstandsgemeinschaft). Die unverheirateten Kinder des erwerbsfähigen Leistungsberechtigten oder der Partnerin/des Partners, wenn sie das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Vater und/oder Mutter und gegebenenfalls die Partnerin/der Partner eines erwerbsfähigen, unverheirateten Kindes, das das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, wenn diese selbst nicht erwerbsfähig sind.

Sind Eltern nicht erwerbsfähig, bilden sie dennoch mit ihren unverheirateten, noch nicht 25 Jahre alten Kindern eine Bedarfsgemeinschaft, wenn mindestens ein Kind erwerbsfähig, also mindestens 15 Jahre alt ist.

Zur besseren Übersicht hier der Link zum Merkblatt : http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Merkblatt-Sammlung/SGB-II-Merkblatt-Alg-II.pdf

VirtualSelf 23.06.2011, 18:11

Die entscheidende Passage hast du vergessen:

(3) Zur Bedarfsgemeinschaft gehören

...

  1. die dem Haushalt angehörenden unverheirateten Kinder der in den Nummern 1 bis 3 genannten Personen, wenn sie das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, soweit sie die Leistungen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen beschaffen können.

=> verdient ein Kind - egal welchen Alters - genug, fällt es aus der BG raus; außerhalb der BG im Grundsatz keine Anrechnung.

0

Da du in deinen Vollzeitjob selber in der Lage bist, deinen eigenen Lebensunterhalt aus deinem Einkommen zu bestreiten (hierzu gehört auch die hälfte der Unterkunftskosten) fällst du aus der Bedarfsgemeinschaft heraus.

Dieses bedeutet, dass fortan die Hartz4-Leistungen deiner Mutter nur nach ihren eigenen Bedarf berechnet wird.

Da du aber deiner Mutter gegenüber gesetzlich dem Grund nach unterhaltspflicht bist, hat das Jobcenter zwar die Möglichkeit einen Teil der Leistungen an deine Mutter von dir zurück zu verlangen. Hier gibt es für dich allerdings auch Freibeträge, die nicht beim Unterhaltsanspruch angerechnet werden dürfen. Vereinfach ausgedrückt liegen diese Freibeiträge etwa im doppelten Regelsatz für dich plus deine eigenen Unterkunftskosten. Auch bleiben Werbekosten (wie etwa Fahrkosten zu deinen Arbeit anrechnungsfrei.

Im Ergebnis würde ich sagen, bei einem Einkommen von 1010 Euro brutto, besteht praktisch kein Unterhaltsanspruch, den das Jobcenter vor dir zurück verlangen könnte.

Da gibt es i-eine Regelung, die mir im Moment leider nicht einfällt, nach der Du nicht zwangsweise für den Unterhalt Deiner Mutter aufkommen mußt, bzw es wird zwar was angerechnet, aber nur in der Höhe Deines Hartz IV Satzes, oder so ähnlich.

Mist ich komm nicht drauf, wenn kannst Du damal fragen? Versuche es mal beim Sozialverband VDK, da mußt Du dann zwar Mitglied werden, 5€ im Monat zahl ich, aber das lohnt sich allemal.

Die beraten Dich in allen sozialen Fragen, von Hartz IV bis zur Rente, auch bei Krankenkassen Problemen sind die behilflich.

baertram 23.06.2011, 21:45

grml, 4 x dh für totale Verwirrung

0

Mach dir keine Sorgen - erst wenn du 2500 € und mehr verdienst musst du zum Unterhalt deiner Mutter was beitragen, bei deinem relativ geringem Einkommen auf keinen Fall !

Viele nützliche Auskünfte könnt ihr hier finden: www.erwerbslosenforum.de

MrCheech 23.06.2011, 18:44

Vielen Dank für den Link. Da ist bestimmt die eine oder andere nützliche Info dabei :-)

0
veritas55 23.06.2011, 19:14
@MrCheech

Guck auch mal hier in dem Link das Video von koch234 an - bei Minute 3 !

Andere Situation, aber die Freibeträge dürften gleich sein !

0
Larah10 26.06.2011, 02:32
@veritas55

@Veritas: Im SGB II (um das es bei ALG2 geht) sind Kinder den Eltern gegenüber nicht unterhaltspflichtig.. egal ob 2.500 € oder 25.000 € Verdienst. Wenn sie zusammenleben und das Kind noch Kindergeld erhält, kann maximal das (zu seiner eigenen Bedarfsdeckung nicht mehr benötigte) Kindergeld- Einkommen des Kindes als "Überhangs"- Einkommen auf die Mutter übertragen und auf ihren ALG2- Bedarf angerechnet werden. Sonst nichts - hat VirtualSelf ja bereits erläutert. -

Etwas Anderes wäre es u.U., wenn die Mutter "Sozialhilfe" (Grundsicherung nach SGB X II) beziehen würde. Aber das ist hier ja nicht der Fall. :)

0

ist denn deine Mutter pflegebedürftig?

oder besteht noch Hoffnung, dass sie sich Arbeit besorgen könnte? Dann wäre es ja nicht nötig, dass ihr auf immer zusammen wohnt.

Zur Pflegebedürftigkeit/Unterhaltsrecht gibts hier interessante Infos:

veritas55 23.06.2011, 23:04

MrCheech: Ab Minute 3 wird´s für deine Frage interessant !

0
MrCheech 24.06.2011, 17:50

Nee, Pflegebedürftig ist sie nicht. Ganz normal arbeitslos, wenn man das so nennen kann. Danke trotzdem. War auch so mal ein interessantes Video :-)

0

Ich danke euch allen, dass ihr mir so ausführlich mit Rat und Tat zur Seite steht. Da ja im Prinzip alle Antworten den selben Inhalt vermitteln, beruhigt mich das mit Blick auf die Zukunft ungemein. Ist echt eine tolle Community hier und die Anmeldung hat sich gelohnt :-)

Vielen Dank

nicht ddie ausbildung beenden !!! du zerstörst dir dein leben dadurch ... ich sag nichts mehr dazu

MrCheech 23.06.2011, 17:40

Ähm...Ich schmeiße die Ausbildung nicht, ich lerne aus^^

0
erweh 23.06.2011, 18:01
@MrCheech

Jaja, wer lesen kann hat echt nen Vorteil.

0
MrCheech 23.06.2011, 18:45
@erweh

Ich wollte es nicht schreiben, da ich nicht gleich bei meinen ersten Beiträgen mit Zynismus glänzen wollte ;-)

0
MrCheech 23.06.2011, 18:47

Der Link hilft mir zwar nicht wirklich bei meinem Problem, aber dennoch vielen Dank für deine Antwort :-)

0
outfreyn 23.06.2011, 19:55
@MrCheech

Soll ich es Dir vorlesen?

Die Grundsicherung für Arbeitsuchende soll die Eigenverantwortung von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten und Personen, die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft leben, stärken und dazu beitragen, dass sie ihren Lebensunterhalt unabhängig von der Grundsicherung aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten können. Sie soll erwerbsfähige Leistungsberechtigte bei der Aufnahme oder Beibehaltung einer Erwerbstätigkeit unterstützen und den Lebensunterhalt sichern, soweit sie ihn nicht auf andere Weise bestreiten können. (Hervorhebungen nicht im Original)

0
MrCheech 23.06.2011, 20:18
@outfreyn

Ja, ist klar...Die Grundsicherung soll Arbeitssuchende motivieren, Eigenverantwortung zu übernehmen, um den Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Jetzt wissen wir, was der eigentliche Sinn der Grundsicherung ist. Aus diesem Absatz geht aber nicht hervor, wie sich die Rechtslage darstellt, wenn ein Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft ein Einkommen hat, ein anderes Mitglied nicht und welche Einkommensgrenze zählt, ab der man für weitere Personen innerhalb der Bedarfsgemeinschaft aufkommen muss. Der Text sagt aus, dass Grundsicherung der erhält, der seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann. Aber es steht dort nicht, ab welchen Einkommen das zählt, oder wie bestimmte Personenkonstellationen zu bewerten sind.

Was ich hier habe, ist ein spezieller, detaillierter Fall. Wie soll mir da eine Pauschalaussage zur Grundsicherung helfen?

Sorry, aber die anderen Antworten sind einfach wesentlich fundierter und präziser.

0

Was möchtest Du wissen?