Harter Brexit, wer ist schuld, wer ist der Verlierer?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wer verliert und wie viel verloren wird zeigt sich erst, wenn GB auch tatsächlich draussen ist. Es ist schon in Ordnung, dass die Briten aus der EU austreten. Einen demokratischen Volksentscheid mit relativ hoher Wahlbeteiligung kann man nun mal nicht einfach ignorieren.

Wahrscheinlich wird es schwierig für die Wirtschaft in GB und auch für viele Einwohner, aber eine Hungersnot wird nicht entstehen... Jegliche genauere Aussagen sind eh nur Spekulationen, da es einen EU-Austritt noch nie gab.

Danke für den Stern :*

0

Also zunächst einmal was ist eigentlich ein harter Brexit? Hier gibt es keine klare festgeschriebene Definition. Auch bei einem harten Brexit gibt es verschiedene Abstufungen bzw. ab wann sollte man den Ausstieg nichtmehr als hart bezeichnen.

Beziehungen auf Basis der WTO können, würde ich sagen, sehr einfach als harter Brexit bezeichnet werden. Aber wäre auch ein Ausstieg aus dem Binnenmarkt und der Zollunion automatisch ein harter Brexit? Diese Frage ist meiner Meinung nach schon wesentlich schwerer zu beantworten. Dies ist vom letztendlichen Verhandlungsergebnis abhängig und wäre wahrscheinlich auch für jede Branche unterschiedlich hart. 

Die Frage wer die Schuld an einem harten Brexit trägt ist wohl noch schwerer zu beantworten. Bis zu einem gewissen Grad mit Sicherheit beide Seiten. Wobei man natürlich aus deutscher oder europäischer Sicht dazu neigt den Briten die Hauptschuld dafür zu geben.

DEN Verlierer wird es beim (hard) Brexit nicht geben, sondern höchstens DIE Verlierer. Klar ist, dass sowohl das Vereinigte Königreich, als auch die EU bzw. deren Mitgliedsstaaten als Verlierer aus der Scheidung hervor gehen werden. 

Höchstwahrscheinlich werden die Briten hier selbst die größten Verlierer sein. Aber auch die EU wird mit dem VK einen wichtigen Beitragszahler verlieren und die Mitgliedsstaaten einen wichtigen Handelspartner innerhalb des Binnenmarktes. Absolut wird voraussichtlich Deutschland der größte wirtschaftliche Verlierer der EU-Mitgliedsstaaten sein. Relativ werden es aber eher Länder wie Irland oder Zypern sein.

Ist Deutschland nicht der Hauptverlierer und hätte Merkel nicht energischer dagegen arbeiten sollen?

Nein. Jedenfalls nicht meiner Meinung nach.

Die größten Verlierer sind erst einmal die Briten selbst. Das begann schon direkt nach den Wahlergebnissen, wo die Kurse vom Pfund sanken usw. Es gibt etliche Tausend Menschen, die auf einmal aus der Europäischen Union gerissen werden möchten. Es stimmten immer hin 48,1% gegen den Austritt, was nun einmal fast der Hälfte der Bevölkerung entspricht. 

Dabei ist auch klar zu sehen, dass sich der Stimmanteil für den Austritt vergrößert, je Älter die Personen sind. Von den jüngsten Wählern von 18 bis 24 Jahren stimmten 73% gegen den Brexit. Von den 65 jährigen und älteren Personen sind es schon nur noch 40% und somit die wenigeren Personen, die gegen den Brexit stimmten. Damit ist nicht nur Großbritannien an sich ein Verlierer, sondern besonders das Volk. Ins besondere die Länder außerhalb von England, also z.B. Schottland, die sich auch unabhängig machen wollten, um in der EU zu bleiben. 

Hier noch die Quellen:

http://mediaproxy.tickaroo.com/v3/image/tickaroo/slideshow/w1280dp-h960dp/media-00iptgbwj54pkk0h5wb1jg

http://www.poltec-magazin.de/wp-content/uploads/2016/07/Grafik-Wahlergebnis-Brexit-nach-Alter-01.png

Theresa May hat sowieso viel verloren. Darunter nicht nur unnötigerweise ihre absolute Mehrheit, sondern auch viel Anerkennung. Zusammen mit den Terror-Anschlägen und dem Brand des Grenfell-Towers hat sie eine schwere Phase durchlebt, in der sie viel Kritik bekommen hat. Das Volk war sauer, vor allem das jüngere Volk. 

Der Brexit muss nun von der EU hart gemacht werden. Denn wenn Großbritannien nun ohne negative Folgen aus der EU austreten würde, dann würden andere Länder nachziehen, was der EU auf Dauer sehr schaden könnte. 

Um so mehr müssen die Politiker bei den Verhandlungen dafür sorgen, dass Großbritannien es zu spüren bekommt. Je mehr das gelingt, desto weniger wird auch die EU und Deutschland darunter leiden.

__________________________________________________________

Liebe Grüße

TechnikSpezi

 - (Politik, England, Europa)  - (Politik, England, Europa)

 Von den jüngsten Wählern von 18 bis 24 Jahren stimmten 73% gegen den Brexit.

Stimmt und in genau der Altersklasse war die Wahlbeteiligung gering. Die saßen ja einen Tag später da und sagten "wären wir nur zur Wahl gegangen."

0
@wfwbinder

Ändert nichts daran, dass die Stimmenanteile für und gegen den Brexit sich ganz klar und fast schon linear mit dem Alter verschoben.

1

Was möchtest Du wissen?