Handwerks-Firma versucht ein schriftliches Angebot nachträglich mündlich umzudeuten und will mehr Geld haben. Ist dies rechtmäßig?

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4 Antworten

Wenn im Angebot steht:

"...Nachtspeicher Heizkörper 7,5KW asbestfrei entsorgen... 2 x 75 Euro"

und hinterher festgestellt wird, die waren nicht asbestfrei, dann hat der Auftraggeber schlicht geschlafen. Denn die Entsorgung asbesthaltiger Nachtspeicheröfen ist immer weitaus teurer - aber die wurde ja gar nicht abgeboten. 

Die Mehrkosten wird sich die Firma natürlich extra vergüten lassen. Warum auch nicht? Alternativ kannst Du nur verlangen, die Öfen zurückzugeben und sie selbst zu entsorgen; dann bleibt dem AN aber noch immer der Anspruch auf die Arbeitskosten. Ich bezweifle stark, dass das günstiger kommt.

Die Aussage, dass man dies erst jetzt bemerkt hätte, erscheint sehr unglaubwürdig

Das mag schon sein, aber die angebotene Leistung wurde ja gar nicht ausgeführt, sondern eine andere, für die es keine schriftliches Angebot gibt. Das sind dann typische Regiearbeiten, und dafür steht der Firma auch die entsprechende Bezahlung zu (näheres siehe Vertragsgrundlagen lt. AGB).

kosmopolit 10.12.2015, 17:49

"Denn die Entsorgung asbesthaltiger Nachtspeicheröfen ist immer weitaus teurer" -> das hätte aber die Fachfirma wissen müssen, nicht der Kunde (Wohnungseigentümer).

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Ich habe deine Frage nicht vollständig gelesen, weil wir die Sachlage ohnehin nicht beurteilen können.

Das, was im Angebot steht, pickt. Sprich, du hast einen Beweis.  Mündliche Nebenabreden sind schwer nachzuweisen.

Ein Angebot ist kein Auftrag. Um es anzunehmen musst du zustimmen, erst dann ist es ein Auftrag. Wenn du den Auftrag erteilt hast, muss die Firma das liefern, was vereinbart wurde, nicht mehr und auch nicht weniger.

Im Nachhinein das Doppelte zu verlangen ist rechtlich nicht möglich. Hat der Unternehmer zu seinen Ungunsten im Angebot eine Position vergessen und wurde der Auftrag bereits erteilt, hat er Pech gehabt. 

Georg63 10.12.2015, 17:51

Eine vergessene Position ist wieder was anderes. Wenn er die Position "Entsorgung" vergessen hätte, dürfte er die alten Teile liegen lassen und wäre aus dem Schneider.

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Aus meiner Sicht liegt hier nur ein Angebot seitens einer Firma vor. Solange kein Auftrag erteilt wird und Du von der Firma keine Auftragsbestätigung (mit den im Angebot aufgeführten Konditionen) erhalten hast, passiert nichts.
Ich vermute mal das Du zu den bisherigen Konditionen keine Auftragsbestätigung bekommen wirst.
Wenn die Firma auf Erfüllung (z.B. Abnahme einer bestellten Heizung) besteht muss sie die asbesthaltigen Heizkörper vorher entsorgen.

Georg63 10.12.2015, 17:47

Eon verbindliches Angebot wird mit Auftragserteilung durch den Auftraggeber zum Vertrag.

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cherusker18 10.12.2015, 17:55
@Georg63

Ein Angebot bedeutet das jemand zu niedergeschriebenen Bedingungen etwas verrichten wird. Wenn ich (in diesem Fall eine Kopie) das Angebot unterschreibe und dem Anbieter zuschicke, ist es nur ein Auftrag. Jetzt müsste der Anbieter dir eine Auftragsbestätigung zusenden. Dann ist die Sache rund.

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Georg63 10.12.2015, 18:02
@cherusker18

Falsch - ein verbindliches Angebot (nicht ein Kostenvoranschlag oder eine Preisliste oder ein als unverbindlich/offen gekennzeichnetes Angebot) ist die vom Gesetz geforderte Willenserklärung, die als eine Voraussetzung für den Vertragsabschluss nötig ist.

Wenn der AG eine gleichlautende Willenserklärung abgibt indem er das Angebot ohne Änderungen oder Vorbehalte akzeptiert, kommt der Vertrag zustande.

Problematisch wirds dann erst wieder, wenn der Vertrag objektiv nicht erfüllbar ist - wie hier, wo eben keine asbestfreien HK existieren.

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Translateme 10.12.2015, 18:34
@cherusker18

Falsch. Ein Angebot, das durch den Auftraggeber angenommen wird, ist ein Auftrag. Das kann auch mündlich oder schlüssig passieren. Es braucht dazu weder eine Bestätigung noch was Schriftliches. 

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Warum zurücktreten? Der Handwerker muss den Vertrag erfüllen und bekommt dafür den vereinbarten Preis. Zusatzleistungen müssen vorher bestätigt werden.

Im Fachjargon bedeutet "asbestfreie Heizkörper entsorgen" und "Heizkörper asbestfrei entsorgen"  dasselbe.

Entscheidend dürfte aber die genau Kenntnis des Handwerkers über die Sachlage sein, aufgrund derer er das verbindliche Angebot abgegeben hat.

Kann gut sein, dass er sich vertan hat. Wenn er seine Arbeit gut zu ende bringt, würde ich ihm die halbe Differenz fairerweise bezahlen. Asbestentsorgung ist teuer.

FordPrefect 10.12.2015, 17:41

Im Fachjargon bedeutet "asbestfreie Heizkörper entsorgen" und "Heizkörper asbestfrei entsorgen"  dasselbe.

Jupp.

Entscheidend dürfte aber die genau Kenntnis des Handwerkers über die Sachlage sein, aufgrund derer er das verbindliche Angebot abgegeben hat.

Sofern ein Richter das auch so sähe, eventuell. Aber das ist ein dünnes Brett, und in Anbetracht der überschaubaren Kosten (es geht ja nur um 2 HK) witzlos. Die Alternative wäre nämlich nur, die HK vor Ort zu lassen, dann kann sie der AG selber entsorgen fahren. Viel Spaß.

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Georg63 10.12.2015, 17:49
@FordPrefect

Kommt letztlich drauf an, wer am längeren Hebel sitzt. Hat der Handwerker schon mit der Arbeit begonnen, riskiert er für diese kein Geld zu bekommen. Hat er nicht, müsste der Auftraggeber auf Erfüllung klagen, was ich nicht für sinnvoll halte.

Einfach vor Ort lassen geht nicht. Wenn, dann müsste der Handwerker vor Beginn der Arbeiten komplett vom Vertrag zurücktreten.

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kosmopolit 10.12.2015, 17:52
@FordPrefect

Lt. Anruf der "Fachfirma" kostet die Entsorgung nun MINDESTENS 2 x 150 Euro (statt 2 x 75 Euro lt. schriftlichem Angebot). Es könne aber auch noch deutlich teurer, wenn vor Ort festgestellt würde, dass man die Heizkörper nicht in einem Stück entsorgen könne.

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Georg63 10.12.2015, 17:55
@kosmopolit

Wurden die Heizkörper schon abgebaut? Wenn ja, kannst du handeln, wenn nein, kannst du dir ein neues (Festpreis-)Angebot erstellen lassen oder einen anderen Heizungsbauer suchen.

Frag doch mal einen anderen Betrieb, was die Entsorgung kosten würde und gib exakt den Typ der Teile an und weise aufs Asbest hin.

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