Handeln wir letztendlich aus freiem Willen oder werden wir von unserem Unterbewusstsein geleitet?

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6 Antworten

Wenn Handlungsfreiheit besteht, handeln Menschen aufgrund ihres Willens. Menschen sind in ihrem Wollen frei, wobei diese Freiheit keine absolute Freiheit ist, die in keine Bedingungen/Umstände eingebettet ist (als wäre eine Person in ihrem Wollen ganz unabhängig, völlig losgelöst, beliebig, freischwebend, keinerlei Einflüssen ausgesetzt), sondern eine Freiheit, bei der es Einflüsse gibt.

Menschen haben, wenn sie nicht in ihrem Person-Sein schwerwiegend beeinträchtigt sind, Freiheit in ihrem Wollen. Es gibt eine offene Zukunft und einen Spielraum.

Menschen können von ihrem Unterbewusstsein beeinflusst werden. Dies ist aber keine Leitung, mit der in einer festlegenden Notwendigkeit eine Vorbestimmtheit stattfindet.

Die Überlegung, dass in das Unterbewusstsein eigene Erfahrungen, Interessen, Einstellungen, Gedanken und dergleichen eingehen, ist richtig. Alleingenommen ist dies aber noch keine ausreichende Argumentation für die Existenz von Freiheit.

Freiheit

»Willensfreiheit« meint sinnvollerweise, eine Person sei in ihrem Wollen/als wollende/in ihrer Fähigkeit zur Willensbildung/in ihren Entscheidungen frei. Träger der Freiheit ist die Person (dies ist die genauere Zuordnung der Freiheit, während ein Ausdruck wie »freier Wille« etwas ungenau ist, weil ein Wille immer das ist, was gewollt wird, und die Bezeichnung »frei« bei einer Sache, die nicht eigener Träger, sondern eine Fähigkeit/ein Vermögen ist, keinen sinnvollen Bezug hat und der Aussage nichts an Inhalt hinzufügt).

Freiheit ist eine Fähigkeit. Wer frei ist, kann eine Wahl treffen.

Bei der Freiheit gibt es:

a) »negative Freiheit« (»Freiheit von«): Abwesenheit von Zwang

b) »positive Freiheit« (»Freiheit zu«): Selbstbestimmung

Freiheit ist also einerseits eine Unabhängigkeit, die Abwesenheit von Zwängen und Hindernissen (wozu die Zwangsläufigkeit eines streng notwendigen Verlaufs gehört), andererseits Selbstbestimmung, die in einer Wahl eine Möglichkeit ergreifen kann.

Freiheit kann nicht einfach mit bloßem Zufall gleichgesetzt werden. Denn dann fehlt jede Grundlage für eine Selbstbestimmung.

Freiheit ist mit dem Vorliegen von Einflüssen/Faktoren verträglich. Ein voraussetzungsloses, unbedingtes, absolutes Losgelöstsein/Freischweben ganz nach Belieben, das eine Illusion wäre, ist nicht erforderlich. Gründe (Menschen verfolgen z. B. Zwecke/Ziele) für ein Handeln und ein Wollen bedeuten nicht eine keine Wahl lassende Notwendigkeit.

Unterbewusstsein

»Unterbewusstsein« ist entweder Synonym von »Unbewusstes« (in einer Situation aktuell unterhalb der Schwelle des Bewußtseins) oder bezeichnet den psychischen Bereich, der dem Bewusstsein nicht direkt zugänglich ist.

Bewusstsein kann einfach nur Wachheit und Aufmerksameit und das Stattfinden von Denken, Fühlens und Wollen meinen (einfache Stufe) oder eine Vergegenwärtigung des eigenen Denkens, Fühlens und Wollens, also eine Stufe der Reflexion.

Das Unterbewusstein hat mannigfache Inhalte. Der Begriff einer »Leitung« erweckt leicht die Vorstellung einer zielgericheten Lenkung, was nicht sehr passend ist.

Handlung und Entscheidung

Nicht jedes Geschehen ist eine Handlung, sondern nur eines, bei dem eine Entscheidung getroffen worden ist (im Unterschied zu einem bloßen Vorgang). Eine Entscheidung ist der Abschluss einer Willensbildung.

Eine Entscheidung ist immer mit Bewusstsein im Sinn einer gewissen Wachheit und Aufmerksamkeit und dem Stattfinden von Gedanken und Willensregungen verbunden (zumindest sehr oft auch von Gefühlen). Ein Ausdruck »unbewusste Entscheidungen« ist Begriffsschlamperei. Zwar kann es Tendenzen/Neigungen zu etwas geben, aber die wirkliche Entscheidung wird nicht ohne Bewußtsein zumindest auf einer einfachen Stufe getroffen. Daher ist es nicht nötig, eine völlige rationale Kontrolle des eigenen Unbewusstsen bzw. Unterbewusstseins zu haben, um über Willensfreiheit zu verfügen. Einflüsse aus dem eigenen Unbewusstsen bzw. Unterbewusstsein geraten in Prozesse des Überlegens zumindest auf einer einfachen Stufe des Bewusstseins. Wenn sich Denken nicht einlinear mit unausweichlicher Zwangsläufigkeit vollzieht, besteht dabei Entscheidungsfreiheit.

falsche Gleichsetzung von Kausalität und strikter Determiniertheit

Kausalität (Ursache-Wirkungs-Prinzips) und ein Prinzip strikter Determiniertheit werden nicht selten gleichgesetzt, was aber falsch ist.

Der Grundsatz, alles Geschehen aus dem Vorliegen eines Zusammenhangs von Ursache und Wirkung zu erklären (jedes Ereignis hat eine Ursache) ist nicht das Gleiche wie ein Prinzip strikter Determiniertheit. Daraus, dass notwendigerweise jedes Ereignis eine Ursache/einen zureichenden Grund hat, kann nicht abgeleitet werden, dass jedes Ereignis unausweichlich notwendig ist.

Es gibt eine weitergehende (und daher zu begründende) Zusatzbehauptung, jedes Ereignis unterliege ausnahmslosen Gesetzen, die es mit strikter Notwendigkeit festlegen. Dabei ist offenbar an Naturgesetze gedacht (wobei nicht jede Art von Naturgesetzen für die These herangezogen werden kann, sondern nur Sukzessionsgesetze [Verlaufsgesetze]). Der Ablauf des Geschehens unterliegt angeblich ausnahmslosen Verlaufsgesetzen, die vereinfacht ausgedrückt Sätze der Form „immer wenn etwas der Art A geschieht, dann geschieht danach etwas in der Art B“ sind. Bei völlig gleichen Bedingungen, die auf gleiche Objekte wirken, werden demnach genau gleiche Folgen eintreten.

Ein universale strikter Determinismusmus dieser Art, der darauf hinausläuft, der gesamte Weltlauf sei durch Anfangsbedingungen und Naturgesetze ein für alle Mal alternativlos festgelegt, kann meiner Meinung nach nicht empirisch überprüft werden. Denn das Universum können wir nicht zweimal in den genau gleichen Zustand bringen, sozusagen mit einer Neustarttaste für den Weltlauf. Verlaufsgesetze für einen universalen Determinismus sind auch nicht angegeben worden.

Wenn in der Willensbildung unterschiedliche Überlegungen vorhanden sind, liegen bei sonst gleichen Umständen Bedingungen zu dem Zeitpunkt der Verursachung vor, die nicht gleich sind, und lassen alternative Möglichkeiten zu. Willensfreiheit ist also mit Kausalität vereinbar. Eine Betrachtungsweise, als seien sämtliche Bedingungen der am Ende getroffenen Entscheidung schon vorab, vor der Willensbildung, fest gegeben, und Verursachung nur so denkbar, ist verfehlt.

Supensionsvermögen

Menschen haben die Fähigkeit, sich etwas vorzustellen und auszudenken, das nicht in der gegenwärtigen Lage gegeben ist. Entscheidungen stehen am Ende eines Willensbildungsprozesses. Regungen, Wünsche und Neigungen setzen sich nicht automatisch durch. Menschen haben zumindest grundsätzlich die Möglichkeit, innezuhalten und zu ihnen auf Abstand zu gehen (Supensionsvermögen). Sie können überlegen und bewußt ein Ziel anstreben.

Als Grundhandlung des Denkens kann ein unterscheidendes Erfassen verstanden werden. Wollen ist ins Handeln übergehendes Denken. Ein Gedanke kann formal grundsätzlich stets bejahend oder verneinend sein (A oder Nicht-A als Alternative). Daher kann auch eine Entscheidung getroffen werden, eine Handlung durchzuführen oder nicht.

Gehirntätigkeit

Es gibt zum Thema Willensfreiheit nicht einen einzigen Standpunkt „der“ Hirnforschung. Wichtig ist, wie Untersuchungen/Experimente gedeutet werden.

Ergebnisse der Hirnforschung haben bisher die Existenz von Willensfreiheit nicht widerlegt.

Eine Darstellung des Gehirns oder Teile von ihm wie ein handelndes Subjekt, das (statt der Person insgesamt) Träger von Wahrnehmungen, Denken, Fühlen und Entscheidungen ist, also weit mehr als Ort des Geschehens, ist verfehlt. Ein Gehirn ist kein Subjekt. Es ist falsch, eine Person und sein Gehirn wie zwei verschiedene Subjekte einander entgegenzustellen. Das Gehirn ist ein Teil des Gesantsystems, eines lebendigen Organismus. Ein Standpunkt kann die These sein, das Gehirn allein sei ausschlaggebend. Dann sollten ihm aber keine Handlungen zugeschrieben werden, sondern nur etwas wie Vorgänge bzw. Prozesse, die ablaufen. Bei einer anderen Auffassung als der, daß eine Person denkt und das Gehirn ein Werkzeug (Organ) des Denkens ist, fehlt ein Subjekt und eine Redeweise, das Gehirn denke, wolle, entscheide, beginne eine Handlung (und Ähnliches), ist nicht folgerichtig. Es handelt sich um einen Kategorienfehler. Wenn tatsächlich das Gehirn alles steuert, ohne irgendein Lenken einer Person, kann es keine Entscheidungen und Handlungen geben, sondern nur etwas, das Quasi-Entscheidung und Quasi-Handlung genannt werden kann.

Wenn Korrelationen (Entsprechungen) von Gehirnzuständen und mentalen Zuständen/Denken/Entscheidungen nachgewiesen werden, bedeutet dies keine strikte Determiniertheit. Die physische Realisierung ist dann eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende Bedingung. Wer Korrelationen einfach schon für ausreichend hält, Determiniertheit anzunehmen, verwechselt notwendige Bedingung und hinreichende Bedingung.

Eine bei Experimenten gemessene Gehirnaktivität, die einer auf der Ebene des Bewusstseins empfundenen Entscheidung zeitlich ein klein wenig vorausgeht, ist nur ein Bereitschaftspotential, nicht die Entscheidung. Eine Vergegenwärtigung von Gedanken im reflektierenden Bewußtsein ist als zeitlich zumindest geringfügig später sowieso zu erwarten. Eine vorausgehende noch nicht bewußte neuronale Aktivität legt aber nicht endgültig fest, schließt Kontrolle, was handlungswirksam wird und was nicht, nicht aus.

Ein ziemlich neues Experiment hat nachgewiesen, dass vom Bereitschaftspotential die Entscheidung noch nicht festgelegt wird, sondern eine eingeleitete Bewegung noch abgeändert werden kann (bis ungefähr 0, 2 Sekunden vor Ausführung, wo eine Grenze der Reaktionszeit liegt). Der Forscher, der das Experiment durchgeführt hat,  neigt in seiner allgemeinen Auffassung einer strikten Determiniertheit zu. Eine Argumentation mit dem Bereitschaftspotential gegen die Existenz von Freiheit hält er nun für nicht aufrechterhaltbar. Er versucht seine Weltanschauung mit einer Aussage zu wahren, es gebe vorausgehende Hirnprozesse. Dabei mangelt es aber an einer echten Begründung, warum so der Ablauf strikt determiert sei.

https://die-grossen-fragen.com/2016/03/17/willensretter-wider-willen-1-libets-werk-und-haynes-beitrag/

https://die-grossen-fragen.com/2016/04/03/willensretter-wider-willen-2-warum-wir-wissenschaftlich-gesehen-frei-sind/

http://www.spektrum.de/news/unser-wille-ist-doch-nicht-so-unfrei/1397002

http://www.deutschlandfunkkultur.de/neue-erkenntnisse-zur-willensfreiheit-wie-das-gehirn.976.de.html?dram%3Aarticle\_id=371055

http://www.faz.net/aktuell/wissen/ist-das-gehirn-fremdgesteuert-endlich-befreit-14034210.html

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Drei Aussagen sind wahr:
1) Der Mensch hat ein gewisses Maß an Freiheit, zu entscheiden, was er will und was er nicht will.
2) An diesen Entscheidungen ist das Ich als bewusste Instanz der Persönlichkeit in einem gewissen Maß beteiligt.
3) Der unbewusste Anteil der Persönlichkeit ist an diesen Entscheidungen zu einem erheblichen Anteil beteiligt.

Wenn ich Begriffe wie "ein gewisses Maß" oder "zu einem erheblichen Anteil" verwende, , ist damit zwar klar, dass es mehr ist als nichts; im übrigen ist der jeweilige Anteil aber nur angedeutet. Genaueres lässt sich kaum sagen, zum einen, weil es unterschiedlich ist zwischen den Menschen, vor allem aber, weil es kein Maß gibt, dies zu messen. Jede Maßeinheit, die man dafür erfinden könnte, wäre grob willkürlich; und eine Entscheidung darüber nähme das Messergebnis wohl vorweg.

Es lassen sich wohl leicht Entscheidungen konstruieren, in denen wir mit Sicherheit meinen sagen zu können, dass wir sie "frei" und bewusst von Seiten des Ich getroffen haben, und andererseits werden wir immer wieder auf Entscheidungen stoßen, die zwar wir selbst getroffen haben ohne äußeren Zwang, in denen wir aber keinerlei bewusste Gründe angeben können, warum wir es gerade so und nicht anders gewollt haben. Da nützt es auch nicht, sie zu "rationalisieren", indem wir nachträglich nach vernünftigen Gründen dafür suchen und uns solche konstruieren.

Besonders im sexuellen Bereich ist letzteres wohl die Regel, und ich versteige  mich jetzt mal zu der Vermutung, dass das bei Frauen noch häufiger der Fall ist als bei Männern - die wollen halt das eine und wissen das auch.

Woran das Unbewusste sich ausrichtet, darüber gibt es unterschiedliche Theorien, zu denen die Psychoanalyse sicherlich Wichtiges beigetragen hat. Besonders in Hinsicht auf das Thema Vaterkomplex meine ich mir inzwischen ziemlich sicher zu sein, dass C.G.Jungs These richtig ist, dass dabei auch angeborene Archetypen eine Rolle spielen. 

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Ich vermute, dass in dem Kontrast "Freier Wille" und "Unterbewusstsein" zwei grundverschiedene metaphysische Konzepte verpackt sind. Sie verstecken sich in den Auffassungen von "frei" und "Wille" sowie "unterbewusst".

Ist da die Freiheit des geistigen Wesens gemeint, die Gottesebenbildlichkeit des Monotheismus, mit der Fähigkeit mit seinem Willen und Wort neues Sein hervorzurufen, sich gegen den allgewaltigen Willen Gottes zu stellen? Das kommt in Abwandlungen wieder in Kants Freiheit, in Hegels Vergeistigung. Ist diese "Freiheit" die heimliche Repräsentanz des nicht in die Natur gefesselten Geistwesen Mensch, der platonische Seelenanteil, der den anderen sagt, wo es langgeht? Da murmelt ja vieles mit und wird unter der Decke verhandelt.

Das Gegenkonzept des "Unterbewusstseins" kommt aus der diesseitigen, materialistischen Ecke mit überzogenem Determinismus. Aus der platonischen Ecke stammt die Alles oder Nichts Einstellung: Entweder man akzeptiert Determinierung als Verflechtung innerhalb der Naturgesetze, aber dann mit Haut und Haaren oder Nichtdeterminierung gibt es nur als ausgesondertes Geistsein obendrüber. Da taucht dann z.B. Kants kausal durch und durch determinierte selbstkonstruierte Welt auf, gegen die sich bereits David Hume gewandt hat. Zeigt der Materialist Freud auf, dass viele Entscheidungsprozesse bei Menschen nicht mehr im Wachbewusstsein verhandelt werden, fällt gleich das Fallbeil des Determinismus: Alles ist vorbestimmt und lauert verborgen unter einer nicht bekannten Decke.

Da zahlen wir den Preis für 2000 Jahre Verhaftung im platonischen Denken und dass das ganz andere, weltzugewandte Denken der Epikureer und Freunde vom Christentum fast gänzlich ausgelöscht worden ist. Für den Epikureismus ist "relativ" freier Wille und Unterbewusstsein kein Widerspruch sondern eine Skala zwischen Wachbewusstsein und vollkommen unreflektiertem Verhalten, wie wir es unterschiedlich bei vielen Menschen wahrnehmen. Wir sind Teil der Natur und Teil des alles verbindenden Geflechts vielfältiger Beziehungen.

Doch sind das keine Drahtseile sondern eher Gummibänder und wir haben unsere Freiheiten. Grass ausgedrückt hat es Jean Paul Sartre, der den Menschen als handelndes Wesen betrachtet und feststellt: Wir sind zu Freiheit verdammt. Gemeint ist, wir können verantwortlichen Entscheidungen nicht entgehen, auch wenn wir andere oder unser Unterbewusstsein für unser Wachbewusstsein entscheiden lassen. Unsere Welt ist kein automatischer Apparat wie eine Kuckucksuhr sondern lebt von den unterschiedlichen Entscheidungen allen Lebens, das von Menschen im Besonderen. Deshalb sind Menschen noch lange keine halballmächtigen Götter, die in der Ecke sitzen und kreinen und ihrer verlustigen Allmacht hinterhertrauern.

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Hallo Noona02!

Warum dividierst Du Bewußtsein und Unterbewußtsein so auseinander. Wenn überhaupt könnte man die Frage stellen: Sind alle unsere Entscheidungen immer reflektiert, d.h. mit Bewußtsein getroffen. Das sind sie natürlich nicht. Wir könnten nicht einmal laufen, wenn wir jede Muskelbewegung, die dazu nötig ist, bewußt entscheiden müssten.

Das hat aber mit der Frage des freien Willens nichts zu tun. Auch wenn wir das Laufen nur mit Hilfe des Unterbewußtseins steuern können, haben wir doch jederzeit die Möglichkeit zu entscheiden: Jetzt setze ich mich hin, oder jetzt schlage ich eine andere Richtung ein.

Auch eine familiäre oder gesellschaftliche Prägung schränkt unseren freien Willen nicht wirklich ein. Wir können nämlich mit Bewußtsein unsere Erfahrungen durchdenken und uns entscheiden, es ab sofort anders zu machen als vorher.

Der Begriff des freien Willens beinhaltet ja vor allem, dass wir uns immer wieder entscheiden können, dies oder jenes zu tun oder zu lassen. Das Unterbewußtsein, die Sozialisationen, der Charakter wird damit zum Ausdruck unseres freien Willens und nicht zu einem Hemmschuh.

Gruß Friedemann

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Das kommt auf das Modell an, unter dem du den Menschen betrachtest. Als Mensch kannst du dir dich nicht als geistlose Maschine vorstellen, weil du in dir eine Person siehst. Du erkennst, dass du durch Abwägen von Entscheidungen die passendste für dich auswählst. Du besitzt jedoch auch die Macht, eine weniger rationale Entscheidung zu treffen. Demnach handelst du aus freiem Willen, wenn du dein emotionales Bewusstsein auch deiner Person zuordnest.

Demgegenüber kannst du im Rahmen des Naturalismus das Bewusstsein als prozessgesteuerte, potenziell vorhersagbare Struktur ansehen. Wenn die Wechselwirkung zwischen Teilchen immer den gleichen Gesetzen folgen, sollte unter Einhaltung des Ursache-Wirkungs-Prinzips bei gleichen Ausgangsbedingungen immer das gleiche Ergebnis folgen (Nach der klassischen Sichtweise. Demgegenüber steht natürlich immer der statistische Charakter von Elementarteilchen). Hier kann man eher von Vorherbestimmtheit, nicht von freiem Willen reden.

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Kommentar von Albrecht
19.05.2017, 10:15

Es ist falsch, Kausalität (Ursache-Wirkungs-Prinzip) und Vorbestimmtheit (Prinzip strikter Determiniertheit) gleichzusetzen. Unterschiedliche Gedanken bei einer Willensbildung bedeuten auch Unterschiede bei den Bedingungen.

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Deine letzten Worte erleichtern mich! Ich wollte Dich sonst fragen: Wer bitte ist denn Dein Unterbewusstsein? Wenn nicht Du selbst!!!

Wir tun beides: Wir agieren selbst und lassen uns von unserem Unterbewusstsein "beraten". Und das ist auch gut so.

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