Handel von Waren in der Nachkriegszeit - welche waren die Begehrtesten und Verbreitetsten?

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2 Antworten

Eigentlich alle Lebensmittel, angefangen vom Brot, besonders die Butter. Es gab ja nur Lebensmittel über Lebensmittelmarken, d.h., jeder bekam pro Tag nur eine bestimmte Ration der Grundnahrungsmittel zugeteilt.

Aber die Grundnahrungsmittel zu bekommen war doch eigentlich relativ sicher, oder? An gewisse Genussmittel zu kommen war bestimmt schwerer, nicht?

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@Nellyone

Ja, die Grundnahrungsmittel standen einem zu, allerdings nur in einer sehr kleinen Menge. Könntest du vielleicht mal googlen, wieviel Brot, Mehl, Eier, Zucker, Butter jeder Mensch bzw. jede Familie bekam. Schon sonntags mal einen Kuchen für eine Geburtstagsfeier oder Weihnachten, Kommunion, Konfirmation zu backen oder einen Sonntagsbraten (für wochentags reichte die Zuteilung nicht) zu machen, dafür reichten die Zuteilungsmarken so gut wie gar nicht. Wer konnte, fuhr aufs Land und tauschte seine Tischdecke, seinen Ring, einen Mantel gegen ein Pfund Butter. Reiche bzw. Leute, denen die Wohnung oder das Haus nicht zerbombt wurde, hatten mehr Möglichkeiten, an reichlichere Nahrung zu kommen, weil sie genug zum Tauschen hatten. Es wurde ja jede Kleinigkeit von Leuten, die alles verloren hatten, gebraucht. Die armen Ausgebombten mussten wortwörtlich das letzte Hemd für ein paar Gramm Lebensmittel mehr hergeben.

Strumpfhosen, wie in einer anderen Antwort genannt, gab es erst ca. 20 Jahre später. Vorher gab es Perlonstrümpfe, die ein Vermögen kosteten. Die Mädchen und Frauen, die ein Paar besaßen, hüteten diese wie ihren Augapfel, da sie ein Vermögen kosteten und eigentlich kaum erschwinglich waren. Man trug "Strickstrümpfe".

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@critter

Muss ziemlich schlimm gewesen sein. Gab es damals eigentlich auch schon sowas wie "Schmuddelheftchen" und so? Mag vielleicht etwas komisch klingen, aber wenn es sowas gab, muss es doch auch weg gegangen sein wie warme Semmeln, nicht?

Da ich die Zeit damals um mehrere Jahrzehnte, fast ein halbes Jahrhundert verpasst habe, kann ich viele Dinge ja nicht wissen und werde es hoffentlich auch selber nie erleben, aber hatte man sich damals eigentlich überhaupt noch um Dinge gekümmert, die keinen praktischen Nutzen hatten? Wo man schon mal bei so Dingen wie Tischdecken ist, die kann man ja nicht essen und warm halten tun sie einen auch nicht.

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@Nellyone

Ja, die Zeit war wirklich schlimm. Die Menschen standen mit ihren Lebensmittelmarken mehrere zig Meter vor einem Lebensmittelladen, um sich ihre Ration abzuholen.

Schmuddelheftchen sind mir nicht bekannt aus dieser Zeit, war auch nicht die Welt, in der ich lebte. Und - wie du schon schreibst - die Menschen waren mit ganz anderen Sachen beschäftigt. Es war die Zeit, als die Männer noch in Gefangenschaft waren, vermisst waren, gefallen waren. Frauen interessierten sich weniger für das Metier Schmuddelheftchen. Allerdings gab es natürlich hier und da auch Prostitution, meistens aus der Not heraus, sich und die Kinder durchzubringen, obwohl die Besatzer nicht beliebt waren.

Ja, Tischdecken. Natürlich nicht essbar, aber sie machten es wohnlicher, hoben den Wert des Essens, zauberten eine gemütliche Atmosphäre.

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@critter

Mir ging nur gerade durch den Kopf, wenn "Bedarf" an Prostitution bestand, wären Schmuddelheftchen sicher auch weg gegangen... war nur so eine Überlegung.

"Wohnlicher"... wäre wohl auch so eine Kategorie, die mit Genussmitteln vergleichbar wäre, die ja auch nicht satt machen und trotzdem gefragt waren...

Aus reiner Neugier würde mich ja schon interessieren, wie es einem in so einer langanhaltenden Situation geht, inwieweit man da das Leben aufs Praktischste und Nützlichste reduziert und so. Verzicht scheint ja vielen auch nicht einfach zu fallen.

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@Nellyone

Nun, es war ja so, dass es andere Zeiten als heute waren. Die einfachen Bürger waren Verzicht notgedrungen gewöhnt, allerdings natürlich nicht einen solchen Verzicht wie in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Aber man war gewöhnt, sich jedes kleine Bisschen selbst zu erarbeiten. Urlaubsreisen war ein Fremdwort und nur den ganz Reichen vorbehalten. Also hat man sich nach dem Krieg auch wieder auf den Hosenboden gesetzt und Teil für Teil erarbeitet. Diese Sachen wurden dementsprechend geschätzt und gut behandelt. Was man sich kaufte, war "fürs Leben" und nicht, wie Jahre später, durch den gewonnen Wohlstand ersetzt durch einen Nachfolger des vorhandenen Radios . Geheiratet wurde, wenn das Geld für wenigstens einen Teil der Wohnungseinrichtung vorhanden war. Und eine Wohnung gab es nur auf Zuteilung durch das Wohnungsamt (Wohnberechtigungsschein). Erst einmal bekamen die Flüchtlinge Wohnraum zugeteilt, dann die Einheimischen. Und verheiratet musste man auch sein. Nicht nur sagen, man will heiraten. Die Heiratsurkunde musste vorgelegt werden, und wann man dann eine Wohnung bekam, kam auf das Wohlwollen des Amtes an. Solange hatte man noch getrennt zu wohnen oder quetschte sich in der Wohnung von Eltern oder Schwiegereltern zusammen. Mittlerweile kamen schon Kinder und eine Wohnung hatte man immer noch nicht. Wohnraum war knapp, da Deutschland in Trümmern lag. Das alles ging noch mindestens bis Mitte der Sechzigerjahre. Dann erst ging es langsam, aber stetig aufwärts. Und mit zunehmendem Wohlstand kamen auch die Gelüste auf mehr als nur Essen und Trinken ......

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@critter

Gibt es eigentlich Literatur, welche das gesamte Thema der Nachkriegszeit (und auch vergleichbare Situationen, in denen Menschen flächendeckend nichts haben) bis ins kleinste Detail beschreiben?

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@Nellyone

Da kann ich dir leider nicht helfen, weil ich danach noch nie gesucht habe. Versuch mal zu googlen.

Eine gut sortierte große Buchhandlung könnte dir da sicher Hinweise auf entsprechendes Buchmaterial geben.

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Kaffee, Nylonstrumpfhosen

Zählten da eigentlich alle Genussmittel zu?

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@Nellyone

Tabak war oft gestreckt, teilweise wurden Kräuter oder Tee geraucht. Also eher weniger. Außer "echte" amerikanische Zigaretten. Und da darf es denn auch Schololade sein. Alkohol gab es reichlich Fusel - Schwarzbrennereien gingen immer in Krisenzeiten. Und das heutige Drogenspektrum war noch nicht so vertreten. Gab andere Probleme zu der Zeit...

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