27 Antworten

Es werden nicht nur religiöse Gründe angeführt:

Der Handschlag habe ferner eine rechtliche Bedeutung. Er symbolisiere einen Vertragsabschluss. Zudem gebe es gesetzliche Regelungen, die vorsehen, dass Personen durch Handschlag auf eine ordnungsgemäße Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet würden, beispielsweise bei der Übertragung eines öffentlichen Amts oder der Bestellung eines Vormunds durch das Familiengericht. Der Handschlag habe daher im gesellschaftlich-kulturellen und rechtlichen Leben eine das Miteinander prägende, tiefgehende Verwurzelung. Für diese sei typisch, dass der Handschlag unabhängig davon erfolge, welche Geschlechter sich gegenüberstünden. Verweigere der Einbürgerungsbewerber das Händeschütteln aus geschlechtsspezifischen – und damit mit Art. 3 Abs. 2 und 3 GG nicht in Einklang zu bringenden – Gründen, sei keine Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse gegeben. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Verweigerung des zwischen-geschlechtlichen Handschlags – wie hier – dazu diene, dem Geltungsanspruch einer salafistischen Überzeugung zum Verhältnis von Mann und Frau zu einer gesellschaftlichen Wirkung zu verhelfen.

Der Handschlag symbolisiert einen Vertragsabschluss. Wenn er diesen also nur einer Frau verweigert, stellt er sich gegen das Grundgesetz, das die Gleichheit von Mann und Frau vor dem Gesetz festschreibt.

Außerdem sehr interessant:

einer salafistischen Überzeugung zum Verhältnis von Mann und Frau zu einer gesellschaftlichen Wirkung zu verhelfen.

Diese Ansicht, dass Parallelgesellschaften, eigenen Regeln folgen, keine Anerkennung gegeben werden, kann ich nur zustimmen

Ich finde das Urteil sehr wehrhaft, weil es nicht religiös argumentiert.
Quelle

Völliger Blödsinn! Handschlag = Vertragsabschluss, selten so ein Quatsch gelesen. Ich hab bei der Telekom noch nie jemanden die Hand gegeben, und werd ich auch nicht machen. Trotzdem hab ich gültigen Vertrag!

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@hannessaloniki

Es heißt "einen Quatsch". Symbolisch steht der Handschlag für einen Vertragsabschluss. Siehe auch "Handshake-Agreement".

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@hannessaloniki

....das Urteil argumentiert so und führt auch Beispiele auf.

Es wird ja nicht behauptet, dass Verträge nur durch Handschläge zu Stande kommen, aber eben auch und ganz besonders in unserer Kulturgeschichte.

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@stufix2000

Revision ist möglich, laut einer Nachricht dazu, das Humbug Urteil wird sowieso kassiert, früher oder später ist der Deutsch! 😂

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@hannessaloniki

Das ist mir bewusst,

Das wird man sehen, leicht hat er sich dadurch nicht gemacht. Mal sehen, ob er sich als Arzt im KH halten kann mit dieser Einstellung.

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@stufix2000

Sehe hier absolut keine Rechtfertigung dass man ihn als guten Steuerzahler nicht die deutsche Staatsangehörigkeit gibt... das riecht eher nach Diskriminierung!

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@PlayadeMuro

Revision ist möglich in dem Fall... Die nächste Instanz wird das Urteil eh kippen. Gut so! 👍

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@hannessaloniki

Das hat überhaupt nichts mit Diskriminierung zu tun!

Dieser Mann hat die deutsche Staatsangehörigkeit, schlicht und ergreifend, nicht verdient.

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@PlayadeMuro

Klar hat der die verdient, der ist Oberarzt und zahlt viel Steuern! Somit richtiger Deutscher! Eher sollte man den Grossteil der deutschen die Staatsangehörigkeit abnehmen 😂

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@hannessaloniki

Du hast die Urteilsbegründung nicht gelesen oder nicht gewürdigt.
Dieses Urteil wurde schon in der zweiten Instanz bestätigt.

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@hannessaloniki

Nein, Steuerzahler ist kein Argument. Sonst könnte man sich die Staatsbürgerschaft ja gleich kaufen.

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@hannessaloniki

Was kann Alaskafrias dafür, dass Du keine Allgemeinbildung hast?

In vielen Ländern werden auch heute noch viele Verträge per Handschlg gemacht. Es gilt als rechtlich vollwertiger Vertrag.

Das kommt aus einer Zeit, als das Wort eines Bürgers noch Gewicht hatte.

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@hannessaloniki

Ds ist falsch:

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) erlaubt es grundsätzlich, Verträge wahlweise in mündlicher oder in Schriftform abzuschließen. Der Vertrag per Handschlag, zum Beispiel beim Kauf gebrauchter Waren von privat gegen Bargeld, ist dann rechtlich ebenso bindend wie ein schriftlicher Kontrakt.25.01.2016

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Das setzt aber voraus, dass Handschlag von dem/den die Hand Gebenden als solcher verstanden wird. In den allermeisten Fällen dürfte das aber nicht gegeben sein. Das Händeschütteln hat nur in Ausnahmefällen Vertragscharakter. ... Ich frage mich, ob das Händeschütteln oder das Bevorzugen anderer Formen von Gruß und Abschied wirklich grundgesetzwidrig sein kann. Schließt man da nicht eher mit Kanonen auf Spatzen? Zumal, Händeschütteln war noch nie Pflicht, wenn auch verbreiteter Usus. Ich kenne Hindus, die auch lieber die Hände zum Gruße mit „Namaste!“ oder „Guten Tag!“ auf den Lippen falten - übrigens auch besonders gegenüber Frauen. Da stört sich keiner dran. Da wird auch kein Problem draus gemacht. Ich kenne einen Hindu, der trotzdem die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hat. Da spielte dieses keine Rolle. ... Bei Muslimen aber vermutet man sofort Frauenfeindlichkeit und Parallelgesellschaft und Grundgesetzgegnerschaft.
Übrigens ist die traditionelle Art der Begrüßung unter Muslimen gegen jedermann, also Mann wie Frau, eigentlich der Salam-Gruß mit der rechten Hand auf der Brust, d.h. ohne Händeschütteln. Das Händeschütteln ist eher übernommen worden.

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@mulan2255

Wunderbar, wenn es alles so unproblematisch ist, kann der Herr ja der Sachbearbeiterin die Hand schütteln und muss seinerseits nicht so ein Fass aufmachen.
Die Frau will ihm seine Einbürgerungsurkunde übergeben, ein feierlicher Akt und sagt nö, weil sie eine weibliche Überbringerin ist.
In den USA muss man sogar einen Eid schwören und noch ganz anderen Firlefanz erdulden, wenn man eingebürgert werden will.

Ich finde den Luxus des Händeschüttelns zu solchen Gelegenheiten unter gleichberechtigten Bürgern dürfen wir uns an der Stelle als Deutsche mittlerweile schon einmal erlauben.

Zumal er ja schriftlich zugestimmt hat und seiner Verfassungstreue angeben hat. Seine salafistische Glaubensauslegung steht dem allerdings wohl im Wege.

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@stufix2000

Ich habe mit Salafisten eigentlich nichts am Hut. Und ich weiß, dass diese bei gewissen Dingen eine rigide Haltung haben. Aber dennoch halte ich es für überzogen, daraus eine solche Staatsaffäre zu machen. Und ich finde, dass man das Händeschütteln nun nicht zum Dogma (wegen eines Muslims) machen sollte, was einer Pflicht schon recht nahekommt, was es doch aber gar nicht ist. Und ob und wie das in den USA abläuft, ist hier nicht relevant.

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@mulan2255

Es ging nicht ums Händeschütteln per se, sondern der zugrunde liegenden Weigerung anzuerkennen, dass Frauen und Männer gleichgestellt sind.

Ich bin sicher, einem Mann hätte er in dieser Situation die Hand gegeben.

Die Urteilsbegründung geht viel tiefer. Ich habe sie verlinkt und finde sie richtig und gut. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

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@stufix2000
dass Frauen und Männer gleichgestellt sind. 

Sind sie auch

Ich bin sicher, einem Mann hätte er in dieser Situation die Hand gegeben.

Ja und? Eine Frau dürfte auch nicht die Hand schütteln wenn der andere ein Mann wär

Es ist nicht so als würde das nur in eine Richtung gehen

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@Rabea533

Das interessiert einfach nicht, weil dieser Aktion eine salafistische Grundwerte Einstellung zu Grunde liegt. Ich weiß nicht wieso hier extreme religiöse Einstellung so vehement verteidigt werden:

wie hier – dazu diene, dem Geltungsanspruch einer salafistischen Überzeugung zum Verhältnis von Mann und Frau zu einer gesellschaftlichen Wirkung zu verhelfen.

Aus dem Urteil.

Jede Form von Extremismus sollte von niemand toleriert werden. Meine Meinung.
Wenn Christen extreme Haltungen einnehmen, wie zum Beispiel die Evangelikalen in den USA, werde ich die auch immer anprangern. Das sind Verletzungen unserer demokratischer Grundwerte, die sind nicht tolerabel.

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@stufix2000

Korrekt. Danke!

Egal, in welche Richtung, ob Mann der Frau den Handschlag verweigert oder eine Frau dem Mann, das ist

UNGLEICHBERECHTIGUNG!

Es ist religiöser Extremismus, da gibt es auch kein lamentieren.

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@stufix2000
Jede Form von Extremismus sollte von niemand toleriert werden.

Inwiefern ist es Extremismus wenn ein Mann auf Grund seiner Religion nicht die Hand einer Frau schütteln will

Das sind Verletzungen unserer demokratischer Grundwerte

Ja oder Besser Menschen zwingen sich zu berühren und das gegen deren Willen

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@Rabea533

Das sind unsere Sitten und Gebräuche. Es zwingt ihn keiner, eine Frau zu berühren. Dann benötigt er aber auch keine deutsche Staatsangehörigkeit. Ich frage much auch, wie er seinen Beruf ausüben möchte, wenn er keine Frau berühren möchte.

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@Rabea533

Er wird ja nicht gezwungen. Wie will er eigentlich seinen Beruf ausüben? Per Ferndiagnose ?

Hier ein paar Gedanken zum Salafismus und dessen Anpassungsfähigkeit in unsere freiheitliche Grundordnung:

So steht die von Salafisten eingeforderte Todesstrafe für Apostasie im klaren Gegensatz zum Grundrecht auf Religionsfreiheit. Die dualistische Sicht von "wahrhaft Gläubigen" und "verwerflichen Ungläubigen" bedingt in der Praxis die Ungleichwertigkeit von Menschen. Die Fixierung auf einen islamischen "Gottesstaat" bedeutet, dass Salafisten die demokratische und rechtsstaatliche Ordnung sowie das Prinzip der Volkssouveränität ablehnen. Und das Geschlechter- und Gesellschaftsbild führt zur Diskriminierung und Herabwürdigung von Frauen. 
Quelle
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@mulan2255

Mulan, nicht schon wieder den Vergleich zu anderen ziehen, es geht gerade um einen muslimischen Libanesen.

Wenn er es nicht fertig bringt, der Beamtin, die ihm die Einbürgerungsurkunde überreichen will die Hand zu geben, dann ist da aber schon sehr was im argen.

Als ich in Indien war, hatte ich auch kein Problem damit mit gefalteten Händen Namastee zu sagen, oder in Spanien werd ich normalerweise an die Brust gerissen und abgeknutscht. Hab ich kein Problem damit.

Man sollte bereit sein sich anzupassen. wobei es bei dem Arzt meines Erachtens sogar noch schlimmer war, denn er hätte einem Mann die Hand gegeben.

Wenn er das bei einer deutschen Frau nicht kann, macht das nachdenklich.

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@Rabea533

Wir zwingen ihn ja nicht. Nur passt er dann nicht zu uns.

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@Rabea533

Ich habe darauf geantwortet:

Rabea53319.10.20, 15:20:26

@stufix2000

dass Frauen und Männer gleichgestellt sind. 

Sind sie auch

Ich bin sicher, einem Mann hätte er in dieser Situation die Hand gegeben.

Ja und? Eine Frau dürfte auch nicht die Hand schütteln wenn der andere ein Mann wär

Es ist nicht so als würde das nur in eine Richtung gehen

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Finde ich richtig. In meinem Heimatland gibt es auch solche, die das machen. Die meisten aus beruflichen/religiösen Gründen. Und nicht wegen der Hygiene... wie manche behaupten... sondern eher weil sie die Frau als abwertendes Wesen ansehen. Ich finde das falsch.

Nein - hier ist er Grund mal nicht Sexismus. Denn auch Frauen dürfen nach diesem Prinzip Männern nicht die Hand reichen. Heisst das, dass sie Männer als minderwertig betrachten? Nein, der Grund ist, Kontakt zwischen den zwei Geschlechtern zu vermeiden, weil man davon ausgeht, dass die Menschen ungeheuer sexbesessen sind und bei jeder Berührung in schmutzige Phantasien verfallen.

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@Zicke52

Gibt viele Gründe warum er/sie das macht. Deine Sichtweise ist nicht falsch, meine aber auch nicht. Ich kenne einen der das macht und ich kenne auch seine Beweggründe und was er von den Frauen hält.

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@JaeheKang

Ich habe erklärt, was der Grund für das GEGENSEITIGE Handschlagverbot ist. Dass der Muslim, der Frauen den Handschlag verweigert, ausserdem nichts von Frauen hält, mag ja sein. Nur verweigert er den Handschlag nicht DESWEGEN. Wie gesagt, diese Sitte gilt für BEIDE GESCHLECHTER gleichermaßen. Macht also keinen Unterschied zwischen Mann und Frau.

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Man könnte eine solche Verweigerung für belanglos halten.

Die Tatsache ist, dass dahinter viel mehr steckt. Dazu muss man sich vor Augen halten, weshalb jemand den Handschlag verweigert.

In diesem Fall wertet der Mann seine Religion höher als die kulturelle Lebensweise im Lande.

Bei der Frage der Einbürgerung muss man sich fragen, wo die Person auch in anderen Fragen die Religion an erste Stelle setzt. Wenn jemand die Frauen auf diese Art "herabsetzt", kann man annehmen, dass ihm die Religion sehr wichtig ist. So wichtig, dass sie auch über den Gesetzen des Landes stehen.

Wenn jemand dieser Ansicht ist, dann sind seine Gründe für die Einbürgerung nicht die einer Person, die sich als Bürger des Gastlandes sieht. Dann möchte diese Person die Vorteile des Gastlandes annehmen, aber nur dort, wo es ihm auch Vorteile bringt.

In diesem Sinne wäre eine Verweigerung absolut verständlich.

ausführliche und völlig richtige Antwort.

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Jeder Mensch ist gleich unabhängig von Geschlecht und Herkunft.
Wenn wir uns an diesen Grundsatz halten sollen, dann sollen die sich auch daran halten.

Also ja, ich finde es richtig, dass die dann nicht eingebürgert werden.

Menschen sind ganz bestimmt nicht gleich und auch nicht gleich zu behandeln! Das wüsste ich aber das ich noch irgendwelchen Hartz4 Versager die mein Geld bekommen die Hand schütteln werd!

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@hannessaloniki

Dies sehe ich anders. Zumal manche sogar noch einen guten Grund haben, wieso sie Harz IV beziehen. Was natürlich nicht heißt, dass alle nichts dafür können...aber auch die sind lediglich Menschen.

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Ein Arzt, der seine Patientinnen nicht anfasst, nicht mal ihre Hand, kann mMn unmöglich ein guter Arzt sein. Ärzte müssen Nähe und Empathie "können".

Zur Zeit schüttelt meine Hausärztin mir auch nicht die Hand zur Begrüßung, wegen Corona. Aber im Laufe der Untersuchung berührt sie mich natürlich, wenn nötig, anschließend desinfiziert sie ihre Hände.

Ich habe zeitweise in einem (muslimischen) Land gelebt, in dem es als ungehörig galt, dass ledige junge Männer mir als verheirateter Frau die Hand geben. Dort habe ich mich selbstverständlich angepasst und darauf verzichtet. Ich will ja niemanden in Verlegenheit bringen.

Wer bei uns leben will, soll sich auch anpassen.

Du hast völlig recht, wie will ein Arzt praktizieren, wenn er einer Frau nicht mal die Hand geben will.

Vielleicht entscheidet er, weil ich eine Frau bin, dass ich mit der OP noch ein wenig warten kann, damit zuerst ein Junge oder Mann dran kommt.

Ich hoffe, ich gerate nie an so einen Arzt.

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