Haltet Ihr es für einen Skandal, wenn ein multinationales Unternehmen durch 'Gewinnverschiebungen' Steuern spart?

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Aber ist das für ein börsengezeichnetes Unternehmen nicht sogar Pflicht?

Ja durchaus.

Denn die Manager des Unternehmens haften durchaus gegenüber dem Aufsichtsrat und den Aktionären. Rein rechtlich ist also gegen legale Steuersparmodelle nichts einzuwenden.

Unternehmen haben natürlich auch gewisse soziale und ökologische Verantwortungen, Image spiel durchaus eine Rolle, aber primäres Ziel von Unternehmertum ist es Gewinn zu generieren.

aber das liegt doch an den unzureichenden Gesetzen und nicht am Unternehmen

Hier bin ich voll bei dir und hier ist die Staatengemeinschaft bzw. die ganze Welt in der Pflicht

  • Trockenlegung von Steueroasen
  • Angleichung der Besteuerung weltweit
  • Abbau bzw. Verbot von Subventionen

Will hier die Legislative ihre eigene Unfähigkeit durch Schuldzuweisungen an Nutzer derselben vertuschen?

Das ist kein nationales Problem. Sind die Steuergesetze in Land A derart nachteilig für die Profit-Margin eines Unternehmens im Vergleich zu Staat B, dann werden viele Unternehmen es meiden im Staat A Geschäfte zu machen.

Man wird für Investitionen zusehends unattraktiv, ergo braucht es multilaterale Lösungen. Steuervermeidung darf für einen Staat kein Geschäftsmodell sein zum Anlocken von ausländischem Kapital.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von DerHans
08.11.2016, 16:26

Sie machen ja doch weiter Geschäfte z.B. in Deutschland und "realisieren" den "Gewinn" in Irland.

Nur Boykott hilft da weiter.

1

Nein, auch Unternehmen haben eine Pflicht sich sozial, ethisch und moralisch zu verhalten. Viele Unternehmen haben auch entsprechende Unternehmensleitsätze.

Du hast sicher Recht, dass es ausgesprochen unglücklich ist, dass es sogar innerhalb der EU Steueroasen gibt, sie Unternehmensanwerbungen über Steuerdumping betreiben. Auch das ist unethisch.

Aber ein Unternehmen, dass öffentliche Leistungen in Anspruch nimmt, sei es Infrastruktur, Subventionen, öffentliche Sicherheit usw. ist auch verpflichtet, in diesem Land die Steuern zu bezahlen um diesen Standard zu erhalten. Alles andere ist asoziales Verhalten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von aloisff
08.11.2016, 16:33

Ich sehe nichts ethisch verwerfliches darin, wenn ich meine Einkünfte aus Lizenzen und Patenten in den Niederlanden versteuere. Wenn sich jemand ethisch verwerflich verhält, dann ist es doch der niederländische Gesetzgeber, der offensichtlich ganz bewusst ein entsprechendes Schlupfloch kreiert um auf Kosten der restlichen EU-Staaten Steuern einzutreiben. Da ist doch die Politik gefragt.
Und wie bereits gesagt, sehe ich bei einem börsenorientiertem Unternehmen eine Pflicht solche Schlupflöcher zu suchen und zu nutzen.
Natürlich gibt es Schlupflöcher, die gegen jeden ethisch moralischen Grundsatz verstossen. Nach meinen (nicht sicheren) Informationen hat z.B. stellt VW für seine Vorstände eine eingene Flotte von Flugzeugen bereit, diese Flotte ist in einem seperaten Unternehmen innerhalb des Konzerns gebündelt, offizieller Sitz des Unternehmens: Cayman Inseln....

0

Das Management eines Unternehmens ist dessen Gesellschaftern gegenüber dazu verpflichtet, den Nettogewinn zu maximieren, also auch vermeidbare Steuern zu vermeiden, sofern dies legal ist.

Es ist schon ziemlich heuchlerisch, den einen oder anderen Markenartikler dafür an den Pranger zu stellen - das ist eine Maßnahme, die fast nur Konsumgüterhersteller trifft - irgendeiner Firma, die Produktionsanlagen herstellt und deren Namen kaum einer kennt, wird das egal sein.

Interessant, dass sich darüber immer diejenigen Politker aufregen, die erst hohe Steuersätze festsetzen, sich dann aber nicht um eine durchgängige Erhebung quer über alle Länder kümmern, weil dann ihre Konzentrationsspanne schon abgelaufen ist....

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Solange es diese Schlupflöcher gibt, ist es völlig legal, Gewinne dort zu versteuern, wo  die Steuern günstiger sind. Solange es sich um legale Steuersparmodelle handelt, ist dagegen nichts einzuwenden. Auch grosse Konzerne unterhalten "Briefkastenfirmen" in steuergünstigen Ländern. Das weiss man auch bei Schäuble und Co. Geschäfte werden eben da gemacht wo es möglich ist, satte Gewinne zu generieren und Steuern zu sparen.Wie die GRÜNEN dazu stehen, ist eigentlich völlig uninteressant. Aus deren Reihen ist noch nie etwas Brauchbares verlautet. Die stellen nur Forderungen, verschweigen aber, wie diese zu finanzieren sind. Deshalb zählt für mich die Meinung der GRÜNEN nicht. Es ist kaum anzunehmen, dass die Politik diese "Schlupflöcher" schliessen wird. Schliesslich kennt man sich und was hinter den Kulissen abgesprochen wird, entzieht sich der Öffentlichkeit.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wenn alle Leute, denen das nicht gefällt, bei diesen Firmen nichts mehr kaufen würden, wäre schon viel geholfen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von aloisff
08.11.2016, 16:39

Naja, es ist ja nicht wirklich erkennbar welches Produkt auf ein Vorprodukt von BASF basiert (gerade wenn es Patent- und Lizenzprodukte geht).

0

Selbstredend ist es ein Skandal und verwerflich. Fakt ist, nicht alles was rechtlich erlaubt ist, ist auch moralisch in Ordnung. Weiterhin verhält man sich in einer zivilisierten Welt auch nicht nur an die "Verbote bzw. Vorschriften", sondern akzeptiert auch moralischen gesellschaftliche Ansichten.

Und selbstverständlich ist den Unternehmen ihr verwerfliches Verhalten bzw. die entsprechende Reaktion ihrer Kunden auch klar. Nicht ohne Grund wird man nicht ein einziges Unternehmen finden, dass sich hinstellt und freiwillig darstellt, wie es (legale) Steuerschlupflöcher nutzt. Wie gesagt, es ist wohl kein Zufall, dass man teilweise Berichte von Unternehmen findet, die Tochterunternehmen enthalten, die im Ausland liegen und z.b. mit geringen Lohnkosten erklärt werden. Aber schon mal was von Tochterunternehmen gehört, die nur gegründet wurden um Gewinne zu verschieben (also die Info vom Unternehmen)?

Wie gesagt, es gibt keinen Zweifel an der moralischen Niedertracht dieses Verhalten. Wer z.B. in Deutschland ein produzierendes Unternehmen hat, wer die gesamte Infrastruktur nutzt, wer dann bewusst Lücken nutzt um seine Steuern im Land x zu versteuern (um weniger Steuern als in D zu zahlen) und somit der Allgemeinheit die Kosten für die Infrastruktur aufbrummt, der kann unter keinen Umständen die Moral auf seiner Seite haben.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von aloisff
08.11.2016, 23:33

Die Zahlen eines börsengezeichneten Unternehmens sind doch öffentlich, man muss doch nichts anderes tun als diese mal durchzurechnen dann weiß man doch wo her der Wind weht. 

Jetzt haben sich die Grünen mal hingesetzt und das für irgend ein Unternehmen mal gemacht und reden von einem Skandal. Das kann man mit allen Zahlen zu allen größeren börsenorientierten Unternehmen machen und wird den gleichen 'Skandal' finden, selbst (oder eher ganz speziell) bei denen mit einem grünem Tatsch...

Ausserdem denke ich dass die mir bekannten gut situierten alternativ denkende Aktionäre (also reiche potentielle Grüne) die ersten wären, die gegen einen Börsenbericht klagen würde in dem stehen würde, dass das Unternehmen die Möglichkeit auf 900 Mio. Steuerersparnis verzichtet hat.

Um auch das auch mal klar zu stellen, ich empfinde es schon eher als Kompliment wenn man mich in anderen Postings hier als 'linksgrünversifft' abstempeln will...

0

Was möchtest Du wissen?