Hallo.Meine Frage ist was passiert wenn man mit 0,9 Promillen von der Polizei erwischt worden ist?

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Hallo,

beim Autofahren und Alkohol gibt es ein paar Richtwerte.

Zunächst gibt es die sogenannte "relative Fahruntüchtigkeit", diese beginnt bei 0,3 Promille und verlangt vom Fahrer Ausfallerscheinungen, welche von den Polizeibeamten festgestellt und dokumentiert werden müssen.

Eine weitere Grenze ist 1,1 Promille. Ab diesem Wert beginnt die "absolute Fahruntüchtigkeit". Hierbei sind Ausfallerscheinungen unnötig.

Beide oben genannten Punkte erfüllten den §316 StGB, Trunkenheit. Die Standardstrafe hierbei sind 60 Tagessätze (also 2 Netto-Monatsgehälter) und ein Führerscheinentzug von 9 Monaten. Bei mehrfachen Verstoß, bei Mischkonsum (mit Medikamenten oder Drogen) oder ab 1,6 Promille wird in der Regel zusätzlich eine MPU angeordnet, also eine medizinisch psychologische Untersuchen. Diese musse erfolgreich bestanden werden, bevor ein neuer Führerschein ausgestellt wird (bzw. die Fahrerlaubnis "reaktiviert" wird, um es richtig zu formulieren.

Sollte keine der beiden oberen Punkte zutreffen, begeht deine Freundin bei diesem Promillewert eine Verkehrsordnungswidrigkeit, namentlich den §24a StVG - die 0,5 Promille Grenze.

Dieser besagt, dass bei einem Wert von 0,5-1,09 Promille OHNE Ausfallerscheinungen eine Verkehrsordnungswidrigkeit vorliegt.

Diese wird beim Erstverstoß mit 500€ Bußgeld, 2 Punkten und einem Monat Fahrverbot geahndet, beim Zweiverstoß mit 1000€, 2 Punkten und drei Monaten Fahrverbot und ab dem dritten mit 1500 €, 2 Punkten und drei Monaten Fahrverbot. Hinzu kommen Auslagen und Gebühren.

Dass deine Freundin ihren Führerschein gleich abgeben hat müssen, beunruhigt mich in dieser Sache. Das heißt, es wurde eher von einen STraftat, also einer Trunkenheit im Verkehr, als von einer Ordnungswidrigkeit ausgegangen. Die Konsequenz wäre, wie oben beschrieben, eine Geldstrafte anstatt einer Geldbuse und ein Führerscheinentzug von 9 Monaten, anstatt ein Fahrverbot von 1 Monat.

Weißt du ob deine Freundin als Beschuldigte oder als Betroffene vernommen wurde?

Bist du dir darüber hinaus sicher, dass es 0,9 Promille und nicht 0,9 mg/l sind? Normalerweise zeigt unser Atemalkoholtest mg/l an. Diesen Wert muss man mal 2 nehmen, um auf den Promillewert zu kommen, das wären dann 1,8 Promille und somit definitiv im absoluten Fahruntüchtigkeitsbereich!

Bei Rückfragen, einfach stellen, ansonsten wünsche ich euch alles Gute!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
lukas389 15.09.2016, 19:50

Hallo.Lieben vielen Dank für ihre Antwort.Der Polizist hatte gesagt das sie 0,9 Promile hat und man es beim Bluttest doppelt zählt also 1,8 Promille.Aber ohne ihren Führerschein wird sie arbeitslos kann mann dagegen nichts machen Einspruch etc?

1
Dommie1306 15.09.2016, 20:00
@lukas389

Wenn der Kollege sagt, dass sie beim Bluttest das doppelte hat, dann waren das beim Alkoholtest mg/l (die Standardmesseinheit bei Alkoholgeräten). Zum Thema Einspruch: Die Kurzantwort ist nein. Bei 1,8 Promille sind wir schon weit im Straftatbestand

§ 316 StGB
Trunkenheit im Verkehr

(1) Wer im Verkehr (§§ 315 bis 315d) ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 315a oder § 315c mit Strafe bedroht ist.

In Verbindung mit 

§ 69 StGB
Entziehung der Fahrerlaubnis

(1) Wird jemand wegen einer rechtswidrigen Tat, die er bei oder im Zusammenhang mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs oder unter Verletzung der Pflichten eines Kraftfahrzeugführers begangen hat, verurteilt oder nur deshalb nicht verurteilt, weil seine Schuldunfähigkeit erwiesen oder nicht auszuschließen ist, so entzieht ihm das Gericht die Fahrerlaubnis, wenn sich aus der Tat ergibt, daß er zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist. Einer weiteren Prüfung nach §62 bedarf es nicht.

(2) Ist die rechtswidrige Tat in den Fällen des Absatzes 1 ein Vergehen

1.der Gefährdung des Straßenverkehrs (§

 

315c),

2.der Trunkenheit im Verkehr (§ 316),

3.des unerlaubten Entfernens vom Unfallort (§

 

142), obwohl der Täter weiß oder wissen kann, daß bei dem Unfall ein Mensch getötet oder nicht unerheblich verletzt worden oder an fremden Sachen bedeutender Schaden entstanden ist, oder

4.des Vollrausches (§

 

323a), der sich auf eine der Taten nach den Nummern 1 bis 3 bezieht,

so ist der Täter in der Regel als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen anzusehen.

(3) Die Fahrerlaubnis erlischt mit der Rechtskraft des Urteils. Ein von einer deutschen Behörde ausgestellter Führerschein wird im Urteil eingezogen.

wird die Fahrerlaubnis per Gesetz eingezogen.Das ist keine Richterentscheidung, das ist im Gesetz verankert. Diesbezüglich gibt es hunderte, wenn nicht tausende von Verurteilungen in Deutschland pro Jahr, ein Einspruch ist hier nicht möglich (bzw. schon möglich aber ohne Aussicht auf Erfolg).

Es gibt im Bereich des Fahrverbots (nicht Entzug des Fahrerlaubnis) die Möglichkeit für Berufskraftfahrer, Landwirte etc. das Fahrverbot auszusetzen, aber davon wird nur sehr spärlich gebraucht gemacht und liegt wie schon erwähnt hier nicht vor.

Ein Anwalt kann diesbezüglich auch nichts ändern, kann jedoch die zu zahlenden Tagessätze ggf. auf bis zu 40 reduzieren.

Wegen Arbeit: Ich weiß, dass ist meistens das Problem:-/

Eine Lösung wäre vielleicht, dass sie mit einem 25er Mofa fährt, dafür wird keine Fahrerlaubnis, sonder nur eine Prüfbescheinigung benötigt...

Wichtiger ist jedoch die MPU. Ich will euch keine Angst machen, aber ich kenn eigentlich keinen, der die MPU auf Anhieb geschafft hat. Diese wird bei 1,8 Promille auf jeden Fall angeordnet. Deine Frau muss regelmäßige Tests machen, um zu beweisen, dass sie nichts mehr trinkt und ein Gespräch mit einem Psychiater führen um zu zeigen, dass sie nicht mehr "rückfällig" wird. Hier fallen viele durch... daraufhin kriegt sie erst Wochen oder sogar Monate später einen neuen Termin... dieser kostet immer ein Schweinegeld (ich glaub ~300 €) und außerdem kann sie die Fahrerlaubnis erst nach bestandener MPU Prüfung wiedererlangen. Das heißt auf diese Weise kann sich die führerscheinlose Zeit sehr schnell auf 12-15 Monate ausdehnen...

0
lukas389 15.09.2016, 20:06
@Dommie1306

ohje das hört sich alles so schlimm an.Aber trotzdem lieben vielen Dank für ihre Antwort.Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend 

1
Dommie1306 15.09.2016, 20:10
@lukas389

Ich hab dir nie das "Sie" angeboten... bleiben wir beim "Du" :)

Ja ist eine schlechte Situation, ich kann nicht mal sagen, wartet das Blutergebnis ab, denn bei 0,9 mg/l wird das definitiv über 1,1 Promille liegen...

Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, dass ihr das alles hin kriegt (evtl. Elternzeit nehmen?)

Viel Glück

0
lukas389 15.09.2016, 20:12
@Dommie1306

wie lange dauert das Blut Ergebnis bis es hier ist? Elternzeit geht nicht

0
Dommie1306 16.09.2016, 07:48
@lukas389

Blutergebnis nur für Alkohol, oder wurden auch weitere Stoffe überprüft (Medikamente, Drogen...)? Bei reinen Alkhol in der Regel ca. 2-3 Wochen, Betäubungsmittel und Medikamente ca 4-5 Wochen...

0
Crack 15.09.2016, 21:04

Sehr gute Antwort. 👍

Anfangs wollte ich noch bemängeln das Du mit 60 Tagessätzen etwas hoch greifst - als dann aber klar wurde das wir über 1,8‰ kommt das schon hin.
In dem Fall sollte man dann aber auch von einer Sperrfrist von eher 10-12 Monaten [gerechnet ab Urteil] ausgehen, die FE ist also für insgesamt ca. 12-15 Monate weg - das auch ohne Einfluss der MPU.

Auf die MPU sollte man sich mit professioneller Hilfe vorbereiten.
Das kostet zwar zusätzlich, lohnt sich aber.

1
Dommie1306 16.09.2016, 07:50
@Crack

Danke Crack,

wobei ich zugeben muss, dass ich ursprünglich falsch lag. Bei uns in Bayern liegt der Standardsatz für 316er bei 45 Tagessätzen, hatte einfach einen Hänger, aber ab 1,6 Promille wirds normalerweise auf 60 Tagessätze erhöht, hatte also durch Glück doch noch Recht;)

Interessant, dass bei euch dann auch gleich die Monate erhöht werden. Das ist bei uns eigentlich nur bei Mischtox bzw. beim Wiederholungstäter... wieder was dazu gelernt:)

Und mit der MPU geb ich dir auf jeden Fall Recht, ich kenn einfach keinen der die alleine auf Anhieb schafft...

0

An der Geschichte fehlt einiges.

Bei 0,9 Promille ist der Lappen (noch) nicht sofort weg, da es noch im Ordnungswidrigkeitenbereich ist. Eine Blutprobe wird gemacht, wenn sie entweder den Evidential-Test nicht wollte/konnte oder wenn der Wert über 1,1 Promille ist bzw. eine andere Straftat erfüllt ist. So wie beschrieben ist es also komisch abgelaufen bzw. wurde es dir ungenügend erzählt.

Wenn sie beim freiwilligen Vortest 0,9 mg/l gepustet hat, dann wird der Wert tatsächlich verdoppelt. Dann sind es aber schon von Anfang an 1,8 Promille und der Lappen ist dann tatsächlich weg.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Du schreibst unten was von verdoppeln ...

Das "Blasergebniss" ist ca. die Hälft vom Blutalkohol. Wenn sie also 0,9 geblasen hat, dann sind das ca. 1,8 Promill!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

500 Euro, 1 Monat Fahrverbot, 2 Punkte.

Im Wiederholungsfall gibt es noch mehr eingeschenkt...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
lukas389 15.09.2016, 19:31

Der Polizist meinte das es im Blut immer doppelt gezählt wird hat sie dann 1,8 Promille?

 

0
atzef 15.09.2016, 19:37
@lukas389

Nein. Das ist Quatsch.

Sie darf halt nicht über 1, 1 kommen. Dann nämlich sind wir im strafbaren Bereich. Dann gibt es 3 Punkte, eine Freiheits- oder Geldstrafe und ein variables Fahrverbot...

0
Drizzt1977 15.09.2016, 19:44
@atzef

Keine Punkte, da ab 1,1 Promille die Fahrerlaubnis weg ist, nicht nur Führerschein. Sperre zur Wiedererlangung und möglicherweise (aber nicht zwangsläufig) ne MPU.

0
Dommie1306 15.09.2016, 19:48
@atzef

Nein das ist nicht Quatsch. Der Atemalkoholtest zeigt normalerweise mg/l an und das muss mal 2 genommen werden für den Promillewert... und in dieser Einheit wird das Blutergebnis genannt...

0
Dommie1306 15.09.2016, 19:49
@lukas389

Ich habs dir oben beschrieben.

Wenn sie beim Alkoholtest 0,9 mg/l hatte, dann musst du das mal 2 nehmen. Und davon geh ich aus:-(

Das heißt, deine Freundin kann sich darauf einstellen, 9 Monate keinen Führerschein zu haben und dann die MPU machen zu müssen...

0
Dommie1306 15.09.2016, 19:47

Nur eingeschränkt richtig, da hier auch Straftaten im Raum stehen können.

0

Abwarten bis sie ein Brief bekommt ...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?