Hallo zusammen, kann man in einen Riestervertrag Sondereinzahlungen vornehmen?

2 Antworten

Hallo Gulliver,

bei Wohnriester ist einiges zu beachten. Ich habe hier ein paar Tipps für dich die dir hoffentlich helfen:

seit dem der Bundestag in 2008 das "Gesetz zur verbesserten Einbeziehung der selbstgenutzten Wohnimmobilie in die geförderte Altersvorsorge (Eigenheimgesetz - EigRentG) verabschiedet hat, ist es möglich gefördertes Kapital im Rahmen einer wohnwirtschaftlichen Entnahme zu verwenden. Hierfür müssen seit 2014 folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

- Erwerb bzw. Herstellung einer selbstgenutzten Wohnimmobilie

- Entschuldung einer Wohnung

- Einkauf in Alten- und Pflegeheime

- Zum Umbau zur Reduzierung von Barrieren in oder an einer selbstgenutzten Wohnung (nach DIN-NORM 18040)

- Zum Erwerb von Genossenschaftspflichtanteilen

Der Kauf/Erwerb bzw. die Herstellung/Fertigstellung muss nach dem 31.12.2007 erfolgt sein.

Zu Beginn der Auszahlungsphase kannst du auch bestehende Darlehen tilgen für Wohnimmobilien, die vor 2008 erworben oder hergestellt wurden.

Nicht gefördert werden Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen.

Wie du schon schreibst, muss für eine zulagenunschädliche Teilentnahme mindestens 3.000 EUR Altersvorsorgevermögen aus dem Vertrag entnommen werden und noch mindestens 3.000 EUR gefördertes Altersvermögen im Vertrag verbleiben. Das heißt, es müssen mindestens 6.000 EUR Altersvorsorgevermögen im Vertrag angespart sein.

Du hast jährlich die Möglichkeit bis zu 2.100 EUR (inklusive aller Zulagen) an geförderten Beiträgen in deinen Vertrag einzusparen. Daher solltest du vor einer Zuzahlung unbedingt prüfen, ob dies aufgrund deiner bereits getätigten Einzahlungen in 2015 noch möglich ist. Zusätzlich kann dein Versicherer Abschluss- und Vertriebskosten auf Zuzahlungen erheben, die dein gefördertes Altersvorsorgevermögen erst einmal schmälern.  Wenn aufgrund der Höhe des Altersvorsorgevermögens eine Teilentnahme von 3.000 EUR nicht möglich ist, hast du als Alternative die Möglichkeit das gesamte Altersvorsorgevermögen zu entnehmen. Die zulagenunschädliche Entnahme muss auch hier mindestens 3.000 EUR betragen. Bei der Berechnung des Mindestauszahlungsbetrages kann aber sowohl gefördertes als auch ungefördertes Kapital berücksichtigt werden. Über die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) kannst du die Höhe der maximal möglichen Wohnriesterauszahlung erfahren. Sie ermittelt den Beitrag anhand der von dir vorgelegten Dokumente  wie zum Beispiel dem Kaufvertrag der Immobilie.

Wie TerhorstAgentur schon schreibt, müssen die entnommenen Beträge versteuert werden. Da für Entnahmen aus RiesterRenten keine Renten mehr fällig werden können, wird ein fiktives Konto - das "Wohnförderkonto" gebildet und von der ZfA verwaltet. In diesem Konto wird der von dir entnommene Betrag und die Zulagen erfasst und jährlich mit 2% verzinst. Nach Übergang in die Rentenphase (Beginn der Auszahlphase) wird der bis dahin aufgelaufene Betrag des Wohnförderkontos zur Ermittlung der Steuer herangezogen. Zum Beginn der Auszahlphase stehen dir dann für die Besteuerung zwei Möglichkeiten zur Wahl:

Laufende Besteuerung:

Auf den Betrag des Wohnförderkontos werden bis zum 85. Lebensjahr Steuern in jährlichen Beiträgen mit dem jeweiligen individuellen Steuersatz (z.B. 25%) gezahlt. Beispiel:

Entnahme aus der RiesterRente 10 Jahre vor Ablauf (zum 67. Lebensjahr)
Höhe Wohnförderkonto: 20.000 EUR   x Verzinsung (angenommen jährlich 2%) =

Wohnförderkonto zu Beginn Auszahlphase = 23.900 EUR

23.900 EUR / 18 Jahre = 1.327 x 25% individueller Steuersatz = 331,75 EUR (gesamt bis zum 85. Lebensjahr = 5.971,50 EUR)

Einmalbesteuerung:

Der Rentner muss 70% des Kapitals auf dem Wohnförderkonto sofort mit seinem individuellen Steuersatz (z. B. 25%) versteuern und verpflichtet sich, die Immobilie 20 Jahre in seinem Besitz zu halten. Beispiel:

Höhe Wohnförderkonto: 20.000 EUR  x Verzinsung (angenommen jährlich 2%) =

Wohnförderkonto zu Beginn Auszahlphase = 23.900 EUR

23.900 EUR / 70 % = 16.730 EUR / 25 % persönlicher Steuersatz = 4.185,50 EUR.

Viele Grüße, Angie vom Allianz Hilft Team

Grundsätzlich lässt sich der Riesterbeitrag bis 2.100,00 Euro incl. Zulagen p.A. aufstocken. Ob die Versicherung das bei gleichzeitiger Entnahme schluckt sei mal dahin gestellt. Es gibt bei deinem Vorhaben außerdem ein paar Dinge zu beachten.

  1.  die Entnahme der Zulagen, die ja zwangsläufig anteilmäßig erfolgt, wird fiktiv mit 2% per Anno verzinst. Diese fiktiven Zinsen müssen in einer Summer zum Renteneintritt ans Finanzamt / Zulagenstelle gezahlt werden.
  2. Ich gehe davon aus, das eine Teilkapitalentnahme zum Verlust der Garantien aus dem Riestervertrag führt (Garantiezins / Brutto- Beitragsgarantie). Genaueres ist den Bedingungen zu entnehmen.
  3. Eine Entnahme zur Immobilienfinanzierung für die eigenen Wohnzwecke ist nicht an die erwähnten Summen gebunden, da eine selbstbewohnte Immobilie riestertechnisch zur Altersvorsorge gerechnet wird und somit eine bedingungsgemäße Verwendung der Riesterrente darstellt.

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