Hallo, sind die Formulierungen bei einem Gerundivum+esse?

4 Antworten

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Guten Abend :)

Gerundivum und esse muss nicht im Passiv und im Futur stehen. Nehmen wir mal den Beispielsatz

Librum legendum est.

Dann haben wir ein Gerundivum mit esse. Das Gerundivum drückt eine Notwendigkeit aus, deshalb übersetzen wir:

Das Buch muss gelesen werden = Man muss das Buch lesen.

Ohne esse wäre das Librum legendum ein zu lesendes Buch.

Nun können wir mal die negative Formulierung mit reinbringen, indem wir vor dem esse ein non ergänzen:

Librum legendum non est.

Wir übersetzen nun mit nicht dürfen:

Das Buch darf nicht gelesen werden.

Das ist ja recht unpersönlich ausgedrückt, das ist wohl das, was du mit dem Passiv meinst. Aber: Wür können das Ganze auch aktivisch machen. Dazu ergänzen wir einen sogenannten Dativus auctoris = Dativ des Urhebers, der angibt, von wem diese Sache gemacht werden muss bzw. nicht getan werden darf:

Mihi / Tibi / Discipulis librum legendum (non) est.

Von mir / von dir / von den Schülern muss das Buch / darf das Buch nicht gelesen werden.

Diese recht umständliche Formulierung drehen wir einfach ins Aktive und erhalten:

Ich / Du / Die Schüler müssen das Buch / dürfen das Buch nicht lesen.

Und schon muss es gar nicht mehr passivisch sein :)

Nur dein Futur verstehe ich nicht ganz. Die Zeitform des Gerundivums hängt hier davon ab, in welcher Zeit esse steht:

Mihi librum legendum fuit. = Das Buch hat von mir gelesen werden müssen.

Mihi librum legendum erat. = Das Buch musste von mir gelesen werden.

Mihi librum legendum est. = Das Buch muss von mir gelesen werden.

Mihi librum legendum erit. = Das Buch wird von mir gelesen werden müssen.

Klingt zwar etwas holprig, aber ich hoffe, du verstehst, worauf ich hinaus möchte. :)

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkle bringen!

LG

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium Chemie + Latein Lehramt, FU Berlin

danke :))

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Die Wichtigkeit liegt nicht im Benutzen einer Wortart, sondern darin, wie du die Konstruktion im Deutschen bei der Übersetzung anlegst. Ob du müssen, werden, sollen oder sonst eine geeignete Umschreibung benutzt, ist ziemlich gleichgültig, wenn du es im Prädikat dem Leser verdeutlichen kannst.

In Latein ist die Konstruktion klar vorgeschrieben (Gerundivum), im Deutschen musst du es durch die Art der Ausdrucksweise klarmachen. Dass sich jemand dann auf "soll getan werden" versteift, ist Geschmackssache des jeweiligen Lehrers, solange die Schüler noch nicht sicher in der Übersetzuzng eines Gerundivs sind. In gedruckten Übersetzungen kannst du da eventuell die größten Wunder erleben ...

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Unterricht - ohne Schulbetrieb

Nein. Wir müssen machen ist ja aktiv. Im Deutschen gibst Du das Gerundiv gewöhn­lich mit einer Konstruktion aus müssen und dem Passivinfinitiv wieder: Es muß ge­macht werden. Die Passivität steckt dabei im passiven Infinitiv gemacht werden, nicht in der Personalform des Modalverbs muß.

Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

Also man bildet das Gerundivum+esse mit müssen/nicht dürfen und präsens passiv ?

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Du hier bei Latein? Interessant... :D

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also das Passiv als Präsens Passvi übersetzen?

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Da hast du ganz recht! Wenn ich etwas machen muss, drückt das schon automatisch aus, dass es in der Zukunft passiert. Das Passive wird aber mit dem Infinitiv ausgedrückt.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Also man bildet das Gerundivum+esse mit müssen/nicht dürfen und präsens passiv ?

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also das Passiv als Präsens Passvi übersetzen?

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@Faly7

Ja so ist es! Halte dich einfach an die Zeit von dem "esse"!

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