Hallo! Nach eigener Fristlosen Küdnigung habe ich mein Arbeitszeugnis erhalten einige Aussagen erscheinen mir etwas Komisch. Kann mir jemand helfen zu deuten?

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9 Antworten

So funktioniert das nicht. Man kann nicht einzelne Formulierungen analysieren. Um ein Zeugnis beurteilen zu können, muss man es im Zusammenhang lesen, also vollständig von der Überschrift bis zum Ausstellungsdatum. Denn jede Formulierung kann je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung haben. Und überall können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sind - das gilt auch für vermeintliche Rechtschreibfehler oder das Ausstellungsdatum.

Bevor also nicht dein Zeugnis vollständig hier vorliegt, ist alles nichts weiter als Kaffeesatzleserei!

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Kommentar von Leilo1994
14.07.2016, 12:22

Frau... geb am ..., wohnhaft in ... begann am ... in unserer Filiale...Ihre Aubildung zur Kauffrau im Einzelhandel. Diese Ausbildung beendete Frau.. am ... erfolgreich mit Bestehen der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Im Lauf ihrer Ausbildung wurde Frau... mit allen im Verkauf anfallenden Fertigkeiten und Nebenarbeiten vertraut gemacht. Sie wurde an der Ware ausgebildet und konnte sich mit Lagerpflege und allen anderen im Berufsbild vorgesehenen Aufgaben befassen.

Frau.. zeigte überdurchschnittliches Interesse für ihr Ausbildung und erfüllte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Auf Grund ihrer guten Leistungen übernahmen wir Frau... nach Beendigung ihrer Ausbildung als Verkäuferin.

Frau... zeichnete sich durch angenehme Umgangsformen aus und wurde von unserer Kundschaft sehr geschätzt. Im verkauf zeigte sie sehr gute Leistungen.

Wir bestätigen gern, das Frau... immer ehrlich, fleißig und pünktlich war.

Das Verhalten von Frau... gegenüber Kunden, Kollegen und Vorgesetztenwar immer vorbildlich und von Hilfsbereitschaft geprägt.

Leider verlässt uns Frau ... heute auf eigenen Wunsch

Wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihren weiteren persönlichen und beruflichen Lebensweg alles gute.

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Ja, das ist nicht unbedingt positiv. Aber ein Zeugnis muss ja auch immer EHRLICH sein. 

Ganz davon ab muss man dieses Zeugnis im kompletten Wortlaut sehen und auch wissen, ob es Absicht oder Unwissenheit war, gewisse Dinge "schlecht" darzustellen.

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Arbeitszeugnisse sind vermintes Terrain, man kann da viel reininterpretieren, aber es kann auch sein, dass der Schreiber es tatsächlich positiv gemeint hat.

Beim ersten Absatz wäre es interessant, wie er weitergeht, ansonsten KÖNNTE man das lesen als: "Interesse war da, aber nicht die Fähigkeiten".

Im zweiten lese ich nichts zweideutiges.

Der dritte ist haarig: Ehrlichkeit und Pünktlichkeit sollten eigentlich in einem Arbeitszeugnis nicht angesprochen werden, da es selbstverständlichkeiten sind. (Du würdest ja auch nicht schreiben: "Er/Sie trug immerhin immer eine Hose" - da wüsste der Leser auch, dass irgendwas nicht stimmt)

Bei "Kunden, Kollegen und Vorgesetzten" kommts irgendwie auf die Reihenfolge an, aber ich weiß nicht, welche jetzt "gut" ist und welche nicht.

Kleiner Disclaimer noch: Ich bin nicht vom Fach, wir hatten das Thema nur mal grob in der Berufsschule.

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Kommentar von Leilo1994
14.07.2016, 11:34

-Frau... zeigte überdurchschnittlichs Interesse für Ihre Ausbildungund erfüllte die Ihr übertragenen Aufgaben stets zu unsere Vollsten zufriedenheit.-

lautet der ganze Satzt.

Beim dritten hatte ich gelesen wenn man Zb im an der Kasseist, ist es wichtig, dass der vermerk drin ist. Da ich aber ja nicht NUR an der Kasse war sondern im Verkauf kommt es mir seltsam vor .. vor allem mit der Pünktlichkeit, da ich IMMER pünktlich war..

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Es wird immer so viel darüber geredet in wie weit verschlüsselte Fallstricke im Arbeitszeugnis eingebaut sind.

In der Realität ist das Zeugnis nur in sehr geringem Maße ausschlaggebend ob man einen Job bekommt oder nicht.

Dein Zeugnis an sich ist eindeutig nicht schlechter als die Note 3 - daher ist damit alles ok.

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Kommentar von DarthMario72
14.07.2016, 12:52

In der Realität ist das Zeugnis nur in sehr geringem Maße ausschlaggebend ob man einen Job bekommt oder nicht.

Na das bezweifle ich aber mal.

Miese Zeugnisse -> Bewerbung in den Papierkorb.

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Überdurchschnittliches Interesse für Ihre Ausbildung

= du hast wegen deiner Ausbildung deinen Job stark vernachlässigt

Dass ist der einzige Satz der mich stark stutzig macht. Erlaubt ist er trotzdem da er ja nicht negativ formuliert ist.

Du selbst darfst eigentlich gar nicht mitbestimmen was im Arbeitszeugnis steht - dein Recht ist nur eines zu bekommen wo nichts negativ formuliert ist.

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Kommentar von Leilo1994
14.07.2016, 11:29

Also es haldelt sich ja um ein Ausbildungszugnis dh die Ausbildung in dem Betrieb war ja mein Job deswegen kam es mir merkwürdig vor, da es nichts gab was mich abgelenkt hat .

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Es hört sich ein bisschen so an, Dass du dich "zu viel" um die Angelegenheiten der anderen gekümmert hast, und vielleicht auch Fragen beantwortet haben wolltest, die dir der Ausbilder nicht beantworten wollte.

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Es hört sich tatsächlich ein wenig "übertrieben" an. Aber denke nicht das es negativ rüberkommt.

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Grundsätzlich zählt bei einem durchwachsenem Zeugnis - und das ist hier der Fall - die schlechteste auffindbare Bewertung. Sie färbt auf das gesamte Zeugnis ab, unabhängig von den weiteren Formulierungen.

Schauen wir mal:

zeichnete sich durch angenehme Umgangsformen aus und wurde von
unserer Kundschaft sehr geschätzt. Im Verkauf zeigte Sie sehr gute
leistungen

Ist ziemlich gut. Die Betonung auf sehr gute Leistungen im Verkauf deutet darauf hin, dass in anderen Bereichen nicht sehr gute Leistungen erbracht wurden.

Das Verhalten von Frau.. gegenüber** Kunden, Kollegen und Vorgesetzten**
war immer vorbildlich und **von Hilfsbereitschaft geprägt
**

Ist eine Standardfloskel für sehr gutes Verhalten. Ggf. ist die Reihenfolge ein Indiz, dass das Verhalten gegenüber den Vorgesetzten zumindest nicht makellos war. Gängig ist Kunden, Vorgesetzte, Kollegen.

zeigte Überdurchschnittliches Interesse...

Das ist verhältnismäßig mies. Interesse zeigen ist nichts brauchbares und trägt nicht zum Erfolg des Unternehmens bei. Noch schlimmer wäre "Verständnis zeigen". Hier wäre der angehängte Satz "...und erfüllte..." sehr wichtig!

Ehrlich, fleißig und pünktlich.

Hier könnte es der Arbeitgeber vielleicht gut gemeint haben, aber hat das genaue Gegenteil bewirkt.

Ehrlichkeit und Pünktlichkeit sind selbstverständliche Eigenschaften eines Mitarbeiters, die nicht gelobt werden müssen (er hätte auch schreiben können "Der Mitarbeiter atmete regelmäßig."). Wird es dennoch betont, kehrt es sich in das Gegenteil um. Also unehrlich und unpünktlich.

Unter Berücksichtigung der beiden letzten Punkte entspräche dein Zeugnis nach meiner Beurteilung einer Vier. Wären die beiden letzten Punkte korrekt oder wohlwollender formuliert, wäre das Zeugnis - anhand der dürftigen Textauszüge - sogar eine gute Zwei.

ABER: Ein Zeugnis muss immer im gesamten beurteilt und verstanden werden. Von den paar Textauszügen kann man kein zuverlässiges Bild vom Zeugnis erstellen.

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Kommentar von Leilo1994
14.07.2016, 11:59

Danke für diese Super Antwort! Darf ich Ihnen das Zeugnis mal Komplett abtippen und Sie schauen mal drüber ? ich bin wirklich total am verzweifeln und hab alles abgesucht. Das mit dem Vorgesetzten ist möglich, das die mein Kündigungsgrund war da es in richtung Mobbing ging  :(

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Kommentar von DarthMario72
14.07.2016, 12:20

Bei einigen Punkten liegst du leider falsch!

das Verhalten von Frau.. gegenüber** Kunden, Kollegen und Vorgesetzten**

war immer vorbildlich und **von Hilfsbereitschaft geprägt 
**

Ist eine Standardfloskel für sehr gutes Verhalten. Ggf. ist die Reihenfolge ein Indiz, dass das Verhalten gegenüber den Vorgesetzten zumindest nicht makellos war. Gängig ist Kunden, Vorgesetzte, Kollegen.

Nein, die korrekte Reihenfolge ist Vorgesetzte - Kollegen - Kunden.

zeigte Überdurchschnittliches Interesse...

Das ist verhältnismäßig mies. 

Nein, ist es nicht. Es handelt sich um ein Ausbildungszeugnis, diese Formulierung entspricht einem "gut".

Ehrlichkeit und Pünktlichkeit sind selbstverständliche Eigenschaften eines Mitarbeiters, die nicht gelobt werden müssen

Bei der Pünktlichkeit gebe ich dir Recht. Bei der Ehrlichkeit kommt es auf die Tätigkeiten an. Hat jemand bspw. Umgang mit Bargeld, muss der Ehrlichkeitsvermerk ins Zeugnis, wenn er der Wahrheit entspricht.

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