Hallo, mein Arbeitsvertrag begann am 01.06.15 und gekündigt habe ich am 31.01.16. steht mir nun der komplette Jahresurlaub aus 2015 zu?

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6 Antworten

Warum hast Du letztes Jahr so wenig Urlaub genommen? Hat Dein AG Dir den Urlaub am Jahresende betriebsbedingt nicht gegeben? Gibt es eine Vereinbarung über die Mitnahme von Resturlaub? Gibt es im Arbeitsvertrag eine Zwölftelregelung oder gilt ein entsprechender Tarifvertrag?

Eine wichtige Frage noch: Hattest Du letztes Jahr, bevor Du bei dem AG angefangen hast, schon Urlaub bei einem anderen AG?

Wenn Du vor Beginn Deiner Tätigkeit schon Urlaub bei einem anderen AG in Anspruch genommen hast, steht Dir nicht mehr der komplette Jahresurlaub für 2015 zu.

Der Gesetzgeber sagt zwar im § 4 Bundesurlaubsgesetz, dass man nach erfüllter Wartezeit von sechs Monaten Anspruch auf den (mindestens gesetzlich vorgeschriebenen) kompletten Jahresurlaub hat, er schließt aber im § 6 BUrlG Doppelansprüche aus. Hattest Du also vorher schon Urlaub, muss der AG Dir nicht den kompletten Urlaub geben.

Außerdem wäre es wichtig, ob es eine Zwölftelregelung im Arbeitsvertrag oder anwendbaren Tarifvertrag gibt. Bei dieser hast Du zwar nach sechs Monaten den Anspruch auf den kompletten Jahresurlaub, der würde sich dann aber nur auf den Mindesturlaub von vier Wochen beziehen.

Wenn Du letztes Jahr den Urlaub beantragt, aber nicht bekommen hast oder z.B. krank warst, kann er nach § 7 Abs. 3 ins Folgejahr übernommen werden. Hast Du aber gar keinen beantragt und es liegen auch keine in Deiner Person liegenden Gründe (Krankheit, Mutterschutz....) vor dass der Urlaub nicht genommen wurde, ist zumindest der gesetzliche Mindesturlaub am Jahresende verfallen.

Urlaub kann nicht ins Folgejahr mitgenommen werden, nur weil man ihn im laufenden Kalenderjahr nicht nehmen möchte.

Wie Du siehst, kann ich Deine Frage also nicht einfach mit JA oder NEIN beantworten. Mir sind hier zu viele Fragen offen.

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Kommentar von ThiloKa
05.02.2016, 13:30

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Meine Frage ist somit geklärt. :)

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Laut Arbeitsvertrag hattest Du vermutlich den Dir zustehenden Urlaub auch in 2015 zu nehmen. Falls Du das nicht getan hast, kann es dafür verschiedene Gründe geben. Z. B. der, dass Du während der Probezeit (6 Monate) keinen Urlaubsanspruch hattest und danach (Dezember!) war allgemeine Urlaubssperre. Wenn geregelt ist, dass Du den Jahresurlaub nicht ins neue Jahr übertragen kannst, wäre das sicher nicht in Ordnung und Du könntest eine Entschädigung verlangen.

Wenn Du selbst den Jahresurlaub nicht genommen hast, obwohl Du die Möglichkeit dazu gehabt hättest (z. B. 15 Tage im Dezemer), hast Du den Anspruch vermutlich verwirkt.

Ist es aber lt. Arbeitsvertrag oder betrieblicher Regelung erlaubt, Resturlaub ins neue Jahr zu übernehmen, aber Dir wurde keine Gelegenheit im Januar dazu gegeben, steht Dir ein Entschädigung zu.

Hattest Du aber im Januar Gelegenheit, den Urlaub zu nehmen und Du hast das nicht gemacht, ist die Entschädigung wohl verwirkt.

Prüfe einfach mal anhand dieser Angaben. Für eine konkretere Antwort, sind Deine Angaben in der Frage einfach zu dürftig.

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Kommentar von ThiloKa
05.02.2016, 13:01

Vom 01.06.15 bis 01.12.15 war die Probezeit. Von den zustehenden 29 Tagen wurden vier gewährt und 25 Resturlaub bleiben übrig. Diese Tage sind seitens des Arbeitgebers nicht verwirkt sondern stehen mir noch zu. Laut Bundesurlaubsgesetz heißt es, das wenn man volle sechs Monate angestellt war mir der komplette Jahresurlaub (in meinem Fall wären es 25 Resttage) zustehen. Wäre das bei mir nun der Fall oder nicht? wenn ich am 01.06.15 unterschrieben habe und zum 31.01.16 gekündigt habe dann habe ich ja die sechs Monate erreicht! oder habe ich da einen Denkfehler?

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Unter der Voraussetzung der von Dir geschilderten Umstände und Bedingungen (nebenbei: Es ist ein Märchen, dass in der Probezeit kein Urlaub genommen werden könne oder dürfe!) ist Deine Überlegung richtig:

Da Dein Arbeitsverhältnis in 2015 länger als 6 Monate bestanden hat, hast Du Anspruch auf den gesamten vereinbarten Jahresurlaub - mindestens aber den gesetzlichen Urlaub (abzüglich eventuell genommenen Urlaubs bei einem früheren Arbeitgeber in 2015). Grundlage ist das Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1.

Ob der Anspruch auch für den Urlaubsteil gilt, der den gesetzlichen Anspruch übersteigt, hängt davon ab, ob im Arbeitsvertrag eine Unterscheidung zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub getroffen wurde. Wenn das der Fall ist, besteht nur Anspruch auf den vollen gesetzlichen Urlaub und lediglich anteiliger Anspruch auf den zusätzlich gewährten Urlaub.

Wenn also Dein Urlaub aus 2015 in das Jahr 2016 übertragen werden konnte oder musste (weil Dir in der Probezeit kein Urlaub bewilligt wurde, was - wenn es keine dringenden betrieblichen Gründe gab - rechtswidrig war) und Du auch im Januar 2016 bisher keinen Urlaub nehmen konntest und/oder bis zum Ende der Kündigungsfrist nicht mehr nehmen kannst, dann müssen der gesamte Urlaub aus 2015 (mit den genannten Einschränkungen) und der anteilige Urlaub für 2016 abgegolten werden (BUrlG § 7 Abs. 4)!

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Kommentar von Hexle2
05.02.2016, 13:27

Du warst etwas schneller ;-))

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Kommentar von ThiloKa
05.02.2016, 16:54

Also in meiner Zwischenbescheinigung steht nun: Zustehender Jahresurlaub 2016 =2,00 Tage / Abgegolten = 15,00Tage / Übertrag aus Vorjahren = 13,00Tage. Was kommt da nun zur Auszahlung? 

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Pro vollen gearbeiten Monat stehen Dir bei gesetzlichen 24 Werktagen Urlaub 2 Urlaubstage zu.

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Kommentar von Familiengerd
05.02.2016, 12:58

Das ist hier falsch!

Einmal unabhängig von der Frage, ob jetzt - in 2016 - noch Anspruch auf Urlaub aus 2015 besteht:

Der Fragesteller hatte in 2015 Anspruch auf den gesamten vereinbarten Jahresurlaub (mindestens den gesamten gesetzlichen) - abzüglich eventuell genommenen Urlaubs bei einem früheren Arbeitgeber in 2015 -, da das Arbeitsverhältnis in 2015 länger als 6 Monate bestanden hat.

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Nein, du musst deinen Jahresurlaub (Tage) durch 12 teilen und mit deinen gearbeiteten Monaten multiplizieren.

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Kommentar von Familiengerd
05.02.2016, 13:01

Das ist hier falsch!

Einmal unabhängig von der Frage, ob jetzt - in 2016 - noch Anspruch auf Urlaub aus 2015 besteht:

Der Fragesteller hatte in 2015 Anspruch auf den gesamten vereinbarten Jahresurlaub (mindestens den gesamten gesetzlichen) - abzüglich eventuell genommenen Urlaubs bei einem früheren Arbeitgeber in 2015 -,da das Arbeitsverhältnis in 2015 länger als 6 Monate bestanden hat.

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Wenn du nachweislich für 2015 KEINEN Urlaub hattest, ja. Für 2016 Anteilmäßig.

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Kommentar von Familiengerd
05.02.2016, 13:38

Wenn du nachweislich für 2015 KEINEN Urlaub hattest

Das hängt allerdings davon ab, ob überhaupt Urlaub aus 2015 in das Jahr 2016 übertragen werden kann, weil z.B. wegen dringender betrieblicher Gründe oder aus persönlichen Gründen der Urlaub in 2015 nicht genommen werden konnte.

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Kommentar von aribaole
05.02.2016, 13:40

Der Jahresurlaub von 2015 erlischt erst ende März 16 .

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Kommentar von aribaole
05.02.2016, 13:51

Aha, also NICHT Grundsätzlich!

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Kommentar von Familiengerd
05.02.2016, 13:55

Auweia!

Gerade "grundsätzlich"!

Denn das bedeutet, dass etwas vom Grundsatz her gilt, von diesem Grundsatz aber unter bestimmten Voraussetzungen Abweichungen möglich sind.

Tut mir für Dich echt leid, dass Du mich damit doch nicht "erwischt" hast!  ;-))

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