Hallo könnte mir vielleicht jemand einen ratschlag geben?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Du musst bei Gedichten auf eine korrekte Wiedergabe achten – wo es geholpert ist, habe ich im Vergleich zum Originaltext Wiedergabefehler in deiner Version festgestellt ...

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Unten das rhythmische Schema – in der Metrisierung unter den Verszeilen habe ich zunächst das abstrakte Schema angeführt, nach dem Schrägstrich die alternativen Betonungen, die durch die Prosodie – die sprachlichen Akzente des Wortmaterials – gefordert werden. Aus "Aus und vorbei" kann allerdings kein Versschema der Welt zwei Jamben machen.

Gelegentlich haben wir es mit zwei annähend gleich schweren Silben aufeinanderfolgend zu tun, so dass die Betonung dem Leser/Rezitator überlassen bleibt. In jedem Fall belebt die variierende Schwere das Gedicht, auf dass es nicht leiere ...

Wohlgemerkt: Die rhythmische Spannung des Gedichts entsteht aus dem Widerspruch zwischen dem nominell erfüllten abstrakten Versmaß und der durch die konkrete Auswahl der Wörter bedingten Prosodie. Bestünde diese Spannung nicht, d.h. die metrische und die prosodische Akzentuierung wären identisch, wäre das Gedicht recht gleichförmig und würde schnell leiern – es wäre rhythmisch langweilig. v = Senkung, unbetonte Silbe; - = Hebung, betonte Silbe

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Liebe, da capo ...

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Auf einmal bist du wieder dav-v-v-v-

Und jeder brave Vorsatz ist verloren.v-v-v-v-v-v

Ich hatte es mir diesmal zugeschworen;v-v-v-v-v-v

… Und kämst du selbst aus Innerafrika:v-v-v-v-v-

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Aus und vorbei! – Doch schon ist es zu spät.-vv-v-v-v-

Nun sitz ich, wie das heißt, in deinen "Netzen".v-v-v-v-v-v / --v-v-v-v-v

Man sollte meine Seele strafversetzenv-v-v-v-v-v

In ein Revier, das dir nicht untersteht.v-v-v-v-v- / -vv-v-v-v-

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Wußt ich denn nicht, daß es sehr ratsam ist,v-v-v-v-v- /-vv-v-v-v-

Dich mit gut eingeübter Kühle fortzutreiben?v-v-v-v-v-v-v / -vv-v-v-v-v-v

Wie aber soll ich denn vernünftig bleiben,v-v-v-v-v-v /-vv-v-v-v-v

Wenn du mir leider so sympathisch bist?!v-v-v-v-v- /x-v-v-v-v-

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Als wäre nichts geschehn, tauchst du nun auf,v-v-v-v-v- / v-v-v- -vv-

Mein kleines bißchen Ruhe zu zerstören.v-v-v-v-v-v

Es ist so schwer, das Böse abzuwehren. v-v-v-v-v-v

– Ich geb es auf.v-v- / --v-

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Und weiß: ein Herz, das man schon mal verlor,v-v-v-v-v-

Reist nur noch in getragenen Gefühlen.v-v-v-v-v-v / --v-v-v-v-v

Und während wir noch einmal "Liebe" spielen,v-v-v-v-v-v

Bereit ich mich zum nächsten Abschied vor.v-v-v-v-v-

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Nominell, d.h. dem Schema gemäß, handelt es sich um fünfhebige Jamben (Ausnahme: 4,4 – der Abbruch des Fünfhebers korrespondieert mit dem Inhalt der Zeile ...), die aber unterschiedlich gefüllt werden (s. Metrisierung oben). Vorbild der klassische Blankvers, gereimt?

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Reimschema: abba cddc effe ghhg ijji – immer umarmender Reim; die äußeren Reimzeilen enden jeweils mit männlicher, die inneren mit weiblicher Kadenz.

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Ich hoffe, das hat etwas gebracht. Ich hab vor allem gemerkt, was ich alles nicht mehr weiß ... :-( Aber das hat mir trotzdem Spaß gemacht.

wo warst du zu meiner Schulzeit?hätte dich als Ratgeber gut gebrauchen können

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vielendank nochmalsdass sie sich so viel zeit genommen haben um mir zu helfen...

hab ich es richitg verstanden das v unbetonte silbeund - betonte silbe ist??dann wäre ja der erste satz

Auf einmal bist du wieder dau b u b u b u b

u=unbetontb=betont...

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ich hätte da noch eine frage sie haben manchmal ein schrägstrich gemacht und soweit ich das verstanden habe meinten sie das es eine alternative sei...also heißt dass, das beides richtig wäre....

könnte ich es dann so machen das ich während dem vortrag die 2 alternative nehme bei der betonung, und bei der darauffolgenden interpretation die 1 alternative...

ich dachte eigentlich das alles im jambus sei auser bei

aus und vorbei!-das hab ich nicht so richtig verstanden..und soweit ich sie verstanden habe dient dieser wechsel dafür das das gedicht nicht langweilig klingt...

ich will sie nicht nerven aber ich bin echt verzweifelt..

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@miljena

Das sind aber viele Fragen ... :-)

Zunächst einmal: Duzen wir uns hier; im Internet sind wir alle gleich.

Der Schrägstrich trennt zwei mögliche Metrisierungen ab - vorne die "regelgerechte" jambische, hinten die stärker prosodisch geprägte. Vorne das abstrakte Schema, hinten die realen Silbenschweren.

Die Metrisierung ist immer auch eine Interpretationsfrage, abhängig davon, ob man zu einer schematischen Sichtweise neigt oder eher einem "natürlichen" Sprachfluss den Vorzug gibt. Die Alternativen in meinem Post geben eine Metrisierung an, wie ich sie machen würde; wenn Kaleko sich streng an klassische Muster hält, wird sie ihr Gedicht jambisch interpretiert haben wollen (vorne). Man kann dann alles (meinetwegen auch "aus und vorbei") jambisch metrisieren, aber die Sprache selbst, Wortakzent und Satzakzent, würde einen gegenmetrischen Rhythmus bilden. Ich halte es für sehr konstruiert und dem Rhythmus/Sprachfluss eines Gedichts nicht für dienlich, einen Satz in ein Metrum zu zwingen. Wurde aber auch schon gemacht.

Am besten, du sprichst die Alternativen laut vor dich hin. Da ich mit einem binären System gearbeitet habe, wirst du in der Regel eine "reale" Aussprache zwischen den beiden Alternativen finden.

Wohlgemerkt: Metrik und Prosodie können gegenläufig sein. Du wirst in gesprochener Sprache schwere Silben haben abhängig von Wortakzent, Satzakzent und Aussageabsicht. Im Gedicht kommt das Versmaß hinzu. – Das Metrum eines Gedichtes ist zunächst ein abstraktes Schema, nach dem ein Dichter seinen Text ordnet, eine konventionalisierte Struktur, die unser Bedürfnis nach Gleichförmigkeit und Ordnung bedient. Der Dichter wird danach streben, ein gewisses Maß an metrischer Struktur aufrechtzuerhalten, da wir das als befriedigend empfinden. Das konkrete Sprachmaterial, das er verwendet, wird sich aber dem Metrum nicht wehrlos beugen. Eine prosodische Übereinstimmung mit dem Metrum wird auch als unbefriedigend empfunden.

Der Dichter wird also gleichzeitig danach streben, das Muster von Hebungen und Senkungen interessant zu halten, indem er einen Zustand erreicht, in dem das Metrum variantenreich gehalten wird. Die konkrete Füllung des Versmaßes ist der Rhythmus eines Textes. Seine Ursache hat er in den Akzenten, die die Sprache vorgibt (Wort-, Satzakzente).

Paul Kiparsky hat in seiner Untersuchung "Über den deutschen Akzent" eine Vier-Stufen-Skala zur Bestimmung des Schweregrades der Silben im Deutschen entworfen, die für die deutsche Sprache ausreicht.

Jetzt geht's ans Eingemachte, und dafür brauchte ich graphische Möglichkeiten, die ich hier leider nicht habe. Also verlinke ich mal auf Christian Wagenknecht: Deutsche Metrik, S. 36 ff., bei books.google.de. Der Klassiker meines verehrten Profs. :D Bei wirklichem Interesse an Lyrik unbedingt empfehlenswert!

http://books.google.com/books?id=1EPOmJKg0cC&printsec=frontcover&dq=Wagenknecht+deutsche+metrik&ei=-ODS9GUNJKyywTBicz8DA&hl=de&cd=1#v=onepage&q&f=false

Die größte Schwere (Grad 4) kommt den Tonsilben lexikalischer Mehrsilbler sowie den lexikalischen Einsilblern zu – zumal Substantiven und Verben.

Minder schwer (Grad 3) sind die Tonsilben nichtlexikalischer (etwa pronominaler) Mehrsilbler; ferner die nebentonigen Silben in substantivischen oder verbalen Komposita; schließlich gewisse Einsilbler etwa hilfsverbaler (oder auch adverbialer) Art.

Eher leicht (Grad 2) sind – außer gewissen Prä- und Suffixen wie "miss-" und "-keit" – die Einsilbler präpositionaler und pronominaler Art sowie Artikel.

Am leichtesten (Grad 1) wiegen die bisher noch nicht bestimmten Silben in Mehrsilblern (vor allem Endungen).

Erklärungen erspar ich mir, unter dem Link ist alles dazu zu finden. Es empfiehlt sich für eine prosodische Metrisierung eines Textes, die verlinkte Textpassage durchzuarbeiten. Wir kommen dann zu einer Ausdifferenzierung in schwere und leichte Hebungen und Senkungen durch die Prosodie, die modifiziert wird durch Erwartungen an ein regelmäßiges Metrum.

Wohlgemerkt: Für mich ergibt die Prosodie das Metrum. Sind beide nicht deckungsgleich, haben wir es mit einer rhythmischen Variation des Metrums zu tun. Da wird dann schon mal ein Jambus durch einen Trochäus ersetzt. Das stellt das Metrum nicht grundsätzlich infrage, sondern bestätigt die Norm, insofern die Abweichung als textlich oder rhythmisch begründete Variation empfunden wird.

Zu deiner Frage zu Vortrag/Interpretation: Wenn ich das unterschiedlich handhaben würde, würde ich eher umgekehrt im Vortrag das Schema erläutern und in der Interpretation die Abweichung vom Schema. So kann man die konkrete Gestalt des Textes als Abweichung vom Schema besser herausarbeiten und anschleißend begründen – das ist schließlich Bestandteil einer formalen Interpretationsleistung.

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Ich hoffe, ich habe das alles halbwegs verständlich rübergebracht ... Bei Fragen dezent anklopfen! ;-)

Viel Erfolg!

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@miljena

Keine Ursache.

Ach so: Guck dir den Wagenknecht an und üb damit!

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Das Versmaß hier ist meiner Meinung nach größtenteil der Jambus, was du selbst leicht überprüfen kannst. Bei einem Gedicht mit jambischen Versmaß hat jede Zeile in der Regel einen Auftakt, d.h. beginnt mit einer unbetonten Silbe. Das ist allerdings hier in der zweiten Strophe aufgrund der Wortwahl in der zweiten Zeile wirklich schwerer zu erkennen, doch die restlichen Strophen sind da wieder eindeutiger.

Also, die dicken Wörter sind die betonten Silben und ich habe auch die "Taktstriche" eingefügt:

Aus | und vor| bei! - Doch | schon ist | es zu | spät.

Nun | sitze | ich, * wie das | heißt, in| deinen | Netzen.

(*und hier ist die Unebenheit, wenn nicht sogar ein Wechsel in den Trochäus - es sei denn, du hättest ein Wort vergessen)

danke für den ratschlag,ich hab nochmal nachgeschaut und ich habe an der stelle wo es ein trochäus ist kein wort vergessen..es ist wirklich nicht einfach ich bin in silben trennen nicht besonders begabt,deshalb 1000 mal danke!!

würde mich über weitere ratschläge freuen..

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