Hallo, kann mir jemand vielleicht erklären, worin sich eine Er/Sie-Erzählung und eine Ich-Erzählung unterscheiden. Hatten es im Unterricht?

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3 Antworten

Man unterscheidet zuerst einmal grammatikalisch zwischen den verschiedenen Perspektiven:

1.) Ich-Erzähler

Die Erzählung erfolgt in der 1. Person Singular (ich erzählte/ oft auch im Präsens: ich erzähle) und wird somit nur durch die Augen eines einzelnen Erzählers betrachtet. 

Die Erzählweise ist sehr eingeschränkt, aber auch so nah wie keine andere Perspektive am Erzähler. Romane, die diese Perspektive verwenden, haben meist auch nur einen Protagonisten, da der Wechsel von einem Ich-Erzähler zum anderen nur für sehr schizophrene Autoren einfach ist.

2.) Erzähler in der 3. Person

Hier wird die 3. Person Singular verwendet (er erzählte)

Man unterscheidet zwischen drei Typen:

  • Auktorialer Erzähler: War Anfang des 20. Jhdts. sehr beliebt, wird heutzutage aber nicht gerne in der Schönliteratur gesehen. Ein allwissender Erzähler erzählt die Geschichte, deutet Ereignisse voraus und hat eine eigene Erzählstimme, die wertend (manchmal auch humorvoll oder ironisch) kommentiert. Oft hält er sich auch zurück und lässt neutral die Geschichte ablaufen. Er kann in alle Köpfe hineinschauen. Es gibt also eigentlich keine Geheimnisse, denn der Erzähler sieht auch dem Antagonisten in den Kopf.
  • Neutraler Erzähler: Die Geschichte wird von einer neutralen Warte aus berichtet: der neutrale Erzähler zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht zutage tritt, sondern Geschehen und Gefühle verschiedener Personen beschreibt. Er erzählt nur, was geschieht. Er erlebt nicht (wie der Ich-Erzähler) etwas von der Handlung wirklich mit. Deshalb ist diese Perspektive am besten geeignet für distanzierte Berichterstattung und wird von schlechten Autoren, die nichts von Perspektive verstehen, oft verwendet, wenn eigentlich personale Erzählperspektive gefragt ist.
  • Personaler Erzähler: Er ist der beliebteste in der modernen Belletristik, von schlechten Autoren wird er zwar nachgeahmt, seine Perspektive kann aber oft – zugunsten des neutralen oder auktorialen Erzählers – nicht sauber gehalten werden. Er sitzt nur einem einzigen Protagonisten im Kopf und kann nur in ihn hineinsehen, alles andere muss er durch die Augen des Protagonisten betrachten. Er ist deshalb ein guter Kompromiss, weil die perfekte Kombination aus grammatischer Distanz (3. Person Singular) – die auch in erzählerische Distanz umfließt – und beinahe ich-erzählerischer Nähe zum Geschehen. Der Erzähler erlebt mit, was passiert. Gleichzeitig kann man die Geschichte aus der Warte mehrerer Personen erzählen, indem man einfach den personalen Erzähler und somit den Blickwinkel wechselt. 
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Das sieht man doch schon ganz klar am Namen.

In der Ich-Erzählung schreibt man aus der Ich-Perspektive, also "Ich ging in die Schule..." Und die Er/Sie-Erzählung ist dann aus der 3. Person also so etwas wie "Er ging in die Schule...".

Unterscheiden tun sie sich darin, dass man bei der Ich-Perspektive auch die Gedanken der Person schildert bzw. geschildert bekommt.

Du kannst aber sicherlich auch einfach nochmal deinen Lehrer oder deine Lehrerin fragen wenn du etwas immer noch nicht verstehst.

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Ein Ich-Erzähler nimmt in den allermeisten Fällen die Innensicht nur einer Person an, die Geschichte ist aus dieser Perspektive erzählt und man weiß weder über die tatsächliche Realität als auch über die Geschichte an sich nicht mehr als die Person.
Ein Er-/sie-erzähler nimmt auch häufig eine Position ein, wechselt aber auch manchmal, macht manchmal vorausdeutungen und hat etwas mehr Abstand. Es kann auch vorkommen, dass dieser ein allwissender Erzähler ist oder als unsichtbarer Dritter auf die Szene schaut, also nicht in die Perspektive eines Handelnden schlüpft.

Hier kannst du dir auch mal was dazu durchlesen:
http://wortwuchs.net/erzaehlperspektive/

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