Hallo, ist eine Kündigungsfrist von 3 Monaten im Arbeitsvertrag üblich und hat man Chancen bei einem neuem Arbeitgeber wenn man diese Kündigungsfrist hat?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Längere Kündigungsfristen als die vom § 622 BGB sind durchaus üblich.

Oft haben gerade Mitarbeiter die man nicht so einfach von heute auf morgen ersetzen kann und die Aufgaben haben die einer gewissen Einarbeitungszeit für neue AN bedürfen längere Kündigungsfristen im Arbeitsvertrag. Wichtig ist nur, dass die Kündigungsfrist für den AN nicht länger als für den AG sein darf.

Chancen hat man bei einem anderen AG schon. Auch dieser weiß, dass gerade bei bestimmten Stellenangeboten, die Bewerber oft längere Kündigungsfristen haben (wird bei ihm wahrscheinlich auch nicht anders sein). 

Wenn ein AG von einem Bewerber überzeugt ist und ihn einstellen möchte, wird er auch die Kündigungsfrist abwarten. Eventuell kann ein Bewerber mit dem momentanen AG ja auch einen Aufhebungsvertrag vereinbaren und früher mit dem neuen Job beginnen.

Nunja, es kommt immer drauf an in welcher Position man ist.

Es ist durchaus üblich, dass "wichtigere" Leute, die viel Verantwortung, Expertenwissen oder eine Leitungsfunktion haben eine dreimonatige Kündigungsfrist haben. Einfache Mitarbeiter, die nicht so viel Verantwortung haben, oder für deren Stelle wenig Einarbeitung nötig ist, etc. haben in der Regel nur einen Monat Kündigungsfrist. 

Sicherlich ist es etwas von Nachteil, wenn ein Unternehmen eine ausgeschriebene Stelle kurzfristig besetzen möchte. Aber es werden ja nicht alle Stellen kurzfristig besetzt. Und die Unternehmen wissen das auch, da viele auch solche Kündigungsfristen haben. 

Gibt es Tipps wie man die Kündigungsfrist als Berufsanfänger nach der Ausbildung verhandeln kann? Also dass man sich mit dem AG auf eine kürzere einigen kann?

Danke für die schnelle Antwort!

Gibt es Tipps wie man die Kündigungsfrist gut verhandeln kann (bei der Verhandlung über den Arbeitsvertrag)? Also etwas kürzen kann? 

Nebuk 30.08.2015, 11:23

Eigentlich muss man nur dem Arbeitgeber sagen, dass man früher gehen möchte. Die meisten fühlen sich allein dadurch schon bewogen, den AN möglichst schnell gehen zu lassen.

Denn es steht ja die unausgesprochene Drohung im Raum, den Rest der Zeit unmotiviert abzusitzen und nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen. Ubd solange der AN keinen Mist baut, kann der AG wenig dagegen machen.

Natürlich sollte man dem AG möglichst euphemistisch darlegen, welche offenen Projekte und Arbeiten noch abzuschließen sind und wie du gedenkst, bis zum letzten Tag das alles zu schaffen. 

Der AG sollte von deiner Kündigung als Erster erfahren. DANACH kannst du mit deinen Noch-Kollegen die offenen Vorgänge besprechen und abklären, ob und wie sie da mitmachen, um das termingerecht zu erledigen. Mit diesem Wissen gehst du nochmal zum AG ubd kegst ihm das dar.

Ein netter Spruch ist auch: "Soundsoviel Jahre war ich Ihnen ein zuverlässiger und loyaler Mitarbeiter. Jetzt muss ich auch mal an meine Familie und mich denken. Dies ist eine einmalige Chance für mich, die kommt nicht wieder."

0
Nebuk 30.08.2015, 11:29
@Nebuk

Addendum: Beim neuen AG habe ich im Interview sinngemäß dazu gesagt:

"Das ist nunmal die Loyalität, die ich meinem jetzigen Arbeitgeber schulde, und die hat er auch verdient. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie einen Mitarbeiter einstellen wollen, der von heut auf Morgen die Kelle fallen lässt, sobald ein besseres Angebot reinkommt. Das bin ich nicht, das ist nicht mein berufliches Selbstverständnis. Ich pflege geschlossene Vereinbarungen einzuhalten."

Hat bisher zweimal funktioniert.

0

Drei Monate kommt mitunter vor. Der Arbeitgeber verschafft sich damit einen Zeitpuffer, im Falle der Arbeitnehmerkündigung einen Nachfolger zeitig zu suchen und einzuarbeiten.

Dir arbeitnehmerseitige Kündigungsfrist darf nicht länger als die arbeitgeberseitige sein. Und die Arbeitgeberseitige wiederum nicht kürzer als die gesetzliche.

Man hat damit am Arbeitsmarkt deutlich schlechtere Chancen, wenn man nicht gerade ein gefragter Spezialist ist. Denn wenn ein AG sich mal entschließt, mit einer Stellenausschreibung nach draußen zu gehen, dann brennt in der Regel schon die Hütte und er hätte den Neuen am liebsten schon gestern eingestellt.

IdR. kann man mit dem alten AG verhandeln und sich auf eine kürzere Kündigungsfrist einigen. Wer will schon einen Kündigungswilligen unnötig halten. 

Auch der Neue AG ist idR. gewillt, ein bisschen auf den neuen AN zu warten, anstatt sofort einen weniger geeigneten einzustellen.

Letzter Ausweg ist für viele die einseitige vorzeitige Kündigung. Das ist mit einigem Risiko verbunden, denn der AN kann dem alten AG unter bestimmten Bedingungen zu Schadensersatz verpflichtet sein. In der Praxis wird das aber so gut wie nie durchgesetzt.

Dennoch möchte man ja vom alten AG ein möglichst wohlwollendes Zeugnis erhalten.

Was möchtest Du wissen?