Hallo, ich habe schon ein paar mal gehört, dass früher sparren beabsichtigt nass eingebaut wurden. Aus welchen gründen?

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2 Antworten

Habe ich noch nicht gehört, ich bin übrigens Zimmermann. Nenne doch mal deine Quellen... Was allerdings ganz wichtig wäre: Was verstehst du unter "nass"? Wenn du von "normalem, nicht mehr schlagfeuchtem Holz sprichst, also von schon abgelagertem, aber evtl. draußen gewisser Witterung ausgesetztem Bauholz, ist das völlig was anderes. Dieses Holz hat ganz allmählich (zumindest bei ordentlicher Lagerung ohne starke Sonneneinstrahlung usw.) große Teile seiner Feuchte bereits verloren und ist somit bereits wesentlich geschwunden - wodurch es viel formstabiler wurde als frisch geschlagenes Holz.

Ich kann mir den Sinn nicht vorstellen, "nasses" Holz zu verbauen. Holz hat so einige Eigenschaften, die unter Umständen sehr schwierig werden können, wenn man es verbaut.

Da der radiale Schwund bei der Holz-Trocknung mit bis zu 5%, der Schwund in Jahresring-Richtung sogar bis 10% betragen kann, würde alles eher "auseinanderschwinden", die Verbindungen lockerer werden, da die Bauteile an Volumen verlieren, kleiner, schmaler werden. In Axialrichtung ist der Schwund angesichts der obigen Werte hingegen allerdings fast marginal zu nennen, beträgt nur 0,1%. Wenn man also ein durchfeuchtetes Kantholz auf ein anderes nasses nagelt und dann mit dem Schließen z.B. des Dachs und anschließendem Heizen dafür sorgt, dass das Holz sehr schnell unkontrolliert heruntergetrocknet wird, reißen die Balken, es klaffen fette Schwund-Spalten usw. Zudem verziehen die Hölzer sehr stark, es kommt zu unberechenbaren Spannungen in der Konstruktion.
Dazu kommt, dass die auftretenden Schwind- bzw. auch Quellkräfte enorm sein können. Ein ungünstig verlegtes Parkett z.B. kann durch ausreichende Wasseraufnahme und daraus folgendem Aufquellen ganze gemauerte Wände einfach wegschieben. Beim Schwinden werden alle Verbindungen unter sehr große Spannung gebracht. Man müsste höchst aufmerksam bauen und viel Vorsorge treiben. Fugenfreies Bauen wäre kaum möglich.

In Kombination mit sehr unflexiblen Werkstoffen wie Gips und anderen mineralischen Produkten am Bau wären größere Schäden an den Verbindungspunkten nicht zu vermeiden, bzw. müsste man verhältnismäßig lange warten, bis man mit diesen Werkstoffen weiterbauen könnte.

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Kommentar von DummerLuis
28.08.2015, 08:29

Ich bin auch gelernter Zimmermann. Mein Arbeitskollege, kein Handwerker, hat mir erzählt wie viele dachstühle er schon aufgebaut hat und das man dafür feuchte sparren nimmt. Einen Grund dafür konnte er mir nicht nennen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das schon mal gehört habe während meiner Ausbildung in der Schule.

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Holz soll immer so trocken wie möglich verbaut werden .Zachariah hat das schon sehr detailliert wiedergegeben .
Warum das damals so gewesen sein soll kann ich mir auch nicht erklären .

Holz hat einen fasersättigungspunkt.
Und dieser darf beim Einbau nicht überschritten werden , das Holz schwindet unkontrolliert und das die Statik darunter leiden wird ist nicht unwahrscheinlich .
Nägel und Schrauben werden sich auch "herausziehen" und erfüllen somit ihren Zweck nicht mehr zu 100%.

Wenn nasses Holz bei der heutigen Bauweise eingebaut werden würde , würde es meiner Meinung  nach zum Supergau werden .Wo soll denn die ganze Feuchtigkeit hin? Bei den ganzen dampfbremsen/luftdichtigkeitsebenen etc .

Gruß

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