Was braucht man alles um einen Investor zu überzeugen?

6 Antworten

Ich selbst kann auf ein paar Investorengespräche zurückblicken, in denen ich beratend zur Seite gestanden habe. Aufgrund des praktischen Umfangs können in diesem Rahmen allerdings nur Auszüge mit allgemeinen Tipps abgebildet werden.

Der erste und grundsätzliche Schritt ist die Auswahl des richtigen "Investors". Im Fernsehen werden Investoren gern als Einzelpersonen dargestellt, was durchaus möglich allerdings nicht der Regelfall ist.

Schritt #1 - Wen spreche ich an?

Die Beantwortung ist von den Faktoren: In welcher Phase befinde ich mich (Vorgründungsphase; Start Up; Early Stage; etc.); in welcher Branche bewege ich mich; welches finanzielle Volumen gilt es zu schultern

Schritt #2 - Vorbereitung

Man sitzt in der Regel vor einem Investoren-Team. Das bedeutet, dass mehrere Köpfe Einfluss auf die schlussendliche Entscheidung nehmen. Beteiligt sind vielfach Branchenexperten, ein Rechtsanwalt für branchenspezifische Fragestellungen und eine bzw. mehrere Personen mit wirtschaftlichem Hintergrund. Alle Personen gilt es zu überzeugen! Es ändert nichts, ob es sich lediglich um eine Idee handelt oder bereits Umsätze vorzuzeigen sind. Es müssen folgende Fragen beantwortet werden können:

  • Wer gehört zum Gründerteam (Expertise des Gründerteams)
  • Welche konkrete Idee steht im Raum (von welchem Alleinstellungsmerkmal wird profitiert; welcher Nutze gebracht; welcher Bedarf gestillt)
  • An welcher Stelle stehen die Gründer (ab wann sind Umsätze bzw. Umsatzsteigerungen zu erwarten)
  • Auf welches Marktumfeld trifft man (Mitbewerber; Konkurrenten; etc. - Zahlen, Daten und Fakten liefern!)
  • Wie stellt man sich die Vermarktung vor (fertiger Marketing-Plan)
  • Welche Ressourcen bestehen bzw. sind nachzuarbeiten (Mitarbeiter; Facharbeiter; etc.)
  • SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken)
  • Finanz- und Liquiditätsplan (inkl. Vorschau über drei Jahre)

Die vorgenannten Punkte werden unter anderem in einem Businessplan ausgearbeitet. Man ist gut beraten, an der Erarbeitung eines Businessplans selbst mitzuwirken.

Abhängig von der Branche sollte bereits ein Antrag auf Fördergelder gestellt werden (Bsp.: INVEST Zuschuss für Wagniskapital)

Schritt #3 - Ja oder Nein!

In diesem Schritt wird der Investor tätig. Möchte er investieren, sucht er ggf. nach den passenden Beteiligten, um die Investition auf mehrere Schultern zu verteilen.

Auch gehört es zur Regel, dass gemeinsam am letzten Feinschliff gearbeitet wird. Dies ist der Fall, wenn rechtliche Bedenken an einzelnen Facetten bestehen oder weiterer Mehrwert erzeugt werden soll.

Schritt #4 - Ausarbeitung von Verträgen / Gründungsprozess

Möchte man sich an dem Projekt beteiligen, werden nun konkrete Verträge ausgestaltet. Diese sollten Gründer im eigenen Interesse von einem unbeteiligten Rechtsanwalt prüfen lassen.

Sollte die Gründung zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgt sein, wird dieser Punkt zeitnah nachgeholt werden.

Schritt #5 - Fortlaufender Kontakt

Investoren haben ein gesteigertes Interesse daran, Gründer nach Kräften zu unterstützen. Aus diesem Grund wird gerade in der Startphase ein außerordentlich enger Kontakt gehalten um bei unvorhergesehenen Herausforderungen frühzeitig reagieren zu können.


Wichtiger Hinweis:

Kein Business-Angel oder Investor nimmt einem Gründer unnötigerweise Arbeit ab.

Ein Gründer der seine Arbeit nicht bereits im Vorfeld gemacht hat, erhält in der Regel keine Unterstützung sondern eine Absage noch bevor es zum ersten Kennenlernen gekommen ist.

Ich möchte daher mit Nachdruck unterstreichen, dass ein Businessplan bzw. alle entsprechenden Inhalte mit größtmöglicher Sorgfalt zu recherchieren und zu erarbeiten sind. Ein Investor möchte, wenn sich für ein Projekt entschieden wird, bereits den Fahrplan für alle weiteren Schritte vor sich liegen haben.

Wer über seine Idee oder einzelne Zahlen keine detaillierte Auskunft geben kann oder geben will, sollte von Investoren in dieser Phase Abstand nehmen. Die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit (... auch wenn ich nicht für alle Investoren sprechen kann) ist größtmögliche Transparenz und Vertrauen. Investoren sollten sich jedoch auch nicht vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn entsprechende Verträge mit Verschwiegenheitsklausel vor Gesprächsbeginn auf den Tisch gelegt werden.

Auch haben Investoren die Eigenart sehr gut vernetzt zu sein - unabhängig ob von Einzelpersonen oder Gesellschaften die Rede ist. Man sollte sich daher nicht unbedingt erlauben, schlecht vorbereitet zu sein.

Du brauchst einen Plan, der plausibel bis ins Detail ist.

Bei Bauvorhaben z.B. nach Möglichkeit schon eine Bauvoranfrage, die aussagt, wir das Grundstück bebaut werden darf.

Einen Businessplan. In Uslus Dönerbude wird keiner Investieren, in ein IT Startup mit einer guten Idee aber schon.

Was möchtest Du wissen?