Hallo Community ich habe für meine Religion Vortrag folgendes Thema bekommen: Glaube ist der Widersacher der Vernunft. Dazu bräuchte ich einen Philosphen?

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2 Antworten

Ich denke, dass es weit besser wäre, dir selbst einige eigene Gedanken zu der Thematik zu machen. Was andere Leute dazu gesagt haben, ist meist nicht unbedingt zielführend, weil man  den Kontext nicht kennt und sich zudem die Begrifflichkeit in ihrer Bedeutung gewandelt haben könnte, so dass man die Aussagen eines Philosophen von vor hundert oder zweihundert Jahren zwar als Bereicherung, nicht jedoch als die entscheidende Quelle der Argumentation verwenden sollte.

Beim Glauben ist die Sache auch recht kompliziert, denn wenn man z.B. die Definition von Paul Tillich, einem überaus bedeutenden Theologen des letzten Jahrhunderts nimmt, dann findet man Folgendes: "Glaube ist das Ergriffensein von der transzendenten Einheit unzweideutigen Lebens". 

Ein Ergriffensein ist jedoch ein Phänomen, das keineswegs der Vernunft entgegensteht. Es bedeutet ja nur, dass ich in einem Gewissheitsgefühl lebe, dass mich ein bestimmtes Phänomen total berührt. Unzweideutiges Leben ist ein Leben, dass nicht in Zwiespältigkeit verläuft, in dem der Zweifel nicht ununterbrochen alle Dinge in Mitleidenschaft zieht, bei dem sich Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit als dominante Wahrnehmungen einstellen. Auch hier könnte man keinen Widerspruch zur Vernunft ausmachen. Selbst die Transzendenz ist ein Phänomen, bei dem das Denken auf eine höhere Abstraktationsebene gehoben ist, wo mir weiterführende Zusammenhänge bewusst werden, wo ich Einsichten in das Gewordensein und die Zielrichtungen verlaufender Phänomene gewinne. Selbst hierbei wird die Vernunft keinen Protest anmelden.

Wenn wir also Glaube nicht in kindlich naiver Weise als ein simples Fürwahrhalten einstufen, sondern als ein hochkomplexes, den Geist des Menschen in seiner Ganzheit forderndes existentielles Geschehen sehen, dann lässt sich dazu keineswegs die Vernunft als ein Gegensatz etablieren.

Man sollte also vorsichtig sein, den Glauben eines religiösen Menschen vorschnell als tumbe Irrationalität darstellen zu können, die als Widersacher der Vernunft gelten könnte. Ein Glaube in der oben dargestellen Art ist sehr wohl mit einer rational gesteuerten Argumentation zu begründen und steht der Vernunft keineswegs entgegen.

"Theologie ist der professionalisierte und institutionalisierte Missbrauch der Vernunft im Dienste des Glaubens."
(Hans Albert, dt. Philosoph und Soziologe)

"Die erste und letzte Philosophie ist immer Religion gewesen. Auch die wildesten Völker haben sich darin geübt: denn kein Volk der Erde ist völlig ohne sie, so wenig als ohne menschliche Vernunftfähigkeit und Gestalt, ohne Sprache und Ehe, ohne eigene menschliche Sitten und Gebräuche gefunden worden."

Johann Gottfried von Herder

till0001 22.01.2017, 18:58

Herder ist der der für dieses Zitat spricht oder ??

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Chogath 22.01.2017, 20:04
@till0001

Ja schon irgendwie aber ich kenne keinen der so richtig dafür ist.. 

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