Hättet ihr gerne mehr direkte Demokratie?

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Das Ergebnis besteht aus 23 Abstimmungen

Nein 34%
Auf keinen Fall ! 21%
Wesentlich mehr ! 21%
Ja 21%

21 Antworten

Wesentlich mehr !

Die korrekte Antwort lautet: "Ja, aber anders."

  1. KEINE Volksabstimmungen (wohl aber Referenden) auf Bundesebene.
  2. Direkte Demokratie, die in die Vertretungen hineinwirkt.

Ich wiederhole es immer wieder: Ich bin ausgesprochener Demokratie-Freund. Und mir ist Meinungs- und Entscheidungsfreiheit absolut wichtig. So wichtig, dass ich auch Meinungen dulde, toleriere und akzeptiere, bei denen so mancher - auch auf dieser Plattform - den Finger schnell auf dem "Dich zeige ich an, du Sau! Und wenn es nur bei der Moderation ist."-Knopf hat.

TROTZDEM BIN ICH EIN VEHEMENTER GEGNER VON VOLKSENTSCHEIDEN (nicht aber Referenden, solange sie als solche behandelt werden).  

("Volksentscheid" = Politik muss machen, was das Volk abstimmt; "Referendum" = Politik bekommt Empfehlung vom Volk, kann aber eigene Entscheidung treffen

Ich lehne sie nicht "grundsätzlich" ab (etwa bei der Abstimmung über die eigene Verfassung); ich lehne sie aber als Instrument der überregionalen Politik ab. 

Und das aus einem einfachen Grund: 99% der "nicht politisch aktiven" Menschen und 98% der politisch aktiven Menschen sind gar nicht imstande, die Implikationen eigener Entscheidungen vorherzusehen. Beispielhaft hat man das am Brexit-Referendum gesehen; das auch nicht anders abgelaufen wäre, wenn es ein Volksentscheid gewesen wäre. 

Hauptgrund: Volksentscheide sind ein hervorragendes Mittel der Manipulation. Man erzählt dem Pöbel einfach nur die Dinge, die man erzählen will (also meist Lügen), und schon bekommt man das Ergebnis, das man haben will.

Deshalb: Referenden (also "Empfehlungen des Volkes an die Regierung") ja; Volksabstimmungen (also "Festlegungen des Volkes, welche Entscheidung getroffen werden soll") nein.

Dennoch halte ich die Demokratie nicht für "verloren". Ganz im Gegenteil: Sie muss nur "reformiert" werden.

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Voraussetzung: Wir haben gar keine "Demokratie": Was wir derzeit haben, ist vieles, aber KEINE DEMOKRATIE. Der ursprüngliche Begriff "Demokratie" bedeutet nicht "Herrschaft der Repräsentanten", sondern "Herrschaft des Volkes".

Und ein Volk, das alle X Jahre seine Repräsentanten aus einer von den Repräsentanten vorgegebenen Liste auswählen darf, ist weder frei in seiner Wahl, noch herrscht es selbst.

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Nun gibt es aber, sagen wir, "formale Anforderungen", die eine sich aus dem oben Gesagten ableitende "echte Demokratie" schier unmöglich machen: Beispielsweise kann man nicht alle X Jahre runde 45 Millionen Leute auf Listen drucken, damit eine wirklich freie Auswahl möglich ist. Und man kann auch keinen Wahlkampf von 45 Millionen Menschen finanzieren, um ihnen möglich zu machen, ihre Ideen und Absichten einem breiteren Publikum vorzustellen.

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Dennoch gibt es sehr wohl Möglichkeiten, demokratische Prinzipien durchzusetzen. Beispielsweise könnte man es schon allein möglich machen, dass das Volk eine "Option der Abwahl" von Repräsentanten bekommt. (Auch das gibt es in unserer "repräsentativen Demokratie" bekanntlich überhaupt nicht: Ganz besonders auf der Ebene der Partei-Eliten hat der Wähler nur die Chance, darauf zu hoffen, dass diese Repräsentanten sich FREIWILLIG zurückziehen.)

Es ginge aber noch sehr viel einfacher

1. Abschaffung der Kaste der "Berufs-Politiker". Es ist ein völlig natürlicher Prozess, der sich beliebig reproduzieren lässt: Politiker verlieren im Laufe der Jahre die "Bodenhaftung". Sie entfremden sich - schon allein aufgrund der Art ihrer Arbeit - von dem, worüber sie entscheiden.

Das ließe sich leicht lösen, indem man ihnen eine "maximale Tätigkeits- oder Funktionszeit" mitgibt. Sagen wir: "1 Legislaturperiode als Minister, etc. und/oder 2 Legislaturperioden als Abgeordneter, danach ist keine Neuaufstellung mehr möglich".

2. Auf den untersten Ebenen (Kommunen, Kreise) so viel direkte Demokratie, wie möglich. Hier sind Kommunen gemeint: Anders, als in der Bundespolitik, wo oft sehr komplexe Zusammenhänge erfasst werden müssen, geht es in der Kommunalpolitik oft um sehr "handfeste" Dinge: Hier ist es ein Kindergarten, dort ist es die Entscheidung, was mit dem Restbudget gemacht werden soll. 

Dazu braucht man nicht viel "politisches Wissen". Man muss sich auch nicht um komplexe Zusammenhänge kümmern. Es geht im Regelfall um einfache Bauch-Entscheidungen: "Will ich lieber die Schule am Wallenstein-Eck sanieren; oder wollen wir das Geld für die Sanierung der Zufahrtsstraße ausgeben?"

Hier lassen sich alle Formen der "mehr direkten" Demokratie spielend und sehr kostenarm einrichten und auf das bereits bestehende System aufsockeln.

Auch die Behauptung, dass es "teuer" wäre, ist dabei völliger Quatsch: Die Abstimmungen wären leicht und mit sehr geringem Kostenaufwand von zu Hause aus machbar. Jeder hat einen Computer; jeder hat Internet-Anbindung. Was es braucht, ist also ein bisschen Software...

(Und wer jetzt an Betrug denkt, den erinnere ich (a) an "Briefwahlen" und (b) an die Tatsache "Na und?! Es sind TROTZDEM 'Bürgerentscheide', wenn da jemand für seine eigene Oma mitabstimmt und so zwei Stimmen abgibt.")

3. Auf der mittleren Ebene (Länder) die "flüssige Demokratie", wie sie einst von den Piraten ins Gespräch gebracht wurde. "Flüssige Demokratie" ist, mit kurzen Worten beschrieben, ein Mittelding zwischen "Direkt-Demokratie" und "Repräsentativer Demokratie". Man kann selbst abstimmen, muss aber nicht. Wenn man nicht will (beispielsweise, weil das Thema langweilig ist oder man sich damit nicht auskennt), dann kann man einen "Vertreter" bestimmen, der die eigene Stimme vertritt. Doch nicht "X Jahre lang", sondern nur für diese eine Abstimmung bzw. Entscheidung. Die Vertreter selbst agieren dann nur als "verlängerter Arm der direkten Demokratie".

Hintergrund: Jeder kennt jemanden, der sich mit diesem oder jenem Thema mehr auseinandersetzt, als man selbst. Und jeder befindet sich irgendwann mal in der Situation, sagen zu müssen: "Das durchschaue ich nicht. Und das will ich auch gar nicht durchschauen."

Bei einer "repräsentativen Demokratie", wie wir sie jetzt haben, muss man BLIND darauf vertrauen, dass der Repräsentant schon wissen wird, was er da tut. Bei einer "flüssigen Demokratie" könnte man sich an den Repräsentanten halten, der für die aktuelle Frage mein größtes Vertrauen genießt.

Ummünzung auf das aktuelle System: Es kann also dazu kommen, dass mal ein Vertreter der Linken, mal ein Vertreter der CDU und mal ein Vertreter der SPD meine Stimme bekommt und so mit größerem Stimmgewicht - und damit ALS MEIN ECHTER VERTRETER - bei der Abstimmung mitentscheiden kann.

Auch das ist einfach zu lösen, denn auch hier gibt es bereits längst die notwendige Technik, die es billig und schnell möglich machen würde, meine Stimme "direkt" zu verteilen. Und zwar so feingranular, wie es nötig ist; und so feingranular, wie ich es gern möchte. ... Mit anderen Worten: "flüssige Demokratie", die sich "im Fluss befindet" und nicht statisch ist.

4. Auf der höchsten Ebene (Bund) gibt es mehrere Optionen. 

(a) Man könnte das aktuelle System beibehalten. Dann wäre TRANSPARENZ erforderlich: Alle Abstimmungen erfolgen namentlich. Alle Hintergründe (soweit nicht "Staatsgeheimnisse" ;)) sind öffentlich. Alle Haushaltsentscheidungen werden in Einzelpositionen öffentlich zugänglich gebucht. Alle Arbeitskreise haben Kameras, die 24 Stunden am Tag laufen und ihr Programm im Internet streamen, so dass jeder Bürger jederzeit zuschauen kann, wie die Arbeitskreise - und damit die gewählten Vertreter - arbeiten, abstimmen, entscheiden, kurz: sich verhalten. (Wichtig: Nicht "muss", sondern "kann". Allein die Tatsache, dass die Abgeordneten "sich beobachtet fühlen", reicht aus, um Klüngel bis hin zur Unmöglichkeit zu erschweren.)

(b) Punkt (1) kann etabliert werden. Die hohe Rotationsgeschwindigkeit würde es Lobbyisten sehr teuer machen, ihre Arbeit im Sinne ihrer Auftraggeber (in der überwältigenden Zahl sind das zahlungskräftige Klienten, also "Reiche" und "Konzerne") zu erfüllen. 

(c) Beliebige Mischformen sind denkbar. Wenn die Punkte (2) und (3) realisiert sind, kann auch eine "quasi-direkte Volksabstimmung" etabliert werden: Dank der "flüssigen Demokratie" können die Kommunal-Vertreter die Landes-Vertreter und diese dann ihrerseits die Bundes-Vertreter mit Stimmgewichten ausstatten. Einzige Bedingung hier: Der Bundestag müsste grundgesetzkonform sein und den Fraktionszwang abschaffen. 

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Ich breche hier ab. Doch das heißt nicht, dass es nicht noch weitaus mehr Spielarten und Varianten geben könnte; mit denen man "mehr Demokratie" (also "überhaupt erst mal Demokratie") etablieren kann...

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Kommentar von LoparkaLisa
09.07.2016, 09:51

Mir gefallen deine Überlegunge, hab aber eine Frage. Wäre ein Volksentscheid in einer wesentlich aufgeklärteren Welt nicht ebenso möglich? Nicht unbedingt in allen Fragen, allerdings in wesentlichen - zumindest.?

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Kommentar von WeicheBirne
09.07.2016, 10:25

Gefällt mir generell ganz gut.

Hier eine Anmerkung zu dirketer Demokratie auf nationaler und internationaler Ebene. Dazu sagst Du

99% der "nicht politisch aktiven" Menschen und 98% der politisch aktiven Menschen sind gar nicht imstande, die Implikationen eigener Entscheidungen vorherzusehen.

Wie wäre es denn wenn man dem Volk die Implikationen einer Entscheidung gleich mitpräsentiert, also:"Wenn wir X tun passiert Y, wenn wir V tun passiert W. Was wollt ihr, X oder V?"

Klar können auch Experten die Implikationen nicht immer glasklar abschätzen. Aber das kann man auch in eine Erklärung für das Volk einfließen lassen:"In folgendem Punkt wissen wir nicht genau weiß bei X passiert." oder "Die Experten A, B, und C meinen daß bei X Y passiert, aber die Experten D und E meinen, daß bei X Z passiert."

In Anbetracht der Tatsache, daß sich unsere Politiker oft auch nicht auf die Implikationen ihrer Entscheidungen einigen können, wäre das doch eine gute Sache.

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Ja

Ja! Wenn ich mich schon in die undankbare Arbeitsmühle werfe, und wenn von meinem mühsam verdienten Brutto so viele Steuern ungefragt abgezogen werden, dann möchte ich selbstverständlich dabei mitreden können, was genau damit gemacht wird, und was eben auch nicht.

Das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler über die Verschwendung von Steuergeldern ist mir dafür schon Grund genug. Natürlich gibt es auch aktuelle Fragen, über welche sehr viel eher das permanent von der Entscheidung betroffene Volk abstimmen müsste, als irgendwelche temporär auf- und abtauchenden Politiker...

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Kommentar von Crack
09.07.2016, 11:09

Ja! Wenn ich mich schon in die undankbare Arbeitsmühle werfe, und wenn von meinem mühsam verdienten Brutto so viele Steuern ungefragt abgezogen werden, dann möchte ich selbstverständlich dabei mitreden können, was genau damit gemacht wird, und was eben auch nicht.

Dein Wunsch ist natürlich berechtigt,
denkst Du aber wirklich das Du soviel Weitblick hast [und da nehme ich mich auch nicht aus] um entscheiden zu können was wirklich Wichtig ist?

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Wesentlich mehr !

Ja natürlich. Nach meinem Verständnis zur Demokratie kann es nicht angehen, dass die Bürger für vier Jahren einen regelrechten Freibrief ausstellen, und Politiker dann schalten und walten wie sie wollen.

Ich bin für eine Volksabstimmung und einer Demokratie nach dem schweizer Modell. Alles andere hat für mich nichts mehr mit Demokratie zu tun, sondern ist für mich eine temporäre Fremdbestimmung.

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Nein

Ich halte aus zwei Gründen nicht viel von direkter Demokratie, da die direkte Demokratie immer zwei grundlegende Probleme aufwirft.

Zum Einen geht es dabei meist um derart komplexe Sachverhalte, dass der normale Bürger gar nicht in der Lage ist, eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Deutlich wurde das erst kürzlich beim Brexit-Votum.

Ausserdem läuft es bei Volksabstimmungen immer auf eine ja/nein Entscheidung hinaus. Das ist insofern problematisch, als dass Kompromisse oder Alternativen regelmäßig auf der Strecke bleiben und die Wählerschaft grundsätzlich gespalten wird. Auch dieses Problem lässt sich beim Brexit-Votum deutlich erkennen.j

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Kommentar von LoparkaLisa
09.07.2016, 09:42

woher nimmst du dir bitte das urteil den brexit als schlecht anzusehen? Kannst du in die zukumft sehen?'pder hinter die kulissen?

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Kommentar von WeicheBirne
09.07.2016, 10:07

Was ist dann mit Unsinkable2s Vorschlag?

Außerdem,  ja/nein Entscheidung kann man auch zu unterschiedlichen Gesetzesentwürfen treffen. Man kann Dir z.B. eine ganze Liste ähnlicher Gesetzesentwürfe geben und Dich fragen welcher Dir am besten gefällt oder ob Du keine davon magst.

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Nein

Nein, Sowas Funktioniert zwar ganz gut in der Schweiz aber die haben auch eine ganz andere Struktur und alles ist eben viel überschaubarer bei denen und eben eine ganz andere Tradition.

Ich denke das in Deutschland die die direkte Demokratie den ganzen Populisten endgegen kommen würde und die sind selten bis nie vernünftig. 

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Kommentar von WeicheBirne
09.07.2016, 10:43

Du meinst also, weil jemand mit einer anderen politischen Meinung die Menschen besser erreichen könnte als Du, soll es lieber weniger Demokratie geben.

Echte Demokratie bedeutet, daß die Leute auch den letzten Schwachsinn wählen dürfen ohne daran gehindert zu werden. Wenn Du dafür nicht einstehst, befürwortest Du ein diktatorisches System, das grob Deine politische Einstellung vetritt.

Ein Problem mit dem "Schwachsinn" ist ja auch, daß jeder ihn beim anderen sieht. Bestimmt gibt es auch Leute, die Deine politische Meinung für schwachsinnig haten, wie immer die auch aussehen mag.

2
Ja

Ja, aber dann bitte so wie in der Schweiz, also keine bloße halbherzige Sache, die ggf. gar durch eine erneute Abstimmung ad absurdum geführt wird.

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Nein

Ich war bis vor kurzem ein starker Verfechter für mehr direkte Demokratie. 

Das Brexit-Referendum hat aber gezeigt, dass direkte Demokratie nur funktionieren kann, wenn die Bevölkerung 

a) sachlich und wahrheitsgemäß informiert ist

b) sich rational entscheidet 

c) sich alle Schichten der Bevölkerung an der Entscheidung beteiligen. 

Das Brexit-Referendum hat gezeigt, dass keine dieser Voraussetzungen gegeben ist.

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Kommentar von wfwbinder
09.07.2016, 07:01

Genau richtig, erspart mir eine eigene Antwort.

Was helfen solche Volksabstimmungen, wenn hinterher die Leute sagen, Wenn ich das geahnt hätte:

- wäre ich zur Wahl gegangen

- hätte ich anders abgestimmt

- ich wollte denen einen Warnschuss gegeben, aber nicht dieses Ergebnis.

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Nein

Ich lasse nur ungern Hinz, Kunz und Meyer über meinen Kopf hinweg entscheiden. Die denken eh nur an sich selbst und hinterher muss ichs dann ausbaden. Nein, danke!

Dann käme ich mir wie die berühmte Gazelle vor, die zusammen mit drei Löwen demokratisch darüber abstimmt, was es heute zum Abendessen geben soll.

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Nein

Mir würde lediglich eine demokratische Demokratie schon genügen. Dass wir davon noch Lichtjahre von entfernt sind, macht folgender Spruch eines Altkanzlers deutlich:

"Die Demokratie ist nur die zweitbeste Staatsform - die beste wurde noch nicht erfunden."

(Helmut Kohl)

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Kommentar von TimeosciIlator
09.07.2016, 11:13

Und abgesehen davon:

Was nützt uns die beste Demokratie, wenn wir uns täglich bis zu 8 Stunden in einer Monarchie aufhalten ? Denn der Chef hat bekanntlich immer recht. Und sollte der Chef mal rein zufällig nicht recht haben, hat er trotzdem recht...:))

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Nein

Ich denke mehr direkte Demokratie macht besonders auf lokaler Ebene viel Sinn. Dinge wie Bauprojekte oder Olympiateilnahmen sollten zukünftig häufiger per Volksentscheid entschieden werden.

Allerdings finde ich sowas wie ein EU Austritt per Volksentscheid zu bestimmen einfach nur verantwortungslos. Die Zukunft von Generationen aufs Spiel zu setzten wegen einer Fluktuation von gerade einmal 2% ist wirklich unklug.

Außerdem Widerspricht es dem Prinzip einer Repräsentativen Demokratie jede Frage vom Volk entscheiden zu lassen. Der Regierung stehen viele Experten zur Seite, die deutlich mehr Ahnung haben als der Durchschnittsdeutsche. So laufen wir nur Gefahr, in eine Stammtisch-rumgepolter-Politik zu verfallen. Die Diskussionen im Bundestag dienen ja auch dazu Mittelwege zu finden und Minderheiten zu schützen. Stimmt das Volk über alles direkt ab, so gerät dieser Schutz in Gefahr.

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Kommentar von Unsinkable2
09.07.2016, 08:47

Allerdings finde ich sowas wie ein EU Austritt per Volksentscheid zu bestimmen einfach nur verantwortungslos. Die Zukunft von Generationen aufs Spiel zu setzten wegen einer Fluktuation von gerade einmal 2% ist wirklich unklug.

Eine Abstimmung muss nicht zwingend mit "relativer Mehrheit" beschließen. Sie kann auch absolute, 2/3- oder 3/4-Mehrheitserfordernisse beanspruchen (so, wie etwa Grundgesetzänderungen).

Und eine Volksabstimmung zum EU-Austritt könnte beispielsweise obendrein die Anforderung haben, dass sich "mindestens 75/85/90/95% der Wähler" aktiv beteiligen müssen. 

Außerdem Widerspricht es dem Prinzip einer Repräsentativen Demokratie jede Frage vom Volk entscheiden zu lassen.

Das ist naiv. Denn zwischen "gar keine" und "jede" ist viel Raum.

Abgesehen davon:

Eine "repräsentative Demokratie" ist derzeit nur ein anderes Wort für "Vormund, den man sich alle vier Jahre unter den vorgegebenen Repräsentanten auswählen darf". In der Zwischenzeit ist man diesem Vormund auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und kann praktisch ÜBERHAUPT KEINE eigenen Entscheidungen treffen.

Oder plakativer ausgedrückt: Es wäre nach deiner Definition auch eine "repräsentative Demokratie", wenn ein im Folterkeller sitzender Gefangener sich zwischen drei festangestellten Folterknechten frei entscheiden dürfte. Dabei verspricht jeder Folterknecht, dass er mehr oder weniger foltern werde, macht aber nach der Entscheidung des Gefangenen wieder, was er will und worauf er gerade Lust hat.

Eine "echte REPRÄSENTATIVE Demokratie" wäre aber die Abbildung einer REPRÄSENTANZ; also eine "Interessenvertretung". 

Doch das ist ebenfalls nicht gegeben: Die Parteien haben schwammige "Wahlprogramme" und beschweren sich hinterher noch darüber, wenn der Souverän einfordert, dass die darin enthaltenen Wahlversprechen (die bekanntlich die "Repräsentanz" subsumieren) eingehalten werden.

Mit einfachen Worten: Die aktuelle Vertretung ist vieles, doch KEINE "repräsentative Demokratie". q.e.d.

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Nun das ist schwer zu sagen. Denn manche Entscheidungen sind auch einfach nicht auf die breite Masse zugeschnitten. Ein Ungebildeter kann schlecht über Europapolitik bestimmen, wenn er doch nichts davon versteht. Ein Bäcker versucht doch auch nicht die Entscheidung für einen Schweißers in dessen Job zu treffen. Andererseits darf man die Bevölkerung nicht zu sehr abschotten.

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Auf keinen Fall !

Viele Menschen haben überhaupt keine Ahnung worum es geht oder entscheiden nur nach eigenen interressen ohne sich darüber im klaren zu sein was es für den Rest der Welt heißt...

Demokratie heißt dass das Volk kompetente Politiker bestimmt die Entscheidungen von denen sie im Gegensatz zum Volk Ahnung haben treffen. Ich fände es sogar sinnvoll wenn ca. 25% der Stimmen bei den Wahlen von internationalen Experten oder so bestimmt werden.

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Ich hätte gerne überhaupt noch ein bisschen Demokratie.

Das, von dem wir uns da gerade regieren lassen müssen, hätten wir doch nicht, wenn wir wirklich eine Wahl hätten.

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Kommentar von Crack
09.07.2016, 11:17

Welche "Wahlmöglichkeit" fehlt Dir denn?

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Auf keinen Fall !

Nein, ganz klar!

Die Gefahr, die von einer solchen Demokratie ausgeht, kann man sehr gut an den Briten sehen. 
Komplexe Themen, sollten so niemals geregelt werden. Wo sowas ginge, wäre auf lokaler und kleiner Ebene. 

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Kommentar von LoparkaLisa
09.07.2016, 11:34

Du kannst nur sehr gut sehen wie die Medien von Gefahr sprechen wenn nicht die für sie richtige Linie gefahren wird.

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Wesentlich mehr !

na ja, das sagen ja nicht die Medien, sondern die politischen Postenillione, die um ihre fetten Pfründen zittern, wenn sie nicht mehr als 'Volksvertreter' herrschen können, weil das Volk plötzlich sich nicht mehr nur vertreten lässt, sondern in Grundsatzfragen selber entscheidet, als der Souverän.

Politiker wie Gauck oder Lammers sprechen sich dann aus gegen 'Volksentscheide', weil das Volk einfach nicht kompetent genug sei, um selber zu entscheiden.

Ich denke, so ne Missachtung des Intelligenzniveaus der Deutschen durch deren Spitzenpolitker sollte allein schon ein Alarmsignal sein für das aufgeklärte Wählervolk, solchen Politikern den Entscheidungsspiel stark einzuschränken und lieber in vielen vielen Fragen wirklich selber zu entscheiden.

hier ein lesenswerter Link mit Pro und Kontra:

https://www.mehr-demokratie.de/argumente-gegen-volksentscheide.html

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Nein!!
Aber:

Auf kommunaler Ebene, wo es um Themen geht, die die Menschen direkt betreffen: JA!

Auf Landesebene: Situationsbedingt

Auf Bundesebene oder gar EU-Ebene auf keinen Fall!

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Nein

Der Mensch ist nicht für die Demokratie geschaffen.

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Kommentar von LoparkaLisa
09.07.2016, 11:17

Sondern für?

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Auf keinen Fall !

Früher war ich mal von direkter Demokratie begeistert, aber seit die Rechtspopulisten diese Wahlen für Ihre Machtspielchen benutzen, reicht mir die parlamentarische Demokratie vollkommen.

Am Beispiel BREXIT sieht man deutlich, was die Popolisten eigentlich wollen. Ein Chaos entzünden und dann davonlaufen, wie puperdierende Rotzbuben.

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Kommentar von LoparkaLisa
09.07.2016, 11:16

Typisches, kurzsichtiges Lagerdenken.

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Ja

Ja, eigentlich schon. Aber natürlich nicht bei allen Themen. Nur bei Themen die das Volk auch beantworten kann und die sie selber auch direkt betreffen (zum Beispiel bei manchen EU Verordnungen). Aber nicht bei Fragen wie Brexit oder Todesstrafe. Zu viel direkte Demokratie ist auch nicht gut.

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Ja

Natürlich dass hier ist eh keine richtige Demokratie, eher eine EU-Diktatur 

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Kommentar von PascalKevin04
09.07.2016, 12:54

Wie kommst du auf "EU-Diktatur"?

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