Hätten die Leute vom 20.07.44 wenn das Attentat auf Hitler geglückt wäre auch bedingungslos kapitulieren müssen, oder hätte man verhandeln können?

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9 Antworten

Die Alliierten hatten gar kein Interesse am Tod Hitlers, da dadurch der Krieg verkürzt worden wäre und eine völlige Vernichtung und Besetzung Deutschlands nicht möglich gewesen wäre.

Der Widerstand in Hitlerdeutschland versuchte mehrmals mit den Briten Kontakt aufzunehmen und zu verhandeln, doch dies wurde einfach ignoriert, sogar sabotiert.

Heißes Thema

ArjunasPfeil 02.07.2017, 00:24

Es ist garnichts heiss dran. Wer einen Krieg anzettelt kann sich nicht beschweren wenn der Gegner dann einfach auf einen möglichst endgültigen und vorteilhaften Sieg hinarbeitet.

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Die Hoffnung bestand tatsächlich darin, verhandeln zu können. Zu der Zeit waren die Alliierten gerade in der Normandie gelandet und sie hätten sich durch einen Frieden viel Aufwand gespart, falls die neue Führung einer bedingsungslosen Kapitulation nicht zugestimmt hätte.

Zu der Zeit hätte für die Wehrmacht auch noch kein Grund bestanden, bedingungslos zu kapitulieren. Sie war weitgehend intakt, wenn auch auf dem Rückzug. Wenn ich mich recht erinnere, sind nach diesem Datum mehr Soldaten und Zivilisten bis zum Kriegsende umgekommen, als in den ganzen Jahren zuvor. Und Hitler erledigt zu haben, wäre sicherlich ein starkes Argument für die Alliierten gewesen, sich mit den Leuten an einen Tisch zu setzen.

Misterblue75 02.07.2017, 07:55

Aber die Westalliierten hätten bestimmt nicht einem Separatfrieden zugestimmt um die Fortführung des Krieges gegen die UDSSR zu ermöglichen, wie es PeVau in seiner Antwort formulierte.

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Die Marschroute der Alliierten war klar und eindeutig: seit den Konferenzen von Casablanca (Januar 1943) und Teheran (November/Dezember 1943) stand fest, dass Deutschland bedingungslos kapitulieren, besetzt und zwischen den Alliierten in Besatzungszonen aufgeteilt werden müsse. Die Tötung Hitlers hätte an der Verwirklichung dieser Pläne nichts geändert, denn zum militärischen Widerstand gehörten auch ausgewiesene Nationalsozialisten. 

MfG

Arnold

Die Attentäter mögen sich dieser Illusion hingegeben haben, allerdings war es nur eine Illusion. Das Jahr 1943 war nicht nur das Jahr vernichtender deutscher Niederlagen, von denen sich die Wehrmacht nie wieder erholen konnte, das Jahr 1943 war auch das Jahr wichtiger Beschlüsse der Alliierten.

Im Januar 1943 formulierten Die Westalliierten in Casablanca erstmals die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als Kriegsziel. Auf der Moskauer Außenministerkonferenz im Oktober 1943 zur Vorbereitung der Teheran-Konferenz wurde bereits die Zukunft des besiegten Deutschlands festgelegt:

  • Besetzung ganz Deutschlands durch alliierte Truppen;
  • Übernahme der vorläufigen Regierungsgewalt durch eine alliierte Kontrollkommission;
  • Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands;
  • Zerstörung der Kriegsindustrie;
    Verbot und Auflösung der NSDAP;
  • Bestrafung der Kriegsverbrecher;
  • Wiedererrichtung der Demokratie;
  • Reparationsleistungen Deutschlands;
  • territoriale Behandlung Deutschlands durch die zu gründende Europäische Beratende Kommission mit Sitz in London (European Advisory Commission, EAC).

(https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Moskau)

Im Juli 1944 war die Wehrmacht nicht mehr in der Position, der bedingungslosen Kapitulation entgehen zu können. Einziger Hoffnungsschimmer für sie wäre ein Separatfrieden mit den Westalliierten gewesen, was die Fortsetzung des Krieges gegen die Sowjetunion bedeutet hätte.

Solche Pläne gab es unter den Verschwörern, waren unter ihnen doch auch Verantwortliche für den Mord an den Juden, für den Mord an der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten und für den systematischen Hungertod von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener. (z. B. Generalquartiermeister Eduard Wagner, Arthur Nebe, Wolf-Heinrich Graf von Helldorf)

Die Illusion bestand darin, zu glauben, dass die Westalliierten die Antihitlerkoalition platzen lassen würden, um Deutschland zu schonen.

Langer Rede kurzer Sinn, der Zug zur Vermeidung einer bedingungslosen Kapitulation war im Juli 1944 schon lange abgefahren.


Misrach 02.07.2017, 16:53

Kann man ja noch einiges  dazu lernen:-)

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Die Wehrmacht war spätestens mit der Operation Bagration objektiv nicht mehr in der Lage, irgendwelche Bedingungen zu stellen. Der Drops war also längst gelutscht. Das Attentat fand erst danach statt - nämlich unter dem Eindruck dieser größten Niederlage der deutschen Militärgeschichte.

Die kläglichen Überreste der nicht mehr existenten Heeresgruppe Mitte führte man bereits am 17. Juli 1944 durch Moskau - also noch vor dem Attentat:


Es wird im Eifer des Versuchs einen deutschen Widerstand zu präsentieren gerne vergessen wer die Umstürzler von 1944 waren. Das waren Kadermilitärs: elitär, nationalistisch bis nationalsozialistisch. Denen ging es nicht darum Deutschand vom Nationalsozialismus zu befreien. Denen ging es in erster Linie darum die Machtstellung der deutschen Eliten zu retten, die im Falle der kompletten Niederlage wie sie auch später eintraf stark bis katastrophal beschädigt worden wäre.

Sie haben auch tatsächlich gehofft militärisch noch etwas drehen zu können. Und wenn nicht dann verhandeln. Das Problem war nur zu dem Zeitpunkt brauchten die Aliirten das alles nicht. Der Sieg war schon errungen. Sie konnten gemütlich Deutschlandso oder so bis zur endgültigen Niederlage bekämpfen und ihre Bedingungen diktieren unabhängig davon wer Deutschland vertrat.

Nicht unbedingt, es wäre darauf angekommen, welcher Militärführer dann das Oberkommando bekommen hätte. Je nach dem wie Nationalistisch dieser gewesen wäre, hätte man eine Kapitulation mit Bedingungen gemacht, wären aber Nazis weiter an der MAcht geblieben, wäre der Krieg weiter gegangen...

So oder so. Eine Kapitulation zu den Bedingungen des Auslands ist für die selbstverständlich. Ich würde sogar sagen, dass es Zeitpunkte gab da konnte nicht mal eine Kapitulation gelingen. Man wollte Blut fließen sehen. Deutschland war verhasst. Im Falle Russlands sogar zu recht.

Ich denke, Deutschland hätte bedingungslos kapitulieren müssen, weil der Staat einfach alle Versprechen gebrochen hatte und viel zu aggressiv war...

Aber sie hätten es vielleicht getan und so den Krieg verkürzt...

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