Hätte man in dieser Situation richtig gehandelt, wie sieht es rechtlich aus?

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6 Antworten

Hallo!

Es ist ja letztendlich keine Frage der Moral. Moral ist ja kein feststehender Begriff, sondern bei jedem einzelnen Menschen, eine persönliche Einstellung/Bewertung.

Ich persönlich, könnte es moralisch schon vertreten, wenn Männer/Jungs, eine kleine Abreibung kriegen, wenn sie ein wehrloses Mädchen bedrängen/belästigen.

Aber dann ist ja auch wieder die Frage, was man unter einer "kleinen" Abreibung versteht. Den das obliegt ja auch, einer sehr subjektiven Sichtweise.

Aber da wir ja auch nicht in einer "Moral" Gesellschaft leben, sondern in einem Recht Staat, haben wir Gesetze, die so etwas regeln.

Dein Freund hat natürlich Zivilcourage gezeigt, als er eingegriffen hat. Aber er hat es wohl nicht sehr clever gemacht. Bevor er die Jungs angesprochen hat, hätte er die Polizei rufen sollen. Erst dann hätte er eingreifen sollen. Das Mädchen aus der Gefahrenzone schicken, und "deeskalierend" auf die Jungs einreden.

Ich weiß, dass ist "Graue" Theorie, und ich war auch schon, in einer vergleichbaren Situation. Die Praxis gestaltet sich nun mal so, dass Theorie oftmals, in ihr, gar nicht funktioniert.

Jeder ist Mensch. Und jeder macht Fehler. Und das dein Freund sich herausfordern ließ, und wütend wurde, und die Kontrolle über sein Verhalten verlor, dass war sein Fehler.

Letztendlich wird ein Richter den Sachverhalt beurteilen. Er wird sich fragen, was war gerechtfertigte Notwehr, und wo war die Gewalt unverhältnismäßig, und liegt eine Körperverletzung vor, vielleicht sogar eine schwere?

Es bringt dich und deinen Freund, nicht einen Schritt weiter, wenn ich darüber spekuliere. Das muss ein Gericht tun. Aber da das deine Frage war, wirst du dich fragen, warum ich überhaupt antworte. Ich will dir von einem meiner Freunde erzählen.

Er hat in einer U-Bahn Station Zivilcourage gezeigt. Da waren es auch 3 Typen, die einen anderen zusammen geschlagen haben. Mein Freund hat eingegriffen. Vielleicht hat er dem Opfer sogar das Leben gerettet. Der Angegriffene, hat das auch so vor Gericht ausgesagt.

Mein Freund war damals aktiver Kickboxer. 185cm 102kg. Austrainiert bis in die Zehennägel. Er hat den Boden mit allen 3 gewischt. Man brauchte 4 Rettungswagen. Man kann sagen er hat keine Gefangenen gemacht.

Das Gericht fand diese Gewalt unter keinen Umständen gerechtfertigt. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu 4 Jahren verurteilt. 2 musste er absitzen. Sein Anwalt meinte, er wäre gut damit weg gekommen. Ich war entsetzt.

Er war nicht vorbestraft, hatte einen Job, Frau und Kind, ein kleines Häuschen. Ein wertvolles Mitglied, der Gesellschaft. Als er nach 2 Jahren raus kam, hatte er nichts mehr. Außer den Dank eines Mannes, dem er das Leben gerettet hat.

Mein Freund sagt heute, er würde niemandem mehr helfen. Ich kann es verstehen, aber es macht mich auch traurig.

Zivilcourage ist wichtig. Aber man muss sich halt im Griff haben. Und für Fehler muss man bezahlen.

LG :-)


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Kommentar von Xirain
18.07.2016, 09:00

Das Problem an der Situation deines Freundes ist, dass er ein KAMPFSPORTLER ist. Er hat somit also ausreichend Kenntnisse den Boden mit den 3 Pimpfen zu wischen ohne diese schwerwiegend zu verletzen.

Das Urteil hätte anders/milder ausgesehen, wenn du als Nichtsportler gekommen wärst, sie darauf hingewiesen hättest und dann durch Adrenalin oder sonstwas die 3 verletzt hättest.

http://www.han-kook-baesweiler.de/index.php/notwehrrecht-als-problemfall-fur-kampfkunstsportler/

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Erst mal war das Eingreifen gut. Kennst du das Mädchen?

Die wichtige Frage lautet aber, ob es zu den tätlichen Angriffen, sprich Schlägen, unausweichlich kommen musste. 

Im Falle einer Anzeige wird sicher gesagt, dass man per Handy über Notruf die Polizei rufen und anderweitig Mitanwesende direkt und laut auf das Geschehen aufmerksam machen soll(te), um die Täter von ihrem Opfer abzubringen.

Mit Gewalt drohen ist hierzulande nicht der Bringer, es zu tun wirklich nur im Falle von Gefahr für Leib und Leben einsetzbar. Unsere Gesetze erlauben es leider, dass immer erst richtig was passieren muss. Mit Bedrängen, schubsen und verbal beleidigen ist in DL kein Tatbestand des tätlichen Eingreifens gegeben.

Du solltest erst mal abwarten. Im Falle einer Anzeige wegen Körperverletzung mache deine Aussage. Falls das Mädchen dir bekannt ist und sie keine Angst vor einer Aussage hat, ist sie in der Lage, deine Aussage mit ihrer Aussage zu untermauern. Sie könnte diese drei Typen ihrerseits dann auch anzeigen wegen Belästigung.

Sollte es noch andere Zeugen gegeben haben, kann das auch angegeben werden. War das Geschehen auf einem öffentlichen Platz, gibt es mitunter auch Videoaufnahmen. Wenn nicht, kann die Polizei trotzdem versuchen, diese Zeugen ausfindig zu machen.

Was dann am Ende für dich rauskommt, musst du abwarten.

Ich hab nur schon von einigen Fällen gelesen, wo der Helfer abgestraft wurde und die eigentlichen Täter nur ein Dudu abbekommen haben. Das ist wie gesagt das leider immer wieder mal nicht nachvollziehbare "Recht und Gesetz" in Deutschland. Verstehen muss man es nur wenig.

Sich nur an die Buchstaben eines Paragrafen halten oder auf Minderbemitteltheit der Täter zu gehen, oft in Verbindung mit Alkohol, hat schon manches Opfer an den Rand des seelischen Zusammenbruchs geführt.

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Guten Abend,

ich kann ihnen nur die rechtliche Seite näher beleuchten, die moralische wird in diesem Fall nur untergeordnet eine Rolle spielen. Sie müssen differenzieren, was moralisch vielleicht okay sein mag, aber rechtlich verwerflich und eine Straftat darstellen kann.

Nur aufgrund ihrer Schilderung und ohne nähere Einzelheiten zu kennen, kann davon ausgegangen, dass im Falle einer Anzeige von den "Geschädigten" die Staatsanwaltschaft gegen Sie ein Verfahren wegen des Verdachtes der Körperverletzung nach §223 STGB ermittelt. Der Gesetzgeber sieht hier eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren vor oder eine Geldstrafe. Auch der Versuch ist strafbar.

Selbstjustiz ist in Deutschland eine Straftat und wird auch dementsprechend geahndet. Aufgrund der vermutlich vorhandenen Belästigung  an diesem Mädchen, wird ihnen die Staatsanwaltschaft im Falle einer Anklageerhebung vorwerfen, dass Sie hätten die Polizei rufen können und nicht "Rambo" spielen sollen. Es wäre bei einem Verfahren davon auszugehen, dass ggf. die Gegenseite abstreitet, dass Mädchen belästigt zu haben. In diesem Fall müsste das Mädchen vor Gericht so oder so als Zeuge aussagen und würde hier zu befragt werden. 

Auch müsste der Grad der Belästigung geklärt werden und die damit verbundene Motivation, auf die zwei Personen einzuprügeln. Auch käme es darauf an zu klären, ob der Angreifer bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten ist. Sie haben in einem anderen Frageteil auf meine Frage geantwortet, man gehe von einem Alter von 16-18 Jahre aus. Ginge man unter 18 Jahre aus, würde Jugendstrafrecht angewandt werden. Wäre der Täter zum Zeiptunkt schon 18, würde er als Heranwachsender behandelt werden, in diesem Fall könnte Erwachsenenstrafrecht angewandt werden, sofern keine Reifeverzögerung vorliegt.

Um eine Strafe im vornerein schätzen zu können, müsste Akteneinsicht beantragt werden, die Aussage der Zeugen gesichtet werden, geschaut werden ob eine Aussage getätigt wurde, ob ein Geständnis abgelegt wird/wurde, wie schwer die Verletzungen sind, ob eine Entschuldigung erfolgt ist, ob die Straftat unter Einfluss von Rauschmittel erfolgte (Drogen, Alkohol) und man von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgehen muss und ob der Täter schon vorbestraft ist.

Ausgegangen von einem Tatalter unter 18 nicht vorbestraft bisher nicht in Erscheinung getreten und keine schwerwiegende Verletzungen verbunden mit einem Geständnis könnte man davon ausgehen, dass die Sache nach Rücksprache mit dem Staatsanwalt mit der Abgeltung von Sozialstunden erledigt ist. Hierzu jedoch kein Gewähr ohne die kompletten Fakten zu kennen.

Sofern jedoch bereits vorbestraft wegen selber Taten könnte ggf. eine empfindliche Freiheitsstrafe drohen im unteren Bereich die man zur Bewährung aussetzen würde, sofern der Täter noch nicht in Haft war oder bereits wegen selber Delikte bereits unter laufender Bewährung stehen würde. Auch hier kein Gewähr ohne die genauen Hintergründe zu kennen.

Sie sehen also, es ist einiges an Faktoren das berücksichtigt werden muss, ebenfalls natürlich, dass sie dem Mädchen helfen wollten, wenn auch auf dem falschen rechtlichen Weg.

Ich hoffe ich konnte ihnen helfen.

KaterKarlo2016


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Kommentar von JuraErstie
22.06.2016, 22:44

ehm... Notwehr?

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Kommentar von JuraErstie
22.06.2016, 23:41

genau, das hilflose Mädchen sollte gleich sterben, denn - Notwehr ist ja nicht gegeben, sie lässt sich ja schließlich freiwillig demütigen und schubsen. Logisch!

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Kommentar von JuraErstie
23.06.2016, 16:19

Diese "Androhung" von Gewalt war eine Notwehrhandlung, falls das noch jemandem entgangen ist. Sie war erforderlich und geeignet den Angriff zu beenden (auf das Mädchen). Dass er sich danach selbst einem Angriff aussetzen muss, ist eine andere Sache. Aber klare Notwehrhandlung.  Hätte ich jetzt Zugriff auf einen Sch/Sch würde ich das auch genauso belegen können :)

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Moin,

es ist natürlich nicht richtig was die drei deppen dort abgezogen haben. Aber hinzugehen und jemanden zu verprügeln ist genauso falsch. 

In solchen Fällen nimmt man sein Handy raus und ruft die Polizei an. Das ist deren Job, zum "Tatort" zu fahren und die Sache zu klären. Stell Dir mal vor einer der drei hätte dich erstochen. Was hätteste dann gemacht?

Nach dem man die Polizei angerufen hat kann man das Mädchen evtl. in Schutz nehmen und Abstand gewinnen. 

Wenn die drei nun Anzeige erstatten, und es an dem Platz keine Kameras oder anderen Zeugen gegeben hat musste erst mal beweisen das dieses Mädchen, welches Du verteidigt hast, auch tatsächlich da war. 

Ob das nun moralisch richtig war ist schwierig. Du hast im Prinzip nur die geschlagen die dich angegriffen haben, den zweiten haste ja verschont. 

Aber woher willst Du wissen ob das Mädchen die drei Jungs nicht provoziert hat? Ich kann über Fälle in meiner alten Schulzeit berichten da hatten die Mädchen härtere Sprüche drauf als die Jungs. (Das rechtfertigt zwar nicht die Tat der drei Jungen, aber es ist ein Bestandteil meines Rates die Polizei anzurufen und alles klären zu lassen)

Ich würde nach der bzw. allen  Schlägereien trotzdem die Polizei anrufen und über den Vorfall berichten, ggf. selber den Notruf kontaktieren. Ob es jetzt noch sinnvoll ist kann ich nicht sagen. 

Ich bezweifle  das die Anzeige erstatten, da sie ja selbst dann auch Straftaten zu geben.



In der Zukunft lieber die Polizei anrufen, die sind für solche Sachen speziell ausgebildet und auch bewaffnet. Jetzt haste nur 3 Feinde mehr die auch mal Rache nehmen können. Pass auf dich auf. 

 

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ist falsches verhalten mit der drohung die umzuklopfen.richtig wäre notruf absetzen und sich dazwischen stellen.wenn sie ihn dann angreifen kann er sich verteidigen auch mit dem risiko das einer zu boden geht.das macht eigendlich einen kampfsportler aus das er besonnen handelt und nicht provoziert

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War sie attraktiv?

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Kommentar von Cosmoxy
23.06.2016, 18:52

War flankbar.

LG

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