Hätte die NVA im falle eine Krieges denn Westen überrennen bzw besiegen können?

17 Antworten

Die Bundeswehr hatte etwa 3 mal soviele Soldaten wie die NVA - bei angenommener, gleicher Waffenqualität ist dieser Teil deiner Frage beantwortet.

Die UdSSR hatte zu der Zeit aber die weltweit meisten Kampfpanzer, weshalb damit zu rechnen gewesen wäre, daß Offensiven Richtung Westen geglückt wären.

Und jetzt zum 3.Teil deiner Frage und da müssen wir doch auf die Atomwaffen kommen. Hast du schon mal von "Flexible Response" gehört?

Das war die NATO-Doktrin: falls der Warschauer Pakt eine Offensive gen Westen erfolgreich einleitet, dann hat die NATO geplant als erste Atomwaffen einzusetzen. Zuerst nur taktische Kurzstreckenwaffen, um den Vormarsch zu stoppen und die feindliche Logistik zu zerstören.

Falls der WP dann aber mit Mittelstreckenwaffen eskalieren würde, dann würde die NATO genau das gleiche tun, was bedeutet hätte, daß wir ganz schnell in einem "Global Nuclear War" gewesen wären.

Wenn 2 Staaten gegeneinander Krieg führen, die bis an die Zähne atomar bewaffnet sind und einer der beiden Staaten gerät in die Defensive, dann darfst du davon ausgehen, daß das nukleare Potential auch eingesetzt wird, um den eigenen Untergang zu verhindern.

Das kann zwar nicht klappen, aber der Gegner gewinnt dann auch nicht.

Gruß

Als Gesamtüberblick kann ich dir die 8-teilige Dokumentation "War Games" empfehlen (lief mal auf ZDFinfo, müßte noch auf Youtube zu finden sein)

Die USA hat noch nicht lange her ein Archiv geoeffnet.

Im Falle eines Konfliktes waeren von Westberlin aus, 96 Ziele in Ostberlin, mit A-Granaten aus Atellerie, beschossen worden.

Das bestaetigt die Theorien eines A-Krieges in der Folge. 

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@zetra

Denkbar wäre das zwar, aber taktisch völliger Schwachsinn!

Andererseits gab es auch mal einen US-General, Zitat:

"Wir haben genug Bomben (nuklear), um in der 2.Welle die Trümmer (in Rußland) tanzen zu lassen!"

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@nax11

Darueber brauchen wir nicht sinnieren, die Schuetzen selber und natuerlich auch Westberlin waeren mit im Eimer gewesen.

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Ein Krieg wäre damals sofort in einen Atomkrieg ausgeartet, in dem Deutschland, sowohl Ost als auch West, mit der höchsten Konzentration an atomaren Waffen, die von den USA und der UdSSR auf deutschem Boden stationiert waren, als erstes Land atomar eingeäschert worden wäre. Ein radioaktiv verseuchtes Gebiet könnte man dann wohl kaum noch überrennen können. 

Ansonsten sah das Kräfteverhältnis folgendermaßen aus: In Sachen Atomwaffen, waren die NATO und der Warschauer Pakt etwa gleichauf. Mit konventionellen Waffen war der Warschauer Pakt zumindest in Europa deutlich überlegen. Zudem waren in Ostdeutschland etwa 500.000 sowjetische Soldaten stationiert. Hätte man einen Krieg auf konventionelle Waffen beschränkt, wäre es denkbar, dass die NVA mit den Russen im Rücken den Westen hätte überrennen können. Persönlich hatte ich auch weit mehr Vertrauen in russische Militärtechnik als in westliche Militärtechnik. Gleiches hörte ich von Freunden, die sowohl Erfahrung mit russischen Waffen als auch Waffen der NATO hatten - sie bevorzugten die russischen. 

Damalige russische Militärdoktrin besagten jedoch, dass Russland nur bei vier- bis fünffacher Überlegenheit einen Angriff riskiert hätte. Die USA hätten erst bei 10-facher Überlegenheit einen Angriff riskiert. Insofern gab es ein relativ sicheres militärisches Gleichgewicht (leider einhergehend enormen Wettrüsten), welches dazu führte, dass es nicht zu einem Krieg kam. 

Ein letztes Wort zu dem Begriff besiegen: Ich glaube nicht, dass man andere wirklich endgültig besiegen könnte, egal wen. Man könnte allerdings versuchen, die Herzen und Goodwill von anderen zu erobern. So etwas könnte bleibenden Erfolg haben, ist aber offensichtlich nicht mit kriegerischen Mitteln möglich.

Four Days to Rhine ist natürlich eine reine Träumerei des Warschauer Paktes. Das Sperrsystem der Wallmeister und alles, was an Sperren und Hindernisse in der vorausgegangenen Spannungsperiode scharf gemacht wäre, hätte den Panzervorstoß des Warschauer Paktes mit Sicherheit um wertvolle Stunden aufgehalten.

Es gibt in Norddeutschland einfach zu viele Gewässer, die hätten überwunden werden müssen - ja der Warschauer Pakt hatte natürlich seine amphibischen Pioniere, doch deren Übergänge hätten vor Luftangriffen massiv geschützt werden müssen, in Mitteldeutschland dann das Bergland - also jede Menge natürlicher Hindernisse.

So gut waren unsere Panzerpioniere also doch, dass sie dem Angreifer das Leben verdammt schwer gemacht hätten.

Kann ich nicht genau sagen, die amerikaner gingen jedenfalls davon aus, dass europa im falle eines konventionellen angriffes durch die sowjetunion innerhalb von 3 wochen fallen würde, wurde mir so zumindest am checkpoint alpha erklärt! Lg

Zumindest war der Dienst in der NVA wesentlich härter und ordnete sich konsequent der Gefechtsbereitschaft unter. Solche Sachen wie bei der Bundeswehr - ab Freitag Mittag Wochenende machen und Eier schaukeln - gab's da nicht. Da waren die Kasernen rund um die Uhr besetzt. Ich z.B. habe Anfang 1986 mal mitgezählt: von den ersten 16 Wochenenden des Jahres hatten wir an 13 Wochenenden obendrein nicht dienstfrei sondern haben Sonnabend und Sonntag mit irgendwelchen Ausbildungen, Übungen und Inspektionsvorbereitungen durchgeknüppelt. Danach habe ich nicht mehr gezählt. Und das war nicht etwa in der Grundausbildung sondern in der regulären Panzereinheit. Urlaub und Ausgang waren sowieso eine Seltenheit.

Ein Vergleich der kampfstärke NVA/ BW ist schon aufgrund der völlig unterschiedlichen Truppenstärke obsolet. Die Hauptlast hätten sowieso die Sowjets getragen. Und die hatten jede Menge Mann und Material vor Ort.

Letztendlich können wir froh und dankbar sein, daß wie es nicht ausprobiert haben.


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