Hätte Caesar auch ohne das Triumvirat so viel Macht bekommen?

3 Antworten

Ich denke nicht. Cäsar hatte extrem hohe Schulden, die seinen Einfluss immens geschwächt hätten wenn nicht sogar in der Bedeutungslosigkeit versenkt hätten, wenn er Crassus nicht gehabt hätte. Durch die Beliebtheit des Pompeius und seinem großen Heeresklientel gewannen wiederum beide, Cäsar und Crassus, an Einfluss. Cäsar hatte im Triumvirat anfangs nur einen alten, ehrwürdigen Namen anzubieten - der wohl einzige Grund, warum Crassus und Pompeius sich mit ihm verbündeten.

Einige Aussagen sind verfehlt. Caesar hat sein Schuldenproblem als Propraetor von Hispania Ulterior 61 v. Chr. beenden können (nebenbei festgestellt führen hohe Schulden nicht unbedingt zu großer Schwächung des Einflusses, zumíndest bei Aussicht auf politische Erfolge; denn es kann auch eine Schwierigkeit für Gläubiger entstehen, sich einen totalen Absturz und damit den Verlust einer Riesenmenge hineingesteckter Gelder nicht gut leisten zu können). Caesar hatte mehr als nur den Namen einer vornehmen Familie zu bieten.

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@Albrecht

Gute Ergänzung, aber zu Beginn und sogar im weiteren Verlauf seiner Karriere war Cäsar finanziell sehr schlecht aufgestellt. Seine Gläubiger haben ihn zuerst sogar festgehalten, als er 61 v. Chr. nach Hispania aufbrechen wollte, nur weil Crassus mit einer erheblichen Summe Geld für ihn eintrat, konnte er überhaupt los. Crassus war es also, der ihn rettete und ihm die Mögichkeit verschaffte, in Hispanien zu glänzen, natürlich mit der Aussicht, dass Cäsar dort seine Investition locker wieder wettmachen könnte. Zu diesem Zeitpunkt war Cäsar schon über den bloßen Wert seines Namens hinaus emporgestiegen, da er ja bereits Quästor, Ädil und Prätor gewesen war.

Ich bleibe dabei: Cäsars Werdegang wäre ohne die Verbindung zu den anderen Triumvirn, besonders zu Crassus, nicht möglich gewesen.

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Nein, Gaius Iuius Caesar hätte ohne den »Dreibund« mit Gnaeus Pompeius und Marcus Licinius Crassus, das sogenannte 1. Triumvirat, nicht Macht in so großem Ausmaß bekommen.

Das Konsulat und danach im Prokonsulat irgendeine Statthalterschaft über eine Provinz hätte Caesar auch ohne das sogenannte 1. Triumvirat erreichen können, aber ohne mächtige Verbündete hätte er weder im Konsulat Gesetze gegen starken Widerstand unter den Senatoren durchsetzen und sich dann ohne Abstrafung und Sturz behaupten können noch nach dem Konsulat eine so ausgedehnte und lange andauernde Befehlsgewalt bekommen.

Caesar war als ein Patrizier (alter Adel) von sehr vornehmer Abstammung, hatte einerseits durch seine Herkunft und soziale Stellung als Angehöriger der Nobilität (die politische Führungsschicht) mit Reichtum, einer Gefolgschaft/Klientel und einem Beziehungsgeflecht der Familie, andererseits durch seine persönlichen Fähigkeiten gute Aussichten auf eine erfolgreiche politische Laufbahn in der römischen Republik. Caesar war politisch begabt und verstand es, Popularität beim Volk zu gewinnen.

Caesar hat viel Geld ausgegeben und für das Vorantreiben seiner politischen Laufbahn eingesetzt. Er hat hohe Schulden angehäuft, aber auch bei Wahlen zu Ämtern Erfolge erzielt. 63 wurde er zum Pontifex Maximus gewählt und zu einem Praetor für 62 v. Chr. Im Jahr 61 v. Chr. wurden Caesar von seinen Gläubigern Schwierigkeiten bereitet und erst eine Bürgschaft von Crassus für eine Summe von 830 Talenten (rund 5 Millionen Denare; zu dieser Zeit 1 Denar = 4 Sesterzen) ermöglichte ihm, als Statthalter nach Hispania Ulterior abzufahren (Plutarch, Caesar 11, 1 – 2; Plutarch, Crassus 7, 6). Caesars Gesamtschulden zu dieser Zeit betrugen nach Schätzung von Appian, Emphylia (Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia] 2, 8 [26]) 25 Millionen Sesterzen (Plutarch, Caesar 5, 8 gibt an, Caesar habe vor Beginn seiner Ämterlaufbahn bereits 1300 Talente [rund 7800000 Denare] Schulden gehabt, was vielleicht zeitlich etwas durcheinanderbringt).

Als Statthalter (Propraetor) von Hispania Ulterior gelang Caesar seine finanzielle Sanierung. Er konnte nach seiner Rückkehr seine Schulden abzahlen, war reich (Plutarch, Caesar 12, 4). Auch ohne die getroffenen Absprachen, mit denen wohl Ende des Jahres 60 v. Chr. der »Dreibund« mit Gnaeus Pompeius und Marcus Licinius Crassus, das sogenannte 1. Triumvirat, gebildet wurde, wäre Caesar auf dem einen oder anderen Weg ein bedeutender Politiker mit einiger Macht gewesen.

Die langjährige Statthalterschaft über Gallien, mit der Caesar seine Macht sehr steigern konnte, ist aber nur durch die Abprachen mit Pompeius und Crassus möglich geworden. Eine Senatsmehrheit hatte beschlossen, den Konsuln nach Ende ihres Amtsjahres als Amtsbereiche (Provinzen) die Wälder und Viehtriften Italien zuzuteilen (Sueton, Divus Iulius 19, 2) statt einer üblichen Statthalterschaft über Länder. Dies zeigte ein Mißtrauen der sogenannten Optimaten gegen Caesar und nahm ihm eine Möglichkeit, sich besonders auszuzeichnen, Ruhm zu erwerben und finanziell viel Gewinn zu erzielen.

Caesar wollte sich selbstverständlich nicht mit dem dürftigen Amtsbereich begnügen, den seine Gegner für ihn vorsahen. Durch ein vom Volkstribunen Publius Vatinius eingebrachtes und vom Volk beschlossenes Gesetz (Lex Vatinia) wurde Caesar nach Ende seines Konsulats als Prokonsul (proconsul) Statthalter der Provinzen Gallia Cisalpina und Illyricum für etwas mehr als 5 Jahre (voraussichtlich konnte Caesar seine Befehlsgewalt bis mindestens Ende 53 v. Chr. behalten). Nachdem im April 59 v. Chr. ein Statthalter (Quintus Caecilius Metellus Celer) von Gallien unerwartet gestorben war, bekam Caesar dessen Provinz Gallia Transalpina (auch Gallia Narbonensis genannt) vom Senat auf Antrag des Pompeius hinzugefügt (dies war allerdings jährlich zu bestätigen). 55 v. Chr. bekam Caesar nach Verhandlungen mit Pompeius und Crassus seine Befehlsgewalt in Gallien durch ein Gesetz (Lex Pompeia Licinia) noch einmal verlängert. Der Senat konnte nicht vor dem 1. März 50 v. Chr. einen Nachfolger für ihn bestimmen.

Die prokonsularische Befehlsgewalt war eine wichtige Grundlage für Caesars Machtzugewinn und wurde mit dem gallischen Krieg genutzt:

  • Steigerung des Ansehen/seines Ruhm (sich duch Leistungen auszuzeichnen, begründete nach römischer Wertvorstellung auch einen Anspruch auf eine führende Stellung)
  • Verfügung über bis zu 10 bzw. 11 Legionen
  • Aufbau einer engen Beziehung zu den Soldaten seiner Legionen
  • gewaltige finanzielle Bereicherung, z. B. durch Kriegsbeute, Plünderung von keltischen Heiligtümern, Gewinne bei Geschäften wie dem Verkauf von Gefangenen in die Sklaverei (Caesar konnte so auch freigiebig zu Soldaten und der Volksmenge in Rom bei Dankfesten sein und Politiker durch finanzielle Zuwendungen beeinflussen; Caesar gab 50 v. Chr. an den Konsul Lucius Aemilius Lepidus Paullus nach Appian, Emphylia (Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia] 2, 26 [101]; Plutarch, Caesar 29, 2; Plutarch, Pompeius 58, 1 eine riesige Summe, 1500 Talente [= 9 Millionen Denare, 36 Millionen Sesterzen], für wohlwollende Neutralität, den Volkstribunen Gaius Scribonius Curio befreite er für Unterstützung von einer gewaltigen Schuldenmenge [60 Millionen Sesterzen nach Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 9, 1, 6; 10 Millionen Sesterzen nach Velleius Paterculus 2, 48, 4; 27 Millionen Sesterzen nach Servius zu Vergil, Aeneis 6, 621; nach Appian, Emphylia (Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia] 2, 26 [101] bekam Curio mehr als Paullus)
  • Möglichkeit, durch Gefälligkeiten (z. B. Vergabe von Posten in der Armee und Verwaltung) persönliche Bindungen herzustellen und pflegen und so Leute zu dankbarem Verhalten zu verpflichten

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