Hält Sateliten Internet auch wirklich Die abgegeben Internetgeschwindigkeit?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Bei DSL/VDSL und Fiber besteht eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit der Vermittlungsstelle. Daher schaffen sie im Regelfall durchaus die beworbenen Datenrate, auch wenn das durch den Anbieter nicht garantiert wird. Das Problem ist eher, dass die meisten Server nicht genügend Upload haben werden, um eine Vielzahl solcher Leitungen zu sättigen, denn ein einzelner Server bedient ja in der Regel tausende Nutzer. Das heißt, Dein Computer kann durchaus mit der beworbenen Datenrate mit dem Internet kommunizieren. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Anbieter, von denen Du zum Beispiel Dateien herunterlädst, diese Datenrate auch bereitstellen können.

Du könntest aber natürlich von mehreren Servern parallel herunterladen oder gleichzeitig laden, spielen und streamen und so Deine Leitung tatsächlich "sättigen", auch wenn ein einzelner Dienst das nicht schaffen sollte. Das ganze ist also ein anderes Problem. Deine Internetanbindung an sich ist bei DSL/VDSL und Fiber in der Regel durchaus so schnell, wie beworben, auch wenn dies formal nicht garantiert wird.

Das Problem, dass die beworbene Bandbreite schon an Deinem Anschluss nicht tatsächlich zur Verfügung steht, besteht dann, wenn es sich um ein "Broadcast-Medium" handelt, das von vielen Teilnehmern gemeinsam genutzt wird. Das ist vor allem beim Mobilfunk und beim Internetanschluss über das Kabelfernsehnetz der Fall. Das Fernsehkabel ist keine Punkt-zu-Punkt-Verbindung, sondern eher eine baumartige Struktur. Hier sprechen viele Teilnehmer über ein gemeinsam genutztes Koaxialkabel mit einer einzelnen Vermittlungsstelle. Wenn ein anderer Teilnehmer etwas überträgt, muss mein Kabelmodem daher "schweigen". Umgekehrt muss die Vermittlungsstelle Daten, die an verschiedene Teilnehmer gehen, zeitlich multiplexen, also die Pakete für die verschiedenen Teilnehmer sequentiell herausschicken. Jedes Kabelmodem empfängt theoretisch alle Pakete, verwirft aber diejenigen, die nicht für den Empfänger bestimmt sind. Eventuell kommt hier noch Kryptographie zum Einsatz, damit man die Daten anderer Teilnehmer nicht abhören kann, auch dann nicht, wenn man das Kabelmodem manipulieren würde.

Bei DSL/VDSL und Fiber gibt es diese Probleme nicht. Dort gibt es wirklich eine separate Kupferdoppelader oder Glasfaser für jeden Teilnehmer. Die tatsächlich zur Verfügung stehende Bandbreite schwankt hier (besonders beim Kupferkabel) zwar auch bedingt durch die analoge Bandbreite und den Rauschabstand auf dem Kabel, aber in der Regel liegt sie wesentlich höher, als die angebotene Datenrate. Die Vermittlungsstelle (DSLAM) bietet hier beispielsweise 50 Mbit down, 10 Mbit up an, die Leitung selbst würde aber (von ihrer analogen Bandbreite her) sogar beinahe (nicht ganz) 100 Mbit down und 25 Mbit up hergeben. Dieser Wert wird von der Vermittlungsstelle alle paar Sekunden neu gemessen und schwankt daher tatsächlich ein wenig. Es ist also nicht zu erwarten, dass die Datenrate einbrechen wird, ganz im Gegenteil! Es gäbe hier noch jede Menge "Luft nach oben", die vom Provider derzeit nicht ausgenutzt wird.

Bei Satelliteninternet hast Du ein enorm großes "Broadcast-Medium", das dem gesamten "Ausleuchtungsbereich" des entsprechenden Satellitentransponders entspricht. Die tatsächlich zur Verfügung stehende Leistung wird dementsprechend stark schwanken und (ich lehne mich mal aus dem Fenster) sehr wahrscheinlich weit unter der versprochenen Bandbreite liegen. Dazu kommt, dass Satelliteninternet, bedingt durch die große Distanz zum Satelliten und dadurch langen Signallaufzeiten, eine sehr hohe Latenz (extrem "schlechter Ping") aufweist.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von PST1000
06.11.2016, 14:56

Wow vielen Dank ich werde durch deinen sehr guten und informativen Rat hören und auf Sateliten Internet verzichten.

1

Hi,

na ja, du schreibst ja schon selber:

22.000 Kbit/s schaffen kann,

und nicht dauerhaft muss!

Natürlich können da auch Störungen austreten, wie z. B. bei schlechtem Wetter, u. s. w.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von NoHumanBeing
06.11.2016, 15:08

Vor allem hat der Satellit ein großes "Ausleuchtungsgebiet" und versorgt somit eine Vielzahl von Teilnehmern, die sich die zur Verfügung stehende Bandbreite irgendwie teilen müssen.

0

Der Ping hat keine Auswirkung auf die Download-Zeit. Unter optimalen Bedingungen würde ein 15GB-Download etwa um die 1 Stunde 37 Minuten benötigen. 2 Stunden würde ich als realistisch ansehen. Egal ob Satelit oder klassische Leitung.

Und die Schwankungen in Leistungsqualität sind wie auch beim regulären DSL vom Standort, Auslastung und Verbindung zu den jeweiligen Servern abhängig.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von NoHumanBeing
06.11.2016, 15:06

Der Ping hat keine Auswirkung auf die Download-Zeit.

Das stimmt auch nicht ganz. Downloads laufen ja in der Regel über HTTP oder FTP. Das sind Anwendungsprotokolle (OSI-Schichten 5/6/7), die widerum auf dem Transportprotokoll (OSI-Schicht 4) TCP aufsetzen.

TCP ist ein zuverlässiges Protokoll. Es hat daher die Eigenschaft, dass es jedes empfangene Segment (so heißen die Protokolldateneinheiten auf Schicht 4) bestätigt. Der Server schickt nur dann ein weiteres Segment, wenn das vorherige bestätigt wurde. Je länger es dauert, bis diese Bestätigung da ist, desto weniger Daten schickt der Server also heraus, denn bis die Bestätigung für das vorhergehende Segment da ist, wird der Server "schweigen" und keine weiteren Daten schicken. Dadurch kann sogar bei einem langen Tiefseekabel zwischen Europa und USA die Datenrate eines Downloads bereits beträchtlich einbrechen, von einerSatellitenverbindung einmal ganz zu schweigen.

Siehe auch hier: https://en.wikipedia.org/wiki/TCP_tuning#TCP_speed_limits

0

Der Ping hat keine Auswirkung darauf das heißt nur wie lange der Server braucht bis eine Antwort kommt
22.000 kbits sind ganz grob 2.2 mb die Sekunde
15 GB sind 15.360 mb
15360/2.2=6981 Sekunden
6981/60=116 Minuten
Also knapp 2 Stunden

Ob Satelliteninternet wirklich die versprochenen Geschwindigkeiten erreicht kann ich nicht sagen

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von NoHumanBeing
06.11.2016, 15:05

Der Ping hat keine Auswirkung darauf das heißt nur wie lange der Server braucht bis eine Antwort kommt

Das stimmt auch nicht ganz. Downloads laufen in der Regel über die Anwendungsprotokolle (Layer 5/6/7) HTTP oder FTP, die widerum auf dem Transportprotokoll TCP (Layer 4) aufsetzen.

TCP wartet darauf, dass die Segmente vom Empfänger bestätigt werden, bis es neue Segmente schickt.

0

Was möchtest Du wissen?