Habt ihr Erfahrungen mit dem Buddhismus( edler achtfacher Pfad etc)?

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9 Antworten


Hallo! :) würde mich mal interessieren, ob ihr Erfahrungen mit dem Buddhismus habt 

Habe ich. Ich bin Buddhist :)

und ob/ auf welche Weise es euer Leben verändert hat

Es hat mein Leben bisher nur ins Positive geändert.

Der Buddhismus bietet einem meines Erachtens einiges mehr, als andere spirituelle Wege. Das liegt ganz einfach daran, dass er einem tiefe Einsicht in die Wurzel allen Leidens gewährt, und die tatsächliche Wahrheit des Seins dabei nicht lange auf sich warten lässt. 

Allein sitzend, allein ruhend, allein umhergehend, frei von Trägheit; wer tiefe Einsicht in die Wurzeln des Leidens hat, genießt großen Frieden, wenn er in Einsamkeit weilt.

Dabei benötigt der Buddhismus aber keinerlei Götter, Engel, Dämonen oder ähnliche Wesen. Jeder ist, der er ist. Die Buddha Natur ist in allen Lebewesen enthalten, und um das Leid zu besiegen braucht man keine Götter, denn auch sie sind Vergänglich, wie Buddha herausfand:

(...) Dies ist die Körperlichkeit, dies sind Empfindungen, die Vorstellungen, die Gestaltungen, das Erkennen. Wenn nun die Götter,die langlebigen, in Freude schwimmenden, die droben in ihren Götterwohnungen langen Daseins sich freuen, des Vollendeten (Buddha) Verkündigung hören, so werden auch sie in großer Zahl von Furcht, Schrecken und Zittern befallen. 


So sagten die Götter: "Wir sind vergänglich und haben geglaubt wir wären unvergänglich. So haben wir kein bleibendes Sein, und haben geglaubt, wir hätten bleibendes Sein. So sind wir nicht ewig und haben geglaubt wir wären ewig, Vergänglich also sind wir, ohne bleibendes Sein, nicht ewig, in das Weltdasein verflochten."

Da sprach der Erhabene:

"Da waren auch die langlebigen Götter, die schönen, die herrlichen, voll mit Schrecken, furchterfasst, zitternd.
Wie vor dem Löwen das Getier. 
Als sie des Heiligen Wort hörten.

Der Buddhismus ist aber in vielen Hinsichten noch faszinierender, als gedacht. So bietet er einem eigentlich gar keine Antworten, zumindest nicht von sich aus. So heißt es des öfteren, dass man keine Antworten erhält, sondern die Fragen verliert.

In Udana erklärt Buddha dann folgendes

Es gibt ein Reich, wo nicht Erde noch Wasser ist, nicht Feuer noch Luft, nicht Raumunendlichkeit, nicht Bewusstseinsunendlichkeit, noch Nichtsein, dort ist weder Wahrnehmung , noch Nichtwahrnehmung, weder diese Welt noch jene Welt, weder Sonne noch Mond. Das nenne ich nicht Kommen, noch Gehen, noch Bleiben,weder Vergehen noch Entstehen. Ohne Grundlage, ohne Fortentwicklung, ohne Halt ist es:Dort ist des Leidens Ende.

( Buddha , Udana 8,1 ) 

Meinen Alltag hat es unglaublich verändert. Sehr viele Sachen, an denen ich mir früher die Zähne ausgebissen habe, verstehe ich mittlerweile vollkommen. Ich habe bereits unglaublich tiefe Einblicke in die Leere allen Daseins gewinnen können und verstehe dadurch die buddhistische Lehre auch besser (ohne Praxis keine Theorie).

Ich habe aufgehört so viel herum zu spekulieren

Auch hier habe ich für dich eine kleine Stelle aus den buddhistischen Schriften:


Auf solche Weise erwägt er unweise:

'Gab es mich in der Vergangenheit?
Gab es mich nicht in der Vergangenheit?
Was war ich in der Vergangenheit?
Wie war ich in der Vergangenheit?
Was war ich, und was bin ich daraufhin in der Vergangenheit geworden?
Wird es mich in der Zukunft geben?
Wird es mich in der Zukunft nicht geben?
Was werde ich in der Zukunft sein?
Wie werde ich in der Zukunft sein?
Was werde ich sein, und
was werde ich daraufhin in der Zukunft werden?

Oder ansonsten ist er über die Gegenwart verwirrt:
'Bin ich?
Bin ich nicht?
Was bin ich?
Wie bin ich?
Wo kam dieses Wesen her?
Wo wird es hingehen?'"


8. "Wenn er auf solche Weise unweise erwägt, entsteht eine von sechs Ansichten in ihm.

Die Ansicht 'für mich gibt es ein Selbst' entsteht in ihm als wahr und erwiesen; oder die Ansicht 'für mich gibt es kein Selbst' entsteht in ihm als wahr und erwiesen; oder die Ansicht 'ich nehme Selbst mit Selbst wahr' entsteht in ihm als wahr und erwiesen; oder die Ansicht 'ich nehme Nicht-Selbst mit Selbst wahr' entsteht in ihm als wahr und erwiesen;
oder die Ansicht 'ich nehme Selbst mit Nicht-Selbst wahr' entsteht in ihm als wahr und erwiesen; oder ansonsten hat er eine Ansicht wie diese: 'Es ist dieses mein Selbst, das da spricht und fühlt und hier und da die Ergebnisse guter und schlechter Taten erfährt; aber dieses mein Selbst ist unvergänglich, dauerhaft, ewig, nicht der Vergänglichkeit unterworfen, und es wird so lange wie die Ewigkeit überdauern' [4].

Diese spekulative Ansicht, ihr Bhikkhus (Schüler), wird das Dickicht der Ansichten genannt, die Wildnis der Ansichten, die Verdrehtheit der Ansichten, der Wankelmut der Ansichten, die Fessel der Ansichten. Durch die Fessel der Ansichten gebunden, ist der nicht unterrichtete Weltling nicht befreit von Geburt, Alter und Tod, von Kummer, Klagen, Schmerz, Trauer und Verzweiflung; er ist nicht befreit von Dukkha (Leiden), sage ich."



Gibt es hier nachzulesen:  
http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m002z.html

Ich bin ebenfalls viel ruhiger geworden. Konflikte oder Streit können mich nicht mehr aus der Bahn werfen, mein "Geist" bleibt davon unberührt.

Durch Erkenntniss darüber, dass ein beständiges  "Ich" gar nicht existiert, und es nichts gibt, das mich ausmacht, leide ich ebenfalls viel weniger.

So habe ich nämlich aufgehört mich mit irgendwelchen Sachen zu identifizieren und bin nicht länger verletzt, wenn andere diese schlecht reden.

Auch viel  Freundlicher und Mitfühlender bin ich in meinem Alltag geworden. Ich kann mich viel besser in andere hineinversetzten und weiß wie es jeweiligen Personen wohl gehen mag.

Zusätzlich gibt es natürlich durch die Meditation Nebeneffekte, wie z.B mehr Konzentration, höhere Aufmerksamkeit ect.pp die aber nur nebenbei mitgenommen werden. Um diese Dinge geht es nämlich primär ja gar nicht.

So weit erstmal. Wenn du noch Fragen hast, helfe ich dir gerne weiter :)

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Hallo Manuel129

ob ihr Erfahrungen mit dem Buddhismus habt

Ja, täglich - ich bin Buddhist der Soto-Zen-Tradition.

auf welche Weise es euer Leben verändert hat

Lehre und Praxis des Buddhismus wirken sich auf verschiedene Weise auf mein alltägliches Leben aus, das kann ich gar nicht bestreiten.

Dabei möchte ich betonen, dass dies einfach "Nebeneffekte" sind und nicht etwa meine Motivation für die Praxis des Buddhismus.

So habe ich ein stärkeres Gefühl für die Relativität entwickelt und nehme mich selbst nicht mehr so schrecklich ernst. Ich kann mehr über mich selbst lachen und denke meiner Meinung nach weniger absolut und kategorisch.

Durch die Achtsamkeitspraxis nehme ich das Leben bewusster wahr und bin nicht mehr so stark in Automatismen und geistigem Tran gefangen - auch wenn die Routine mich immer wieder erwischt. ;-)

Aber das sind wie gesagt nur persönliche Erfahrungen. Es kann gut sein, dass jemand ganz andere Erfahrungen gemacht hat und auch andere Entwicklungen an sich festgestellt hat.

Jedenfalls sollte man "Erfahrungsberichte" wie diesen, niemals als Gradmesser für die eigene Praxis nehmen. Das sind keine Meilensteine die man erreichen muss.

Jeder entwickelt sich auf seine Weise und sich zu fragen "wieso habe ich noch nicht das erlebt, was XY beschrieben hat?" führt zu nichts. Person A ist eben anders als Person B.

Wenn du trotzdem noch Fragen hast, helfe ich gerne weiter.

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Nicht der Buddhismus muss es eigentlich heißen, sonder so etwas wie „Bedeutungslosigkeit in der Bedeutung und Bedeutung in der Bedeutungslosigkeit“ das man dann Buddhismus genannt hat, stellt an Dich ganz „heimlich“ Fragen bis Du anfängst Dich selbst zu fragen und eigene, zunächst nur Dich betreffende Antworten zu finden. Du steigst am Anfang hoch empor und fällst dann ganz tief nach unten und dort wirst Du bleiben bis Du merkst das dies der beste Ort für Dich – dort im Kalten, Fröstelnden, im Wolkenbruch, auf glatten Eis, im Finstern – weil Du lernst selbst ein kleines Licht zu entzünden, weil Du Dir bewusst wird, das wenn es ganz kalt wird, Dir ganz warm ist, wenn Du durchnässt bist, Du Dich ganz trocken fühlst und Du auf glatten Eis wie auf sicheren Pfad gehst und Du wirst ganz genau hinschauen, hinfühlen und hinhorchen und lernen, das „Buddhismus“ nie nur für Dich selbst ist, sondern Du wirst im Kalten noch Deinen Mantel abgeben, im Wolkenbruch Deinen Regenschirm, im Finstern Deine Lampe - an den der friert, an den der nass wird, an den der im Finstern nichts mehr sieht – erst dann wird es warm, trocken und hell werden für Dich.

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wir selber sprechen nicht vom Budhhismus, sondern von der Buddha-Lehre. schau mal, der Buddha, der fast vierzig Jahre durch Nordindien gewandert war, hat sich weder als Religionsstifter noch als Philosoph ausgegeben. Er war bloß der Guru, der Meditationsmeister, der Erwachte, der Arzt und Heiler, der den Weg aus dem allgegenwärtigen Leiden gezeigt hatte. Er hatte die Ursachen für das Leiden und Unglücklichsein benannt, aber keine Theorien über ontologische/philosophisch/religiöse Themen aufgestellt. Er hat gesagt, schau in deinen eigenen Geist, wie er funktioniert, wie er sich undiszipliniert verhält, wie er wie ein Affe von Ast zu Ast rast und immer nur Unheil und Trauer pflückt.

Zu deiner Frage: Die Buddha-Lehre ist meine spirituelle Übung, jeden Tag, ich befassse mich nicht mit (religiösen) Glaubenssätzen, sondern nur mit dem, was ist wie es ist. Das hilft mir zu leben, den ganzen Tag lang. Ohne Buddha-Lehre müsste ich mich mitm weißen Stock durch die schlimme Welt tasten.

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Ich bin Nichiren-Buddhist seit 8 Jahren -

als solcher sagt mir der edle 8fache Pfad nix (die Nichirens sind so eine "komische Unterabteilung" - so eine Art "Straßenbuddhisten" ohne viel Weisheit und ohne viel Bildung - dennoch mit viel Lebenskraft...)

Meine Erfahrungen sind nur positiv:

Tolle Gemeinschaft,

öffnet Deinen Horizont,

lässt Dich die Missgeschicke gelassener angehen,

mehr Offenheit für die Freuden des Lebens empfinden,

gibt Dir eine Kraftquelle, aus der Du jederzeit tanken kannst,

lehrt dich Demut

Was will ich mehr? NiX!

(naja: Vielleicht schon ein bisschen mehr, aber für diese Leben reicht es:)

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Durch den Buddhismus habe ich mehr mitfühlendes Verständnis für Mitmenschen gewonnen, die von Dünkel geplagt sind.

Und ich weiß nicht was ich bin.


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Ich "sehe" und "fühle" einfach mehr und besser als vorher. Alles andere ist schon gut gepostet worden. Das waren 2 Dinge von vielen.

PatchrinT.  Zen-Buddhist

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Ich habe zwar keine Erfahrungen gemacht, jedoch wirst du nach dem, was ich gelernt habe, dich besser spirituell mit der Welt vereinigen können, und dinge anders sehen.

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friedlich - mitmenschlich - menschlich

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