Habt Ihr Erfahrung mit Homophobie?

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2 Antworten

Hallo!

Ja da kann ich Lieder von singen. Und das in einer gymnasialen Oberstufe: es gab da einen Mitschüler türkischer Abstammung, der , wann immer ich in der nähe war, alle typischen klischees von Schwulen imitiert hat. Hohe Stimme, Näseln, mit den Armen fuchteln. Und Anfangs kann man da vieleicht drüber lachen, aber nach fast 2 Jahren wo er das ununterbrochen gemacht hat denkt man sich auch nur waaas.

Woran ich mich auch gewöhnen musste war von bestimmten Kreisen mit "Schw*chtel" begrüßt zu werden. Da fühlt man sich auch am den Kopf gestoßen... Am dümmsten waren dann auch fragen wie: hast du dir heute schon was hinten reingesteckt höhöhö. Ich muss sagen dass ich dann zum Glück gute Freunde hatte welche mich in Schutz genommen haben: hätte ich was gesagt meinten sofort alle ich würde ja keinen Spaß verstehen.

Was mich jedoch weit aus mehr getroffen hat als diese Kinkerlitzchen und offene Anfeindungen war, dass sich viele Leute anders verhielten. Ich hatte immer einen guten Freund, aber nach dem outing wollte er nicht mehr zu mir gehen, die Begrüßungsumarmung am Anfang war auch gestorben, generell war alles unterkühlt. Eine Hauseinweihungsparty war lange Zeit geplant: nach meinem Outing meinten plötzlich alle es wäre komisch, und dass sie sich über Frauen unterhalten wollten, kurzum ich würde nicht mehr zu ihnen passen.

Bei nem Date letztens kam dann auch echt die Krönung: es gibt hier am Hauptbahnhof ein muslimisches Viertel, ich war da mit ihm um Backwaren zu kaufen. Wir liefen Hand in Hand rum (ich sagte ihm dass das keine gute idee ist) und in der Bäckerei wollte er uns "Homos" dann allen ernstens nichts verkaufen. Das soll kein Muslim bashing sein, aber das war echt ein Schock für mich. Da merkt man richtig: man ist nicht willkommen. Generell herscht in der Geselschaft der Grundtenor: homosexualität ist ok, aber wehe du berührst uns/ guckst uns an/ redest mit uns/ atmest unsere Luft.

Das ist hier schon nörgeln auf hohem Niveau, Schläge wurden mir nämlich erst paar mal angedroht wenn ich "Schw*chtel" nicht sofort weg gehen würde. Es gibt immer auch Gegenbeispiele: Ein Mitschüler hat mal stolz sein antrainiertes Six-Pack gezeigt (ja solche Menschen gibt es) und hat mich selbstverständlich auch zum fühlen aufgefordert. ( Daran sieht man: alles was ich will ist wie jeder andere Behandelt werden) Ich wurde von einem Jungen persischer Abstammung so vorbildlich in Schutz genommen, dass es mich zu Tränen gerührt hat. Desshalb kann man auch nicht alle Ausländer aus dem Orient als homophob bezeichnen.

Viel Glück bei der Mappe

ich VERMUTE, dass diese blödsinnige engstirnigkeit mit der jahrzehntelangen strafbewehrung, vom kaiserreich über die nazis bis zur jüngeren geschichte der "alten" bundesrepublik zu tun hat: noch in den siebziger jahren letzten jahrhunderts wurde über "solche leute" mit schmierigem grinsen und merkwürdigen wörtern (hinterlader\andersrum) gesprochen. dummerweise ist so ein ekliger schwachsinn dem "einfachen volk" nicht so leicht auszutreiben: knallige überschriften sind leider einprägsamer, als differenzierte betrachtungsweisen, weil dazu ein gewisses denkvermögen notwendig ist. abgesehen davon kann ich mich stundenlang darüber aufregen, dass die sexuelle orientierung unseres ehemaligen aussenministers in der öffentlichkeit wichtiger zu sein schien, als die art, wie er seine arbeit machte.

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