Habt ihr eine Idee, was mit meinem Körper abgehen könnte?

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1 Antwort

Moin,

zunächst zu den Begrifflichkeiten: EF steht für Ejektionsfraktion und bezeichnet den (prozentualen) Anteil des endsystolischen Ventrikelvolumens am enddiastolischen Ventrikelvolumen. Was bedeutet das jetzt? Wie man weiß, ziehen sich die Herzkammern zusammen, um Blut auszuwerfen. Dabei kontrahieren sie jedoch nicht bis zum absoluten Maximum, sondern nur einen gewissen Teil. Daher kommt es, dass nach erfolgter Ventrikelsystole (also Ventrikelerregung + Kontraktion) ein Teil des Blutes in ihm verbleibt. Das ist soweit normal.

Die Pumpfunktion ist dabei ein wenig definierter Begriff und bezeichnet dabei u.a. die Ejektionsfraktion, aber auch die Bewegung der Herzmuskulatur. Diese kann z.B. bei Infarktpatienten durch Narbenbildung eingeschränkt sein; man spricht dann von einer (regionalen oder globalen) Wandbewegungsstörung. Wenn ein Kardiologe in einem Echobericht eine "gute systolische Pumpfunktion" attestiert, dann bezieht er sich auf eine gute Funktion der Herzkammern hinsichtlich ihrer Aufgabe, Blut in das Gefäßsystem auszutreiben.

Grundsätzlich kann ein Mitralklappenprolaps eine Leistungseinschränkung bedeuten. Diese ist in dem Fall dadurch bedingt, dass ein Teil des ausgeworfenen Blutes durch das durchschlagende Mitralsegel im Rahmen einer Insuffizienz in den Vorhof zurückströmt. Damit ist die tatsächliche, effektive EF (also die Menge Blut, die tatsächlich in das Gefäßsystem ausgetrieben wird) geringer als die z.B. nach der Simpson-Formel errechnete EF (die EF wird im Echo i.d.R. dadurch bestimmt, dass die Schnittfläche der Ventrikel enddiastolisch und endsystolisch im apikalen Vierkammerblick (Schnittebene im Echo) vermessen werden und das Gerät dadurch die EF errechnet). Ich denke jedoch nicht, dass dein Mitralklappenprolaps derartige Auswirkungen hat, und zwar aus folgendem Grund: Der Kardiologe wird sicherlich die Insuffizienz im Echo quantifiziert, also dessen Grad bestimmt haben. Sollte diese besorgniserregende Ausmaße angenommen haben, hätte er es dir mitgeteilt. Ein Puls von 155/min ist nach einer körperlichen Betätigung nicht außergewöhnlich; dabei kommt es auch nicht auf die Dauer, sondern die Intensität der Belastung an.

Ich selbst werde mich für keine der Theorien aussprechen, da die Informationsfülle für eine adäquate Aussage wenig ausreichend ist. Metaanalytisch lässt sich jedoch Folgendes feststellen: Verschiedene (ich gehe davon aus, unabhängige) Ärzte sind zum gleichen Schluss gekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle diese Ärzte einem Trugschluss unterliegen, ist somit eher gering. Erhärtet wird dieser Verdacht durch deine (sicherlich nicht einfache) soziale Situation, welche du selbst ja als problematisch beschrieben hast.

Möglicherweise könnte eine psychotherapeutische Vorstellung zur Linderung deiner Symptome beitragen, z.B. im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie. Solltest du den Vorsatz haben, diesen Ansatz weiterzuverfolgen, wäre ein Gespräch mit deinem Hausarzt zwecks Überweisung an einen psychologischen Psychotherapeuten ratsam.

Konnte ich dir soweit helfen oder ist noch etwas unklar geblieben?

Alles Gute und bis denn ;)

ist 70% denn gut? Ich frage weil ich, richtig krass unsportlich bin. Und kann der hohe puls beim belastungs ekg wirklich von der Psyche kommen?

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@pfannkuchen94

70% sind super, erst <50% spricht man von (leichtgradig) eingeschränkter EF.

Was das Ergo angeht, ich weiß jetzt nicht, bis zu welcher Last du getreten hast, aber ne HF von 155/min ist für einen 22-jährigen durchaus normal. Eine gewisse psychische Komponente kann natürlich auch mit einfließen und für einen vorzeitigen Abbruch sorgen, jedoch ist deine Herzfrequenz noch lange nicht am Limit gewesen.

Die Beurteilung der Herzfrequenz hängt, wie gesagt, natürlich aber auch von der Last ab. Wenn du eine HF von 155/min bei einer Last von 50 Watt erreicht hast, dann ist das natürlich eine andere Qualität als hättest du sie bei einer Last von 200 Watt erreicht. Prinzipiell kann man jedoch dem Urteil eines Facharztes für Innere Medizin und Kardiologie in der kardiologischen Beurteilung soweit vertrauen.

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@garfield262

Ich weiß nicht bis wieviel Watt ich erreicht habe. Aber Wenn du sagst, dass ein Puls von 155 nach den Fahrrad fahren normal ist (oder auf jeden Fall nicht viel zu hoch) dann beruhigt mich dass ein wenig. Mein Herzrhythmus beim Belastungs EKG war ja normal. Nur das mit dem hohen Puls hat mich beschäftigt. Es hat mich sowieso gewundert, dass die bei 155 gestoppt haben, weil ich gelesen habe, dass man bei einem Belastungs EKG bis zur Belastungsgrenze gehen sollte, um diese eben festzustellen. Wie gesagt, ich hatte noch kein Herzklopfen und ich war auch noch nicht außer Atem. Naja...ich warte mal ab wie das Langzeit EKG ausfällt. Damit bin ich ja auch Fahrrad gefahren. 

Mir fällt gerade ein, dass ich vergessen habe, dass die Skoliose auch im BWS bereich ist und ich deshalb eben auch BWS Beschwerden habe. Davon könnte ja auch einiges kommen, oder?

Du hast mir auf jeden Fall sehr geholfen. Danke dafür! ;)

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@pfannkuchen94

Nun, ob ein Puls von 155/min beim Fahrradfahren normal ist oder nicht hängt in erster Linie vom Fahrstil und persönlichen Trainingszustand ab. Auch zu dem Ergo kann ich wie gesagt wenig sagen, da davon zu wenig Informationen vorliegen. Grundsätzlich besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass du an einer Herzerkrankung leidest, jedoch ist dies allein angesichts der vorangegangenen Untersuchungen ohne pathologischen Befund durch diverse (Fach-)Ärzte eher unwahrscheinlich.

Ich freue mich, wenn ich dir etwas geholfen haben konnte. ;)

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