Haben wir Gott getötet?

Das Ergebnis basiert auf 35 Abstimmungen

Nein 43%
Was? 43%
Ja 14%

22 Antworten

Nein

Der Mensch hat Gott (bzw. die Götter) erschaffen (also in seiner Vorstellung), daher kann er ihn (sie) auch töten.

Was ist das für ein Mensch, der nur deswegen nicht stiehlt oder tötet, weil er die Strafe Gottes fürchtet?

Gute Taten wären nur dann egoistisch, wenn man sie um der Anerkennung willen vollbringt. Dies aber pauschal zu unterstellen zeugt von Missgunst - auch keine Tugend.

Ja

Wenn auch darauf hingewiesen wird, dass wir Nietzsche nicht (jedenfalls nicht ohne Weiteres) mit jenem "tollen Menschen" identifizieren dürfen, so ist das Gegenteil immer noch weit fernerliegend.

Selbstverständlich wollte Nietzsche nicht ausdrücken, dass ein Gott als Person, so wie wir uns das vorstellen, existiert hatte. Aber eine Religion ist selbst ein Gott, insbesondere als institutionalisierte Religion, ebenso die Vorstellung, dass ein Gott existiert. Hier können und müssen wir ansetzen, wenn wir den toten Gott suchen.

Was für Nietzsche gar nicht geht, ist, zur Kenntnis zu nehmen, dass kein Gott ist, und mit der Tagesordnung weiterzumachen. (Erstaunlich, dass Nietzsche das schon im 19. Jhd. sagt, ist dies doch eher die Einstellung des 20. Jhd. - man muss wohl in den intellektuelleb Zirkeln damals auch in dieser Beziehung schon dem Zeitgeist kommender Jahrzehnte vorweggenommen haben.) Er will uns aufrütteln, uns der prometheischen Ungeheuerlichkeit der Abschaffung Gottes bewusst machen. Wir haben uns selbst dazu verflucht und wir haben uns selbst dazu befreit, Götter sein zu müssen und zu dürfen. Wir müssen und dürfen einen neuen Horizont festlegen, die Regeln, nach denen wir leben.

So, wie es für den Religiösen so bequem ist, sich darauf zu verlassen, dass die Regeln seiner Religion schon richtig sein werden - besonders, wenn Autoritäten seiner Religionsgemeinschaft die allgemeinen Regeln der Götter / des Gottes auf den Alltag herunterbrechen; dies gilt in einem sehr allgemeinen Sinn, vgl. die Nazi-Schergen, die sich großenteildms darauf zurückgezogen haben, lediglich Befehle ausgeführt zu haben -, so ist es für den Gewohnheitsatheisten so bequem, sich keine Gedanken um Werte zu machen.

Nietzsche glaubt allerdings sehr wohl, dass wir in der Lage sind, die Rolle Gottes kompetent auszufüllen.

Ja

das meiste ist schon richtig.

die letzte Feststellung/der letzte Satz aber nicht. Es gibt viele die völlig aus eigener Überzeugung und ohne auf Vorteil aus sind gutes tun.

Du weiß quasi erst, ob ein Mensch Gutes tut, wenn er keine Chance hat, das jemals zu beweisen.

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@liquorcabinet

oder wenn ein Mensch ohne Angst vor Bestrafung handeln kann. Die meisten würden wahrscheinlich 20 Millionen Euro nehmen wenn sie wüssten das sie niemals dafür bestraft werden würden, selbst wenn sie wissen das ihnen das Geld nicht gehört.

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@liquorcabinet

also zweifelst du an dass Menschen gutes tun können, einfach weil ihnen danach ist und das völlig ohne „gegenleistung“ ? Vielleicht einfach nur weil es sie mit Frieden erfüllt jemanden glücklich zu sehen?

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@Fcb4livE

Wenn du es näher betrachtest, kann die Freude durchaus daher kommen, dass die Tat von der Gesellschaft/den Menschen positiv hervorgehoben wird. Und somit tätigt der Mensch die gute Tat aufgrund einer Belohnung. So lautet die These. Erst wenn jemand völlig unbeobachtet, quasi in einer Höhle sein Leben für jemanden riskiert und die Gesellschaft das niemals rauskriegen würde, (und somit eine Belohnung ausbleibt), könnte man sagen, er handelte selbstlos.

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@liquorcabinet

wieso ist das denn so unvorstellbar? Es reicht doch schon dass ein Mensche einem anderen Lebewesen völlig selbstlos und ohne dass es jemand anderes mitkriegt etwas gutes tun. Ihm unter gefahren das Leben rettet, einfach nur eine kleine aufgabe..gibt unendlich viele Möglichkeiten.

es scheint mir als denkst du dass passiert selten. Ich glaube aber dem ist nicht so.

das ist für mich ein Indiz dafür dass Moral bzw gott da ist. Moral ist nicht gestorben

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@Fcb4livE

Nenn mir doch mal verschiedene Beispiele, in denen Menschen selbstlos handeln :)

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@liquorcabinet

menschen Die einem gequälten tier das im Tierheim war ein Zuhause geben zB. oder dafür sorgen dass es in bessere Verhältnisse kommt

Menschen die sich ehrenamtlich engagieren

Es reicht ja aber auch schon eine kleine Geste wenn du einer alten Person die einkäufe heim trägst

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@Fcb4livE

In allen drei aufgelisteten Beispielen bekommt der Mensch etwas zurück: 1) Die Liebe vom Tier. Tatsächlich habe ich sogar mal gelesen, dass einige extra Tiere aus dem Tierheim holen, weil die sich erhoffen, dass das Tier sie dann noch mehr liebt, weil sie ja quasi der „Retter“ sind; andere wiederum geben das nicht offen zu. 2) Bei ehrenamtlicher Arbeit wirst du oft geradezu überschüttet mit Danksagungen von Menschen, denen es richtig mies geht und für die du zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens wirst. Ich merke das immer bei meiner Schwester, die beim Street Work arbeitet. 3) Diese Oma bedankt sich ebenfalls bei dir, vielleicht steckt sie dir sogar noch einen 5€ Schein zu. Alle 3 aufgelisteten Fälle würde Nietzsche easy damit entkräften können, dass diese Menschen alle guten Taten nur vollbringen, weil ihnen dafür etwas geschenkt wird - und somit wäre es, nach seiner Definition, wieder eine egoistisch motivierte Tat. Verstehst du? 🙈

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@liquorcabinet

Oh du suchst das Haar in der Suppe wo keines ist. Quasi „blind“ für Gutes. Aber das habe ich bei deiner Rückfrage auch erwartet :)

Du gehst von den 5€ als Dank von der alten Person aus. Es gibt Menschen die machen sowas umsonst und erwarten auch kein Danke und nichts.

Du hast gelesen dass sich manche gerne als Retter eines tieres sehen. Okay mag bei manchen sein. Manche kümmern sie sich die nächsten 15 Jahre um so ein Tier und behandeln das wie ein Familienmitglied.
Manche sehen ein Tier das kurz vorm sterben auf der strasse liegt und erlösen es lieber von den Qualen anstatt weiterzufahren und es leiden zu lassen.

diese Eigenschaften gutes zu tun stecken im Menschen, denn es ist bewiesen dass Babys und Kleinkinder schon völlig selbstlos handeln und kein Egoismus kennen.

Nur bei deinen Ich-suche-das-Haar-in-der-Suppe Beispielen hat die Gesellschaft oder die Erziehung da etwas in die falschen Bahnen gelenkt. Doch auch diese Menschen handeln nicht ununterbrochen so.

klar würde mich Nietzsche entkräften. Aber der arme Mann war ja auch am Ende ein ziemlicher frauenverachtender Wirrkopf mit seinen Thesen. Hat schon auch viel Unsinn geredet der gute Mann ;-)

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@Fcb4livE

Hey :) Ich antworte dir natürlich nochmal. Also nicht, dass du mich falsch verstehst: Ich vertrete Nietzsches Auffassung nicht zu 100%, ich wollte vorab erstmal klar machen, dass genau diese Handlungen eben auch Belohnungen zu Folge haben. Und diese Belohnungen können auch in Form von einem "Danke" passieren oder eben schlicht dadurch, dass es einen Zeuge für die Tat gab. Und ich persönlich kann mir schon vorstellen, dass diese These von Nietzsche auf sehr viele Menschen zutrifft und vielleicht sogar erst Recht auf die, die am überzeugtesten davon sind, sie tun es uneigennützig. Ich meine, 95% oder so spielt sich ja in unserem Unterbewusstsein ab, wir treffen Entscheidungen und wissen oft gar nicht, warum. Ich finde die Idee dahinter, das Menschen oft anderen helfen, um sich selbst zu helfen, echt ziemlich genial. Man fühlt sich doch immer selbst gut, wenn man was Gutes tut. Und das ist dieser "Push", der nur dadurch zustande kommt, weil die Gesellschaft es sieht oder gut heißt. Vielleicht kennst du aus der Philosophie das moralische Gleichnis von Platon "Ring des Gyges", das einen wirklich gut darüber nachdenken lässt, was Menschen zu moralisch gutem Handeln treibt und andere wiederum zu moralisch schlechtem Handeln. Glaukon behauptet, dass selbst der Gerechte zum Ungerechten wird, wenn er all seine Taten verschleiert ausführen könnte, also mit einem Ring, der ihn unsichtbar macht. - Generell finde ich diese ganze Fragestellung interessant, denn in anderen Ländern gelten ja wiederum andere Normen und Werte, da würden Menschen bestimmtes Verhalten, was hier als "gut" gilt, gar nicht als gut ansehen - und so ist das "gute Handeln" von Menschen ja immer an eine von der Gesellschaft konstruierte Moral geknüpft, die deswegen am Leben erhalten wird, weil der Mensch erfährt: aha, das war gut, was ich gemacht habe. Oder? Die Diskussion ist interessant :) Aber ich kann dir versichern, dass in meiner Erziehung alles gut gelaufen ist.

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@liquorcabinet

Das mit der Erziehung war nicht auf dich gemünzt, sondern schließt alle Menschen mit ein.

Wie gesagt die Wissenschaft die heute viel weiter ist als Nietzsche es einst war, hat bereits festgestellt das Kinder sich völlig uneigennützig verhalten können ganz ohne dass sie einen Gegenwert erwarten. Sie fragen nicht „Das war gut, oder?“ Natürlich werden die Eltern dann den Kindern einen Gegenwert mithilfe eines Lobes geben.
glaub mir Kinder sind der beste Beweis dass es gute Moral ganz uneigennützig geben kann.
Auch sind Menschen durchaus in der Lage Mitleid zu empfinden. Wäre es so wie du sagst, wäre gar kein Raum für Mitleid da.

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Der "Tod Jesu" geht tatsächlich auf "unsere Kappe", weil wir alle gesündigt haben (Röm.3,23)

und dieses den Tod (Hes.18,4) bedeutet, von dem Jesu uns befreit hat (Röm.6,23; Offb.20,4).

Nein

In Kürze:

  1. Soweit ich weiß hat Nietzsche den christlichen Gott keineswegs als "moralische Instanz der mit seiner Existenz der Welt und unserer Existenz gleichzeitig einen Sinn und moralischen Halt gab und dessen Wegfall uns alleine mit uns selber zurück lässt" gesehen, sondern war Religionen gegenüber sehr kritisch gegenüber eingestellt. Wenn ich mich recht erinnere, war er auch Atheist. Er war einer der Urväter des Nihilismus, weshalb er Moral an sich bereits kritisiert hatte.
  2. Zwar wird Moralbewusstsein auch durch die Außenwelt geformt, allerdings ist der Mensch auch von sich aus in der Lage Moral zu entwickeln. Das liegt mitunter an dem Empathievermögen, zu dem Menschen in der Lage sind. Dafür benötigt es keine Götter.
  3. Um deine Frage letztlich zu beantworten: Da es keine Belege für göttliche Existenzen gibt, können wir Menschen demnach auch etwas, das nicht existiert, getötet haben. Also nein. Haben wir nicht.

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