Haben Stasi Mitarbeiter immer dicht gehalten?

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6 Antworten

Dass die Stasi (Horch & Guck) ihr Unwesen trieben war durchaus bekannt.
Nicht jedoch, wer da im eigenen Umfeld als IM durch die Gegend stolperte.
Wenn sich die Stasi, begründet oder nicht, auf einen eingeschossen hatte, war die Verhaftung meist nicht mehr weit.

In meiner Zeit, gab es recht zwiespältige Anzeichen dafür.
Erst wurde meine Einberufung zur NVA ausgesetzt, worüber ich sicher nicht unglücklich war. Kurz darauf wurde mir gesteckt, dass die Stasi wohl äußerte "Herr ...steht außerhalb jeden Verdachtes".
Was sich als Ente erwies, knapp 6 Monate später wurde ich verhaftet.

Freilich erfuhr ich erst Jahre später, bei Einsicht in meine Stasiakte, worin sich diese Trachtentruppe verstolpert hatte.
Die Tagträumer gedachten mir 10 Jahre Gefängnis zu verschaffen.
Und ich sachte denen noch, "Klappt die Akte wieder zu, Muttern wartet zu Hause mit dem Frühstück."
Die antworteten: "Hier kommt jeder raus, Sie nicht."

9 Monate später saß ich einem Bus gen Westen, up, up on the Way, wie wir Lateiner so sagen.

Wer da wen über den Löffel balbierte, auspionierte und zuweilen seine Fantasiegeschichten an die Stasi berichtete, haben wir mehrheitlich erst bei Einsicht in die Stasiunterlagen erfahren.

Ich habe hier einen solchen Bericht in meinen Unterlagen.
Die damalige Freundin, eines meiner Freunde, berichtete die Bettgeschichten von ihm an die Stasi.

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Die Leute wussten genau, dass sie überwacht wurden. Allerdings kannten sie nicht immer den IM.

Ich hatte kurz nach der Wende einmal einen Berufskollegen getroffen. Er arbeitete in der Charitè in Berlin. Er sagte, dass jeder wusste, dass wenn mehr als vier Kollegen zusammensaßen, mindestens ein IM darunter war.

Und dann war ich 1 Jahr vor der Wende mal bei Bekannten in einem Dorf vor Berlin zu Besuch.  Sie arbeiteten in einer LPG. Abends saßen wir auf der Veranda, also der Mann, seine Frau, ich und meine Freundin. Natürlich konnten sich die beiden "Ossis" sicher sein, dass wir keine Stasileute waren. Wir kamen ja aus dem Rheinland. Und da haben die beiden vom Leder gezogen, und wie. Der Mann hat förmlich vor Wut auf den Staat geschäumt.

ABer das hätten sie sicher nie gemacht, wenn noch weitere Ossis dabei gewesen wären.

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Das Stadtviertel in dem ich aufgewachsen bin, bestand komplett aus Neubauten. An allen diesen Häusern hatten (fast) alle Bewohne ihre Fernsehantennen außen angebracht und alle diese Antennen zeigten in Richtung Westen. Nur ein einziger Neubaublock war vollkommen ohne Antennen. In diesem Block wohnten die hauptamtlichen Stasi Mitarbeiter. Überall im täglichen Leben traf man auf diese Leute und man wusste schon auf einige Entfernung, dass die bei der "Firma" arbeiteten. Es war die Frisur, die Kleidung, die Schuhe und die unvermeidliche Krawatte. In der Kneipe saßen immer zwei von ihnen an ihrem Stammtisch und nur selten setzte sich jemand dazu, der nicht wusste wo diese Typen arbeiteten. Sie waren eben stadtbekannt und wenn dich einmal einer von denen ansprach, dann musste er noch nicht einmal seinen Ausweis vorzeigen. Das gesamte Auftreten, seine Wortwahl und sein Gehabe wiesen ihn als Stasi Mitarbeiter aus. Die haben wirklich versucht im Alltag unsichtbar zu sein, aber wirklich jeder kannte sie und jeder mied sie wie Aussätzige. Hin und wieder, aber wirklich nicht sehr oft, kam es auch zu "besonderen Vorfällen". Da sprach dann ein Stasi Mitarbeiter dem Alkohol zu und redete sich dann im Rausch vor Zeugen seinen Weltschmerz von der Seele. Durch solche Zufälle erfuhr die Bevölkerung was sie schon immer geahnt hatte. Aber wie schon gesagt, so etwas kam nicht oft vor. Die Leute wussten also sehr genau, dass sie bespitzelt wurden. Nur das unglaubliche Ausmaß war nicht bekannt. 

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Bei wie vielen Menschen wurden "Gegenstände verstellt" damit sie verrückt würden? Bei einem? Oder bei zweien? Du argumentierst hier mit irgendwelchen Räuberpistolen, die wenig mit der Realität zu tun haben.

Ich weiß nicht, woher Du Deine dubiosen Informationen hast, aber ich hab's erlebt. Und zwar als 25jähriger sehr bewußt. Die Stasi hat in meinem und im Alltag meines Umfeldes keine Rolle gespielt. Man wußte, daß es sie gab, und das war's dann auch schon. Und das galt für 97 Prozent der Bevölkerung.

Du bist über die flächendeckende Bespitzelung heute durch die NSA (die es seit 1945 gibt) übrigens wesentlich besser informiert. Und? Was hast Du dagegen unternommen?

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Naja die Leute wussten sehr wohl was das ist und was da ab geht

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Kommentar von emilinchenloe
09.02.2017, 17:05

aber wieso hat die stasi es dann geschafft trotzdem so viele leute zu bespitzeln. sind ´die menschen nicht vorsichtiger geworden?

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Kommentar von ILoveFoodLol
09.02.2017, 17:10

Doch klar sind sie vorsichtiger. Aber du musst mal überlegen wie viele Menschen da eingebunden waren. Oft war sogar dein Nachbar aufeinmal einer von ihnen und hat dir dann zB komische Fragen gestellt was dir am Anfang garnicht auffällt. Meine Mutter wurde zu dieser Zeit extrem von der Stasi beobachtet weil sie ausreisen wollte. Sie hat nach und nach gemerkt wie Freunde von ihr aufeinmal spitzel waren oder wie Aufnahmegeräte in ihrer Wohnung befestigt wurden. Mal abgesehen davon könnte man der Stasi nicht viel nachsagen außer ihre skurrilen Foltermethoden, die aber eben eher unbekannt waren. Mal abgesehen davon wollte auch keiner was sagen weil dann ist man der nächste der dran ist.

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Sieh dir mal die Serie "Weissensee" an.

Jeder hat's gewusst.

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