Haben muslimische Gesellschaften ihr inneres Gleichgewicht verloren?

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5 Antworten

Also zumindest medial benannte Regionen halte ich tatsächlich für aus dem Gleichgewicht gebracht.

Ich wähle bewusst das Wort "gebracht".

Mein Eindruck ist, dass durch gewisse militärische Intervention gewisse Regionen derart destabilisiert wurden, dass nun unterschiedlichste Gruppen einen Herrschaftsanspruch geltend machen. Das erschwert natürlich einiges. Wer ist für gewisse Gespräche, die Menschenrechte betreffend, greifbar? Vor unserem Eingreifen waren gewisse Regionen stabil und es gab eine Regierung, mit der man Absprachen treffen konnte.

Nun wissen weder die Menschen vor Ort, noch westliche Regierungen, wie man sich verhalten soll und wer nun wo genau die Regierung bildet. Chaos, tägliche Angst und Schrecken... 

Viele Menschen geraten in Bewegung und sind auf der Flucht. Statt ihre Situation zu verbessern, tragen wir ein großes Maß an Mitverantwortung.

Und jetzt kommt die Türkei ins Spiel. Erdogan geht es um seine Machtposition. Welche Gesetze er wie neu gestaltet, darüber müsste ich spekulieren. Aber alles in allem ist das Resultat wohl eine nicht funktionierende Gewaltenteilung, so dass die Regierung dort Einfluss nehmen kann, wo es sich nicht mit rechtsstaatlichen Prinzipien vereinbaren lässt. Eingriffe in laufende Gerichtsverfahren und dergleichen.

Dies dulden wir stillschweigend, weil er jene Menschen, die zum Großteil durch unsere vorhin grob angerissene Politik flüchten, von uns fern hält. Dabei wären hier angemessene Gespräche anzuraten. Wir wollen unsere selbstbereitete Suppe nicht schlürfen und intervenieren nun nicht dort, wo es angemessen wäre. Dabei schließe ich militärische Maßnahmen aus. Denn unsere Rechtsstaatlichkeit sollte nicht an unseren Landesgrenzen aufhören. Wenn jemandem ne Bombe auf den Schädel fällt, ist das kein fairer Prozess, sondern der kurze. Und viele Zivilisten müssen das ausbaden. Weil sie am falschen Ort sind. Wenn wir so nicht innerhalb unseres Landes miteinander umgehen möchten, dann bitte auch nicht woanders. Oder hört unsere Rechtsstaatlichkeit an der Haustür auf?

"Der Blick nach innen... " Dem stimme ich zu. Den hätten wir einigen Regionen zugestehen sollen, bevor wir ihnen militärisch den Boden weggezogen haben. Aus welchen Strukturen soll denn nun ein stabiles Wertesystem entstehen, welches wenigstens in den nun gespaltenen Regionen eine Verbindlichkeit herstellt, auf die sich die Menschen einigen können? Geschweige denn eine Demokratie?

Eine solche sollte doch aus der Gesellschaft hervorgehen, oder? Ich meine, sie wie ein UFO überzustülpen oder der angebliche Versuch dazu... Ist der nicht gescheitert? Ich als einfacher, ahnungsloser Mensch sehe es zumindest so. Das ist meine persönliche Meinung, ohne Anspruch als unwidersprochene Tatsache zu gelten.

Über solche Themen darf man diskutieren. Wichtig ist nur, dass wenigstens hierbei der Respekt voreinander da ist und wir uns nicht gegenseitig fertig machen. Ich finde die Frage gut gestellt. Der Blick nach innen :-) Ich selbst werde das ernst nehmen und in mich gehen. Mit vielen Gedanken und vielen, vielen weiteren Fragen...

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Genau dies ist in meinen Augen der Fall.

Wir leben in einer globalisierten Welt. Der Islam muss sich mit verschiedenen Auslegungen und anderen Weltbildern auseinandersetzen.

Die unterschiedlichen Formen des Christentums haben diese Auseinandersetzung schon früher geführt. Auch hier hat es viele Auseinandersetzungen gegeben.

Aber zumindest die Problematik unterschiedlicher christlicher Konfessionen ist heute kein Konfliktthema mehr. Auch mit atheistischen Strömungen und fremden Religionen wird mit Toleranz und Pluralismus umgegangen.

Die aktuellen Konflikte entstanden weder durch einen Kreuzzug des Westens noch durch den Versuch des Islam die Weltherrschaft zu erlangen. Es ist die Problematik der Verständigung der verschiedenen Interessengruppen innerhalb der islamischen Länder in einer offenen Welt.


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In der Geschichte haben sich die Muslime immer als Eroberer gesehen. In kürzester Zeit haben sie ein riesiges Gebiet erobert und den Islam in die entferntesten Ecken getragen. Damals waren sie jedoch nicht nur Gotteskrieger, sondern auch in der Wissenschaft führend. Heute gibt es keinen einzigen Nobelpreis für einen Wissenschaftler aus einem muslimischen Land. Sie sind bestimmt nicht dümmer, aber ihre Religion legt ihnen so viele Zwänge auf, dass sie die Leute behindert. Viele sind in ihrem Denken im Mittelalter stecken geblieben. Mir persönlich erscheint es manchmal so, als würden sie die moderne Welt komplett ablehnen und sich in ihren Glauben flüchten wie in einen sicheren Hafen. Darin sind sie gefangen und finden keinen Ausweg.

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viele muslimische Länder brauchen anscheinend einen strikten Diktator,um die zerstrittenen Glaubenrichtungen (Suniten,Schiiten etc.)  im Zaum zu halten...

überall,wo man den Diktator abgesetzt bzw. es versucht hat,herrscht Mord und Totschlag (Lybien,Syien etc)...

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Die hatten nie ein inneres Gleichgewicht, es hat nur niemanden gejuckt, als sich die Auseinandersetzungen noch auf die beteiligten Länder beschränkten.

Die Muslime sind doch seit jeher ein zerstrittener Haufen von kleinen, konkurrierenden Grüppchen.

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Kommentar von Mottentierchen
01.07.2017, 13:43

Ich respektiere Deine Meinung. Aber eskaliert sind Konflikte in Afghanistan, Pakistan, dem Jemen und Libyen. Und zwar erst NACH der Intervention durch die USA.

Dass es schon vorher Uneinigkeiten und Konflikte gab, ist richtig. Aber Eskalationen, weil plötzlich keine Regierung mehr da ist, ist Folge der sogenannten Interventionen.

Hätte man uns auch bombardieren sollen, als der NSU sein Unwesen getrieben hat? Wegen Terrororganisationen macht man keine Länder platt, die unter ihnen leiden.

Und wenn es irgendwo Konfliktpotenzial gibt, heizt man das nicht an.

Rate mal von wem diese wunderbaren Zeilen stammen: 

"Hass bleibt immer Hass. Kein vernunftbegabtes Wesen käme auf die Idee, Tinte mit Tinte zu löschen. Oder Öl mit Öl wegzuwischen. Aber Blut soll immer mit Blut gereinigt werden."

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