Haben Menschen mit Fetish oft ein schwaches Selbstwertgefühl?

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
  • Wie Schuhu schon richtig andeutete, ist in Psychologie und Psychiatrie leider keine so klare, eindeutige, immer gültige Zuweisung von Ursachen und Wirkungen möglich.
  • Neigungen zu Fetischen geht aber statistisch signifikant schon eine Traumatisierung in der Kindheit voraus, sowohl im vergleichsweise harmlosen Bereich herrischer, wenig liebevoller, distanzierter oder dominanter Erziehung als auch in drastischeren Formen wie Missbrauch vielfältiger Natur.
  • Eine narzisstische Prägung würde ich nicht generell unterstellen. Allerdings gibt es schon eine Häufung von psychiatrischen Phänomenen, d.h. wer auf eine Art psychiatrische Probleme hat, hat häufig auch noch andere -- meistens eben in Form von vielschichtigen Komplexen. Insofern könnte es schon sein, dass rein statistisch Narzissmus häufiger bei BDSMlern auftritt. Ob es da einen kausalen Zusammenhang gibt, kann ich aber nicht sagen.
  • Für schwaches Selbstwertgefühl gilt das gleiche wie für Narzissmus: Wer ein Problem hat, hat häufig auch andere. Insofern ist eine gewisse Korrelation gegeben, im Einzelfall kann das aber auch anders sein.
  • Was Selbstwertgefühl angeht, so wird leider in den Medien sehr oft ein falsches Bild vermittelt. "Du hast ein schwaches Selbstwertgefühl" oder "Mit seinem Selbstwertgefühl stimmt was nicht" sind schon zu einem gängigen Vorwurf, je geradezu der Allzweckwaffe pseudo-intellektueller Beleidigungen geworden. Das passt immer mal gut und trifft dann weit unter der Gürtellinie, fast immer allerdings ungerechtfertigt und fast immer leidet, wenn überhaupt, eher der Sprecher darunter als der Angesprochene. Das Selbstwertgefühl des Menschen ist eine sehr komplexe Angelegenheit und richtet sich im allgemeinen auf das soziale Umfeld -- ein Vorarbeiter kann sich unter seinen Arbeitern extrem hochwertig fühlen, gegenüber seiner intelligenteren oder aus wohlhabeneren Verhältnissen stammenden Ehefrau aber minderwertig. Sehr oft ist Selbstwertgefühl auch situativ, also von ganz konkreten Situationen und Erlebnissen abhängig.
  • So oder so kann man schon zusammenfassen, dass BDSMler meistens einen ganzen Korb psychiatrischer Probleme mit sich heraumtragen -- "von nix kommt nix", gilt auch hier.

Nein sogar im Gegenteil um Schmerz Demütigung und Erniedrigung aushalten zu können muss man stark sein vor allem physisch stark sein .Und es macht einen auch irgendwie stärker ,selbstbewusster. Wenn man solche neigungen hat bedeutet das nicvt das man mißbraucht wurde oder schlechte Erfahrungen gemacht hat das kommt in der BDSM Szene auch vor aber nicvt mehr als bei den "normal"sexuellen  .Neigungen sind keine psychischen Erkrankungen .


auch wenn das statistisch nicht einwandfrei ist, da ich sicher keine ausreichend große Stichprobe kenne, wage ich zu behaupten, dass der Großteil der Menschen, die Devotion ausleben keine schlechten Kindheitserfahrungen hatte. Auch mit einem schwachen Selbstwertgefühl hat das nichts zu tun. Wer wenig Selbstwert hat, traut sich meist nicht, das auszuleben, was er wirklich will, sondern versucht sich, durch eine aufgebaute Fassade, Sicherheit zu schaffen. Wer Devotion lebt, tut das Gegenteil, er/sie lässt die Fassade fallen und hat den Mut, sich so zu zeigen, wie er/sie wirklich ist.

Auch der Gegenpart, Personen, die sexuell gesehen Dominanz ausleben, sind nicht, bzw. sehr selten narzistisch geprägt. Bei dieser Spielart geht es vor allem um Vertrauen. Das Vertrauen, dass der dominante Part seine Grenzen kennt und nicht überschreitet. Dazu muss genug Mit- und Feingefühl vorhanden sein, sowie viel Selbstkontrolle, damit diese Sicherheit gewährleistet ist.

Natürlich wird man auch auf Subs/Sklaven treffen, welche in ihrer Kindheit misshandelt wurden oder Doms, welche das "Spiel" alleine zu ihrem eigenen Vergnügen betreiben, aber das dürfte wohl eher die Minderheit sein.

Zur Ergänzung: in dementsprechenden Kreisen wird beides nicht gut geheißen. Es soll weder ein psychischer Schden aus der Vergangenheit den Handlungen zugrunde liegen, noch soll diese Neigung als "Entschuldigung" einer ich-fixierten Person zur alleinigen Befriedigung der eigenen Wünsche dienen. Da ganze soll eine grundsätzlich einvernehmliche Sache sein, welchen schlussendlich beide befriedigt.

Eine Erniedrigung des du ist auch eine Erhöhung des ich.

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@Frederic2008

Narzissmus bedeutet Selbstverliebtheit oder übersteigerte Eitelkeit. Das ist hier definitiv nicht gegeben.

Und dass ein Machtgefälle entsteht liegt in der Natur der Sache.

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