Haben Kinder von Alkoholikern eine größere Gefahr Alkoholsüchtig zu werden?

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Eindeutig belegt ist, dass Kinder von alkoholabhängigen Eltern ein stark erhöhtes Risiko (ca. +50%) haben, selbst abhängig zu werden. Dafür gibt es mehrere Ursachen.

  • Genetische Veranlagung: Es gibt viele verschiedene Gene, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden sind, alkoholkrank zu werden. Diese Gene beeinflussen unter anderem das Suchtverhalten, die Persönlichkeit, das Belohnungssystem und auch den Alkoholabbau.
  • Soziale Prägung: Kinder haben durch die Sucht der Eltern viele Probleme, die eine eigene Abhängigkeit fördern. Sie bekommen oftmals zu wenig Zuwendung und Aufmerksamkeit, müssen zu früh zu viel Verantwortung übernehmen (Rollenumkehr, bei der die Kinder die Funktion der Eltern übernehmen), im schlimmsten Fall erleben sie psychische und körperliche Gewalt. Das kann natürlich auch andere Krankheiten wie Depressionen fördern, diese sind nicht selten mit einer Alkoholabhängigkeit verbunden.
  • Alkohol als Problemlöser: Wenn Probleme und Konflikte in der Familie grundsätzlich "weggesoffen" werden und die Eltern ohne Alkohol nicht funktionieren können, prägt das natürlich auch die Kinder. Häufig werden entweder die dominante Rolle des Alkohol in die nächste Generation übernommen oder dieser wird stark abgelehnt.

So weit ich weiß spielt auch die genetische Toleranz für Alkohol (die Geschwindigkeit des Abbaus in der Leber) eine Rolle in der Suchtentstehung. Menschen, die "viel vertragen", werden leichter abhängig, somit vertragen auch die Kinder der Erkrankten im Schnitt etwas mehr. Das ist aber sicherlich nicht der wichtigste Faktor.

Keine Rolle spielt dagegen die "erworbene" Alkoholtoleranz von Abhängigen, da sich diese auf der Ebene von Rezeptoren abspielt, sie kann nicht auf die Gene übertragen werden (erst recht nicht auf die der Keimzellen). Das Stichwort "Lamarck" ist ja in dem Zusammenhang schon gefallen.

Vorbilder sind die Eltern und wenn Alk zum Tagesgeschehen gehört, ist die Wahrscheinlichkeit einfach größer, Probleme auch damit zu lösen.

Vertragen sie mehr? Natürlich nicht, warum auch? Ein soziales Problem hat keinerlei Auswirkungen auf die körperlichen Funktionen.

An Alkohol kann man sich gewöhnen, aber dazu bedarf es entsprechender und regelmäßiger Dosen, um das zu erreichen.

Um alkoholkrank zu werden, gibt es drei Voraussetzungen:

1. genetische Ursachen
2. soziales Umfeld
3. Alkohol trinken.

Alle drei Voraussetzungen müssen gegeben sein. Die genetische Voraussetzung KANN (muss nicht) vererbt werden.

Zum sozialen Umwelt gibt es eine Geschichte, die für mich aufschlussreich ist: Zwei Brüder aus 'alkoholkranker Familie', der eine säuft, der andere rührt keinen Tropfen Alkohol an. Beide werden gefragt, warum sie sind, wie sie sind und beide antworten: "Na, bei dem Vater!"

Der eine hatte sich seinen alkoholkranken Vater als Vorbild genommen und macht sich auch mit Alkohol dicht, um sich nicht seinen Problemen zu stellen. Der andere hatte erlebt, wie die Familienangehörigen unter der Alkoholkrankheit des Vaters leiden und hat sich geschworen, nie im Leben einen Tropfen Alkohol zu trinken.

Auch der Sohn, der keinen Tropfen Alkohol trinkt, KANN das Gen in sich tragen und an die nächste Generation weitergeben.

Ein Kind aus alkoholkranker Familie weiß, dass es das Gen geerbt haben kann. Ein Kind, dessen Eltern nicht trinken, kann dieses Gen trotzdem geerbt haben. Daher sind theoretische Überlegungen kein Schutz vor der Alkoholkrankheit.

Die 2. und die 3. Voraussetzung hingegen kann jeder Mensch beeinflussen.

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