Haben Goethe und Schiller vorausgeahnt, dass die Romantik in Franzosenhass und übersteigerten Nationalismus münden würde?

7 Antworten

Nein.

Das deutsche Bürgertum hat anfangs die französische Revolution frenetisch gefeiert. Das Verhältnis kühlte sich anschließen ab durch die Schreckensherrschaft Robespierres, wobei da auch viel Propaganda dabei war...

Zum "Hass" entwickelte sich das angesichts der Besatzungspolitik der Franzosen, der Zwangsrekrutierungen für Napoleons Kriegsabenteuer, ungesetzlichem Verhaltens der Besatzungstruppen gegenüber der Zivilbevölkerung und bis heute in den Geschichtswissenschaften kaum aufgearbeiteten Vergewaltigungen durch die französischen Besatzungstruppen.

Der Begriff "füsilieren" steht z.B. für "standrechtliches erschießen" und stammt eben aus dem französischen...

Was sie geahnt haben, weiß man nicht. Was sie in dem von dir angesprochenen Sinn (nachdem die Revolution zum "terreur" (Schrecken, Terror) geführt hatte) geschrieben haben, ist im wesentlichen hier genannt worden.

Natürlich haben sie die Zukunft nicht gewusst, aber Ahnungen haben Menschen oft, auch ohne sie schriftlich festzuhalten.

Goethe hat z.B. in Faust die Pervertierung des Freiheitsgedanken, der in der französischen Revolution entstanden ist kritisiert.

Von Schiller habe ich noch kein Werk gelesen, das Aufschluss über seine Meinung dazu gibt, abgesehen von allgemein gesellschaftskritischen Dingen, wie bei Goethe auch.

Kritik an der Französischen Revolution findet sich in Schillers Lied von der Glocke.

Der Meister kann die Form zerbrechen
 Mit weiser Hand, zur rechten Zeit;
 Doch wehe, wenn im Flammenbächen
Das glühnde Erz sich selbst befreit!
 [...]
Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
 Da kann sich kein Gebild gestalten;
 Wenn sich die Völker selbst befrein,
 Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.

Spätere Strophe:

Freiheit und Gleichheit! hört man schallen;
 Der ruh’ge Bürger greift zur Wehr,
 Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher.
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