Haben es junge Leute im Großen und Ganzen schwerer als früher?

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8 Antworten

Hallo,

interessante Frage, und du hast sie gut formuliert ("Glaubt ihr dass es leichter....).

Ich kann spontan eben genau nur meinen Eindruck, meine Überzeugung, meinen Glauben schildern.

Würde man eine fundierte Antwoft geben wollen, würde das in Arbeit ausarten: Definition und Eingrenzung der Begriffe, Spezifikation dessen, was verglichen werden soll, Studien etc.

Ich glaube, dass es für junge Leute schwerer geworden ist.

Man fand früher leichter Arbeit, der unbefristete Arbeitsvertrag war die Norm.

Man konnte mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss eine Lehre machen.

Das Studieren an Universitäten (Magister, Diplom) war freier, nicht so verschult, eingezwängt in ein zeitliches Korsett.

Es gab sogar mal eine Zeit, in der eine Familie mit Kind(ern) von dem Gehalt eines Elternteils leben konnte. Ich führe den Geburtenrückgang in Deutschland unter anderem auf erschwerte Bedingungen in Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt zurück.

Neue Generationen werden es zum ersten Mal seit langem nicht mehr besser als ihre Eltern haben.

Die Äußerung der Bundeskanzlerin im September 2011, in der sie in einer Presseerklärung von der "marktkonformen Demokratie" sprach, sehe ich in diesem Sinn als einen offiziellen, symbolischen Wendepunkg dafür, dass sich absolut alles den wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen hat: die Menschen, die Kultur, die Aus- und Weiterbildung, die soziale Versorgung der Bevölkerung, bis hin zur Demokratie. Totaler kann ich mir eine Unterordnung kaum vorstellen.

Diese Entwicklung hat vor 2011 begonnen,wurde aber oft noch in rhethorische Watte verpackt.

Wobei früher "nicht alles besser war", in Details würde ich differenzieren. Doch wenn ich es mir aussuchen könnte, heute oder vor 50/60 Jahren mein Leben zu beginnen, würde ich die Vergangenheit wählen.

Ich beneide die jungen Leute heute nicht, sie haben mein Verständnis und meine Unterstützung, soweit es meine bescheidenen Mittel erlauben.

Gruß

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Nicht jeder hatte früher einen Job oder eine (intakte) Familie. Ich habe noch ganz andere Dinge gehört und selbst erlebt.... 

Jede Zeit hat bzw hatte ihre Vor- und Nachteile, und jede Generation hatte Probleme. Man kann nicht allgemein sagen wann es schwieriger oder leichter war. 

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Kommentar von l3487171
11.07.2017, 23:35

Natürlich nicht "jeder". Aber die demographischen Zahlen würden mir doch Recht geben.

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Schwer ist so relativ.

Heute haben Jugendliche sehr viele Wahlmöglichkeiten und sind häufig damit völlig überfordert. Das ist nicht schön, aber haben sie es deshalb schwerer als jemand, für den früher die Eltern entschieden haben, welchen Beruf er ergreift?

Hier Reizüberflutung, früher oft eine gewisse Reizarmut.

Ist geistige Überforderung schlimmer als körperliche Überlastung noch während des Wachstums?

Heute gibt es mehr, das man wissen kann. Das führt aber auch dazu, dass heute eine viel stärkere Spezialisierung gefragt ist, wo früher man früher eher Allrounder in seinem Job sein musste.

Jeder empfindet sein Schicksal als besonders, oft auch als besonders hart. Das gilt meist sogar für die, die es verhältnismäßig leicht haben.

Ich jedenfalls würde mir nicht anmaßen wollen zu entscheiden, ob nun das Leben heute generell leichter oder schwerer ist. Mir fällt allerdings auf, dass sich heute viele selbst im Weg stehen, weil sie von den Wahlmöglichkeiten erschlagen werden.

Die Wahl hat man übrigens auch bei der Technikfrage. Niemand MUSS ständig erreichbar sein, ständig am Handy kleben.

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Sowohl als auch.

Schon allein das Kohlenschleppen über den ganzen Hof und dann etliche Etagen bis in die Dachgeschoßwohnung. Jeden Tag. Kannst Du Dir vorstellen, wie lang da die Arme werden? Gedämmt war die Wohnung natürlich nicht. Dafür gab es wunderschöne Eisblumen an den Fensterscheiben. Die kennt ja heute keiner mehr. Nur ein Waschbecken in der Küche. Keine Dusche, kein Bad. Klo im Treppenhaus. Und die ganze Nummer mit Kleinstkind. Wegwerfwindeln gab's noch nicht. Die Baumwollwindeln mußten also gewaschen werden. Auto hatten wir auch nicht. Also alles zu Fuß oder mit den Öffentlichen. "Nebenbei" das Studium, das wir übrigens beide abgeschlossen haben.


Oder Lehre/ Jungfacharbeiter. 8:45 Stunden reine Arbeitszeit. Die Pausen obendrauf. Stechuhr. Frühschicht/ Spätschicht. Die Frühschicht begann um 4:30 Uhr (in Worten: "vier Uhr dreißig"!). Und dann z.B. im Laderaum eines Frachters Wände verschalen. Im Winter. Hast Du eine Vorstellung, wie sehr Kälte wehtun kann?

Oder Armee - da war's noch viel schärfer. Jahrelang nur draußen, bei Wind und Wetter unter den erbärmlichsten Bedingungen, und Psychoterror durch die Bonzen. 12-Mann-Zimmer, 8-Mann-Zimmer (beim Studium übrigens auch), 6 Monate in Mannschaftszelten... Außerdem die ganze Zeit eingesperrt. Dagegen ist JVA heutzutage Kindergeburtstag. Ich habe Situationen erlebt, die kannst Du Dir in Deinen kühnsten Albträumen nicht vorstellen.

Heute dürfte es für die jungen Leute körperlich weniger anstrengend sein. Dafür fehlt die Orientierung und die Grenzen. Das fängt ja schon mit den fehlenden Zensuren in der Grundschule an. Jeder wird sich selbst überlassen und darf nach eigenem Geschmack scheitern. Das Bildungssystem ist inzwischen unter aller Sau. Anschließend jahrelang nur Praktika - ohne Aussicht auf Festanstellung. Dazu der Informationswahnsinn. Die jungen Leute werden mit Informationen und Eindrücken zugeschüttet, die sie gar nicht mehr verarbeiten können. Konzentrationsstörungen, ADHS, Übergewicht usw. usw.

Es ist vielleicht nicht leichter oder schwerer - es ist einfach anders.



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Kommentar von l3487171
12.07.2017, 00:53

Natürlich gab es nicht den technischen Luxus der Gegenwart. Keine Frage.

Man darf aber nicht vergessen: Die materiellen Bedingungen waren offenbar überwindbar. das Hochtragen von Kohlen beispielsweise ist körperlich anstrengend. Mit Fleiß kann man es aber lösen. 

Das Problem der ständigen Erreichbarkeit außerhalb von regulären Arbeitszeiten, Multitasking, Jobunsicherheit stellen Probleme da, die nicht gelöst werden können. Da sind junge Leute in einer Zwickmühle, die psychisch krank macht. 

Ich würde sagen, dass die psychische Faktoren einen größeren Einfluss haben, als die materiellen. Aber hier zeigt sich vielleicht auch ein Generationskonflikt. Die ältere Generation fragt: Was habt ihr eigentlich. Die Toilette ist doch nicht mehr draußen. Was wollt Ihr denn noch?

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Es scheint oft, überhaupt unter uns Älteren, daß das Leben in unserer Jugend einfacher und sicherer war. Ich glaube aber, daß es mehr mit Erinnerungen zu tun hat, wir vergessen viel, das nicht so schön war, daß wir auch eine Menge Problemen hatten. Es ist nur, daß die Probleme sich geändert haben.

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Leichter oder schwerer weiss ich nicht, im Grossen und ganzen seid ihr schon eine verwoehnte Generation, aber euer Leben ist tasaechlich komplexer.

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Kommentar von l3487171
11.07.2017, 23:24

"Verwöhnt" stimmt - aber ist das eigentlich ein Vorteil? 

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Es hat sich nur nichts geändert, weil es angeblich Moderne heißt.

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Auf keinen Fall ! Damals gab es kein Internet, Handy o.ä. Die Leute mussten Ihre Probleme selbst lösen, mit eigenem Hirnschmalz ! Heute schaltet die Jugend wegen jedem Furz den Rechner ein nur um hier zu Fragen ob es blaue Fürze gibt. Nein, heute ist das Leben um ein vielfaches leichter, auch wenn es der Jugend anders vorkommt.

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