Haben es Frauen mit Kopftuch schwerer eine Ausbildung zu finden?

34 Antworten

Also du hast zwei Fragen gestellt:

Zu der 1. Frage :

Ja, Frauen mit Kopftuch haben es schwerer, Ausbildungsplatz oder Arbeit zu finden.

Zur 2.:

Durch die Antworten der anderen Antwortgeber ist es ja heraus zu lesen:

Dieses Stück Stoff ist für manche Menschen ein Symbol der Bedrohung 'ihrer?' Kultur. Manche sehen es als Ideologie, die anderen als Unterdrückung...

Und dann gibt es das Thema : Integration.

Man kann nicht einfach sagen, "ja sollen diese Müslimas doch in ihre Länder zurück, wenn die sich hier nicht an die Normen halten können!!11!"

Tja, was ist mit Deutschen, die Kopftuch tragen?

Eine Frau, die ein Stück Tuch auf dem Kopf hat, aber arbeitswillig ist, und damit ja ein Teil der Gesellschaft sein will - ist doch toll!

Aber diese Gesellschaft lässt sie nicht teilhaben, da sie aufgrund ihrer Überzeugung, ein Tuch zu tragen, nicht an die Norm hält.

Muss ich dann auch als bekennender Vegetarier, meinen Beruf aufgeben, da ich in einem Restaurant arbeite, der Fleisch verkauft?

Wenn eine Person arbeiten will, qualifiziert ist und die Sprache spricht, sich nett und freundlich verhält und auch diese Arbeit verrichten kann - ist es mir gelinde gesagt Pups egal, ob sie nach ihrem Glauben nach ein Tuch trägt.

Viele sprechen von Integration - aber wie soll es möglich sein, wenn Menschen andere wegen ihrers Glaubens ausgrenzen?

Glaube und Identität kann man nicht beiseite legen. So einfach ist das nicht. Solange ein Tuch der Ausübung der Tätigkeit nicht im Wege steht , sollten die "Bier & Sauerkraut und 0815 Schubladendenker-Deutsche" sich schön beruhigen.

(P.S.: trinke kein Bier, esse kein Schweinefleisch, bin trotzdem eine Deutsche!)

Und noch eine gescheite Antwort, ich bin erleichtert, dass es noch nüchtern denkende Menschen gibt! (schreibt eine alle Sorten Fleisch und noch lieber alle Sorten Bier trinkende Deutsche)

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Was aber, wenn der Glaube, dessetwegen ein Kampftuch getragen wird ein solcher ist, der nun seinerseits alle "Ungläubigen" ausgrenzt?

...hältst Du jetzt meine Frage schon für aufgeregt? ...dann erlaube mir zu erwähnen, dass ich Wein vorziehe;)

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was kann man dagegen machen, wenn eine muslimische frau wegen ihrem kopftuch keine ausbildung oder arbeitstelle findet

vielleicht dasselbe, wie wenn ein Pastafari sein Nudelsieb tragen will, ein Indianer --der in Deutschland lebt-- seinen Federschmuck..ich meinen Tirolerhut, und mein Nachbarsbub sein Baseball-Käppi...usw...

Damit meine ich:

Der Arbeitgeber soll einfach offen sagen, welche Vorstellungen er vom Verhalten und der Bekleidung seiner Mitarbeiter hat.

Wer sich damit nicht arrangieren kann, und mehr Wert auf ( seltsame) Bekleidungsteile als auf Ausbildung legt, ist selbst dafür verantwortlich.

Das hat auch nichts mit "Religionsfreiheit/Glaubensfreiheit/ ideologoischer Freiheit ..u.ä. zu tun

Kein Arbeitgeber wird seinen Mitarbeitern ihren Glauben/Ideologie vorschreiben/verbieten wollen..

Es geht nur um ein Stückchen Stoff..was vermutlich kein Thema wäre, würden manche "Muslime" keins draus machen...

UND:

wie mir kundige Muslime schon sagten:

"Es ist doch NUR ein Stück Stoff, da sollte keinerlei Aufsehen deswegen gemacht werden..."

Da haben sie wohl Recht, es lohnt nicht, deswegen so ein Aufsehen zu machen...wo es geduldet wird, ok..und sonst : runter damit ! ( ganz ohne Aufsehen..)

Unterm Strich werden sie es schwerer haben, denn es gibt zwar die, die sowohl Kopftuchträgern als auch Nichtkopftuchträgern die gleichen Chancen bieten, aber dieser Personenkreis macht den Unterschied nicht aus. 

Der Unterschied liegt bei den Kopftuchphoben, beziehungsweise den Unternehmern, die kein Risiko eingehen wollen, kopftuchphobe Kunden zu verschrecken.

Das Problem ähnelt dem der Tätowierten. Die können davon ein Lied singen. In manchen Gewerben gelten Tatoos noch als unseriös. Selbst wenn der Chef das nicht so sieht, so gehört für ihn schon eine Menge dazu, den Tätowierten eine faire Chance zu geben, denn auch hier besteht die Gefahr, konservative Kunden zu verschrecken. Darüber muss er sich hinwegsetzen. Er muss sozusagen Umsatzeinbußen in Kauf nehmen.
Es kommt auf der anderen Seite ja kaum ein Kunde mehr, nur weil jemand ein Kopftuch trägt oder weil jemand tätowiert ist.

Die Parallele zu den Tattoos ist sehr schön gezogen!

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Genau richtig erklärt, schön ohne Gerede von Diskriminierung, sondern über wirtschaftliche Faktenentscheidungen. Danke dafür!

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@Kajjo

Die Betroffenen sehen es aber als Diskriminierung, wenn der Chef sie nicht einstellt. Er muss ja seine Ablehnung nicht begründen.

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@Nunuhueper

Natürlich ist das so. Aber die "Wahrheit" liegt meiner Meinung nach andersherum. Wer sich selbst ausgrenzt, muss sich nicht wundern, dass andere das auch als solches wahrnehmen.

Kopftücher sind nicht nur DAS Symbol schlechthin für gescheiterte Integration, sondern sie sind vor allem diskriminierend gegenüber allen anderen Frauen, denen damit letztlich unterstellt wird, "Schlámpen" zu sein, weil sie sich nicht verhüllen. Viele Muslime blicken genau auf diese Art auf offene westliche Frauen herab.

Ein Kopftuch hat an einem Arbeitsplatz absolut nichts zu suchen. Privat soll jeder machen, was wer will, aber nicht am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit.

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@Kajjo

Ein Kopftuch hat an einem Arbeitsplatz absolut nichts zu suchen. Privat soll jeder machen, was wer will, aber nicht am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit.

Diese Ansicht kann ich nur eingeschränkt teilen. Es ist aus unternehmerischer Sicht oft unklug, bestimmte Positionen mit betuchtem Personal zu besetzen.

Bei anderen Arbeiten, bei denen man wenig visuellen Kontakt mit Kunden hat oder in Bereichen, in denen äußerst liberal mit dem Thema umgegangen wird, spricht überhaupt nichts dagegen, dass jemand eingestellt wird, der ein Kopftuch trägt.

Man kann sich sogar überlegen, ob man sich den Umkehreffekt zunutze machen möchte. Zum Beispiel habe ich beim Wechsel zu einem Stromanbieter beobachtet, dass besonders gerne Kunden, die wirkten, als hätten sie einen Bezug zum Islam sich an eine Beraterin mit Kopftuch zuwanden.

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@Suboptimierer

Ja, und ist das gut, wenn die Gesellschaft sich immer mehr spaltet? Muslime gehen nur zur kopftuchtragenden Beraterin und nicht zur westlich gekleideten Frau? Und moderne Menschen gehen nur zur kopftuchlosen Frau mit hübschen Haaren?

Echt jetzt? Wollen wir das? Kann das irgendjemand wollen? Das ist Spaltung und nicht Integration. Genau mein Argument bestätigt bezüglich Kopftuch.

Integration wird nur gelingen, wenn wir EINE Kultur sind. Und das Kopftuch ist ein ganz großes Hindernis dabei, weil es nämlich krass gegensätzliche Werte und Ansichten visualisiert.

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@Kajjo

Das Kopftuch zu verbieten ist eine genauso schlechte, ja sogar eine schlechtere Lösung, denn jemand, dem das Kopftuch und seine Religion überaus wichtig ist, wird alles tun, zu vermeiden, ohne Kopftuch zu arbeiten. Solche Menschen wären zutiefst unglücklich, ohne Kopftuch arbeiten zu müssen.

Die brachiale Lösung ist keine Lösung. Es würde auch überhaupt nicht am Kern des Problems gearbeitet werden, sondern nur an einem Effekt. Das Kopftuch ist doch, wenn wir ehrlich sind, gar kein Problem. Mit Kopftuch könnte man genauso gut einem Kunden gegenübertreten wie ohne. Unser BIP würde nicht sinken, wenn wir alle Kopftücher tragen würden.

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@Suboptimierer

Das sehe ich nicht so. Ein Kopftuchverbot für sämtliche öffentlich-rechtlichen Angestellten wäre ein wichtiger Schritt und eine völlige Anweisungsfreiheit für Arbeitgeber ein ebenso wichtiger Schritt, damit jeder ohne Bedenken muslimische Bürger einstellt, ohne Angst vor späteren Problemen. Das würde die Chancengleichheit fördern!

Es geht auch nicht primär darum, ob jemand, der schon dermaßen indoktriniert ist, dass er nicht mehr ohne Kopftuch arbeiten mag, seine Meinung ändert. Das wird er nicht; da stimme ich dir zu. Sondern es geht darum, das junge Mädchen ohne Kopftuch in die Schule gehen, auf Ämter gehen, Busfahrerinnen sehen und so weiter und lernen: Auf das Kopftuch kommt es nicht an. Sie haben muslimische Vorbilder, dass es auch ohne geht. Wer es im Beruf und auf der Schule nicht benötigt, der lässt es dann auch oft zu anderer Zeit weg. Das Problem würde sich innerhalb einer Generation quasi vollständig erledigen.

Umgekehrt wird ein schreckliches Signal daraus: Mädchen, die gerne ohne gehen würde, werden in der Schule von muslimischen Freundinnen ausgegrenzt. Mädchen werden von ihren Eltern gezwungen, mit Kopftuch in die Schule zu gehen. Das Kopftuch dient auch als Instrument, um die männliche Vormachtstellung und die Unterordnung der Frau zu demonstrieren. Das ist grausam und destruktiv.

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@Kajjo

Bildung ist bei Kopftuchträgerinnen ja gar nicht das Ziel, so die Erfahrung.

Sie wollen heiraten, Kinder, Küche und Mann versorgen.

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@Nunuhueper

In diesem Punkt stimme ich mit Kajjo überein. 

Es gibt mit Sicherheit unter den Millionen von Kopftuchträgerinnen einige, die sich gerne bilden würden. Dass keine Kopftuchträgerin sich bilden möchte, ist bei der Vielzahl unmöglich.

Und da stellt sich die Frage. Was machen wir mit denen, die gerne aus der Mühle heraus wollen?

Aber um es nochmal zu betonen. Den Weg, den Kajjo einschlagen will, halte ich für den verkehrten.

Ob ich bessere Ideen habe? Nur unausgegorene. Auffangstationen, Beratungsstellen, Öffentlichkeitsarbeit, Berichterstattungen,...

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@Suboptimierer

Die Emanzipation einer Muslima beginnt doch mit dem Ablegen des Kopftuchs.

Eine verheiratete Muslima darf ohne Erlaubnis ihres Mannes sowieso nicht arbeiten gehen.

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@Nunuhueper

Ihr wisst doch inzwischen, wie ich darüber denke. Ich sehe es genau andersherum. Eine emanzipierte Muslimin legt automatisch ihr Kopftuch ab (wenn sie es will). Zwingt man eine Muslimin dazu, das Kopftuch abzulegen, ist sie nicht emanzipiert. Außerdem sollte eine emanzipierte Muslimin immer die Möglichkeit haben, zwanglos ein Kopftuch zu tragen. Also wenn die Muslimin in einem Urlaub auf einer einsamen Insel ohne Begleitung ein Kopftuch tragen würde, sollte sie es zu jeder Zeit tragen dürfen.

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@Suboptimierer

Emanzipation ist immer freiwillig.

Das Kopftuch ist aufgezwungen worden. Von den Eltern, von der Familie, von der Umma.

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Ja, Frauen mit Kopftuch haben es schwerer. Dagegen machen kann man nichts, man muss einfach länger suchen.

Wenn ansonsten gute Chancen sind, z.B. sehr gute Noten oder viel Erfahrung, würde ich die Bewerbung ohne Foto schicken. Wenn man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, einfach ganz selbstverständlich auftreten. Quasi alle Arbeitgeber sind so höflich, das Vorstellungsgespräch dann auch zu machen. Und da muss man dann richtig punkten mit seiner Persönlichkeit und seinen Qualifikationen. Das Kopftuch nicht thematisieren, wenn nicht der Arbeitgeber es anspricht!

Natürlich ist das keine Garantie, die Stelle dann auch zu kriegen, aber 1. hat man so wenigstens eine Chance, sich vorzustellen, und 2. muss es nicht zwangsläufig am Kopftuch liegen, wenn man abgelehnt wird. Vielleicht war ein anderer Bewerber besser.

Am einfachsten ist es natürlich bei Berufen, in denen kein Kundenkontakt besteht oder bei denen in deiner Region dringend Auszubildende gesucht werden. Aber auch sonst, einfach probieren und nicht direkt aufgeben, wenn es ein paar mal nicht klappt. Offen bleiben auch für neue Ideen. Die richtige Stelle kommt zur richtigen Zeit!

Ein AG, der Dutzende oder mehr Bewerbungen vor sich liegen hat, lädt idR keine Kandidatin ein, die "vergessen" hat, ein Photo anzuhängen. Damit siebt sie sich gleich selbst aus und kann sich die Mühe sparen.

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  • Ja, auf jeden Fall werden es Kopftuchträgerinnen (im Sinne islamischer Verhüllung) de facto schwerer haben, einen Ausbildungsplatz zu finden.
  • Das Kopftuch steht zu Recht als DAS Symbol für gescheiterte Integration. Nicht andere diskriminieren hier, sondern man grenzt sich selbst aus damit.
  • Ganz nüchtern betrachtet gibt es in vielen Betrieben vorgeschriebene Arbeitskleidung oder Kleidervorschriften. Sehr viele Betriebe wollen gerade niemanden diskriminieren, sondern im öffentlichen Auftreten ganz klar Symbole von Religionen, Ideologien oder anderen privaten Überzeugungen vermeiden. Das finde ich gut und richtig. Wer als Repräsentant seines Arbeitgebers auftritt, sollte das Firmenimage verkörpern und nicht Symbole einer Religion zur Schau tragen.
  • Betriebe mit Kundenkontakt können es sich zudem nicht leisten, Kunden wegen Ablehnung von Kopftüchern zu verlieren. Sehr viele Menschen (also Kunden) lehnen Kopftücher zu Recht ab.
  • Die Grundeinstellung, dass das Kopftuch getragen wird, weil eine Frau sonst Sexobjekt ist oder weil Männer sonst notgeil werden, ist absurd und frauen- wie männerverachtend. Das Kopftuch ist Symbol der Frauenunterdrückung und Unterordnung der Frau im Islam.

Sure 4,34 „Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben und geben acht auf das, was den Außenstehenden verborgen ist, weil Gott acht gibt. Und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie."

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