Haben die Skandinavier aus der Vergangenheit gelernt, nie wieder Verbrecher zu werden oder warum sind sie heute nicht so,obwohl sie Wikinger sind, eure Meinung?

13 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Zwischen den Wikingern und den heutigen skandinavischen Staaten liegen hunderte von Jahren. In dieser Zeit hat sich der Politikstil vollkommen verändert.

In Bezug auf Skandinavien ist besonders die Napoleonische Zeit und das 19. Jahrhundert von Bedeutung. Noch bis ins 18. Jahrhundert hinein haben Schweden und Dänemark viele Kriege gegeneinander und vor allem Schweden Kriege gegen Polen, Russland, Preußen, Frankreich etc geführt.

Nach dem Wiener Kongress 1815 und den damit verbundenen geopolitischen Umwälzungen im Norden sowie dem endgültigen Verlust sämtlicher Großmachtsambitionen der skandinavischen Staaten, hat sich jedoch die praktisch bis heute bestimmende Neutralitätspolitik durchgesetzt.

Diese hat nochmal nach dem Zweiten Weltkrieg einen Aufschwung erfahren, als sich die skandinavischen Staaten Norwegen, Schweden und Dänemark versucht haben als blockfrei zwischen den großen Bündnissen NATO und Warschauer Pakt zu positionieren.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich außerdem der so genannte Skandinavismus, also die Idee der verstärkten ideelen und politischen Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten. Bis weit über die Mitte des 20. Jahrhunders hinaus gab es im Zusammenhang damit auch immer wieder die Idee, eine politische Union zu bilden.

Und zu guter letzt: Die skandinavischen Staaten entwickelten im 20. Jahrhundert die Idee des Wohlfahrtsstaates, manchmal auch unter dem Schlagwort "Volksheim" zusammengefasst. Das Solidaritätsprinzip ist deswegen in den skandinavischen Staaten noch heute wesentlich stärker ausgeprägt und es werden etwa sehr hohe Spitzensteuersätze für Besserverdienende von über 50% erhoben und - wenn inzwischen auch nicht immer ohne Murren - gezahlt.

Auf die Frage Bezug nehmend sollte man noch erwähnen, dass nur ein kleiner Teil der "Wikinger" das waren, für das sie heute bekannt sind, nämlich brutale Räuber und Mörder. Die allermeisten waren ehrliche Menschen - Bauern, Händler oder einfach nur Menschen, die ihr Glück im Ausland gesucht haben - so, wie es auch heute noch üblich ist.

2

In der damaligen Zeit waren die Franken auch nicht zahmer. Karl der Große wird (aus irgendwelchen Gründen) fast ausschließlich positiv dargestellt (und die Wikinger negativ), dabei scheute auch er keineswegs vor Gewalt zurück. Fränkische Herrscher scheuten weder vor Mord in der eigenen Familie, noch vor der Ermordung feindlicher Frauen zurück.

Ein paar Punkte, die das Thema "Wikinger" etwas näher beleuchten:

1) "Wikinger" war nie eine Volksbezeichnung, sondern eine Berufsbezeichnung, so nannten sich nur diejenigen, die zur See fuhren

2) viele der Menschen waren Bauern (und das war damals keineswegs leicht, schon gar nicht im Norden, der klimamäßig nicht immer ideal war)

3) viele waren Händler und Vermittler von kulturellen Dingen (das Wort "Met" entspricht dem russischen мед, "Honig") - Bernstein war auch eine Handelsware (siehe auch "Bernsteinzimmer")

4) das Frauenbild war zwar nicht in heutigem Sinne modern, aber doch insofern fortschrittlich, als dass z.B. auch Scheidungen durchaus möglich waren; die Männer waren oft monatelang auf See, danach kam den Frauen eine hohe Verantwortung im Dorf zu (auch für die Alten, Kranken und Kinder usw.). Frauen hatten mehr Rechte, als man das heute so meint.

5) viele waren auch bei Fremden sehr hoch angesehen, so z.B. Rurik, der von russischen Gesandten gebeten wurde, eine Führungsrolle innerhalb Russlands einzunehmen; später wurde die "Kiewer Rus" gegründet, und etliche russische Adlige beriefen sich auf eine Abstammung von Rurik (damals war es etwas positives, später - unter Stalin - wurde dies verpönt)

6) man darf den Bildungsstand einiger (das soll keine Verallgemeinerung sein) nicht unterschätzen; man kannte deutsche Sagenliteratur, und umgekehrt hatten deutsche Schreiber (wie der Schreiber des Nibelungenlieds) eine hohe Kenntnis der nordischen Schriften (und eine hohe Achtung vor ihnen)

7) die Nordmänner waren auf Grönland und wahrscheinlich auch auf Neufundland (heute Kanada), zumindest für eine gewisse Zeit - ein Bremer Chronist wusste davon, man maß der Sache damals aber keine Bedeutung zu (ein paar kalte Inseln im Norden, interessierte kaum...)

Der Schreiber des Nibelungenlieds nennt seine Protagonisten "Nibelungen", das ist ein direkter Bezug auf die nordische Sagenwelt. Zudem lässt er Brünnhilde "aus Island" kommen (was freilich eine Sage ist, und nicht der Realität entsprechen dürfte), was aber zeigt, dass er diesem Land Respekt zollt (er hätte eine x-beliebige andere Stelle wählen können).

Die nordische Sagenliteratur steht der mittelhochdeutschen keineswegs nach. Beide Kreise haben sich gegenseitig stark beeinflusst.

Natürlich gab es auch die Krieger, die plünderten und mordeten. Die gab es bei den anderen Völkern auch. Die Normannen Frankreichs waren mal Nordmänner, sie nahmen aber den christlichen Glauben (und die französische Sprache) an, und verbreiteten diesen z.B. auch auf Sizilien.

Hmmm ... ich bin mit den meisten deiner Aussagen nicht einverstanden!

Früher waren die Wikinger Räuber und Verbrecher aus Skandinavien

Das ist Unsinn. Die Wikinger hatten eine ziemlich hohe Kultur und waren vielfach alles andere, als Verbrecher und Räuber! Diese Aussage ist so plakativ und reisserisch wie zu sagen "Früher waren alle Österreicher Wegelagerer und Schluchtenscheisser".

Heute sind die Skandinavier alle offen, ehrlich, höflich, hilfsbereit. Sie sind auch stolz, dass sie Wikinger sind.

Alle? Stolz aufs Wikinger-Dasein? Erstens stimmen Pauschalisierungen wie "alle/nie/immer/etc." grundsätzlich "nie". Zweitens SIND heute keine Skandinavier mehr Wikinger, sondern das waren Vorfahren vor 1000 Jahren. Und warte nur, bis dir mal ein hochnäsiger, snobistischer unhöflicher und egoistischer Skandinavier über den Weg läuft -> davon gibt es dort genau so viele, wie in Deutschland :-)

Haben die Skandinavier aus der Vergangenheit gelernt, nie wieder
Verbrecher zu werden oder warum sind sie heute nicht so, obwohl sie
Wikinger sind, eure Meinung?

Dass heute niemand mehr Wikinger ist, haben wir schon geklärt. Ich weiss nicht, was du als "Verbrechen" definierst. Aber ich kann dir versichern, dass in Schweden beispielsweise VIEL MEHR Fahrräder gestohlen werden, als hierzulande. Und diese Liste von "Verbrechen" könnte ich sehr lange ausführen.

Fazit: Nein, nein! Skandinavien ist ein schöner Flecken Erde und es hat wunderbare Menschen dort - das ist absolut unbestritten. Aber es ist definitiv kein "heiliger" Flecken dort oben! Es gibt dort genau so viel Abscheuliches zu finden, wie weiter südlich :-))

Und leider: Ich kenne kein Land auf der Welt, das tatsächlich aus der Vergangenheit gelernt hat.....

Was möchtest Du wissen?