Haben Autisten ein hohes Sicherheitsbedürfnis und erscheint Ihnen die Welt, die Menschen und ihre Handlungen unberechenbar?

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5 Antworten

Als Autist kann ich dir deine beiden Fragen zumindest aus meiner Sicht heraus beantworten:

  1. Sicherheitsbedürfnis: 

    JA, Autisten haben meistens ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Planungssicherheit. Das heißt, dass Unvorhergesehenes für sie einen großen Stressfaktor bedeutet. Daher das Bedürfnis nach Routinen und Struktur bzw. Regeln. 

  2. Unberechenbarkeit:

    Da meine Fähigkeit, die Gedankengänge anderer (Nichtautisten) nach zu vollziehen, begrenzt ist und gleichzeitig gemäß Antwort 1 ein Bedürfnis nach Struktur da ist, erscheinen mir die Handlungen vieler Menschen als chaotisch. Auch Smalltalk mit seinen (scheinbar) sinnlosen Themen ist zu wenig strukturiert, um berechenbar zu sein

Hallo WOAPS Darf ich dich fragen, ob du zufällig über eine extreme intellektuelle Begabung verfügst? Die Frage stelle ich deshalb, da es mich persönlich wundert, dass es manchmal so zu sein scheint bei Autisten bzw. Asperger Autisten, aber offensichtlich nicht immer... Ich persönlich kann die Punkte 1. und 2. mit dir teilen, obwohl ich kein Autist bin. Punkt 2 teile ich allerdings aus einem völlig anderen Grund: eben weil ich die Gedankengänge meiner Mitmenschen sehr gut nachvollziehen kann und diese aber als irrational und manchmal sogar unmenschlich (egoistisch und eigennützig) empfinde, betrachte ich meine Mitmenschen als unberechenbar und sogar angsteinflößend. Mir ist die klare und ehrliche Welt der Autisten viel lieber, da ich hier weiß, woran ich bin. Darf ich dich evtl. noch etwas fragen? Würdest du behaupten, dass du über eigene Gefühle verfügst oder eher nicht? Danke

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@Regulus123
  1. JA, ich bin kognitiv hochbegabt
  2. Oh ja, ich habe eigene Gefühle, sogar sehr intensive. Allerdings wird mein Verhalten, insbesondere mein Gesichtsausdruck sehr oft fehl interpretiert. Und zwar sowohl falsch, als dass man mir negative Gefühle andichtet, auch wenn ich positiv denke. Und bisweilen wird mir auch Gefühlsarmut angedichtet, weil ich die Gefühle nicht so nach außen zeige.
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@WPOAS

Danke dir für die Rückmeldung. Mir geht es da ähnlich wie dir. Ich kann meine Gefühlswelt nicht nach außen tragen, da sie so intensiv ist, und ich mich über die Ungehobeltheit meiner Mitmenschen ärgere. Ich werde somit auch eher als unnahbar und distanziert wahrgenommen, obwohl ich dies eigentlich nicht bin, nur eben im Kontakt mit den meisten, aus meiner Sicht unreflektierten und gefühlsarmen Mitmenschen, die aus MEINER Sicht keine ausreichende Empathiefähigkeit und ein Gespür für Anstandsregeln (die meiner Meinung nach logisch aufgebaut sind) haben. Das, was häufig mit dem Zeigen von Gefühlen zu tun hat (z.B. Lächeln), ist meiner Meinung nach falscher Anstand und verrät nichts über die wahren Emotionen eines Menschen und der Einstellung dem anderen Menschen gegenüber (es handelt sich also oftmals um eine Lüge). Ob ein Mensch wirklich aus dem Herzen lächelt (also liebend), lässt sich dann aber tatsächlich an den Augen ablesen, wenn man von ihnen eine hohe Auflösung hat, sprich die visuelle Wahrnehmung gut ausgeprägt ist.

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Sie leben in ihrer eigenen welt.
Ihre sicherheit gestalten sie in dem sie ganz strickte und sture musster haben. In ihrer welt gibt es keinen platz diese muster zu ändern oder anzupassen.
Mit menschen sind in diesem falle eine 'gefahr' denn wir könnten ihre muster einfach kaputt machen.
Autisten sind auch nicht fähig (oder nur ganz bedingt) sich in andere menschen einzufühlen. Darum können sie oftmals unsere handlungen nicht verstehen, was uns nicht-autisten zu unberechenbar macht.

Ich würde sagen Nicht-Autisten SIND für Autisten oder auch Menschen mit autistischen Zügen unberechenbar, unabhängig davon, ob man sich einfühlen kann oder nicht. Denn Menschen handeln völlig irrational, selbstsüchtig etc. sodass selbst Einfühlungsvermögen oftmals nichts bringt...

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ich weiß nicht ob das was mit deinem problem zu tun hat aber die möglichkeit besteht, daher sage ich es dir einfach mal: wir autisten haben schwierigkeiten mit mimik gestik und tonlage. und wenn man (wie einige von uns) z. b. keine eifersucht kennt, ist es schwer, sie bei anderen zu erkennen. selbst wenn die personen es "ganz klar sagen". manchmal hilft nur wörtliche rede. hoffe, ich konnte dir helfen

Danke dir Erheberin. Bzgl. Tonlage: meinst du die verschiedenen Tonhöhen, dass man sie differenzierter wahrnimmt? Also, dass wenn man auf die Stimme eines Menschen hört man sehr leicht heraushört, wenn es z.B. einen aggressiven Unterton gibt, den andere gar nicht wahrnehmen?

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@Regulus123

nee, genau das ist eher schwerer, so kleine veränderungen in stimme usw. zu bemerken

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Ja. Bei mir das jedenfalls so. Bin erwachsene Autistin.

Tendenziell ja.

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