Habe ich die Relativitätstheorie von Albert Einstein für jedermann nachvollziehbar schlüssig widerlegt?

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Lieber Sebastian Neuss,

mir scheint, zumindest am Anfang, Du widersprichst weniger Einsteins Theorie selbst als vielmehr gängigen Vereinfachungen und Modellen, die es dazu gibt. Das beginnt schon ziemlich am Anfang: 

Große Massen krümmen mit ihrer Gravitationskraft den Raum. Sie kennen das Beispiel mit dem Trampolin und der Bowlingkugel als zweidimensionale Darstellung. Dort wo diese liegt, entsteht eine Beule, eine Vertiefung. Dieses Modell führt gedanklich in die Irre, vergessen Sie es am besten.

Völlig richtig: Dieses Modell »erklärt« im Grunde Gravitation mit Gravitation. Eine Murmel rollt ja nicht deshalb in den Trichter oder umrundet eine Bowlingkugel, weil das Trampolin darum herum gekrümmt ist, sondern weil es im Schwerefeld der Erde nach unten rollt. Würde man die das Trampolin nach oben ausbeulen, würde die Murmel davon wegrollen. Es ist also in der Tat ein schlechtes Modell für Gravitation als Raumkrümmung.

Auf den dreidimensionalen Raum bezogen ist verständlicher, dass der Raum um die Gravitationsquelle komprimiert wird.

So kann man das in der Tat beschreiben. Immerhin ist der radiale Abstand zwischen zwei Punkten im Gravitationsfeld - »raumimmannent« gemessen - größer als die Differenz in der r-Koordinate, die eigentlich eine »Umkugel« einer Fläche 4πr² um den Mittelpunkt beschreibt. Allerdings ist nicht nur der 3D-Raum, sondern insbesondere die (1+3)D-Raumzeit verzerrt. Dass der 3D-Raum es auch ist, macht sich erst bei ziemlich extremen Gravitationsfeldern bemerkbar.

Aus dem gleichen Grund ist der Luftdruck auf Meereshöhe größer als auf dem Mount Everest.

Das freilich nicht. Das ist eine Folge der Gravitation.

Nicht die Zeit an sich hat sich verlangsamt, sondern das Messinstrument, die Uhr, welche sich immer nur selber misst und nicht die absolute Zeit!

Eine absolute Zeit mag es geben, ist aber einem Physiker, der ja nur verschiedene Uhren untereinander vergleichen kann und nicht die Uhren mit dem Gang der besagten Zeit, prinzipiell nicht zugänglich.

Entscheidend dafür, dass wir sagen »die Zeit selbst läuft auf niedrigerem Gravitationspotential langsamer«, ist, dass jede Uhr langsamer läuft, und zwar um denselben Faktor. Nur deshalb kann ein Physiker in einem abgeschlossenen Labor nicht etwa mit rein physikalischen Methoden das Gravitationspotential und übrigens auch nicht den Bewegungszustand feststellen, auf bzw. in dem sich sein Labor befindet. Er kann allenfalls bestimmen, ob es eine Beschleunigung erfährt.

Dass er das nicht kann, ist eine Erkenntnis, die bereits auf Galilei zurückgeht und mit der er erklären konnte, wieso wir immer den Eindruck haben, auf festem, unbewegten Grund zu stehen (außer bei Erdbeben natürlich) und dass sich der Himmel um uns drehe, obwohl es eigentlich die Erde ist.

Dieses Relativitätsprinzip, angewandt auf die Elektrodynamik und damit auch auf den Betrag c der Vakuumlichtgeschwindigkeit, führt denkerisch (nicht notwendigerweise auch historisch) schnurstracks zur Speziellen Relativitätstheorie. Weitere Voraussetzungen hat Letztere nicht.

Die einzig vernünftige Alternative, die es damals gab und die noch am Konzept des Äther festhielt, war die Lorentz'sche Äthertheorie. Sie unterschied noch zwischen der echten Zeit und der sogenannten »Ortszeit«, unterscheidet sich aber mathematisch eigentlich nicht von der Speziellen Relativitätstheorie und macht dieselben Voraussagen für den Ausgang von Experimenten und Messungen. Entscheidend ist:

Wir merken unsere Bewegung nicht, obwohl sie seit 100 Jahren »um das Zwölffache größer geworden ist« - ist sie natürlich nicht, aber damals hielt man im Allgemeinen die Bewegung der Erde um die Sonne mit ihren 30km/s schon für »die« Bewegung und kannte noch nicht den kosmischen Hintergrund, der eine kleine bipolare Asymmetrie aufweist, die auf knapp 370km/s hindeutet - relativ zu einem Koordinatensystem ohne diese Asymmetrie. Das kann durchaus der Äther sein, aber wir bemerken unsere Bewegung nicht.

Deshalb müssen wir von der Gültigkeit des Relativitätsprinzips ausgehen und darauf beruht die Spezielle Relativitätstheorie.

Übrigens ist die Speziell-Relativistische Zeit»dilatation« eigentlich keine Dilatation, sondern eine Projektion.

Stell Dir vor, Du und ein Kumpel fahrt mit Autos nebeneinander her. Kein Rennen, es geht nicht darum, schneller, sondern gleich schnell zu sein. Ihr fahrt auf einer Piste, auf der es keine eindeutige Fahrbahnrichtung gibt.

Nun fahrt ihr in einem kleinen Winkel φ auseinander. Jeder von euch hat nun in Richtung der Vorwärtsrichtung nur noch das cos(φ)-fache der Gesamtschnelligkeit und fällt gegenüber dem anderen bezüglich seiner Vorwärtsrichtung zurück, hinter die »gleiche Höhe«- Linie des Anderen, die auch für jeden von Euch beiden unterschiedlich liegt. Wenn nun einer von Euch auf den anderen zusteuert und auf dessen Kurs einschwenkt, wird er derjenige sein, der wirklich zurückliegt.

Die Vorwärtsrichtung steht in diesem Bild natürlich für die Zeit, das jeweilige rein zeitliche Vorwärts, und die »gleiche Höhe«-Linie für den sog. gleichzeigen Raum eines Beobachters unter der Voraussetzung, dass er sich als ruhend betrachtet. Die geometrischen Verhältnisse in der Raumzeit sind andere als im Raum, die Zeit spielt schon eine Sonderrolle, aber sie ist eben nicht vom Raum unabhängig.

Übrigens sehen bewegte Objekte nur wegen der Relativitätstheorie halbwegs normal aus. Gälte sie nicht, müsste uns beispielsweise ein auf uns zu bewegter Körper, noch stärker als er es ohnehin tun wird, langgestreckt und wie im Zeitraffer wirken.

O. k. sehr spannend danke.  Ich glaube alles verstanden zu haben. Wo jedoch sind jetzt hier relative Zeit Effekte zu beobachten?  Nach meiner Theorie ist die Zeit im gesamten Universum eine Konstante. Ich beziehe mich aber nicht auf die Zeit welche man auf einer Uhr ablesen kann,  denn diese misst sich immer nur selbst und nicht die absolute Zeit. Ich meine die Raumzeit an sich. 

Darüber hinaus sind nach meiner Theorie alle bewegten Objekte ohne eigene Lichtquelle  vollkommen irrelevant für die Erklärung von Zeitphänomenen,  da diese immer nur die Reflektionen von Licht darstellen. 

Ich bin hoch gespannt auf Ihre Antwort, vielen Dank. 

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Wo jedoch sind jetzt hier relative Zeit Effekte zu beobachten?

Es gibt doch das Myonenbeispiel. Myonen sind so was wie der fette Vetter des Elektrons (darüber hinaus gibt es noch das Tauon). Es entsteht in großer Höhe aus Elektronen durch Kollision mit kosmischer Strahlung und hat Dank seiner hohen Energie eine hohe Neigung, sich unter Emission von Teilchen - Antiteilchen - Paaren wieder zurückzuverwandeln, was sich in einer kurzen Halbwertszeit äußert. Man kann sich anhand ihrer Geschwindigkeit und der daraus folgenden Zeit, die sie bis zur Erdoberfläche brauchen, denn Anteil ausrechnen, den man noch messen dürfte, und der wird um ein Vielfaches übertroffen. Irgendetwas verzögert also offenbar den Zerfall, was Newton'sch ein Mysterium ist, Einstein'sch jedoch wunderbar auf die Geschwindigkeit passt, mit der sie Richtung Erdoberfläche gestoßen werden.

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Nach meiner Theorie ist die Zeit im gesamten Universum eine Konstante.

Konstante? Du meinst sicherlich etwas anderes, vielleicht Newtons 'absolute, mathematische Zeit'. Konstant ist die natürlich auch nicht, nur, wie der Name schon sagt, absolut. Auch in der Relativitätstheorie gibt es eine absolute Zeit, die man die Eigenzeit nennt,

Δτ = √{(Δt)² – (Δx/c)²},

wobei Δx der räumliche und und Δt der zeitliche Abstand zwischen zwei Ereignissen ist. Sie ist, wie die Physiker sagen, invariant unter der Lorentz-Transformation oder einfach Lorentz-invariant, wie die Länge

L = √{(Δx)² + (Δy)²}

zwischen zwei Punkten in der x-y-Ebene invariant unter räumlicher Drehung des Koordinatensystems ist. Dieses Δτ kann man allerdings auch mit der Uhr messen.

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@SlowPhil

Danke, sehr aufschlussreich. Das von ihnen beschriebene passt auch zu meiner Theorie der unterschiedlichen Raumdichten. Ein Zeitphänomen ist hier aber nicht beweisbar. Erst wenn unstrittig nachgewiesen wird, dass tatsächlich ein Teil weniger gealtert ist als ein zweites Referenzteil und dies nicht nach einer Uhr sondern physikalisch, dann wäre dies ein Beweis. Oder nicht? Danke für ihre Mühe.

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Elementarteilchen (hier: Myonen) altern nicht. Deshalb unterliegen sie ja dem exponentiellen Zerfallsgesetz. Allerdings kann man von einem ganzen 'Schwarm' Myonen sagen, dass er gewissermaßen altert, und zwar durch die Abnahme der Zahl der enthaltenen Myonen. Und dieser Myonenzerfall ist ein physikalischer Vorgang. Übrigens basieren auch Uhren auf physikalischen Vorgängen, wobei einige davon stärker von äußeren Bedingungen abhängig sind als andere.

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@SlowPhil

"Und dieser Myonenzerfall ist ein physikalischer Vorgang"

Ja, alles richtig. Aber wo ist hier eine Verschiebung in der Zeit zueinander abzuleiten?

"Übrigens basieren auch Uhren auf physikalischen Vorgängen,"

Natürlich, keine Frage. Aber wir sind uns doch einig darüber, dass mit einer Uhr nur die Dauer des in ihr stattfindenden Intervalls gemessen werden kann, jedoch nicht die Zeit für sich selber betrachtet. Die Zeit ist für uns immer nur messbar - im Bezug zur Bewegung (Geschwindigkeit). Dies jedoch ist immer ein Vergleich, keine Messung im eigentlichen Wortsinn.

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@SebastianNeuss

Aber wo ist hier eine Verschiebung in der Zeit zueinander abzuleiten?

Nicht Verschiebung, Projektion. Der Vorgang »Zerfall der Myonen um die Hälfte«, projiziert auf die Zeitachse eines erdgebundenen Koordinatensystems, ergibt eine deutlich längere Zeit.

Umgekehrt kann man auch das Ruhesystem eines Myons als Bezugssystem wählen, dann erweist sich der Zerfall als »normalschnell« und dafür die Strecke als verkürzt.

Dies jedoch ist immer ein Vergleich, keine Messung im eigentlichen Wortsinn.

Eine Messung im eigentlichen Wortsinn ist ein Vergleich. 

Aber wir sind uns doch einig darüber, dass mit einer Uhr nur die Dauer des in ihr stattfindenden Intervalls gemessen werden kann, jedoch nicht die Zeit für sich selber betrachtet.

Nicht ganz, Deine Formulierung ist irreführend. Eine Uhr misst nicht ihr eigenes Intervall, sondern die Dauer anderer Vorgänge in Uhr-Intervallen, wie ja auch nicht ein Maßstab seine eigenen Millimeterstriche misst, sondern die Länge anderer Strecken in Millimeterstrichabständen des Maßstabs.

Was Du wahrscheinlich meinst, ist: Eine Uhr kann Vorgänge nur in Intervallen in sich messen, die zum Beispiel als 1s identifiziert wurden, aber man kann nicht sicher sein, dass sie auch "die richtigen" Sekunden angibt und nicht einfach falsch geht - wie man einen Maßstab in die Länge ziehen könnte, wodurch sich auch der Abstand zweier benachbarter Millimeterstriche vergrößern würde.

Wenn dies der Fall ist, aber alle Maßstäbe im selben Maßstab verändert werden, haben wir keine Chance, das herauszufinden.

Wobei bei der Relativitätstheorie der Maßstab (als Sinnbild für die Uhr) eher schräg (relativ zum gemessenen Vorgang) gehalten als wirklich gedehnt wird. 

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@SlowPhil

"Tausend Dank" für ihre Mühe, ich denke wir nähern uns einander an. Bleibt aus meiner Sicht festzuhalten, dass sich eine definitive Beweisführung, dass ein Teil schneller / langsamer (im gleichen Raum) altern kann, als ein gleiches anderes Teil, nicht realisieren lässt. Es handelt sich immer "nur" um mathematische Indizien, jedoch nicht um absolute Beweise.

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Es handelt sich… nicht um absolute Beweise.

So etwas gibt es in den Naturwissenschaften auch nicht. Bewiesen werden kann nur die innere Konsistenz und die Konsistenz mit Prinzipien wie dem Relativitätsprinzip von Galilei oder dem Impulserhaltungssatz. Selbst wenn das gegeben ist, kann ein Experiment noch immer Voraussagen der getesteten Theorie widersprechen und sie dadurch zu falsifizieren. Dieses Falsifizierbarkeitskriterium ist geradezu das Merkmal einer wissenschaftlichen Theorie. Sie bestätigen heißt, sie ohne Erfolg zu falsifizieren zu versuchen. Bislang hat die Relativitätstheorie noch jedem ernst gemeinten Falsifizierungsversuch standgehalten und gilt daher als bestätigt. Das freilich hat sie mir der Lorentz'schen Äthertheorie gemeinsam, denn beide machen dieselben Vorhersagen. Ein Beweis, dass es den Lorentz'schen Äther (der Streckenlängen verkürzt und Uhren langsamer macht, die sich relativ zu ihm bewegen) gibt oder nicht gibt, ist prinzipiell nicht möglich.

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@SlowPhil

Wir sind uns also einig: Auch tausend Indizien sind noch kein Beweis, sondern erhöhen "nur" die Wahrscheinlichkeit. - Richtig?

Ich bin kein Physiker und verstehe folglich komplizierte Formeln in diesem Zusammenhang nur mit sehr viel Mühe oder überhaupt nicht. Aus diesem Grund bin ich sehr froh Sie, als einen Experten, befragen zu dürfen. Was sagen Sie hierzu?:

Einleitung: Mit einem Thermometer misst man ja genau genommen auch nicht die Temperatur, sondern die Auswirkung selbiger auf Materie ("Ausdehnung"). Aus dem Grund muss für eine exakte Temperaturbestimmung als zweite Komponente der Luftdruck berücksichtigt werden.

Frage: Gibt es irgendeine Möglichkeit einer Atomuhr eine weitere "Messkomponente" hinzuzufügen, welche man exakt auf das Gravitationsfeld im Bezug zum Erdmittelpunkt / "Höhe" der Messung synchronisieren kann? Nicht mit einer mathematischen Formel, sondern ganz praktisch.

Was ich mir auch noch vorstellen könnte: Ein Flugzeug fliegt exakt über dem Äquator in Richtung der Erdrotation. Dann wird die Abweichung der an Bord befindlichen Atomuhr mit jener am Boden mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten exakt verglichen. Aber Achtung, ich meine nicht die Geschwindigkeit auf dem Instrument im Cockpit, sondern im Bezug zum Erdmittelpunkt, der Rotationsgeschwindigkeit des Flugzeugs, dann noch das Ganze synchronisieren zur Geschwindigkeit der Erdrotation. So müsste die Messung eigentlich aussagen, ob: die Geschwindigkeit des Flugzeugs oder der Abstand zum Gravitationsmittelpunkt für die Messdifferenz der Uhren "verantwortlich" ist. Gab es ein solches Experiment schon mal? Nicht als Formel, sondern praktisch? - oder liege ich wieder falsch? Wie würden Sie messen?

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@SebastianNeuss

Wir sind uns also einig:

Nicht in allem, aber in folgendem:

Auch tausend Indizien sind noch kein Beweis, sondern erhöhen "nur" die Wahrscheinlichkeit. - Richtig?

Genauer: Es ist kein Beweis für die uneingeschränkte Gültigkeit einer Theorie bzw. dafür, dass sie die Wirklichkeit exakt abbildet. Allerdings kann man die innere Konsistenz einer Theorie und natürlich auch die Vereinbarkeit mit gewissen Prinzipien durchaus beweisen, nämlich anhand der mathematischen Formulierung der Theorie.

Ich bin kein Physiker und verstehe folglich komplizierte Formeln in diesem Zusammenhang nur mit sehr viel Mühe oder überhaupt nicht.

Formeln dienen der Vereinfachung physikalischer Sachverhalte.

Nehmen wir den Satz des Pythagoras:

"Bei einem rechtwinkligen Dreieck ist die Summe der Quadrate unter den Katheten gleich dem Quadrat unter der Hypotenuse".

Als Formel, wenn man die Katheten als a und b bezeichnet und die Hypotenuse als c, heißt das einfach

a² + b² = c²,

viel kürzer. Bei etwas komplexeren Sachverhalten ist das noch extremer.

Mit einem Thermometer misst man ja genau genommen auch nicht die Temperatur, sondern die Auswirkung selbiger auf Materie ("Ausdehnung").

Eine bessere Formulierung ist die, dass die Temperatur nicht direkt gemessen wird, sondern Größen, die mit der Temperatur in Zusammenhang stehen.Thermometer beruhen auf der Ausdehnung von Flüssigkeiten (z.B. Quecksilber) bzw. festen Metallen (etwa beim Bimetallstreifen) oder aber auch auf Strahlung (pyrometrische Temperaturmessung). 

Aus dem Grund muss für eine exakte Temperaturbestimmung als zweite Komponente der Luftdruck berücksichtigt werden.

Meistens nicht. Die Ausdehnung von Flüssigkeiten oder Festkörpern ist vom Außendruck weitgehend unabhängig, solange der nicht zu hoch ist.

Natürlich kann man den Druck theoretisch auch mit Gasen messen, und denn ist der Außendruck eminent wichtig. Den kann man freilich auch vor Ort messen, das Gravitationspotential Φ jedoch nicht.

Gibt es irgendeine Möglichkeit einer Atomuhr eine weitere "Messkomponente" hinzuzufügen, welche man exakt auf das Gravitationsfeld im Bezug zum Erdmittelpunkt / "Höhe" der Messung synchronisieren kann?

In einem Labor ohne Fenster gibt es keine Chance, herauszufinden, auf welchem Gravitationspotential man sich insgesamt befindet, ebenso wenig wie man messen kann, ob man sich relativ zum Kosmischen Hintergrund oder sonst einem System bewegt und wie schnell.

Das ist ja gerade das Relativitätsprinzip, dass die Naturgesetze in allen Bezugssystemen gleich sind.

So müsste die Messung eigentlich aussagen, ob: die Geschwindigkeit des Flugzeugs oder der Abstand zum Gravitationsmittelpunkt für die Messdifferenz der Uhren "verantwortlich" ist.

Wenn sich etwas in einer bestimmten Entfernung von einem Gravitationszentrum bewegt, ist immer beides, die Geschwindigkeit und das Gravitationspotential, für einen veränderten Gang der Uhr verantwortlich.

Trennen könnte man das etwa dadurch, dass man das Flugzeug nach Westen fliegen lässt, und zwar so schnell, wie sich die Erde um die eigene Achse dreht. In einem nicht mitrotierenden System ist das Flugzeug dann nicht in Bewegung, und es ist zu erwarten, dass die Uhr dann nennenswert schneller geht.

Der Unterschied des Ganges zweier Uhren, einer auf der Erde und einer z.B. auf einem geostationären Satelliten, hängt gemäß ART übrigens nicht davon ab, ob beide zusammen sich zusätzlich in einem gemeinsamen tieferen Gravitations-Potential Φ₀ befinden, das z.B. durch die Sonne hervorgerufen wird.

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@SlowPhil

Klasse geschrieben, danke!

Was mich schon immer gewundert hat:

Atom-Uhr A am Boden - B im Flugzeug = Abweichung der Uhren zueinander wird mit der Geschwindigkeit des Flugzeugs erklärt nach der RT von Einstein.

Problem: Eine Exakte absolute Geschwindigkeit lässt sich gar nicht bestimmen, erst Recht nicht im Bezug zu, - was auch immer.

Die Geschwindigkeiten zueinander: Flugzeug, Erdrotation, Windgeschwindigkeit, Flugbahn der Erde, Rotation der Galaxie und der "Weltraum" bewegt sich womöglich auch noch (wird ja gerade dran geforscht).

Frage: Wie haben die überhaupt reproduzierbare Ergebnisse herstellen können? Das scheint mir fast unmöglich! Die reine Geschwindigkeit im Verhältnis von Uhr A zu B ist hier doch zu kurz gedacht!?

Bei reproduzierbaren Abweichungen zu den Uhren kann es sich doch nur um die Gravitation als Ursache handeln und nicht um die Geschwindigkeit des Flugzeugs. Sind die Ergebnisse nicht reproduzierbar, dann ist dies kein Beweis. Die Abweichung kann dann an sonst was liegen. Dafür der ganze Aufwand?

Wäre dem so, dann fühlte ich mich bestätigt.

Können Sie mir das Flugzeugexperiment einmal genau erklären, so dass ich es als "Normalo" verstehen kann? Herzlichen Dank.

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Eine Exakte absolute Geschwindigkeit lässt sich gar nicht bestimmen, erst recht nicht im Bezug zu, - was auch immer.

Gerade eine Geschwindigkeit in Bezug auf etwas lässt sich bestimmen. In Bezug auf die Erde zum Beispiel. Was sich nicht bestimmen lässt (zumindest nicht rein physikalisch), ist eine Geschwindigkeit an sich. Jede Geschwindigkeit ist nur bis auf eine Konstante bestimmt, die frei wählbar ist, auch so, dass die Erde als Ganzes sich momentan in Ruhe befindet, was ihre Rotation um die Sonne betrifft.

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@SlowPhil

Ja o. k., die Geschwindigkeit im Verhältnis zu dem Standort der Atom Uhr A  und jene im Flugzeug kann ja praktisch sehr leicht, zum Beispiel, mit einem Radarstrahl bestimmt werden. Mittlerweile ist mir auch klar, dass die absolute Geschwindigkeit des Flugzeugs keine Rolle spielt  für diese Messung. 

Bleibt für mich die Frage, ist die Geschwindigkeit für die Abweichung der Uhren verantwortlich oder das Gravitationsfeld. Sie sagten ja, es spielen beide Faktoren eine Rolle. 

Wurden bei gleicher Höhe Messungen mit significant unterschiedlicher Geschwindigkeit durchgeführt und gab es hier zu reproduzierbare  Ergebnisse, die im Verhältnis zusammen passten?  

Es spielt ja keine Rolle, ob sich das Flugzeug mit 1000 KMH  vom Bezugspunkt entfernt  oder auf diesen zu fliegt. Richtig? 

Wie ist es wenn: "theoretisch" das Flugzeug in einem engen Kreis   in gleicher Höhe mit der selben Geschwindigkeit direkt über dem Bezugspunkt kreist. Dann ist die Geschwindigkeit zum Bezugspunkt sehr gering, das Flugzeug jedoch sehr schnell.  Hier wäre interessant zu beobachten, wie die Abweichung  der Uhren zu einander ausfällt.  Oder denke ich hier falsch und die  Kreisbahn  ist auch eine Geschwindigkeit zum Bezugspunkt.

Sie haben meinen Horizont maßgeblich erweitert, vielen Dank dafür!  Dennoch ist es für mich schwer vorstellbar, dass die absolute Zeit tatsächlich zwischen Standort A und B eine real  existierende  Differenz  in der Zeit an sich aufweist.

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@SebastianNeuss

PS: mit der Geschwindigkeit welche keine Rolle spielt meine ich natürlich jene, welche auf dem Instrument im Cockpit ablesbar ist. 

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@SebastianNeuss

Bleibt für mich die Frage, ist die Geschwindigkeit für die Abweichung der Uhren verantwortlich oder das Gravitationsfeld. Sie sagten ja, es spielen beide Faktoren eine Rolle.

Richtig, wenn sich zwei Körper relativ zueinander bewegen und zugleich auf verschiedenen Gravitationspotentialen befinden.

Man kann experimentell aber jeden der beiden Faktoren ausschalten:

Wenn man in gleicher Höhe zwei Flugzeuge in unterschiedliche Richtungen fliegen lässt, eines nach Westen (mit der Geschwindigkeit der Erdrotation) und eines nach Osten, schaltet man das unterschiedliche Gravitationspotential aus. Das nach Westen fliegende Flugzeug kann als ruhend angesehen werden, sein Pilot sieht die Sonne immer an derselben Stelle, während sich die Erde unter ihm weiterdreht. Das nach Osten fliegende Flugzeug hat die Geschwindigkeit der Erdrotation plus der Eigengeschwindigkeit über Grund, und seine Uhr sollte beim Zusammentreffen mit dem anderen Flugzeug laut SRT minimal nachgehen.

Lässt man zwei Flugzeuge mit der Geschwindigkeit der Erdrotation auf unterschiedlichen Höhen nach Westen fliegen, bewegen sie sich relativ zueinander nicht und auch nicht relativ zu einem nichtrotierenden Koordinatensystem, was auch eine Rolle spielt. In diesem Fall hat man den Faktor Geschwindigkeit ausgeschaltet.

Oder denke ich hier falsch und die  Kreisbahn  ist auch eine Geschwindigkeit zum Bezugspunkt.

Ja, so ist es. Man könnte natürlich ein mitrotierendes Koordinatensystem betrachten, in dem das Flugzeug relativ zum Bezugspunkt in Ruhe ist, aber dieses Koordinatensystem "sieht" ein Zentrifugalpotential, das wie ein Gravitationspotential wirkt, allerdings nach außen. Der Bezugspunkt befindet sich am höchsten Punkt des Zentrifugalpotentials und das Flugzeug tiefer, deshalb geht seine Uhr laut ART langsamer.

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@SlowPhil

Danke super, ich habe alles verstanden.

Lässt man zwei Flugzeuge mit der Geschwindigkeit der Erdrotation auf unterschiedlichen Höhen nach Westen fliegen,......

Ist ein solches Experiment mal praktisch durchgeführt worden?

Wenn man am Äquator steht, dann "bewegt" man sich ja mit ca. 1.670 km/h. Bei einem Flugzeug muss natürlich die Höhe hinzu addiert werden, so schnell fliegt, nach meinem Wissen, höchstes ein Asteroid. Mit entsprechenden Satelliten könnte ich mir ein Experiment dieser Art vorstellen.

Auf was ich hinaus will: Ich bezweifle nicht, dass nach der RT von Einstein korrekt berechnet wird. Mir geht es um einen praktischen Beweis.

Um es ganz provokant auszudrücken: Auch ich kann eine Formel entwickeln, welche nach dem rechnerischen Ergebnis aussagt, dass aus 2 Gartenzwergen 7 werden, wenn man diese in meinen Vorgarten stellt. Praktisch beweisen könnte ich das jedoch nie. (bitte wegen dieses "Vergleichs" nicht sauer werden, ich meine es nur "anschaulich").

Also: Gibt es irgendeinen praktischen (realen existierenden) Beweis, dass ein "Teil", im Bezug zu einem anderen, im gleichem Raum tatsächlich schneller / langsamer gealtert ist als das andere, real existierende, Differenzen in der Zeit an sich, nicht "nur" auf einer Uhr
ablesbar?

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Wenn man am Äquator steht, dann "bewegt" man sich ja mit 1.670km/h. Bei einem Flugzeug muss natürlich die Höhe addiert werden…

Die Concorde oder einige Kampfjets müssten die 1670km/h locker übertreffen, und zwar um deutlich mehr als die paar ‰, die wegen der Höhe dazukommen. Das Experiment ist also zweifellos praktisch durchführbar.

Natürlich müsste man gleichwohl sehr genau messen, und es sind wieder Uhren im Spiel. Allerdings beruhen die auf atomaren Vorgängen, die eigentlich immer gleich schnell ablaufen bzw. immer dieselben Frequenzen produzieren. Wenn selbst eine atomare Schwingung in einem Flugzeug länger dauert als im anderen, ist das schon ein starkes Indiz und widerlegt schon mal die These, beide Systeme unterlägen derselben "absoluten, mathematischen Zeit".

Ein Teilchenzerfall ist ebenfalls ein "unbestechliches" Zeitmaß, denn die Halbwertszeit T[½] eines bestimmten Teilchens ist praktisch unabhängig von allen möglichen physikalischen Größen wie Temperatur, Druck oder dergleichen (von sehr exotischen Bedingungen mit unvorstellbar hohen Energiedichten wie im Inneren von Supernovaausbrüchen vielleicht abgesehen), nicht aber vom Gravitationspotential. Das gilt auch für Frequenzen von ausgesendeter Strahlung - und dennoch reichte das G-Potential eines Turmes den Physikern Pound und Rebka, um eine Frequenzverschiebung zu messen.

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@SlowPhil

OK, Dankeschön. Ich glaube ihnen als Experte, jetzt will ich Sie aber nicht weiter nerven. Ich wünsche ihnen noch eine schöne Vorweihnachtszeit und sage nochmal TAUSEND DANK!

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Ich habe noch gar nicht das Sternchen gewürdigt. Immerhin habe ich ja Deine Frage, ob Du die Relativitätstheorie widerlegt habest, verneint. Es gehört schon eine gewisse Größe dazu, Widerspruch als hilfreich zu würdigen.

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@SlowPhil

Ich bin ein Skeptiker, kein notorischer Verneiner. Es sollte kein Tag vergehen, ohne selber ein wenig "schlauer" zu werden ;) Danke nochmals!

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Hallo Herr Neuss,

Einsteins Relativitätstheorien (beide, die Spezielle und die Allgemeine) beschreiben viele Effekte, die uns erst einmal überraschen, weil sie in unserer Welt nicht vorkommen. Wir sind zu langsam (Spezielle Relativitätstheorie), bzw. das Schwerefeld der Erde ist nicht stark genug (Allgemeine Relativitätstheorie).

Weil diese Effekte so sehr unserer Erfahrung widersprechen, haben sich in den gut 100 Jahren sehr viele Leute daran versucht, die Relativitätstheorien zu widerlegen.

Ohne Erfolg. Beide Theorien bestehen seit über 100 Jahren auch die schärfsten experimentellen Überprüfungen - und das, obwohl unsere Messgenauigkeit heute um Größenordnungen schärfer ist als zur Zeit ihrer Entstehung.

Physiker haben in dieser Fülle vorliegender Daten - die Sie in Ihrem Artikel nicht einmal im Ansatz bestrachten - also sehr, sehr gute Gründe, warum sie die SRT und die ART für sehr gute Beschreibungen der Natur halten

So viel vorab zu Ihrer Idee, man könne diese bestens bewährten Modelle mit einer einzigen Seite Text widerlegen, in dem auf die Fülle der Daten nirgends eingegangen wird. 

(Gut, ein anderer Grund für die vielen Widerlegungsversuche ist natürlich, dass Einstein jüdischer Abstammung war. Leider gibt es Menschen, deren Ideologie es nicht zulassen kann, dass er der bedeutendste Physiker des 20. Jahrhunderts war. Es ergibt sich von selbst, dass eine derartig ideologisch motivierte Ablehnung Einsteins mit Physik nicht das geringste zu tun hat.)

Betrachten wir aber ergänzend noch Ihren Text selbst, so fallen darin mehrere fachliche Fehler auf. Um nur zwei zu nennen:

- Tatsächlich wirkt die durch die Gravitation bedingte Zeitdilatation der ART der durch die Geschwindigkeit hervorgerufenen Dilatation der SRT entgegen, nicht wie in Ihrem Text in dieselbe Richtung. Die Zeit vergeht im Schwerefeld langsamer als in Schwerelosigkeit. Hätte die Geschwindigkeit keinen Einfluss: gäbe es also die Effekte der SRT nicht, dann würde man feststellen, dass die Uhr im Flugzeug vor geht. Die Gravitation kann also keineswegs die Effekte der SRT erklären, sondern wirkt ihnen entgegen.

- Ihr Ansatz kann Effekte der SRT, die auf ein und derselben Höhe im Schwerefeld auftreten, nicht erklären. Am CERN spielen die Effekte der SRT eine ganz erhebliche Rolle bei den dort stattfindenden Teilchenexperimenten, da die Protonen auf 99,99999% c beschleunigt werden. Auch in diesen Experimenten haben sich die Formeln der SRT bestens bestätigt - während sie verschwinden müssten, wäre Ihr Ansatz korrekt. Ihr Denkansatz wird also durch die Experimente am CERN direkt widerlegt.

Grüße

Zuerst mal honoriere ich die Genialität  von Albert Einstein uneingeschränkt.  Seine jüdische Abstammung ist für mich ohne jede Relevanz.  Der einzige Unterschied zwischen seiner Theorie zu meiner ist: Er war der Meinung, dass Licht, Zeit und Geschwindigkeit miteinander zusammen hängen.  Ich hingegen stelle die These auf:  Dass es sich  bei den dann folgenden Experimenten nur um Differenzen in der Messung der Zeit handelt, welche begründet sind in der unterschiedlichen Dichte des jeweiligen Raumes.  Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass es im gesamten Universum nichts als Materie gibt. Auch Energie ist eine Form von Materie und umgekehrt.  Einstein hingegen glaubte, dass der Weltraum, das Vakuum, ein Nichts darstellt. Wenn der Weltraum aber Materie ist, dann unterliegt dieser auch den  Gravitationskräften,  kann folglich auch komprimiert werden und die Dichte variiert somit.  Astrophysiker sprechen in diesem Zusammenhang von der so genannten dunklen Materie.   Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich der Verständlichkeit wegen absichtlich auf jegliche Formeln verzichtet habe  und nur die Gesetze der Logik anwendete.  Nach meinem Verständnis  folgt alles im Universum der Logik. 

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@SebastianNeuss

Herr Neuss,

Wenn der Weltraum aber Materie ist, dann unterliegt dieser auch den  Gravitationskräften,  kann folglich auch komprimiert werden und die Dichte variiert somit.  Astrophysiker sprechen in diesem Zusammenhang von der so genannten dunklen Materie.

Vorsicht. Sie verwenden hier schon wieder einen Begriff der Physik, von dem Sie ganz offensichtlich nicht wissen, was Messdaten über die Eigenschaften des bezeichneten Objektes ergeben.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich der Verständlichkeit wegen absichtlich auf jegliche Formeln verzichtet habe  und nur die Gesetze der Logik anwendete.  Nach meinem Verständnis  folgt alles im Universum der Logik.

Wie hat Richard Feynman so schön gesagt?

"It does not make any difference how beautiful your guess is. It does
not make any difference how smart you are, who made the guess, or what his name is – if it disagrees with experiment it is wrong. That is all there is to it."


Logik ist etwas Schönes. Als Mathematiker ist man auch nur ihr unterworfen. Als Naturwissenschaftler muss man seine Thesen aber an der Natur testen.

Die Relativitätstheorie besteht diesen Test seit weit über 100 Jahren. Sie hat uns erheblich weiter getragen, als man 1905/1915 absehen konnte.

Daraus ergibt sich zunächst einmal für Ihre These das Problem, dass Sie zunächst einmal nachweisen müssten, dass Ihre These __alle__ Beobachtungsdaten, die die Relativitätstheorie bestätigen, im Rahmen der heutigen Messgenauigkeit (das sind teilweise über 20 Nachkommstellen) genauso gut beschreiben muss.

Oder anders gesagt: Sie müssten vorrechnen, dass Ihre Thesen in allen diesen Situationen dieselben Vorhersagen macht.

Wie ich in meiner Antwort schon bemerkt habe: Das tut sie nicht. Ihre These versagt, wenn relativistische Effekte auftreten, ohne dass ein Höhenunterschied vorliegt. Am CERN finden laufend solche Experimente statt.

Hier ein sehr einfaches Beispiel:

http://www.leifiphysik.de/relativitaetstheorie/spezielle-relativitaetstheorie/versuche/myonen-experiment-cern

Diese Daten widerlegen Ihre These.

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@uteausmuenchen

Sehr spannend was Sie schreiben! Respekt!  Mein Versuch zielt  nicht darauf ab alles zu widerlegen. Um was es mir im Besonderen geht ist: Heute wird gesagt, dass in einem Flugzeug die Zeit anders vergeht als auf dem Boden und dies alleine der Geschwindigkeit wegen.  Halt im Bezug zu. Mit meinen Ausführungen bestreite ich dies  und behaupte, dass es sich um Messfehler wegen der unterschiedlichen Raumdichte handelt. 

Meine Frage an Sie lautet demnach und ich bin sehr gespannt auf Ihre Antwort!:  Gibt es irgend ein Experiment welches tatsächlich nachweist, dass die Geschwindigkeit und die Zeit miteinander zusammen hängen.  Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass jede Uhr immer nur sich selber messen kann und niemals die Zeit an sich.

Heute gilt: Die Füße altern langsamer als der Kopf wenn wir senkrecht auf der Erde stehen,  wegen der Rotationsgeschwindigkeit der Erde.  Die Raumzeit ist also auf dem Boden eine andere als auf dem Berg.  Welches Experiment weißt dieses Phänomen eindeutig nach?  Wie gesagt, eine Uhr  misst  sich immer nur selber und nicht die Zeit ansich.

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@SebastianNeuss

Hallo Herr Neuss,

Mein Versuch zielt  nicht darauf ab alles zu widerlegen. (...) Mit meinen Ausführungen bestreite ich dies  ...

;-)

Doch. Sie wollen widerlegen, bzw. gehen davon aus, widerlegt zu haben. Steht ja auch so in Ihrer Frage und im Text auf der von Ihnen verlinkten Seite.

Die Füße altern langsamer als der Kopf wenn wir senkrecht auf der Erde stehen,  wegen der Rotationsgeschwindigkeit der Erde.

Falsch. Bitte verzeihen Sie, aber hier scheint mir ein ganz grundsätzliches Verständnisproblem vorzuliegen.

Richtig ist, dass die Füße minimalst(!) langsamer altern als der Kopf. Dies aber keineswegs wegen der Rotationsgeschwindigkeit der Erde.

Bedenken Sie: Der Kopf ist weiter vom Erdmittelpunkt weg und hat deshalb den weiteren Weg zurückzulegen. Er hat deshalb eine höhere(!) Winkelgeschwindigkeit als die Füße. Die SRT kann also gar nicht der Grund dafür sein, dass die Füße langsamer altern als der Kopf.

Dies ergibt sich vielmehr erst aus der ART, der Allgemeinen Relativitätstheorie, die ja gerade die Effekte von Schwerefeldern berücksichtigt. Die Füße altern langsamer, weil sie tiefer im Schwerefeld der Erde sind.

Der Effekt des Schwerefeldes ist hier also dem der SRT entgegengesetzt - und nicht wie in Ihrer These gleichgerichtet.

Gibt es irgend ein Experiment welches tatsächlich nachweist, dass die Geschwindigkeit und die Zeit miteinander zusammen hängen

Ich habe Ihnen ein einfaches solches Experiment verlinkt - die Lebensdauer der Myonen in Teilchenbeschleunigern wie dem CERN zeigt eindeutig Dilatationseffekte. Die Antwort ist also eindeutig: Ja, etliche.

Man sollte hier auch beachten, dass Einsteins SRT keineswegs die Zeitdilatation zum Thema hat. In Einsteins Arbeit geht es um elektrodynamische Aspekte von bewegten Ladungen. Einstein baut darin ganz wesentlich auf die ein halbes Jahrhundert älteren Maxwell-Gleichungen auf, die die Ausbreitung elektromagnetischer Felder beschreiben. Die Dilatationseffekte ergeben sich __als eine Folge__ aus bestimmten Eigenschaften (Lorentzinvarianz) der Maxwell-Gleichungen. Sie sind nicht der Ausgangspunkt der Überlegungen.

Es ist etwas grundlegend anderes, ob man vorliegende Messergebnisse im Nachhinein zu erklären sucht - dann nämlich könnte man seine Erklärung quantitativ entsprechend der Daten parametrisieren - oder ob man Vorhersagen für zukünftige Messungen im Voraus berechnet.

Es ist ja nicht so, dass Uhren im Flugzeug "irgendwie" langsamer gehen. Sie gehen genau(!) so viel langsamer, wie in den überlagerten Effekten von SRT und ART vorausberechnet.

Wir haben es hier nicht mit einem qualitativen Test zu tun, sondern mit einem quantitativen - exakten Nachmessen der Effekte. Oder anders ausgedrückt: Falls die Relativitätstheorien die Natur so komplett falsch verstanden haben: Welche Erklärung haben Sie dann dafür, dass die Vorhersagen dann so wunderbar exakt zu den Messergebnissen passen?

Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt naturwissenschaftlichen Arbeitens, den Sie in Ihrem Text komplett ausblenden: Wie schafft es ein Ihrer Ansicht nach vollkommen falsches Erklärungsmodell, sich seit 100 Jahren in mehreren Generationen schärfer werdender Überprüfungen in verschiedensten Experimenten bis heute auf zig Nachkommastellen genau(!) bestens zu bewähren?

Eine bestens bewährte naturwissenschaftliche Theorie ist eben keine bloße Vermutung, keine ungetestete Idee oder eine Behauptung - es ist ein Erklärungsmodell, das zig Überprüfungen (und zwar quantitativen - also mathematisch exakten Überprüfungen) stand gehalten hat. Zuletzt beim Nachweis der Gravitationswellen durch LIGO.

Grüße

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@uteausmuenchen

Nicht dass wir uns missverstehen. ZB. Bei meiner Ausführung: "Die Füße altern weniger schnell als der Kopf"  meinten wir das selbe mit anderen Worten. 

Sie sagten: "Ich habe Ihnen ein einfaches solches Experiment verlinkt - die Lebensdauer der Myonen in Teilchenbeschleunigern wie dem CERN zeigt eindeutig Dilatationseffekte. Die Antwort ist also eindeutig: Ja, etliche."

Frage: Ist tatsächlich ein solches Teilchen in diesem Beschleuniger Nachweislich in die Vergangenheit gereist? 

Das müsste es ja, wenn es derart schnell beschleunigt wird. 

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@SebastianNeuss
Bei meiner Ausführung: "Die Füße altern weniger schnell als der Kopf"  meinten wir das selbe mit anderen Worten.

Nein, ganz und gar nicht, denn Ihr Satz ging weiter "wegen der Rotationsgeschwindigkeit der Erde". Ich habe versucht, Ihnen zu erklären, dass die Geschwindigkeitseffekte hier in die umgekehrte Richtung gingen. Der Effekt, um den es dagegen geht, ist von der Rotation der Erde komplett unabhängig.

Frage: Ist tatsächlich ein solches Teilchen in diesem Beschleuniger Nachweislich in die Vergangenheit gereist?

Auch bei der Zeitdilatation bewegen sich beide Beobachter vorwärts durch die Zeit.

Das Experiment ist in meinem Link beschrieben. Ich würde Sie doch bitten, dem Link zu folgen und sich dort einzulesen.

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@uteausmuenchen

Habe ich. Nach meinem Verständnis sind die "Teilchen""nur" zu einem anderen Zeitpunkt "verschwunden" als die Berechnung es vorausgesagt hat, bzw. nach der ART wurde "korrekt""vorausgesagt". Auf jeden Fall ist ein verschwinden von Teilchen in einem Beschleuniger, egal wann dies geschieht, kein Beweis für Zeitphänomene. Abweichungen können auch in der Konstruktion des Beschleunigers begründet sein, Magnetfeld, verwendete Raumdichte / Medium etc. Nur wenn tatsächlich nachgewiesen wird, dass ein Teil weniger gealtert ist, als ein zweites Referenzteil wäre dies ein Beweis! Gibt es hierfür eine definitive Bestätigung?

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@SebastianNeuss
Habe ich. Nach meinem Verständnis sind die "Teilchen""nur" zu einem anderen Zeitpunkt "verschwunden" als die Berechnung es vorausgesagt hat, bzw. nach der ART wurde "korrekt" "vorausgesagt".

Falsch. Mit der ART hat das wieder wenig zu tun. Hier sind wir im Bereich der SRT. Die SRT liefert die quantitativ(!) korrekte Vorhersage für die Verlängerung der Halbwertszeit (die Myonen zerfallen, sie "verschwinden" nicht) aus Sicht des ruhenden Beobachters. Die Verlängerung der Halbwertszeit ergibt sich aus der Geschwindigkeit der Myonen exakt nach den Formeln der SRT.

Und die Frage, die Sie sich nun stellen sollten, ist: Wie kann die SRT die Natur so exakt beschreiben, wenn Sie Ihrer Meinung nach die Natur so vollkommen falsch beschreibt?

Zweitens sollten Sie sich klar machen, dass Ihre "These" (Sie haben keine "Theorie" formuliert) dieses Beispiel FALSCH vorhersagt, denn die Myonen bewegen sich stets auf derselben Höhe. Damit ist Ihre These widerlegt.

Abweichungen können auch in der Konstruktion des Beschleunigers begründet sein, Magnetfeld, verwendete Raumdichte / Medium etc.

Mooooment... nicht einfach andere Begriffe in den Raum werfen, wenn man argumentativ in die Enge getrieben wird. Ihr Modell im Link spricht sehr eindeutig von der Schwerkraft: "Große Massen krümmen mit ihrer Gravitationskraft den Raum." In Ihrem Modell ist die Ursache der Zeitdilatation die Schwerkraft und eben gerade nicht die Bewegung. Auf einer Höhe fliegende Myonen dürften dann keine(!) Zeitdilatation zeigen. Tun sie aber.

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@uteausmuenchen

Bitte verzeihen Sie mir meine unpräzise Formulierung: Mit verschwinden meine ich zerfallen.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich Sie missverstanden habe, erlauben Sie mir bitte die Frage? Die Myonen sind in dem Beschleuniger zerfallen? Und die "Lebensdauer" selbiger war auf unterschiedlichen Höhen jeweils anders bei gleicher Geschwindigkeit?- richtig? - Wie wurde der Beschleuniger auf unterschiedliche Höhen gebracht? Wurde der Zerfall der Myonen auch bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und gleicher Höhe beobachtet? Waren die Werte synchron zueinander? Sie merken schon, ich bin kein Physiker, möchte Sie aber doch gerne exakt verstehen.

Einleitung: Mit einem Thermometer misst man ja genau genommen auch nicht die Temperatur, sondern die Auswirkung selbiger auf Materie ("Ausdehnung"). Aus dem Grund muss für eine exakte Temperaturbestimmung als zweite Komponente der Luftdruck berücksichtigt werden.

Frage: Gibt es irgendeine Möglichkeit einer Atomuhr eine weitere "Messkomponente" hinzuzufügen, welche man exakt auf das Gravitationsfeld im Bezug zum Erdmittelpunkt / "Höhe" der Messung synchronisieren kann? Nicht mit einer mathematischen Formel, sondern ganz praktisch.

Was ich mir auch noch vorstellen könnte: Ein Flugzeug fliegt exakt über dem Äquator in Richtung der Erdrotation. Dann wird die Abweichung der an Bord befindlichen Atomuhr mit jener am Boden mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten exakt verglichen. Aber Achtung: ich meine nicht die Geschwindigkeit auf dem Instrument im Cockpit, sondern im Bezug zum Erdmittelpunkt, der Rotationsgeschwindigkeit, dann noch das Ganze synchronisieren zur Geschwindigkeit der Erdrotation. So müsste die Messung eigentlich aussagen, ob: die Geschwindigkeit des Flugzeugs oder der Abstand zum Gravitationsmittelpunkt für die Messdifferenz der Uhren "verantwortlich" ist. Gab es ein solches Experiment schon mal? Nicht als Formel, sondern praktisch? - oder liege ich wieder falsch? Wie würden Sie messen?

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Um eine gut bestätigte Theorie wie die SRT oder ART abzulösen, braucht es vor allem Eines: Experimente, die der Theorie widersprechen.

Haben Sie ein Experiment zur Hand, das sich nicht durch die Relativitätstheorie erklären lässt? 

Nein? Dann lohnt ja nicht die Einarbeitung in den Text. 

Noch nicht einmal als Denksport würde das Spaß bringen, da Sie das in keiner Weise mathematisch/logisch sauber aufgestellt haben.

"Noch nicht einmal als Denksport würde das Spaß bringen, da Sie das in keiner Weise mathematisch/logisch sauber aufgestellt haben."

Prima, ein Logiker. Bitte zeigen Sie mir den logischen Fehler in meiner Theorie auf. Was genau passt in meiner Beschreibung nicht logisch zusammen? Darum geht es mir sogar im Kern. Vielen Dank.

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@SebastianNeuss

Um logische Fehler zu zeigen, muss erst einmal eine logisch formulierte Herleitung vorliegen. Das ist hier nicht der Fall. Gibt es Axiome? Welche? Welches Kalkül wird angewendet?

Der Text ist eine Ansamlung von ungenauen Behauptungen, nicht sauber hergeleiteten Schlüssen, falschen Annahmen. Und all das erklärt nicht die Messwerte.

Um überhaupt intellektuell satisfaktionsfähig zu sein, stellen Sie bitte eine saubere Theorie mit Formeln auf oder zumindest eine stringente Herleitung. Beides ist hier nicht gegeben. Das ist so langweilig wie mit einem Homöopathen über Evidenzbasierung zu diskutieren.

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@segler1968

Danke, ich nehme mir ihre Kritik zu Herzen. Leider bin ich kein Physiker und kann demzufolge ihrem Anspruch nicht genügen. Ich habe aber bereits das Glück mit anderen Experten in den Dialog treten zu dürfen, welche Verständnis für dieses Defizit aufbringen. Sie müssen sich also nicht weiter bemühen. Dennoch danke für ihren Beitrag.

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Nachtrag: Ich weiß sehr wohl, dass die Relativitätstheorie von Albert Einstein einen "Heiligen Gral" der Naturwissenschaften darstellt. Genau aus diesem Grund macht eine "Auseinandersetzung" mit dieser Thematik außerordentlich viel "Spaß.". Mir geht es im Kern darum: Kann definitiv bewiesen werden, dass in unserem Universum ein Teil (im selben Raum) schneller / langsamer "altern" kann als ein anderes gleiches Teil.

Zum Verständnis: Einstein und ich, wir gehen von unterschiedlichen Ausgangsparametern aus. Wenn, man ein Hemd falsch knöpft und dann eine Formel entwickelt welche aussagt, das Hemd sei "rechnerisch" korrekt geknüpft, dann kann man diese Darstellung nicht mit einer "Gegenformel" widerlegen, man muss das Hemd an sich betrachten. Oder anders ausgedrückt: Wo ist in meiner dargestellten Theorie der logische Fehler, was passt hier nicht zusammen - nicht im Vergleich zur RT von Einstein, sondern meine Theorie - für sich selber betrachtet.

Nein, absolut nicht. Sie werfen einfach viele Dinge durcheinander, stellen unbewiesene Behauptungen auf und versuchen die Relativitätstheorie durch sich selber zu widerlegen.

Bitte antworten Sie mit Argumenten und nicht mit Polemik!

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@PatrickLassan

Wenden Sie einfach konsequent die Gesetze der Logik an und Argumentieren Sie entsprechend.

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