Habe ich als Patient da Recht über meinen Körper selbst zu bestimmen?

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10 Antworten

In diesen Fällen treffen zwei grundsätzliche Rechte aufeinander. Während du als Patient, insbesondere als kompetenter Patient das Recht hast, über deine Behandlung aufgeklärt zu werden und Einfluss auf die Behandlung zu nehmen, kannst du auch keinen Arzt zwingen, etwas zu tun, was nach dessen Meinung falsch ist.

Gerade der Zeitdruck im Gesundheitswesen führt oftmals dazu, dass Ärzte sich nicht die Zeit nehmen, die von ihnen beabsichtigten Maßnahmen zu begründen und daher oftmals arrogant wirken. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass die Bedienung von Geräten aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht abgegeben werden kann. So verliert die Klinik eventuell die Hrstellergarantie oder den Bersicherungsschutz vor Falschbehandlungen, wenn nicht zertifizierte Nutzer die Geräte bedienen, selbst wenn sie die eigentlich richtige Einstellung kennen.

Es wird dir wahrscheinlich nichts anderes übrigbleiben, als dem behandelnden Arzt deine Wünsche und dein Informationsbedürfnis mitzuteilen und mit ihm eine Vereinbarung über die Form der abstehenden weiteren Behandlung zu treffen. Wenn du mit einer Behandlung nicht einverstanden bist, widersprich ihr, möglichst auch schriftlich und fordere eine Erklärung. Du wirst damit die Ärzte zwar nerven - und das siehst du dann auch in deren Verhalten - aber die dürfen gegen deinen Willen nichts machen. 

Zwischen dir und deinem Arzt besteht ein Behandlungsvertrag und dessen Rechte und Pflichten sind grundsätzlich verhandelbar, da du aber auch einen Vertrag mit der Krankenkasse hast, könnte diese ebenfalls einen Einfluss auf die Ausgestaltung haben, ggf. wäre diese in die Vertragsverhandlung einzubeziehen.

Welche Änderungen vorgenommen werden, sollten die Ärzte Dir sagen und auch erklären, warum diese Änderungen vorgenommen werden. Z.B. Eisen: Ich bekam anfangs jede Woche Eisen, dann nur noch alle 14 Tage und im Moment ist das Eisen pausiert, weil die Speicher im Körper voll sind, das ist völlig ok.

Manchmal hilft es, einfach das Dialysezentrum zu wechseln, viel hängt von der Qualität der Ärzte ab. In meiner Heimatdialyse wird z.B. jeden Montag das Kalium bestimmt, schließlich hängt ja unser Leben davon ab. In der Urlaubsdialyse wird das Kalium nur mit dem Labor bestimmt. Ich bekam mit, wie bei einem Patienten die Werte besprochen wurden, Kalium war 8,1(!), Reaktion des Arztes: "Ist etwas hoch, aber wir warten mal den nächsten Wert ab." Dazu fällt mir echt nichts mehr ein.....

onidagori 10.07.2017, 11:38

8,1? Und nicht weiter darauf reagieren? Kann ja nicht sein. Da wäre ich kurz vor dem Tod, wenn nicht schon. Bei 7,1 war ich kaum noch in der Lage zu laufen. Herz machte schlapp.

Bei uns wird normal aller 2 Wochen gemessen, wenn nötig aber auch jede Dialyse. Kalium wird wichtig genommen. 

Habe inzwischen mit meinem zuständigen Arzt geredet. Bei meinen Problemen kam nur ansatzweise etwas raus. Jedoch erzählte er mir von den finanziellen Problemen. Es ist schockierend, wie wenig für eine Dialyse von den Kassen bezahlt wird. Es ist nicht kostendeckend. Frage mich, wie die Dialysepraxen sich überhaupt finanzieren. Als ich es im Internet recherchierte, kam es noch schlimmer raus, als er es mir sagte.

Unser Zentrum wollte nie, daß Patienten drunter leiden müssen. Aber leider bleibt das nun doch nicht aus. Einiges kann ich jetzt besser verstehen. Jedoch verstehe ich nicht, weshalb man mir immer noch Epo anstatt Eisen gibt. Epo ist um einiges teurer und es wird gesagt, das Epo Krebs fördern kann. Bei mir wirkt Eisen auch viel besser gegen meine extreme Müdigkeit und macht mich fit. Ist allerdings bei jedem Patienten anders. 

Weiß allerdings nicht, ob Epo von den Kassen voll bezahlt wird und Eisen in den Behandlungskosten, die bezahlt werden, inbegriffen ist.

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FelixFoxx 10.07.2017, 11:42
@onidagori

Epo ist wichtig, da es das von den Nieren produzierte natürliche Epoethin ersetzt, wenn die Nieren nicht mehr funktionieren. Als ich 1987 an die Dialyse kam, war Epo gerade in der Erprobungsphase und noch nicht zugelassen. Damals mussten Dialysepatienten regelmäßig Bluttransfusionen bekommen. Eisen alleine reicht also nicht aus, da das Epo dafür sorgt, dass rote Blutplättchen gebildet werden.

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Sie müssen Dir sagen, wenn sie irgendwelche Änderungen vornehmen.

Aber ich weiß doch, wie die Ärzte in Krankenhäusern sind, wird in Dialysezentren auch nicht anders sein; so nach dem Motto: Ich bin der Arzt, ich weiß schon, was ich da tue und der dumme Patient versteht das sowieso nicht.

Mir haben sie nach einer OP mal eine Infusion angehängt, soweit so gut, stand NaCl drauf und dann kam plötzlich ein Arzt und spritzte in die Infusion was rein. Ich: "Was war das denn?" Da bekam ich doch zur Antwort: "Das muss Sie nicht interessieren".

Da wurde ich richtig sauer (ich vertrage z.b. keine Opiate, keine Opiode und bestimmte Schmerzmittel darf ich auch nicht haben), die denken immer noch, sie wären kleine Halbgötter.

Um es kurz zu machen: Es gehört zu ihren Aufgaben, jedwede Änderungen Dir mitzuteilen und Dich aufzuklären, warum das geschieht.

Alles Gute. lg Lilo

Maxxismo 07.07.2017, 17:28

Es ist verboten, etwas ohne Einverständnis des Patienten in den Körper zu bringen.

In dem Fall ist die durch den Arzt begangene Körperverletzung nach § 223 StGB nicht straffrei, denn du hast dich offensichtlich nicht "einverständniszeigend" verhalten, geschweige denn informiert zugestimmt.


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Natürlich, ohne Einwilligung des Patienten machen sich die Ärzte sogar strafbar, nicht der Arzt entscheidet sondern der Patient. Ein Arzt kann zum Beispiel auch keine Operation durchführen und auch keine Nadel legen, diese Maßnahmen erfüllen den Straftatbestand der Körperverletzung, die Strafbarkeit entfällt nur durch die Zustimmung des Patienten in die Maßnahme (Körperverletzung mit Einwilligung). Für ein rechtswirksames Einverständnis ist zunächst eine Aufklärung über die Maßnahme erforderlich, d.h. warum soll diese durchgeführt werden, welche Komplikationen sind möglich, welche alternativen Maßnahmen gibt es. Ausnahmen gibt es, die allerdings in deinem Fall nicht zutreffend sind, bei akuter Lebensgefahr kann zum Beispiel ganz auf die Aufklärung verzichtet werden, aber die Maßnahme muss kurz angekündigt werden, zum Beispiel "ich lege Ihnen eine Nadel", eine Einwillung ist dann ein "Ja" oder wenn du zum Zwecke die Nadel zu legen deinen Arm hinstreckst. Ebenso wenn du bewusstlos bist, kannst du ja der Maßnahme nicht zustimmen, dann darf angenommen werden, das du der Maßnahme zustimmen würdest, wenn du bei Bewusstsein bist (mutmaßliche Einwilligung). 

Das solltest du mit deiner Krankenkasse besprechen, warscheinlich gibt es wieder mal irgendein Bürokratie Stuss. Und ja, du darfst selber bestimmen und um diese Recht würde ich kämpfen. 

LG

onidagori 07.07.2017, 17:27

Durch diesen Kampf darum werde ich langsam depressiv. Immer und immer wieder. Habe an eine Gesellschaft für Dialyse meine Probleme geschrieben. Diese Leute haben einen Brief an die Dialyse, an der ich bin, geschrieben. Daraufhin wurde ich beschimpft. Heute schon wieder. Es nimmt einen die Kraft, die eh schon eingeschränkt ist. 

Danke für Deine Antwort.

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Moewe4 07.07.2017, 17:34
@onidagori

Schon mal daran gedacht damit an die Presse zu gehen? Lokalzeit im WDR, fordert seine Zuschauer immer auf sich mit Problemen an sie zu wenden. Was du da schreibst sollte schon bekannt gemacht werden.

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onidagori 07.07.2017, 17:49
@Moewe4

Heute der Arzt drohte mir, wenn ich so weitermache, fliege ich hier raus. Heißt für mich andere Dialyse suchen oder Tod. Da geht es einem psychisch nur noch miserabel. Habe lange geweint und zwischendurch immer mal wieder.

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Moewe4 07.07.2017, 18:11
@onidagori

Wie grauenhaft, nun bist du warscheinlich so eingeschüchtert das du dich gar nichts mehr traust. Das ist kein Arzt sonder ein Obera....Loch.

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FelixFoxx 10.07.2017, 11:06
@onidagori

Dann such Dir schleunigst ein anderes Dialysezentrum, und wenn Du dafür relativ weit fahren musst.

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Als Patient hast du natürlich alle Rechte über deinen Körper, und es darf nichts gemacht werden, ohne deinem Einverständnis.

onidagori 07.07.2017, 17:18

Danke! Du kennst nicht zufällig das richtige Gesetz dafür?

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TheAllisons 07.07.2017, 17:20
@onidagori

du brauchst nur beim nächsten Arztgespräch das sagen, und kein Arzt wird dir widersprechen.

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Maxxismo 07.07.2017, 17:33
@onidagori

Jeder ärztliche Eingriff ist eine Körperverletzung nach § 223 StGB. Sie wird nur deshalb nicht bestraft, weil du dich damit einverstanden erklärst. Du kannst die Dialyse daher jederzeit verhindern, indem du erklärst, dass du das nicht möchtest.

Du kannst als Patient aber nicht vorschreiben, welche Form der Behandlung durchgeführt werden soll. Dies obliegt dem Arzt.

Daher halte ich es für ungünstig, wenn halbinformiert mit irgendeinem Jurazeug anfängst. Das wird dich nicht zum Ziel bringen und die Fronten unnötig verhärten.

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onidagori 07.07.2017, 17:42
@Maxxismo

Jahrelang fühlte ich mich mit der HDF Post Dilution sehr gut. Ganz plötzlich würde auf prä Dilution umgestellt. Und mir ging es immer schlechter. Seit kurzem habe ich wieder Post, jetzt geht es mir ziemlich schnell immer besser.

Diese Umstellung aber erst nach wochenlangen Kampf.

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Maxxismo 07.07.2017, 17:52
@onidagori

Ich will das auch nicht in Abrede stellen.

Aber meiner Erfahrung nach ist der goldene Weg immer das Gespräch.

Es ist gemein, aber am Ende bist du der einzige, der unter einer schlechten Beziehung zwischen den Ärzten und dir leidet. Die Ärzte sind lediglich genervt, wenn du im Kalender stehst, während du mit den Auswirkungen der Therapie leben musst.

Ich würde versuchen einen netten Arzt zu erwischen und das Ganze in Ruhe zu besprechen. Und mir vor allem erklären zu lassen, warum die umstellen, obwohl du der Meinung bist, dass dies die schlechtere Idee ist. Vielleicht schafft ihr es so auf eine Ebene und du bekommst einen Verbündeten.

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Ja, du hast das uneingeschränkte Recht über deinen Körper selbst zu bestimmen und kein Arzt darf etwas gegen deinen Willen tun.

Allerdings ist auch kein Arzt verpflichtet, dich so zu behandeln wie du es gerne möchtest. Wenn er Gründe hat, eine von dir gewünschte Behandlung abzulehnen, dann darf er das tun. Er kann auch insgesamt deine Behandlung ablehnen, außer in lebensgefährlichen Notfällen.

Klar - jeder Patient hat das Recht über die Selbst-bzw. Mitbestimmung der Behandlung - doch in der Regel haben Ärzte damit ein Problem wenn sich Patienten zu gut auskennen.

Tja, das Recht auf Information wahrscheinlich schon, aber bei der Mitbestimmung sieht es in der Praxis schlecht aus. Das ganze Gesundheitswesen sieht in Praxis schlecht aus... Hab ziemlichen Mist in den letzten Jahren erlebt, glaubt einem kein Mensch.

onidagori 07.07.2017, 17:22

Oh doch! Glaube ich. Hier das ist nur die Spitze vom Eisberg.

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Mirarmor 07.07.2017, 17:23
@onidagori

Man muss froh sein, wenn man überlebt. :(

Man muss ein nerviger Patient sein, sonst geht noch viel mehr schief. Mit nett und lieb kommt man leider nicht weit. Wünsche dir viel Kraft.

Ich empfehle dir noch die Unabhängige Patientenberatung, mit denen kann man kostenfrei telefonieren.

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Dann frag doch, ob Du ein Versuchskaninchen bist. Vor Allem mußt Du gefragt werden, ob Du einverstanden bist.

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