Habe 2 Zusagen - Darf ich alle unterschreiben? (Ausbildung)?

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11 Antworten

Du kannst beide Ausbildungsverträge unterschreiben. Solange im Vertrag nicht steht, dass dieser vor Beginn der Ausbildung nicht gekündigt werden kann, ist das kein Problem.

Bei Ausbildungsverträgen gibt es diese Klausel aber äußerst selten, weil während der vereinbarten Probezeit (1 - 4 Monate) eine Kündigung immer fristlos erfolgt und deshalb nicht viel Sinn machen würde.

Du kannst, solltest Du beide Ausbildungen bekommen, eine deshalb vorher fristlos kündigen. Da solltest Du aber, wenn Du Deine Entscheidung getroffen hast, so schnell wie möglich im Betrieb anrufen, Dich für das Ausbildungsangebot bedanken und sagen dass Du aus persönlichen Gründen die Ausbildung leider nicht antreten kannst und dass die schriftliche Kündigung umgehend folgt.

Davon mal abgesehen bekommt man i.d.R. den Ausbildungsvertrag mit, damit man ihn in Ruhe lesen und unterschreiben kann.

ali46 29.06.2017, 05:30

Mich persönlich hat es auch etwas gewundert wieso ich plötzlich zum Betrieb fahren soll um den Vertrag gleich vor Ort unterschreiben zu können. Ist irgendwie unverschämt finde ich. Ich werde einfach hinfahren und den Vertrag mitnehmen.

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Hexle2 29.06.2017, 05:36
@ali46

Du kannst dort doch sagen, dass Du Dir den Ausbildungsvertrag gerne in Ruhe durchlesen möchtest. Will man Dich zur schnellen Unterschrift "überreden", gäbe mir das schon zu denken.

Wenn man Dir den Vertrag nicht mitgeben will, achte darauf ob die Kündigungsklausel drin steht. Gibt es keine, kannst Du den Vertrag trotzdem unterschreiben und ggf. später kündigen.

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DerCaveman 29.06.2017, 06:19
@Hexle2

Selbst wenn der Vertrag eine Kuendigung vor Ausbildungsbeginn untersagen sollte (was natuerlich ziemlich unsinnig waere), kann er immer noch am 1. Ausbildungstag dort erscheinen, die fristlose Kuendigung abgeben und sofort wieder gehen. Oder er laesst die Kuendigung durch einen Dritten uebergeben und braucht dann selbst gar nicht zu erscheinen. 

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Pauli010 29.06.2017, 06:58
@ali46

Ich lese das mit dem 'sofort unterschreiben' jetzt erst.

Dieses Verhalten ist nicht üblich, nicht fair. In so einem Fall würde ich mich gleichartig verhalten, so wie es @hexle2 schreibt. Jedoch so früh wie möglich annullieren, wenn die bessere Alternative vorliegt.

Du brauchst/sollst dich hier nicht zu outen, um welchen Beruf/welche Firmen es hier geht.

Doch empfehle ich dir dringend bei HWK / IHK (je nach Beruf) Erkundigungen einzuholen.

Falls du einer Gewerkschaft beitreten willst - auch die geben Auskunft.

Wenns ne kleine Firma ist - geh zum Bäcker, Fleischer, zur Apotheke, Tankstelle in der Nähe und frage, wie die Firma ist.

Problem ist, du hast noch keine Erfahrung mit PA, ob telefonisch, schriftlich oder im persönlichen Gespräch - ging mir ebenso.

Nach 20 Jahren weißt du, wie der Hase läuft - doch das nützt dir hier jetzt gar nix.

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ali46 29.06.2017, 06:02

Alles klar. Danke !

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Rein rechtlich kannst du so viele Ausbildungsvertraege unterschreiben, wie du willst. Die, die du dann doch nicht erfuellen willst, kannst du bis zum Ablauf der bei Ausbildungsverhaeltnissen gesetzlich vorgeschriebenen Probezeit wieder fristlos kuendigen.

Das ist zumindest die rechtliche Situation. Moralisch kann es anders aussehen. Aber darueber hast du dir ja auch schon so deine Gedanken gemacht.

Pauli010 29.06.2017, 06:08

Da die AG vernetzt sind, empfehle ich derartiges Verhalten keinesfalls. Die Daten werden derzeit 10 Jahre gespeichert - d.h. es wird darauf zurück gegriffen. 'Vertragsbruch' kann dann zur Ablehnung einer Bewerbung führen - und der AN bekommt die wahren Gründe nicht mit.

Soweit die Praxis. Hat weder was mit Moral, noch mit Recht zu tun.

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DerCaveman 29.06.2017, 07:54
@Pauli010

Gut, dass du das Wort "Vertragsbruch" in Anfuehrungszeichen gesetzt hast. Natuerlich stellt es keinen Vertragsbruch dar, wenn man von seinem gesetzlichen Kuendigungsrecht Gebrauch macht.

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Ich sehe das genauso wie du. Fair und logisch wäre es, ehrlich zu bleiben, also den beiden Betrieben zu sagen, dass du am Freitag noch ein Bewerbungsgespräch hättest. Du kannst auch offen zugeben, dass du inzwischen zwei Zusagen hast. Das werden die verstehen, wenn du ein "Guter" bist.

Dann würde ich beiden sagen, dass du nicht auf Verdacht einen Vertrag unterschreiben möchtest, weil du das für unfair gegenüber der Firma hieltest und deshalb darum bitten möchtest, dir bis nächsten Freitag Bedenkzeit zu geben. Du würdest dann spätestens am nächsten Freitag definitiv anrufen, um deine Entscheidung mitzuteilen. Das wäre ein absolut seriöses Gebaren.

Mit dem Ausbildungsangebot hast du schon die entscheidende Hürde genommen.

2 Arbeitsstellen gleichzeitig kannst du nicht annehmen - soweit die Logik.

Also musst du dich jetzt entscheiden.

Schlechtes Gewissen wegen anderer brauchst du dir nicht zu machen - auf dich nimmt auch keiner Rücksicht.

Aber bedenke etwas anderes, wichtigeres.

Arbeitgeber haben die Möglichkeit, untereinander zu kommunizieren - so wie du hier. Mach keine Spielchen - das kann negativ auf dich zurückfallen, im worst case.

Außerdem gibt es Personalabteilungen, die tun nichts anderes, als zu recherchieren (facebook, hier ...).

Also: Entscheide dich jetzt.

Du kannst darum bitten eine Kopie des Arbeitsvertrag nochmals mit Nachhause zu nehmen um ihn mit "deinen Eltern durch zugehen" je nachdem wie alt du bist ist die Aussage immer eine gute Ausrede.

Ansonsten kannst du ruhig um etwas Bedenkzeit bitten da werden die meisten Unternehmen kulant sein, denn schließlich hat man lieber jemanden der sich etwas Zeit nimmt anstatt das sich paar Wochen heraus stellt das er auch bei jemand anderen auch einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hat. 

Pauli010 29.06.2017, 06:29

Eine Kopie nützt gar nichts.

Ein fairer AG gibt beide Vertragsteile, also Original und Kopie mit - und zwar unterschrieben.

Dann bittet er, das Original unterschrieben innerhalb einer Frist zurückzugeben.

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Also du kannst die Betriebe natürlich darum bitten, dass sie Dir Bedenkzeit geben. Aber auch diese müssen sich irgendwann entscheiden, und wenn du dich nicht meldest werden sie einen anderen Azubi kontaktieren.

Freut mich für dich, dass du wählen kannst, jedoch solltest du nicht darauf bestehen die beste zu wählen, aufgrund ihres Rufes oder wegen der Bezahlung (sprich BMW, Siemens, und und und), sondern auch wo du dich selber wohlfühlst. Hoffe du hast zuvor ein paar Tage Praktikum gemacht.

Für das bevorstehende Gespräch natürlich auch alles Gute, aber lass dir nicht zu lange Zeit. Ich bin selbst Ausbilder und möchte rechtzeitig Bescheid wissen, ob mein Azubi  zuverlässig ist und so weiter und sofort...

Du kannst zwar alle unterschreiben, ist aber nicht rechtens, und zweitens vergibst du anderen die Chance auf den Ausbildungsplatz. Zumindest vorerst bis du dich selbst für eine Firma entschieden hast. Die anderen zwei Stellen werden dann selbstverständlich für andere Bewerber frei und bekommen diese dann auch.

Pauli010 29.06.2017, 06:24

Die Antwort von @KiwiRST ist insoweit ok.

Offenheit ist die beste Methode - Zusage ist rechtlich gesehen ein Angebot, zu dem der AG stehen muss.

Allerdings soll der Azubi auch wissen, was er will.

Sich bei BMW als Mechaniker zu bewerben und bei der Deutschen Bank als Bankkaufmann, so differenziert wirds wohl nicht sein.

Verdienst? Kommt nur dann in Frage, wenn Weg zum Arbeitsplatz, Wohnungskosten, Lebensunterhalt eine Existenzfrage darstellen würden. Qualität der Ausbildung ist wichtiger - und wegen 50 € mehr oder weniger würde ich hier keine Entscheidung treffen. Außerdem kann man evtl. Zuschuss beantragen (BAFöG).

Wie ist der Ruf der Firma?

Da kann man sich bei HWK oder IHK erkundigen.

Das sollte der Azubi raschestens klären.

Wie ich schon geschrieben habe, mehrere Verträge zu unterschreiben (ist eine rechtliche Bindung!) und dann zu ignorieren oder zu kündigen ist eine ganz schlechte Sache; das kann sich später bitter rächen.

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Du solltest ausgiebig recherchieren, welche wirklich das top Unternehmen ist und dich ganz schnell entscheiden. Sonst verärgerst du beide

Du kannst beide Verträge unterschreiben. Habe ich (und sogar meine Schwester) auch gemacht. Es hat sich erst später die bessere Ausbildung ergeben. 

Ich würde auch sofort den ersten Vertrag unterschreiben und ggf. diesen wieder kündigen, wenn ich doch den anderen Ausbildungsvertrag bekomme..

Es ist zwar nicht die feine englische Art, aber wenn du jetzt unterschreibst, dann musst du zwei Verträge rechtzeitig wieder kündigen. Bestenfalls noch ein paar Wochen bevor die Ausbildung anfängt. So hätten die Unternehmen nämlich noch die Gelegenheit jemanden nachrüclen zu lassen. 

dann suche Dir doch den besseren Betrieb aus mit den größeren Chancen auf Übernahme - Fortbildung - Weiterbeschäftigung

Einfach unterschreiben und dann gegebenenfalls wieder kündigen.

Pauli010 29.06.2017, 06:03

Das ist ein ganz schlechter Ratschlag.

Siehe mein Blog

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Pauli010 29.06.2017, 06:40

Hallo @atzef,

du bist punktesammelnder Experte für Politik - prima. Da mag es so ablaufen. Ob deine Antwort dem Frager dienlich ist, bezweifle ich.

Realität ist etwas anders.

Ich hatte bei meiner ersten Bewerbung (10 Firmen) 9 Zusagen, hatte bei 8 dankend abgesagt.

Als ich 20 Jahre später mit der betreffenden (letzten) Firma ein Geschäft abschließen wollte, kam der Bumerang.

Ich wurde gefragt nach Vertragstreue. Und dann kam der Hammer: "Auch wenn das 2 Jahrzehnte zurückliegt, entscheiden wir uns nun für einen anderen, gleichwertigen Lieferanten."

Da ich fest angestellt war, hatte ich keinen finanziellen Nachteil, aber ein ganzer Tag und 2 x 500 km waren für die Katz. Späte Rache eines schweizer Unternehmens.

Man trifft sich immer ein zweites Mal.

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atzef 29.06.2017, 09:13
@Pauli010

Das ist ein ganz normaler und gerade für bessere Ausbildungsplatzbewerber unvermeidbarer Ratschlag, Denn die werden oftmals in die Situation kommen, nacheinander mehrere Zusagen zu erhalten und eben auch Angebote zum Abschluss eines Ausbildungsvertrags. Dann kann es eben auch vorkommen, dass sie schon einen unterschrieben haben und dann stellt sich halt die Frage, ob und wie sie trotzdem das bessere Angebot annehmen können.

Und das können sie vor Ausbildungsbeginn immer!

In Prosa: https://www.igbce.de/zwei-ausbildungsvertraege-unterschrieben/48990

Mein Ratschlag ist also nicht "schlecht", sondern arbeitsrechtlich und eben auch moralisch nicht angreifbar, wenn man den abgeschlossenen vor Ausbildungsbeginn kündigt.

Dem steht auch deine Geschichte nicht entgegen, die lediglich unprofessionelles Verhalten dieser schweizer Firma zeigt, die aus einem ganz normalen Vorfall einen persönlichen Rachefeldzug macht. Solches Schmierlappenverhalten ist aber nicht die Regel, sondern lediglich eine unrühmliche Ausnahme.

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NicoBayer 29.06.2017, 10:55
@Pauli010

Ist aufjedenfall vorbildlich von dir über diese miese Erfahrung zu sprechen.

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