Hab ich die Kleinunternehmerregelung richtig verstanden?

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4 Antworten

Die Zahlen stimmen, die Du da aufgelistet hast. Wenn Du als Kleinunternehmer Rechnungen schreibst, darfst Du sogar keine Mehrwertsteuer ausweisen. Es wird nur der Bruttobetrag genannt.

Wenn Du im Hauptberuf nichtselbstständig bist, brauchst Du keine Extrakrankenversicherung, weil Du ja über dein Beschäftigungsverhältnis voll krankenversichert bist.

Dieses neue Kleingewerbe mußt du beim Gewerbeamt, also dem Rathaus Deiner Heimatgemeinde, anmelden.

Beim Finanzamt mußt Du die neuen Umsätze und auch die absetzbaren Betriebsaufwendungen in einer Einkommenssteuererklärung eintragen, die im Folgejahr des zu versteuernden Geschäftsjahr immer bis Ende Mai abgegeben werden muß. Die Verdienste für Deine nichtselbstständige Beschäftigung mußt Du in der Anlage N beifügen.

Diese Steuererklärungen kann man inzwischen auch bequem online machen. Siehe www.elster-online.de

Viel Glück bei all dem!

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Kommentar von Febsche
16.05.2016, 04:40

Und als Kleinunternehmer muss ich mich au ich nicht ins Handelsregister Eintragen lassen oder?
Also würden auch keine Kosten entstehen wenn mein Jahresumsatz 0€ betragen würde?
Vielen Dank schon mal für die super Antwort

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Du schmeißt hier zwei Dinge durcheinander und zwar

  • die umsatzsteuerrechtliche Einordnung (§ 19 Abs. 1 UStG) und
  • wie die gesetzliche Krankenversicherung damit umgeht (beitragspflichtige Einnahmen versicherungspflichtig Beschäftigter --> § 226 SGB V).

Dies sind zwei unterschiedliche Dinge, die nicht miteinander korrellieren.

Kleinunternehmer nach UStG ist jeder, dessen voraussichtliche umsatzsteuerpflichtigen Umsätze im ersten Jahr 17.500,- € und 50.000,- € im Folgejahr nicht übersteigen und der nicht zur Regelbesteuerung nach Absatz 2 optiert.

In dem Fall wird keine Umsatzsteuer ausgewiesen und Vorsteuer darf nicht abgezogen werden. Weist du dennoch Umsatzsteuer aus, schuldest du sie dem Finanzamt, aber auch dann darfst du keine Vorsteuer abziehen, wäre also ziemlich intelligenzbefreit.

Bei der gesetzlichen Krankenkasse kommt es für die Einstufung (Status) darauf, was den Mittelpunkt deines Erwerbslebens bildet und zwar zeitlich und finanziell.

Hast du eine versicherungspflichtige Anstellung und du verdienst hier mehr, als du deiner Selbständigkeit auf den Monat heruntergerechnet an Gewinn entnimmst und überwiegt deine Arbeitszeit im Hauptjob, besteht über den Status kein Zweifel. Du wärst pflichtversichert und die Selbständigkeit wäre nicht beitragsrelevant.

Einkommensteuererklärung musst du selbstverständlich abgeben. Das wäre der Dritte Punkt, der so ein bisschen untergegangen ist. Dein Bruttoarbeitslohn abzgl. Werbungskosten wird mit dem Gewinn der selbständigen Tätigkeit zur Summe der Einkünfte addiert. Es ist also möglich, dass du Einkommensteuern nachzahlen musst, wenn dein Laden gut läuft.

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Und schon falsch gedacht: wenn ich weniger als 17.500€ im Jahr verdiene

Du musst zwischen Umsatz und Verdienst (Einkommen) unterscheiden.

Verdienst (Einkommen)  ist Umsatz minus Betriebskosen.

Die Reglung nach § 19 UstG bezieht sich auf deinen Bruttojahresumsatz., und der Jahresumsatz darf 17.500€ nicht übersteigen um keine MwSt aus weisen zu müssen.

Ergibt aber nicht sorecht einen Sinn, da du durch diese Reglung  keine MwST für deine Einkäufe beim FA gegenrechnen kannst und evtl. Geschäftskunden die MwST abzugsberechtigt sind dich meiden werden, da du keine MwST ausweisen darfst und diese Gewerbetreibenden somit die MwSt nicht geltend machen können, wodurch deine Leistung für diese um die MwST teuerer wird.

Und weiter falsch gedacht:

Die KV/PV Beiträge errechnen sich aus allen Einkunftsarten die du hast.

Selbst aus Verpachtung und Vermietung, das wird immer wieder vergessen, bzw. übersehen.

Im übrigen bleiben von der § 19 UstG Reglung sämtliche weiteren Steuerarten und Abgaben davon unberührt.

Und weiter falsch Gedacht: bei deiner Einkommenssteuererklärung musst du eine EüR ( Gewinn-Verlustrechnung ) mit der Anlage G einreichen.

Um eine ordnungsgemäße Buchführung kommst du nicht herum.

Und solltest du, wie du schreibst einen Umsatz bzw. Gewinn von +/- 0 machen, so wird dir das FA diese Tätigkeit spätestens nach 2-3 Jahren als Gewerbe aberkennen und dies als teueres Hobby einstufen und du kanst keinerlei Kosten mehr geltend machen.

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Nebengewerbe anmelde

Es gibt kein Nebengewerbe ! Man nur ein Gewerbe anmelden (§ 14 GewO). Dabei wird aus rein statistischen Gründen danach gefragt, ob es zum Zeitpunkt der Gewerbeanzeige zum Haupt- oder Nebenerwerb dienen soll. Es ist keine Art von Gewerbe, muss auch nicht umgemeldet werden, wenn sich daran etwas ändert.

unter 17.500 Euro/jahr verdiene

Falsch ! Die Kleinunternehmerregelung (§ 1 UStG) kann angewandt werden, solange der voraussichtlich Umsatz (nicht Gewinn !) im Jahr unter 17.500 € bleibt.

Nur eine Lohnsteuer Abrechnung jährlich vorlegen

Nein, jeder Gewerbetreibende muss eine Einkommensteuererklärung mit Anlage G und (mindestens) einer Einnahme-Überschuss-Rechnung abgeben.

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