Guten Morgen zum Ostersonntag. Wie oft und gern erinnert ihr euch an eure Schulzeit und welche Momenten und Erlebnisse sind euch gut in Erinnerung geblieben?

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24 Antworten

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Lieber Opi und alle hier!

Meine Schulzeit betrifft mehrere Schulen, dass ich mich weder an Schulkameraden noch an spezielle Ereignisse näher erinnere, da all das durch ein aufregendes Berufsleben komplett überlagert wurde. Meine Mutter, die noch eher in Kontakt in meiner Heimatstadt war, berichtete mir immer mal wieder, wer von meinen Klassenkameraden geheiratet hatte, geschieden wurde und auch schon gestorben war - aber ich war zu weit davon entfernt, innerlich wie äußerlich.

Meine Lieblingsfächer habe ich zu meinem Beruf gemacht, aber fast noch wichtiger finde ich mein Interesse für Allgemeinbildung, das mich heute immer wieder erkennen lässt, was sich hinter einer Fragestellung verbirgt und was zu berücksichtigen auch wichtig ist.

Weniger schöne Erinnerungen betriffen fast ausschließlich Mathe, aber das bezog sich auf die Lehrer und ihre dämlichen Methoden. Später, in einer anderen Schule, folgte der Matheunterricht einem anderen didaktischen Ansatz, da ging es aufwärts.

Euch allen ein frohes Osterfest und liebe Grüße!

Guten Morgen!

Ich (Jahrgang 1990) wurde 1997 eingeschult, wechselte 2001 auf die Realschule und schloss diese 2007 mit der Mittleren Reife ab. Danach schloss sich die Berufsschule im Zuge der Ausbildung an.

Allgemein habe ich meine Schulzeit zweigeteilt erlebt: Es gab sehr gute Zeiten in der Grundschule mit tollen Lehrern, einer super Klassengemeinschaft und vielen schönen Erlebnissen, die mir heute noch gedenken -----> auch unser Treffen 20 Jahre nach der Einschulung war sehr schön, es waren sogar zwei von drei ehemaligen Klassenlehrern dabei :)

"Leider" war ich ein sehr guter Grundschüler ----> das Unheil nahm seinen Lauf, als die 2001 noch verbindliche Grundschul-Empfehlung ausgestellt wurde und mir der Besuch von "Hauptschule oder Realschule oder Gymnasium" empfohlen wurde. Die Lehrer waren der Meinung, ich müsse auf das Gymnasium gehen und haben uns angerufen, ein Lehrer den ich bis dato nett fand hat uns sogar beim Einkaufen auf'm Norma-Parkplatz umlagert und das auf eine Art, die unangenehm war und meinen Opa damals sogar etwas lauter werden ließ. Erinnere mich noch gut... das war so im Mai oder Juni 2001, kurz vor meinem 11. Geburtstag.

Der Kompromiss war ----> der Kleine kommt auf die Realschule, die ist im selben Stadtteil und im selben Schulzentrum, da kann er hinlaufen und muss nicht mit dem Bus fahren. Ich war ein stiller, in sich gekehrter Junge; mein Opa sagte, dass ich zumindest halbwegs im vertrauten Umfeld bleiben solle und auf dem Gymi untergehen würde, erst recht als "Ausländerkind" - ja, so wurde ich oft bezeichnet, das waren noch andere Zeiten.

Dann fing es an: Ich habe die Realschule schon nach wenigen Wochen gehasst, weil ich eine schlimme Klasse sowie eine zwar nette aber teilnahmslose, kurz vor der Rente stehend total machtlos im Raum stehenden Klassenlehrerin hatte und man jeden Tag im Prinzip nur gewartet hat, bis wieder was passiert oder irgendeiner verbal "gehängt" oder in der Sportumkleide oder im Schwimmbad befummelt und bedrängt oder auf dem Nachhauseweg belästigt wird - ja, so war es, und das ist mal eben 20 Jahre her, spielte sich nicht mal in einer "Problemsiedlung" ab: Es waren ausnahmslos Kinder "alteingesessener, deutscher, selbstbewusster Familien mit etwas Geld", die durch solche Verhaltensweisen auffielen.

Ich wollte oft nicht zur Schule, war noch introvertierter als sonst, die Hölle war Sport, ich "vergaß" öfter den Sportbeutel zuhause, trödelte auf dem Weg zur Schule permanent rum, reagierte mitunter fast apathisch und traurig, wehrte mich vorallem sonntagabends massiv davor zur Schule zu gehen und hatte Gedanken wie ... ich wäre so gern mein geliebter Großonkel Rudi, weil der als Rentner lässig um 10 Uhr aus dem Bett gehen kann und nicht in die blöde Realschule gehen muss. Meine Noten wurden etwas schlechter - ich war bis dahin ein sehr guter Schüler - und mein Opa wollte sogar zum Kinderpsychologen mit mir gehen, weil er solchen Kummer hatte. Es war ganz schlimm.

Der Schulalltag war damals ein Hürdenlauf, ich habe ihn gehasst. Auch die Lehrer der 5./6. Klasse waren bis auf den Englischlehrer schlimm. Der Englischlehrer war Ü60, eine ehrliche Haut, der schrie auch mal mit den Krawallmachern so richtig rum und es hätte nicht viel gefehlt, dass er ihnen eine Backpfeife verpasst hätte (durfte er halt nicht mehr) - aber so fair war der Mann auch und ich wusste immer: Wenn der Herr XYZ uns unterrichtet, passiert nix und bin ich sicher.

In den Pausen kapselte ich mich ab, hing mit den alten Kumpels auf dem weitläufigen Parkplatz ab und blickte auf die nahe Ausfallstraße. Einmal ca. Ende 2003 muss das gewesen sein, stand auf dem Parkplatz ein Mercedes 230TE (W124), wir hatten die Limousine, in "Barolorot" (so ein Weinrot, sieht schön aus), schon einer nach der ersten Modellpflege 1989, und ich dachte mir ... wenn da jetzt der Schlüssel stecken würde, ich würde einsteigen und nach Frankfurt oder Würzburg fahren,bloß weg von dieser blöden Realschule und ihren blöden Leuten. Udo Lindenberg hören und Gummi geben. Na ja, da war mehr der Wunsch des Gedanken Vater.

Ich war total fertig, konnte nicht einschlafen, ganz schlimm war es in der 6. Klasse so ab Anfang 2003. Oft saß mein Patenonkel, der damals bei uns wohnte, sehr lang abends bei mir und hat echt gewartet, bis ich eingeschlafen war spät in der Nacht. Ich konnte nicht mehr.

Ich ging ungern in den Schwimmuntericht, weil die pubertären 11-12 Jahre alten Jungs in der Sammel-Umkleidekabine grinsend an sich rumfummelten, der Sportlehrer den Drahtzieher als seinen "heiligen Michi" schier verehrte, weil er dessen Vater vom Jedermannsport gut kannte und weggeguckt hat usw. -----> ich war da im Spätherbst 2001 zwei-dreimal dabei in der Kabine und fand es ekelhaft; ein ganz netter, aber etwas dicker Junge wurde begafft in der Erwartung, ein großes Glied zu haben und so gab eines das andere, ich bin dann ausgewichen in eine Einzel-Umkleide.

Man hat damals jeden Tag im Prinzip nur gewartet hat, bis wieder was passiert oder irgendeiner verbal "gehängt" oder in der Sportumkleide oder im Schwimmbad befummelt und bedrängt oder auf dem Nachhauseweg belästigt wird. Vorfälle wegen übler Klospannerei bei den Mädels gab es in unserer Klasse auch - Drahtzieher war "natürlich" der "Liebling des Sportlehrers".

Ab der 7. Klasse wurde es etwas besser, nachdem sich die Klasse verkleinerte und die ekligsten Typen weggingen, und wir einige neue Lehrer inklusive eines tollen Klassenlehrers bekommen, aber gern ging ich auch da nicht wirklich zur Schule. Das Drumherum und das Miteinander mit den anderen Klassen war okay, ich wurde immer mehr der nette Onkel und volkstümliche Ansprechpartner für die Schüler, wenn es was zu organisieren gab und es gab ein nettes Mädchen namens Christina, für das ich schwärmte, die war auch menschlich lieb, ab der 8. Klasse hatte ich dann eine erste Freundin, die neu auf diese Schule kam - aber meine eigene Klasse war nach wie vor miserabel. Das Klima war frostig und missgünstig, die Gräben saßen tief - die Mädels waren Zimtzicken, die Jungs schlimme Angeber; ich hielt mich an andere Klassen, wo ich auch Freunde fand die ich teilweise noch habe.

Ich hatte gute Noten, andere waren oft neidisch auf "den Jugo" und haben Gerüchte gestreut, auch die Eltern von Mitschülern waren involviert und schossen uns ab, wo sie konnten -----> ich revanchierte mich mit Zeugnissen, die jedes Jahr besser wurden. So habe ich zwar 2007 die Mittlere Reife geschafft als einer der Besseren, aber ich habe drei Kreuzzeichen gemacht und bis heute Probleme, wenn ich beruflich bedingt gelegentlich mit der Realschule zu tun habe. Die meisten damaligen Lehrer sind nicht mehr da, es ist trotzdem eine Gratwanderung. In diesem Komplex spielten sich vor 15-18 Jahren so unschöne und tragische Situationen ab, dass es nicht leicht ist.

Probleme gab es weder mit Lehrern noch mit Rektoren oder Mitschülern, sondern mit ELtern der Mitschüler, die sich gern über uns lustig gemacht haben. Da prallten aber auch viele Welten aufeinander: Die meisten meiner Klasse wohnten in einer Art "noblen Siedlung auf dem Berg" in Neubauhäusern, die Eltern kannten sich untereinander, es gab eine Art Wettrüsten wer dem mondänsten Urlaub gebucht hat oder den fettesten Kombi/Van fuhr, wer die Kinder am modischsten ausgestattet hat oder wer den größten Kindergeburtstag ausrichtete. Ich wuchs in der Platte auf, wir hatten unseren Mercedes W124 noch bis 2012 sogar, wir gingen weder geschlossen in den Gottesdienst noch jeden Sonntag aufs Land raus zum Essen, Urlaub fand meistens in den Alpen statt und bestand aus einer vom Opa gebuchten Busreise über einige Tage, dennoch fehlte es mir an nichts ... nur fanden es die Eltern der anderen irgendwie lächerlich und dass ich als jugoslawischstämmiger Junge auf die Realschule ging und dort bessere Noten als der "selbstbewusste" Nachwuchs dieser Familien schrieb, war für die so eine Art persönliche Kränkung. Denn das war noch eine Zeit, wo man als "Ausländerkind" gesellschaftlich für die Hauptschule vorbestimmt war ----> wenn es dazu überhaupt reichte. Erst als ein Lehrer in der 8. Klasse an einem Elternabend ein Machtwort sprach und manche Mütter weinend das Zimmer verließen, war Ruhe ... die mochten uns noch immer nicht, aber sie ließen uns in Frieden.

Meine Noten waren gleichmäßig gut, nur Chemie hat mir keinen Spaß gemacht und aus Religion bin ich ausgetreten, nachdem das Fach zu einer Art Tratschrunde verkommen ist, wo die eigene Meinung bewertet wurde - davon habe ich mich distanziert, das hatte für mich nix mit einem fairen Unterricht zu tun, wo man dann auch noch was gelernt hätte. Chemie wurde von einer Frau unterrichtet, die Witze über meine Herkunft machte, bis ich in der 9. Klasse während der Stunde aufstand und ziemlich laut sagte, dass nicht jeder Osteuropäer primitiv ist und jeder vor seiner eigenen Haustür kehren sollte. Auf einmal war sie still. Benachteiligt wurde ich sonst nicht - es denkt mir zumindest nicht. Es gab dafür in der 9. Klasse eine ganz liebe junge Praktikantin oder Referendarin, die super nett war und mit der ich auch außerhalb des Unterrichts Gespräche führen konnte - teilweise sehr persönlich, es war einfach nett und das Menschliche hat gepasst.

Ich war ein ruhiger Schüler, der nur wenig redete und den die meisten Lehrer wahrscheinlich vergessen haben. In der Abschlusszeitung stand sinngemäß über mich nach sechs Jahren Realschule ich wäre zuverlässig und ein netter Typ aber man hat mich eigentlich nie wirklich kennengelernt^^ ich legte keinen Wert drauf. War mit allen gut bzw. nicht verfeindet, aber die Gräben waren zu tief und diese Leute nicht meine Wellenlänge. Ich verbrachte meine Freizeit immer mit meinen alten Kumpels aus der Siedlung, die heute noch meine Kumpels sind.

Im Großen und Ganzen war meine Schulzeit okay - ich hege keinen Groll, aber ich habe aus der Realschulzeit zu niemandem mehr Kontakt und will das auch nicht. In der Berufsschule lief das ganz anders, da habe ich noch zahlreiche Kontakte und wir treffen uns alle paar Wochen mal, die meisten wohnen hier noch.

Noch ein paar Erinnerungen:

Es gab eine Verordnung vom Sommer 2006 (das war dieser ganz heiße WM-Sommer), wo der Rektor und mein damaliger Klassenlehrer Hotpants, bauchfreie Oberteile und Ähnliches verbieten ließen. Pubertierenden Jungs, die sonst sogar beim Anblick einer jungen, durchaus hübschen Bio-Lehrerin im kurzen Jeansrock regelrecht ins Rotieren gerieten, hat diese Regelung nicht schlecht getan.

Thema Jungs: Der Sexualkunde-Unterricht musste abgebrochen werden, weil exakt diese Jungs im Zimmer an sich rumfummelten und einer vor den Mädels onanierte -----> da war Polen offen.

Klassenausflüge und Wandertage waren meistens nett, außer der in der 5. Klasse (Sommer 2002) - das war ein stupides Herumlaufen und Zeitschinden mit einer lustlosen älteren Lehrerin, die ziellos ohne zu wissen wo man ist mit uns rund um die Gelände der Amerikanischen Streitkräfte und einen dortigen Wald wanderte, wobei man sich mehrfach übel verfranzte, bis sie uns um 12.05h ENDLICH gehen lassen durfte.

Seit dem siebten Schuljahr (2003/04) gab es eine Winterwanderung unter "erlebnispädagogischen Absichten" am letzten Tag vor den Faschingsferien als kostenloses Äquivalent zum Skiwochenende/Schlittschuhlaufen. Das war jedes Jahr nett, da wir eine homogene kleine Gruppe mit Leuten aller Jahrgänge waren^^ die letzten Jahre ab ca. 8. Klasse war ich dort der "Bürgermeister", weil ich mich in der Region am besten auskannte. Dabei war ein sehr lieber Lehrer, der sich echt Mühe gab und uns Pflanzen, winterruhende Tiere, die Vegetation und die geologische Beschaffenheit der Gegend erklärt hat. Habe mich jedes Jahr drauf gefreut und immer Fotos gemacht, danach ging's in die Faschingsferien :)

Aber meine Schulzeit hatte wie gesagt auch Schattenseiten und gerade die machten mich härter: Wahrscheinlich auch wegen der Realschulzeit lebe ich heute besonders intensiv und mache nur noch, was ich für richtig halte - nicht, was andere für richtig halten. Selbst wenn es um den Erwerb von Gegenständen geht, bin ich meiner Ansicht und nicht der, die andere mir "injizieren" möchten (Stichwort Mercedes E-Klasse und sonstiger Quatsch, den ich nicht brauche).

Die Eltern der ehemaligen Mitschüler zucken heute immer so komisch, wenn sie mich sehen und sind immer total unterwürfig, wenn sie beruflich was von mir brauchen und anrufen - ich könnte auch unfreundlich sein, aber das wäre nicht der Sinn der Sache, trotz allem was war.

Musikalisch habe ich "Remember Me" von Cliff Richard. Ein Sänger, den ich so in der 6./7. Klasse kennen und schätzen lernte - ein Sänger meines Lebens, wenn man das so sagen kann. Ich weiß nicht, wie oft ich abends im Bett Cliff Richard hörte und träumte, die Realschule endlich hinter mir lassen zu können... war heute vielleicht ungewöhnlich melancholisch, aber okay. Viele Ostergrüße!

https://www.youtube.com/watch?v=-6vaQTW8n1o

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung

Die Realschule war aus meiner Sicht bis heute die falsche Entscheidung - auch als ich dann gern ging, gab es ständig Terz und Stress; es war halt noch die Zeit, wo man als "Ausländerkind" auf der Realschule ungern gesehen wurde - und die Eltern der "Krachmacherkinder" waren ganz übel, intrigierten sogar untereinander, streuten Gerüchte, das volle Programm.

Es gab zeitweilig auch eine Art Elternstammtisch, der aber eine Tratschrunde und Lästerrunde über diejenigen war, die nicht da gewesen sind. Da muss man sich schon an den Kopf langen... bei aller Liebe!

Ich wurde nicht gemobbt, war sogar unter den meisten Mitschülern relativ geachtet, weil ich beim Streitschlichten immer eingesetzt wurde und eine Art "Heiner Geißler Rolle" ausübte - die wussten, wenn sie gegen mich gehen, hilft ihnen keiner mehr gerade im Dialog zwischen Schüler und Lehrer. Das war auch so die Zeit, wo mir Lehrer sagten, ich sei nur optisch ein Jugendlicher, aber menschlich eher ein "vernünftiger Mann Ende 50" und es viel Lob gab, wenn ich vermittelte oder was organisierte, Betriebsbesichtigungen und Co., es war nicht alles schlecht.

Es ist heute für mich fast eine Genugtuung, wenn die Eltern der früheren Mitschüler heute zu mir in die Firma kommen und was von MIR, dem damals so lächerlichen Jugoslawen, dessen Familie angeblich krumme Geschäfte mit Albanern abwickelt (das war so ein Gerücht aus dieser Elternecke gegen uns; eins von vielen, heute lacht man drüber, damals war es übel), wollen, weil ich derjenige bin der für ihre Anliegen/ihren Stadtteil zuständig ist. Aber es ist auch für mich jedes Mal sehr schwierig: Ich könnte da auch sehr harsch reagieren, aber das verkneife ich mir dann doch - ich habe einen Hang nachtragend zu sein und Dinge sehr, sehr langsam zu vergessen, aber ich muss das nicht raushängen und schon gar nicht 15-20 Jahre später.

Aktuell gibt es eine ehemalige Mitschülerin, die mit mir mailt wegen Terminen (Zeitungsverlag) und mich eigentlich für die Berichterstattung einladen möchte - die wollte sogar meine Handy-Nummer und meine Privatadresse haben, damit sie mich anrufen kann, mir die Einladung heim schickt und Ähnliches. Normalerweise habe ich wegen der Adresse nicht viel dagegen, aber bei ihr habe ich einen Riegel vorgeschoben und ihr gesagt ------> nö, schick's mir bitte zeitig ins Verlagshaus an meinen Schreibtisch, da krieg' ich das dann sogar morgens und nicht erst abends zuhause. Angenehmeren Leuten sage ich dann ... kannst mir das Ding ja abends, wenn die Zeit hat, rasch daheim vorbei bringen, Kaffee kriegst auch von mir, oder Kuchen, was halt da ist. Aber diese Person halte ich mir kurz und, ehrlich gesagt, hat es mir verdammt gut getan, ihr jetzt mal zu sagen, was ich denke - zur Schulzeit war ich für sie immer der blöde Ausländer mit seinem "Fruit Of The Loom"-Einheits-Sweater zu schwarzer Vögele-Hose und der Aldi-Uhr für sieben Euro, den sie sogar beim Ausfüllen von Formularen zur Gottesdienst-Teilnahme bevormunden konnte und sie war das gewandte gut gekleidete Mädchen vom ehemaligen Bauernhof, der jetzt ein Hotel wurde. Und ganz genau das weiß sie, weil sie meinen normalerweise sehr herzlichen und persönlichen Umgang mit angenehmeren Kunden kennt.

Aber es gibt immer wieder Situationen, wo ich dann wie hier aufbegehre: Eine Mutter, die besonders gern intrigierte, habe ich im Sommer mit meinem Opel Omega "behindert" indem ich bewusst halb auf dem Gehsteig parkte und sie über die Straße gehen musste, weil da mein fetter Omega stand... ich weiß, es ist Kinderquatsch, so etwas zu machen, aber da konnte ich nicht anders und es war auch echt eine Genugtuung, als sie dann ganz blöd rüber zu mir linste, als ich mit einer netten Dame - einer hier sehr angesehenen Frau, mit der ich ehrlich und gut befreundet bin - vor deren Haus stand und locker plauderte. Da bin ich zu sehr der emotionale Osteuropäer, den so etwas jahrelang in seiner Ehre kränkt. Und auch diese Frau, die ich behindert habe, weiß ganz genau, wie diese lustige Geste mit dem Omega gemeint war.

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@OpiPaschulke

Ist für mich noch heute ein sensibles Thema, aber es ist oft genug eine Art Genugtuung, wenn man sieht, was aus mir wurde und aus denen, die damals cool wirken wollten und beim Klassentreffen die waren, die irgendwie nix zustande brachten...

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@OpiPaschulke

Es gab an unserer Schule eine ältere Lehrerin, die bekennende Schönstatt-Ordensschwester war. Sie war auf meine Familie schlecht zu sprechen, hatte bereits meine Onkels unterrichtet, so legte sie auch mir in der 5. Klasse - danach ging sie in Rente - zahlreiche Steine in den Weg und versuchte einmal ernsthaft was in die Wege zu leiten, dass der Rektor gegen mich vorgeht (was er aber nicht tat; der war mit dieser Frau auch nicht immer d'accord). Der Grund war nichtig, ich hatte beim Reinigungsdienst ein Plakat in unserem Klassenzimmer entfernt, das ihrer Meinung nach hätte dort hängen müssen. Die Frau witterte die Gelegenheit abrechnen zu können. Dann ritt sie immer wieder auf meiner Herkunft herum und lästerte vor der Klasse über meine Onkels ab, lächelte bitter dazu, sprach vor uns Kindern von "Gottes Strafe, die jeden ereilt" und sprach vor der nächsten Stunde wieder mit geschlossenen Augen ein Gebet.

Danach hat sie wie immer alle Mädchen fertig gemacht und meist endeten die Stunden damit, dass von den Mädchen einige weinten und ich zuhause meinem Opa erzählte, was dieses Mal wieder gelaufen war. Diese Frau war bigott, würde ich noch heute sagen.

Rund 10 Jahre später traf ich die Frau, inzwischen Ende 70 und in Ordenstracht gekleidet, wieder. Das war bei einem Jubiläums-Schulfest, zu dem sie extra hunderte von Kilometern angereist war, um ihre ehemalige langjährige Wirkungsstätte zu besuchen. Sie lebte mittlerweile im Kloster und hatte ihren bürgerlichen Namen gegen den Ordensnamen eingetauscht. Ich fragte sie höflich, ob sie noch wisse, wer ich bin. Sie überlegte kurz, kannte mich nicht mehr und ich gab mich zu erkennen. "Ach, der kleinste ... (Nachname)", sagte sie und fragte mich nach Beruf usw., ich erklärte ihr ganz neutral meinen Werdegang und sah schon, wie ihr die Kinnlade runterging. Dann fing sie zu reden an, ließ was Blödes über einen meiner Onkels los ("na ja, bei DER Familie wundert mich dein Weg") sagte sie und grinste säuerlich; sie hatte im Ganzen die gleiche unfreundliche und süffisante Art an sich wie damals. Am Ende fügte ich hinzu, dass ich das alles trotz ihrer Anfeindungen und Diffamierungen von damals sowie die Plakatgeschichte vom Winter 2001/02 geschafft habe, und dass auch aus den kleinen weinenden Mädels von damals was geworden ist, fragte ob sie die noch kennt. Sie sagte nichts mehr, sah mich nur an und ich wünschte ihr einen schönen Tag. Einige Minuten später sah ich, wie sie in ihrer Ordenstracht etwas abseits saß und bitterlich weinte.

Ich glaube bis heute, ich war es, der diese Frau zum Weinen gebracht hat. Da fühlte ich mich schon seltsam und etwas schuldig, fragte mich ob ich mir die Äußerungen hätte verkneifen können, zumal ich Christ bin, in einer Kolpinggruppe tätig bin, als Jugendlicher katholische Jugendarbeit gemacht habe und eigentlich großen Respekt vor der Kirche habe, auch einige Würdenträger, die ich ganz liebe Freunde nennen darf.

Es tat mir auch leid, dass ich eine alte Dame zum Weinen brachte - andererseits aber war sie auch bei diesem Wiedersehen so ekelhaft zu mir, dass ich schon nach wenigen neutralen Sätzen an die unschönen Sachen von damals erinnert wurde.

Andererseits weiß ich, dass man den manchmal in seiner Ehre gekränkten Osteuropäer, der manches zu persönlich nimmt nicht aus mir rauskriegt. Es ist manchmal schon nicht einfach.

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Frohe Ostern und einen wunderschönen guten Morgen Opi, auch an alle anderen in der Runde hier und vielen Dank für diese Frage.

Ich glaube, dass es so eine oder so eine ähnliche Frage schon mal gab. Leider kann ich mich nicht mehr an meine Antwort erinnern. Das macht aber nichts, denn man möchte ja auch nicht immer dasselbe schreiben.

Damals, als ich in der fünften oder sechsten Klasse war, war unser Schulhof eine ziemlich triste Angelegenheit. Es gab weder Sitzgelegenheiten noch Spiel oder Sportgeräte, kein Vergleich zu heute. Unser Klassenlehrer hatte die Idee Sitzbänke zu bauen, schlug uns das vor und in der Klasse wurde beraten, wie wir das bewerkstelligen konnten, ohne dafür Geld zu haben. Ein Junge sagte, dass am Stadtrand neben ihrer Schrebergartenanlage ein Birkenwäldchen war, von dem wir uns Holz holen könnten. Gesagt getan. Der Lehrer kümmerte sich um eine Genehmigung, die wir auch nach etwa eine Woche bekamen.

Also zogen wir, das heißt etwa acht Jungs und der Klassenlehrer an einem Nachmittag mit Handwagen, Säge und Axt los und holten circa 10 Birkenstämmchen mit etwa 10 cm maximalen Durchmesser und etwa 5 m Länge. Die Zeichnungen, wie wir die Bänke bauen würden, waren schon längst fertig und am nächsten Nachmittag ging es ans Werk. Einige Nägel trugen wir dem Hausmeister fort und innerhalb drei Nachmittage hatten wir Jungs mit noch einigen Mädchen und unseren Klassenlehrer 7 Bänke gefertigt in verschiedenen Ausführungen, die wir auf dem Schulhof verteilten.

Alle Schüler der Schule waren zur nächsten Hofpause begeistert und wir waren sehr Stolz auf unsere Leistung.

Ich wünsche allen noch ein schönes Osterfest und viele schöne Erinnerungen an eurer Schulzeit.

Herzliche Grüße von Lazarius

Lieber Lazarius - das ist eine wunderschöne Geschichte: etwas gemeinsam auf die Beine stellen sowie gemeinsam ausgeheckte Taten ('einige Nägel trugen wir dem Hausmeister fort' - herrlich ausgedrückt!!!) - sowas schmiedet zusammen und bleibt in Erinnerung! und ich denke, da gab es NIE Vandalismus! Danke für diese schöne kleine Geschichte und lieben Gruß!

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@Spielwiesen

Guten Morgen, liebe A.,

vielen Dank für deinen netten Kommentar.

Es ist tatsächlich so, dass es noch mehr Zusammenhalt seit dieser Aktion in der Klasse gab. Ob wohl ich sagen muss, dass wir sowieso immer ein gutes Kollektiv waren, denn Mobbing gab es damals nicht bei uns – in der ganzen Schule nicht. Vandalismus, so wie man das heute kennt, gab es auch nicht. Ich denke, dass die Lehrer heute ihre wahre Freude an uns artigen Schülern hätten.

Ich freue mich, dass meine kleine Episode aus meinem Schulleben, Freud in dir auslösen konnte.

Einen schönen Tag noch und viele liebe herzliche Grüße von Lazarius.

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