Guten Morgen! Habt Ihr eine Erklärung dafür, dass offensichtliche Lügen häufig für plausibel und glaubwürdig gehalten werden?

28 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Guten Morgen ihr Lieben,

also ich muss zugeben, dass ich dieser Theorie nicht so ganz folgen kann.

Eine Lüge zu glauben würde bedeuten, dass ich weiß, dass es eine Lüge ist.

Das kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil- wenn meine Alarmglocken läuten, hake ich nach, hinterfrage und trage so lange selbst Informationen zusammen, bis ich für mich entscheiden kann, ob diese Aussage wahr oder falsch ist.

Es gibt auch Themen, die sich nicht klären ließen. Dann nehme ich die Aussage so hin und äußere mich nicht dazu. Das bleibt so, bis ich diese Aussage entweder bestätigen oder widerlegen kann.

Bisher hat die Vorgehensweise immer gut funktioniert. Lügen bewusst glauben tue ich nicht.

FZ

Danke für deine Antwort. Es war ja keine Theorie, sondern eine Frage, wieso -aus welchen Gründen- manche Menschen lieber einer (ziemlich offensichtlichen) Lüge glauben. Obwohl ich kein Feld genannt hatte, dachte ich u.a. an die Politik - weltweit!

4
@Spielwiesen

Die Politik kam mir auch in den Sinn. Politische Aussagen hinterfrage ich alle, recherchiere dann, frage ggf die Gegenseite, lese usw. und entscheide dann, ob diese Aussage so glaubhaft ist oder nicht.

Eine falsche Aussage glaube ich nicht.

6
@Fragezeichen235

Sehr gut - genauso muss man in einer Demokratie vorgehen: unterschiedliche Quellen auswerten, Fazit ziehen, entscheiden. Mühsam, aber das ist unsere Freiheit nun mal wert! Nur manchmal - und darauf zielte meine Frage ab - wird nicht gleich klar, dass etwas eine Lüge ist.....

3
@Spielwiesen

Genau so sehe ich das auch. Bevor ich etwas ablehne/ verurteile muss ich wissen, WAS ich ablehne und warum. Das ist ein Grund dafür, dass ich ALLE Parteiprogramme gelesen habe.

Aus demselben Grund habe ich die Akupunktur- Ausbildung begonnen: Ich wollte wissen, worüber ich lache und nur den ersten Kurs dafür belegen. Der Zufall wollte es, dass ich schlimme Rückenschmerzen hatte und nicht sitzen konnte. Solange ich genadelt war, war ich fast schmerzfrei. Deshalb habe ich auch ein Akupunktur- Diplom...😊 und lache nicht mehr darüber.

Bis heute konnte ich für mich keine Nachweise finden, ob Homosexualität angeboren ist oder nicht. Als braves Mädchen aus religiösem Haus sollte ich Stellung beziehen. Kann ich nicht. Ich genieße die Freundschaften zu homosexuellen Menschen genau so wie die zu Heteros. Mir ist die sexuelle Lebensweise egal. Wer meint, urteilen zu müssen, soll das tun. Für mich ist der Mensch wichtig. Solange es aber noch nicht klar ist, wie negativ oder positiv es sich auf ein Kind auswirkt, wenn es zu homosexuellen Eltern kommt, lehne ich das ab. Auch hierzu konnte ich noch nicht genug Infos finden, habe aber den fürchterlichen Start eines Babies zweier Mütter erleben müssen, deren eine Mutter absolut nichts mit dem Kind verbindet, denn sie hat es weder gezeugt noch geboren. Dieses Kind ist zu Anfang des Lebens schon psych. gestört. Ein Argument mehr, dies abzulehnen. Andere Menschen sehen das anders.

4

Ist sehr oft der beste Weg, nur verhindern die Emotionen das oft.

Servus, Fred wünscht dir einen sehr schönen Spätnachmittag und grüßt dich herzlich aus Wien

5
@Fredlowsky

Oft kann man die Sache und die Emotionen trennen. Das hilft, objektive Entscheidungen zu treffen.

Es ist komisch, wenn man eine Zeitung kauft, die der mainstream als rechts bezeichnet. Ich hab‘s trotzdem getan und hab sie sogar gelesen. Jetzt weiß ich, warum ich mir nie ein weiteres Exemplar kaufen werde.

3
@Fredlowsky

In der Politik funktioniert die Trennung von Sach- und Beziehungsebene leider nicht. Darum haben wir ein gespaltenes Land. Unsere Politiker meinen, dass jeder Bürger, der sich kritisch äußert (z.B zu Asylfragen oder zu ökologischen Themen-sachlich), hasst (emotional). Solange das so bleibt, wird es keine gemeinsame Lösung geben. Der eine wird seine Macht ausspielen und der andere fühlt sich übergangen, unverstanden und bevormundet.

3

Hallo!

Kann es daran liegen, dass Menschen gern ihrer Wunschvorstellung folgen und lieber einer Lüge glauben, als eine (für sie) unangenehme Wahrheit zu akzeptieren?

Sicher, ich bin oft genug auch so ein "Verdränger" - ich glaube zwar keine Lügen, rede mir die Wahrheit mitunter aber etwas schöner als sie ist.

Aber es gibt da noch viel mehr - zum Beispiel gute Rhethorik, durch die man fast alles glaubhaft verbringen kann - zum Beispiel in Politik, Forschung und Technik, aber auch im realen Leben. Verschwörungstheorien etwa leben zum Teil auch nur durch gute Rhethorik derer, die sie publizieren und appellieren an Leute, die das blindlings glauben - da muss man noch nicht mal von Naivität reden; in die gleiche Kerbe hauen auch Wunderheiler usw. und wenn man es so will ebenfalls alle möglichen "Glaubensgemeinschaften", der Begriff ist dehnbar.

So gibt's auch Leute, die dermaßen durchdacht und gut sowie unprätentiös und selbstverständlich "lügen", dass sie es schaffen, ewig lang Lügen zu verbreiten, die jeder glaubt ------> ich kannte ernsthaft einen, der über ein Jahrzehnt lang (!) seinem ganzen Umfeld Geschichten über eine Scheinwelt und Leute, die es gar nicht gab oder die lediglich Karikaturen realer Personen und Dinge waren; er erzählte die jedoch so realistisch wirkten, dass selbst Leute mit sehr hohem Bildungsstandard und etliche Akademiker - er hatte viel im Schul- und Bildungswesen zu tun - das bedenkenlos glaubten. Der Mann war aber ein ganz hartgesottener Bursche, der hatte noch mehr drauf und konnte den Leuten sogar alles verkaufen, das man ihm abnahm. Er hat nix direkt Verfängliches erzählt und lediglich den Leuten Dinge erzählt, die er angeblich macht und das mit Leuten, die er angeblich macht.

Er hat das jahrelang gemacht um sein Privatleben zu schützen, baute sich diese erwähnte Scheinwelt auf, in der sich alles um vollkommen frei erfundene oder ganz entfernt der Realität entlehnte Menschen drehte, mit denen er was noch alles erlebte -------> aber er bemühte sich immer, dass alles glaubwürdig rüberkommt, dass die "Lügen" möglichst alltäglich klingen und niemand Verdacht schöpft.

Das ging soweit, dass er abends vorher zuhause plante, was er die nächsten Tage im Job alles loslässt, wenn ihn einer fragt. Irgendwann war er überzeugt davon, dass es diese Menschen auch wirklich gibt und er hat jahrelang seinem Umfeld sonst was vorgespielt, bis es durch einen Zufall rausgekommen ist. Allerdings habe er selbst nie das alles geglaubt, Realität von Lügen getrennt.

Für irgendwelche erfundenen Leute, von denen er ständig berichtete und mit denen er angeblich unterwegs war, erfand er sogar komplette, absolut glaubwürdig wirkende Lebensläufe und kreierte mindestens ein Familienwappen (!) -------> kurzum, er hat gelogen, dass sich die Balken gebogen haben. Er kam dabei aber immer so ehrlich rüber, der nette Mann vom Land, der höfliche Typ aus der kleinen Siedlung, der gute Nachbar, der dir immer hilft; harmlos mit Brille und Streifenhemd, dem musste man das doch glauben.

Es kommt insofern immer drauf an, wie jemand lügt und was er erzählt. Irrwitzige Geschichten glaubt niemand oder er hat eines Tages Zweifel, "bürgerliche" Sachen in denen sich jeder irgendwie wiederfinden kann jedoch haben das Zeug, dass sie geglaubt werden.

Hoffnung ist sicherlich auch mit dabei - dieser Mann hoffte etwa, dass niemand sein Privatleben entdeckt, das ihm heilig war und dass niemand seine Familie stört oder belästigt. Ich weiß, ich kenne/kannte "komische" Leute, aber andererseits reift man gerade an solchen Begegnungen und Erfahrungen.

Musikalisch habe ich heute "I'm Not Scared" von Eighth Wonder ausgewählt - ich habe keine Angst und niemand muss Angst haben - wir denken immer zuversichtlich und ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

https://www.youtube.com/watch?v=J-PYqUHfTMA

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung

Danke für deinen Beitrag. Ist denn durch die 'Geschichten' dieses Mannes im gestreiften Hemd irgendjemand zu Schaden gekommen? Wollte er etwas Materielles von den Leuten? Oder so herum: worin bestand sein Gewinn, dass er diese Stories erzählt hat? (eine Glaubensangelegenheit?) Schönen Gruß und danke fürs Kompliment!

7
@Spielwiesen

Gerne.

Das weiß ich nicht, da ich keinen Kontakt mehr habe und noch nicht mal weiß, ob der noch lebt; eines Tages war er nicht mehr hier - ich denke mal, die Leute fühlten sich total verkohlt und veralbert, menschlich hintergangen und vorgeführt. Hätte er mich so dreist belogen und das vorsätzlich mehr als 10 Jahre, würde ich zumindest in etwa so etwas denken.

Er hat nie Geld gewollt oder sonst was, der hatte nur immer gelogen, wo er konnte - nachdem was ich so von ihm kennen lernte, ging es ihm nur darum "mithalten" zu können oder besser zu sein, weil sein wahres Leben ziemlich mies gewesen sein muss.

Obwohl ich mit ihm nur wenig Kontakt hatte, passte alles zusammen; selbst in der Zeit, wo er nur gelogen hat. Ich habe die Lügen zwar alle zu meiner Schande gestehend geglaubt, aber als ich die Wahrheit kennen lernte, passte einiges auch aus der Vorgeschichte zusammen. Da war alles nur Fassade, sein Privatleben war keine Erfolgsstory und das Gegenteil von dem, was er erzählte; er war einsam, schwach, wurde von der Familie seit seiner Jugendzeit belächelt und lebte in zwei Zimmern voller alter Möbel in einem hässlichen Block. Er hat mir eigentlich leid getan.

Es gab meines Wissens nach zumindest eine Person, die ihm verziehen hat - eine frühere Lehrerin von mir, die er über zehn Jahre lang auf diese Weise angelogen hat. Sie sagte mir das mal, als wir vor ca. zwei Jahren im Gespräch auf den Mann kamen und rätselten, was aus ihm wurde. Aber die Frau hat ein ganz großes Herz und war psychologisch geschult, die hat wahrscheinlich am Ende gewusst, wie schlecht es ihm gewesen sein muss. Sie half auch mir, als ich als "der Ausländer" angefeindet und beschimpft wurde, vor 15 Jahren sehr.

5
@rotesand

Schade, und ich kann mir immer noch nichts unter den Geschichten des Mannes vorstellen. Also mit Religion hatte es nichts zu tun, geschädigt hat er wohl auch niemanden - tja, na dann muss er aber wenigstens ein paar FUnken Charisma gehabt haben und den Leuten etwas vermittelt haben, das sie gern glauben wollten. Na lass mal - ich hätte genauer fragen sollen. LG

4
@Spielwiesen

Er hat letztlich gelogen über alles Mögliche - Beispiele waren typische Alltagslügen: Er war angeblich mit Freunden Eis essen, half beim Hausputz mit oder war beim Fußballplatz als Zuschauer, oder er war bei einer Sportveranstaltung, beim Rotkreuzfest, wo auch immer ... das waren totale Alltagsgeschichten, die so normal waren, dass man die einfach glauben musste - er hat es wahrscheinlich total nötig gehabt, vielleicht auch um sich sein Leben schön zu reden. Er wirkte auch so "normal", so durchschnittlich, so bieder - als ob er das wirklich erlebt hat; er erzählte keine unglaubwürdigen Dinge und war rhethorisch gut.

3

Danke für den sehr ausführlichen und interessanten Beitrag....lb Gruss Angel

7
@Angel1112

Gerne. Ich berichte hier so, wie ich von Mensch zu Mensch reden würde - da fehlt nur noch eine Apfelschorle. Aber ich mach' es bewusst so ehrlich; bei mir kriegt man das, was man sieht, hört und liest. Viele Grüße!

4
@rotesand

Wenn mal alle Menschen so wären wie Du,wäre diese Welt um einiges Erträglicher ...bei Dir spürt man,das alles der Wahrheit entspricht,-ich bin genauso

Hab ein erholsames Wochenende...

4

Servus, Fred wünscht dir einen sehr schönen Spätnachmittag und grüßt dich herzlich aus Wien

5
@Fredlowsky

Danke Fred, dir auch viele Grüße und einen schönen Sonntag!

3

Es ist ein bekanntes psychologisches Phänomen, dass man dazu neigt, sehr leicht Dinge zu glauben, welch die eigenen Vorstellungen und Wünsche bestätigen, und est eine hohe Widerstandsschwelle überwinden muss, um etwas zu glauben, dass den persönlichen Vorstellungen und Wünschen widerspricht. Bei Dingen, die einen persönlich nicht tangieren, fällt es sehr viel leichter, objektiv zu sein als bei Sachverhalten, bei denen man sich in irgend einer Weise betroffen fühlt.

Heute leben wir wie zu keinem Zeitpunkt der Geschichte zuvor in einem multimedialen Kommunikationszeitalter mit einem relativ hohen Maß an Meinungsfreiheit. So kann jeder jede Meinung vertreten die er will, von der Klimaverschwörung bis zu flachen Erde, und jeder kann sich quasi aussuchen, was ihm am besten gefällt, und daran glauben. Selbst die selbst ernannte Skeptikerszene, die sich auf die Fahne geschrieben hat mit Vernunft und empirischer Wissenschaft gegen diese Entwicklungen vorzugehen, verfolgt ihre Leitlinien wie dogmatische Glaubenssätze, und nicht wirklich wie Wahrheitssuchende.

Selbst der amerikanische Präsident erzählt seinen Anhängern was ihm am besten in den Kram passt, und wer auf Unstimmigkeiten hinweist, verbreitet "Fake News". Wenn irgend jemand den Begriff "Fake News" benutzt, sollten alle Alarmglocken schrillen.

Ich bin optimistisch, dass sich irgendwann aus den neuen Bedingungen des Kommunikationszeitalters etwas in der Gesellschaft entwickelt, dass der Verbreitung und Verinnerlichung falscher Informationen effektiv entgegenwirkt. Doch noch ist es offensichtlich nicht so weit.

An die Beispiele, die du zitierst, hatte ich bei der Frage auch gedacht: da gehts nur um Taktik, wenn etwas positiv dargestellt wird! Danke und Gruß!

7

In der Politik wird zu 99,9 Prozent mit erfolg gelogen, Folgen waren fast immer nur Erfolg. Moralische Fragen sind da immer chancenlos.

Servus, Fred wünscht dir einen sehr schönen Spätnachmittag und grüßt dich herzlich aus Wien

3

Was möchtest Du wissen?